Krank durch Staub?

Report
INSTITUT UND POLIKLINIK FÜR
ARBEITS-, SOZIAL- UND UMWELTMEDIZIN
DIR.: PROF. DR. MED. DENNIS NOWAK
Krank durch Staub?
Asbestose, Silikose, Berufskrebs,...
Prof. Dr. med. Dennis Nowak
SS 2012
Lernziele
Die Studierenden sollen nach der Vorlesung in der Lage
sein,
– bei den Krebserkrankungen, bei welchen
arbeitsmedizinische Risikofaktoren eine besondere Rolle
spielen, eine qualifizierte Arbeitsanamnese zu erheben.
– die wesentlichen Auslöser für Krebserkrankungen
verschiedener Organe zu benennen: Lunge, harnableitendes System, Haut, Nase, Blut und lymphatisches
System, Leber.
– staubbedingte Lungenerkrankungen zu erkennen und zu
beurteilen.
Beruflich verursachte Krebserkrankungen 1978
bis 2000 nach den betroffenen Organen (1)
Organ
Zahl der Fälle Anteil v. H.
Bronchien
10877
53,9
Pleura
6629
32,9
Harnorgane
967
4,8
Nase
426
2,1
Blut
404
2,0
Hauptsächlich verursachende Stoffe in der Rangfolge nach
ihrer Häufigkeit
Rang 1
Rang 2
Rang 3
Asbest (6985)
Ionisierende
„Silikotische Schwiele“
Strahlen (2921)
(309)
Asbest (6626)
Ionisierende
PAK (1)
Strahlen (1)
Aromatische
Halogenierte
Amine (948)
Alkyl-Aryl-Oxide
(13)
EichenChrom (4)
Nickel (2)
/Buchenholzstaub (415)
Benzol (387)
Ionisierende
Strahlen (13)
Beruflich verursachte Krebserkrankungen 1978
bis 2000 nach den betroffenen Organen (2)
Organ
Zahl der
Fälle
Anteil v. H.
Kehlkopf 299
Bauchfell 232
Haut
197
1,5
1,2
1,0
Leber
47
0,2
Niere
29
0,1
übrige
66
insgesamt 20173
0,3
100,0
Hauptsächlich verursachende Stoffe in der Rangfolge nach ihrer
Häufigkeit
Rang 1
Rang 2
Rang 3
Asbest (229)
PAK (26)
Nickel (8)
Asbest (232)
Peche, Teere, Teeröl in Ionisierende
TCDD (4)
Bitumen, PAK (166)
Strahlen (19)
Vinylchlorid (35)
Übrige Halogenkohlenwasserstoffe (11)
HalogenkohlenHalogenierte Alkyl-,
wasserstoffe (22)
Aryl-, Alkylaryloxide
(2)
DFG: Kanzerogen-Kategorien (2004)
K1
Erzeugt beim Menschen Krebs (n=27)
K2
Als krebserzeugend für den Menschen anzusehen
K3
Anlass zur Besorgnis, Einstufung vorläufig
K3 A Voraussetzungen für K4 oder 5, aber MAK-/BAT
nicht ableitbar
K3 B MAK-/BAT ableitbar, wenn nicht genotoxisch
K4
Nicht-genotoxische Kanzerogene
K5
Kanzerogene mit arbeitsplatzbezogen nicht nennenswertem Beitrag zum Krebsrisiko des Menschen
Reihung der 10 weltweit häufigsten zum Tode
führenden Erkrankungen
(1990, Schätzungen 2020)
1990
1. Herzkranzgefäßerkrankung
2. Schlaganfall
3. Lungenentzündung
4. Durchfallerkrankung
5. Säuglingssterblichkeit
6. COPD
7. Tuberkulose
8. Masern
9. Verkehrsunfall
10. Lungenkrebs
2020
1. Herzkranzgefäßerkrankung
2. Schlaganfall
3. COPD
4. Lungenentzündung
5. Lungenkrebs
6. Verkehrsunfall
7. Tuberkulose
8. Magenkrebs
9. HIV / AIDS
10. Selbstmord
nach Murray, C., und A. Lopez, Lancet 349 (1997) 1269
Pulmonale Karzinogene (K1 und BK)
Asbest
„Silikotisches
Narbenkarzinom“
Ionisierende Strahlung
Arsenverbindungen
Dichlordimethylether
Zinkchromat
Dichlordiethylsulfid
(LOST)
Nickel, -verbindungen
Pyrolyseprodukte am
organ. Material
Prävention
(MAKKategorie)
K1
-
K1
K1
K1
K1
K1
K1
Kompensation
(BK-Liste)
BK 4104.4105
bisher BK 4101
BK 2402
BK 1108
BK 1310
BK 1103
BK 1311
BK 4109
BK 4110
(Kokereirohgase)
Pulmonale Karzinogene (nicht K1 und BK)
Passivrauchen am
Arbeitsplatz
Siliziumdioxid, kristallin
Polyzyklische aromatische
Kohlenwasserstoffe
(Lunge)
Dieselmotoremissionen
Beryllium*, - verbindungen
Schwefelsäure (Larynx)
* IARC-Kategorie 1
Prävention
Kompensation
(MAK-Kategorie) (BK-Liste)
K1
noch K1
K1
BK 4112 kommt
„100 B(a)P-Jahre“
K2
K2
K4
noch Theoret. BK 1110
noch -
Krebskrankheiten durch Asbest
• Bronchialkarzinom
BK, wenn Asbestose der Lunge oder
asbeststaubbedingte Pleuraveränderungen
oder 25 Faserjahre
• Larynxkarzinom
BK dito
• Pleuramesotheliom
BK auch ohne radiologische Zeichen der
Asbestinhalationsfolge und schon bei sehr
geringer Exposition  stets melden!
Mesotheliom: Prognose
Autor (J.)
Samson (1987)
Ruffie (1989)
Antman (1988)
Spirtas (1988)
Chahinian (1982)
Boutin (1993)
De Pangher Manzini
(1993)
Calavrezos (1988)
Tammilehto (1992)
Curran (1998)
Herndon (1998)
Edwards (2000)
n Patienten
76
118
180
1.475
69
188
80
Mediane ÜLZ (Mon.)
6
9
15
7
7
7-32.7
13
93
98
204
337
142
5-13
9
12.6
3.9-9.8
5.9
Steele, J. P. C., et. al. Sem. Oncol. 29 (2002) 36-40
Asbestverbrauch (1000 t/Jahr)
200
150
Bundesrepublik
DDR
100
50
0
1945
1955
1965
1975
1985
1995
Rösler, J. A., et al., Forschungsbericht Asbest IV (1993) 66
267
205
194
181
154
138
e
272
rig
285
üb
ke
Ba
r
ua
us
st
M
at
as
te
ch
r
in
i
s
M
te
au
n
u.
re
a.
r,
Be
Ti
to
sc
nb
hl
au
er
,M
er
o
La
de
ge
llb
rv
au
M
er
er
e
Zi
w
ta
al
m
l
l
te
ve
m
r,
er
rb
Tr
er
in
an
,D
de
sp
r
ac
or
hd
ta
ec
rb
ke
ei
te
r,
r
G
er
üs
tb
au
er
ek
tri
379
El
r
500
la
te
ur
e
ns
ta
l
ei
te
ss
er
1000
,I
ar
b
ie
he
m
C
ec
hn
er
in
bl
Fe
hl
o
Sc
Zahl der Fälle
Mesotheliom (BK-Dok. 1978-1997):
Gefährdende Tätigkeiten
2500
2000
1972
1500
789
136
0
Entfernung des
Wohnsitzes (hm)
Mesotheliomgruppe
Kontrollgruppe
≤ 10
37
8
45
> 10
11
40
51
n
48
48
96
Bindung von Asbest
• Asbestzement: Asbestanteil 10-15 %
• Spritzasbest:
Asbestanteil 25-40 %
• Erschütterung, Alterung  stoßweise
Abgabe
• 1979 Verwendungsverbot Spritzasbest
• Asbest-Einbau noch bis Ende 1991!
Freisetzung von Asbest
• Umweltproblematik beschränkt sich auf
Altlasten
• Alte BRD: 900 Mio. qm Fläche, davon
300 Mio. unbeschichtet.
• Verwitterung von Asbestzement im
Hochbau verursacht für die alte BRD
eine Gesamtfreisetzung von 400 bis
900 to Asbest pro Jahr und eine
atmosphärische Belastung von 100 to.
Rest geht ins Regenwasser.
Umweltgrenzwert für Asbest?
• Diskutiert wird 500 F/m3.
• Zum Vgl.: TRK Chrysotil: 0,25 x 106/m3
• Freisetzung großer Fasermengen bei
unsachgemäßem Vorgehen.
• UBA: Reinigung verwitterter Platten nur
feucht und durch Fachbetriebe.
Asbest: Risikoquantifizierung
Umwelt (1)
• Wahrscheinlichkeit, nach lebenslangem
Einatmen von 100 kritischen
Asbestfasern pro m3 Atemluft an einem
dadurch bedingten Tumor zu sterben:
- 0,5-2 pro 100.000 (Mesotheliom)
- 0,2-1,6 pro 100.000 (BrCa bei Rauchern)
- 0,02-0,16 pro 100.000 (BrCa bei Nicht-R.)
• Auf 100.000 so Exponierte:
2 Asbestkrebs mehr
Asbest: Risikoquantifizierung
Umwelt (2)
• Unterstellt man gleichförmige
Faserkonzentration von 200 F/m3 in
der Umwelt, resultieren im Bereich
der alten BRD 10-100 Asbest-Tote
durch Umweltexposition
• Aber: Expositionsspitzen?
Heimwerkerei?
Faktoren, die die Ausdehnung des Lungenschadens
nach Staubbelastungen bestimmen
• Physikalische Natur des Staubes
• Chemische Natur des Staubes
• Konzentration des Staubes
• Expositionsdauer
• Vorbestehende Lungenerkrankungen
• Individuelle Disposition
Asbeste
SiO2
Mensch
Tuberkulose
Fibrose
Lungenkrebs
Kehlkopfkrebs
Mesotheliom
GI-Karzinome
+
+
+
+
?
+
+
+
?
?
Tier
Fibrose
Lungenkrebs
Kehlkopfkrebs
Mesotheliom
+
+
+
+
+
+
?
-
Quarz- und Kohlengrubenstaubverursachte Berufskrankheiten
4101 Quarzstaublungenerkrankung (Silikose)
4102 Quarzstaublungenerkrankung in Verbindung mit
aktiver Lungentuberkulose (Siliko-Tuberkulose)
4111 Chronische obstruktive Bronchitis oder Emphysem
von Bergleuten unter Tage im Steinkohlenbergbau
bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen
Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren
[(mg/m3) x Jahre]
4112 Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem
Siliziumdioxid (SiO2) bei nachgewiesener
Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder SilikoTuberkulose)
Asbestverursachte Berufskrankheiten
4103 Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch
Asbeststaub verursachte Erkrankungen der Pleura
4104 Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs
– in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung
(Asbestose)
– in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter
Erkrankung der Pleura oder
– bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen
Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von
mindestens 25 Faserjahren
(25 x 106 [(Fasern/m³) x Jahre])
4105 Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des
Rippenfells, des Bauchfells oder des Pericards
Asbest-
assoziierte
Pleuraerkrankungen
Lernfälle zum Thema „Krank durch Staub?“
Ein Emailleur hat Luftnot (AM*)
Alles zum Thema Staublunge, Arbeitsschutz
und Prävention
(Wird zur Zeit nicht angeboten)
Bergbaukumpel im Erzgebirge (AM*)
Vorsorgeuntersuchungen,
Staub, ionisierende Strahlung, Lärm
Quelle: bfs
Umweltbedingte Mittelohrentzündung (UM*)
Was macht “Staub im Haus” beim Kind,
gute Wiederholung zum Thema
Passivrauchbelastung
* AM = Arbeitsmedizin * UM = Umweltmedizin

similar documents