Ansätze einer funktionalen Sprachreflexion

Report
Ansätze einer ‚funktionalen
Sprachreflexion‘
Fachtagung Deutsch
24.09.2010
Landesinstitut für Lehrerbildung
u. Schulentwicklung
Kristin Bührig
Reflexion: eine gute Bekannte!?
Rahmenplan Deutsch: integrierte
Gesamtschule Sek I: Ziele
„Auf der Sekundarstufe der Gesamtschule fördert der
Deutschunterricht die grundlegenden Fähigkeiten des
Sprechens, Lesen, Schreibens und der Reflexion über
Sprache“ (S.5)
Vertiefung der
Lesekompetenz
„Der Erwerb einer vertieften Lesekompetenz wird im
Unterricht durch Übung und Reflexion intensiv
gefördert.“ (S.6)
„Mit methodisch reflektierter Arbeit am Lesen wird
auch ein fundamentaler Beitrag für alle anderen
Fächer geleistet…“ (ebd.)
Rahmenplan Deutsch: integrierte
Gesamtschule Sek I: Inhalte
Arbeitsbereich Sprachverwendung und
integrative Grammatik
„Die Sprachreflexion unterstützt zugleich
den Erwerb von Deutsch als
Zweitsprache und das Erlernen von
Fremdsprachen; dabei findet ein
wechselseitiges Lernern statt. Die
Schülerinnen und Schüler vertiefen
regelmäßig ihre Vorkenntnisse zu
grammatischen Fachausdrücken nach
dem Prinzip des rückgreifenden
Unterrichts und gewinnen im Gebrauch
eines Fachvokabulars bei
Sprachuntersuchungen Sicherheit.“
(S.11)
Reflexion: Inhalte des Rahmenplans
Rahmenplan Deutsch: integrierte
Gesamtschule Sek I: Inhalte
Arbeitsbereich Sprachverwendung und
integrative Grammatik
„Die Sprachreflexion unterstützt zugleich
den Erwerb von Deutsch als
Zweitsprache und das Erlernen von
Fremdsprachen; dabei findet ein
wechselseitiges Lernern statt. Die
Schülerinnen und Schüler vertiefen
regelmäßig ihre Vorkenntnisse zu
grammatischen Fachausdrücken nach
dem Prinzip des rückgreifenden
Unterrichts und gewinnen im Gebrauch
eines Fachvokabulars bei
Sprachuntersuchungen Sicherheit.“
(S.11)
Rahmenplan Deutsch: integrierte
Gesamtschule Sek I: Ziele
Sprechen und Gespräch
„… fördert der Deutschunterricht die Fähigkeit der
Schülerinnen und Schüler zu einem
situationsangemessenen, partnergerechten und
wirkungsbezogenen kommunikativen Verhalten“ (S.6)
Sprachverwendung und
integrative Grammatik
„… werden die Grundlagen von
Verständigungsprozessen und grammatische
Grundkenntnisse erarbeitet, die sie Schülerinnen und
Schüler dazu befähigen, kommunikative Prozesse zu
untersuchen und sprachliche Regeln und Normen
sicher anzuwenden… (ebd.)
Rahmenplan Deutsch: integrierte
Gesamtschule Sek I: Inhalte
Arbeitsbereich Sprechen
und Gespräch
„Sie erfahren, dass die Sprech- und
Gesprächsfähigkeit sowohl für die Beziehung der
Menschen untereinander als auch für die Teilnahme
am öffentlichen Leben und die Mitgestaltung einer
demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind.“
(S.10)
Arbeitsbereich
Sprachverwendung und
integrative Grammatik
„Der Unterricht zielt darauf ab, die in der Regel
unbewusst befolgten sprachlichen und
kommunikativen Regeln, die überwiegend im
Sprechen aktualisiert werden, bewusst zu machen.“
(S.11)
Rahmenplan Deutsch Sek I - Deutsch als
Zweitsprache in der Regelklasse: Ziele
Einbeziehung der
Herkunftssprachen
„Herkunfts- und Zielsprache können sich im
Entwicklungsprozess positiv beeinflussen. Der
Unterricht fördert daher das aktive zweisprachige
Lernen, indem er die Herkunftssprachen situativ in
Lernprozesse einbezieht.“ (S.2)
Sprachverwendung und
integrative Grammatik
„Der Unterricht sichert die normgerechte
Sprachverwendung von grammatischen Phänomenen.
Dabei berücksichtigen die Lehrkräfte, dass
Schülerinnen und Schüler mit anderer Erstsprache
nicht in jedem Fall auf intuitive und automatisierte
Kenntnisse zurückgreifen können. Sie vermitteln
Regelkenntnisse, die den Schülerinnen und Schülern
ermöglichen, ihre Sprachproduktion selbständig zu
überprüfen und ggfs. zu korrigieren.“ (ebd.)
Verbindliche Inhalte- Rahmenplan Deutsch:
integrierte Gesamtschule Sek I
Arbeitsbereich „Sprachverwendung
und integrative Grammatik“
Jgst 5, 6
Satzarten
Satzglieder
Wortarten
Wortbildung
Wortbedeutung
Satzglieder
mehrteilige
Prädikate
Wortarten
Aktiv/ Passiv
Konjunktiv I/II
Jgst 7,8
Satzarten
Jgst 9, 10
Wiederholung und Vertiefung der in den Jahrgangsstufen 5 bis 8 erarbeiteten
Erkenntnisse über grammatische Strukturen und Einbettung in die Aspekte des Stils
… neue Aufgabenkultur
Elemente gesellschaftlichen Problemlösens
(Ehlich & Rehbein 1986)







13
Probleme stellen sich aus der Sache heraus
ihre Auflösung ist ein zentrales Feld der menschlichen Tätigkeit
die Sache erweist sich als Widerstand gegenüber bestimmten Handlungsinteressen von Aktanten
–
die Sache stellt sich als ein spezifisches, interessendeterminiertes Nicht-Verstehen dar
wesentlich für das Problemlösen ist eine mentale Verarbeitung der Praxis, die es dem Aktanten
ermöglich zielgerichtet in die Praxis einzugreifen
Handlungswiderstand wird in Zielsetzung umgesetzt
zwischen dem gegenwärtigen Zustand und dem zukünftigen Zustand, in dem das Problem als gelöst
angesehen werden kann, gibt es zunächst keine möglichen Handlungslinien
das Problemlösungsverhalten besteht darin, solche Handlungswege, d.h. Lösungswege aufzufinden
–
dies geschieht dadurch, indem bereits vorhandenes Wissen auf die Problemstruktur, d.h. auf die
konkreten Qualitäten des Problemwiderstandes, bezogen wird
–
Problematik wird zerlegt, um bestimmte Teilelemente zu identifizieren und handlungsmäßig
zugänglich zu machen; damit entsteht eine konkrete Negation, d.h. eine Auszeichnung des
Unbekannten als unbekannt
–
bestimmte Praktiken dienen dann dazu, die unbekannten Teile mit unterschiedlichen
Sicherheitsgraden des Erfolgs weiter zu bearbeiten
–
Lösungswege werden in Plänen niedergelegt
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kollektives Problemlösen



14
im kollektiven Problemlösen können einzelne Abschnitte oder Phasen von der Gruppe auf Subgruppen
oder einzelne Aktanten übertragen werden
–
um die Problemlösung voranzutreiben, müssen die Elemente des Problemlösens bei diesen
Aktanten aktiviert werden, vor allem die Zielsetzung; sie müssen das vorhandene Wissen auf die
Problemstruktur orientieren, am Zerlegungsprozess beteiligt sein, die Planbildung (mit) durchführen
und an den Handlungsprozess der Lösungsweg-Findung angeschlossen sein
Standardproblemlösungen sind gesellschaftliche Lösungen für repetitive gesellschaftliche Probleme
–
dabei kann der Lösungsweg selbst zur ‚Form‘ werden, er gewinnt die Qualität einer Standardlösung,
die im kollektiven bzw. gesellschaftlichen Wissen deponiert wird
–
durch diesen Prozess nehmen Problemlösungen die Qualität des Selbstverständlichen an, die
Problemlösung wird in ein ‚Handlungsmuster‘ transponiert
neben der Vermittlung der Standardlösungen gehören auch die Verfahren des Problemlösens selbst und
die Menge der jeweils gesellschaftlich erkannten und benannten Probleme zur Reproduktion des
Problemlösungswissens (Lehr-Lern- und Forschungssituationen)
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Problemlösen und Aufgabe-Stellen/
Aufgabe-Lösen

durch eine Beschleunigung bzw. Akzeleration des
Wissenserwerbs in der Schule muss vom Abarbeiten einzelner
Positionen und Elemente des Problemlösens für den einzelnen
Aktanten abgesehen werden
–
resultiert in einer Dissoziierung des kollektiven Prozesses des
Problemlösens, seine Teile werden systematisch auf verschiedene
Aktanten umgelegt: den Aufgabensteller und den Aufgabenlöser
(Lehrer und Schüler)
Aufgaben-Steller/ Aufgaben-Löser
Aufgabensteller
Aufgabenlöser
Problemkonstellation
+
-
Zielsetzung
+
-
Problemrelevante Zerlegung
+
-
Lösung
+
-
Lösungswege
+
-
Dilemma: Aufgabenlöser soll die Lösung finden
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Ansatzpunkte Rahmenpläne Deutsch
Sek I




positive Beeinflussung L1 und L2-Ln
Bewusstmachung von Intuition und
Kenntnissen, die automatisierter
Verwendung zu Grunde liegen
woher kommen sog. ‚Normen‘ bzw.
‚kommunikative Regeln‘?
Untersuchung kommunikativer Prozesse
‚Language Awareness‘ - Domänen
i.
Affektive Domäne
–
ii.
Soziale Domäne
–
iii.
Durchschauen von Sprache im Hinblick auf die ihr unterliegenden Möglichkeiten der Beeinflussung
und Manipulation anderer
Kognitive Domäne
–
v.
Entwicklung von Verständnis für andere Sprachen, Toleranz für Minoritäten und ihrer Sprachen
Domäne der Macht
–
iv.
Herausbildung von Haltungen, Aufmerksamkeit, Neugier, Interesse und ästhetischem
Einfühlungsvermögen
Entwicklung von Bewusstheit für Muster, Kontraste, Einheiten, Kategorien, Sprachregeln und
Sprachsysteme
Domäne der Performanz
–
Herausbildung der Bewusstheit für die Verarbeitung von Sprache
(James & Garrett 1991)
18
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‚Reflexion‘

Begriff der ‚Reflexion‘ stammt aus der Physik

ab der 2. Hälfte des 17. Jhds. wird er im deutschen
Sprachgebrauch verwendet (unter Einfluss des Englischen und
des Französischen), um mentale, nach Erkenntnis strebende
Tätigkeiten zu bezeichnen, z.B.
–

Begriff erfährt in der Philosophie der Aufklärung und der Klassik
besondere Beachtung
–
19
bedenken, nachsinnen, zurückdenken, (prüfend, vergleichend) betrachten
Hegel (Logik)

dialektische Methode (Reflexion): ‚Bewegung des Begriffs‘

im Einzelfall die Systematik und im Allgemeinen das Besondere erkennen
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„funktional“

Vielzahl von Funktionsbegriffen in der Linguistik
-

20
(vgl. z.B. Hoffmann 1999)
Ansatzpunkt bei Karl Bühler (1934)
–
versteht Sprache als ein Werkzeug der Kommunikation
–
setzt in der Betrachtung einzelner sprachlicher Mittel beim
sprachlichen Handeln zwischen Sprecher und Hörer an
–
Hörer ist aktiv beim Zustandekommen einer
Sprechhandlung beteiligt
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‚Funktionale Sprachreflexion‘
Formseite
sprachlicher
Mittel
Wissen
der
Aktanten
Interaktionsprozess
21
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‚Konfrontation‘
22

Innersprachliche Konfrontation

Konfrontation sprachlichen Handelns in
unterschiedlichen Sprachen

Vergleichsmaßstab für beide Formen der
Konfrontation:
–
Konstellation sprachlichen Handelns und ihre sukzessive
Veränderung durch sprachlich realisierte Handlungsschritte
–
Ansatzpunkt sind keine grammatischen Kategorien,
sondern Ausdrucksbedürfnisse und ihre sprachliche
Umsetzung (Rehbein 1995, 1999, 2002)
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Arbeitsbereich „Sprachverwendung
und integrative Grammatik“
Jgst 5, 6
Satzarten
Satzglieder
Wortarten
Wortbildung
Wortbedeutung
Satzglieder
mehrteilige
Prädikate
Wortarten
Aktiv/ Passiv
Konjunktiv I/II
Jgst 7,8
Satzarten
Jgst 9, 10
Wiederholung und Vertiefung der in den Jahrgangsstufen 5 bis 8 erarbeiteten
Erkenntnisse über grammatische Strukturen und Einbettung in die Aspekte des Stils
Forschung und Lehrpraxis
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„Dolmetschen im Krankenhaus“


25
Dolmetschcorpus
–
deutsch-portugiesische Aufklärungs- und
Anamnesegespräche
–
deutsch-türkische Aufklärungs- und Anamnesegespräche
Monolinguale Vergleichsdaten
–
BRD
–
Portugal
–
Türkei
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B1 (Ausgangssprache Deutsch)
(A) „• Frau Pedeira, was • heute gemacht
werden soll, • • ist eine Darmspiegelung.“
(P/AUF/110797/10)
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Äußerungsbestandteile B1
Anrede
Frau
Pedeira,
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Eingriff
was, •
was
Zeitangabe
heute
Durchführung
des
Eingriffs
gemacht
werden
soll
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Eingriff
• • ist eine
• Darmspiegelung
‚Ankündigen‘

Ankündigungen überbrücken die Zäsur zwischen gegenwärtigem
Sprechzeitpunkt und nachfolgender Handlung

in ‚Ankündigungen‘ orientiert der Sprecher den Hörer über eine
zukünftige Handlung

–
Hörer ist von dieser Handlung betroffen (zukünftige Kooperation mit dem
Sprecher)
–
Sprecher geht davon aus, dass die Handlung mit Sicherheit eintreten wird
–
Hörer weiß noch nicht, dass diese Handlung bevorsteht
in institutioneller Kommunikation stellen ‚Ankündigungen‘ den Ort für
die Herstellung von Gemeinsamkeit her
(Rehbein 1978)
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konstitutive Bestandteile des
‚Ankündigens‘
i.
ii.
iii.
iv.
v.
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Bezugnahme auf den oder die aktuell
Handelnde(n)
Zukunftsindikatoren
Angabe eines Zeitpunktes
Benennung der zukünftigen Handlung
direkte oder indirekte Bezugnahme auf die
aktuell noch laufende Handlung
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Beobachtungsaufgaben...
30

Erfahren wir, wann die Darmspiegelung
stattfindet?

Steht zum Äußerungszeitpunkt bereits de
facto fest, dass die Darmspiegelung
tatsächlich ausgeführt wird?

Erfahren wir, von wem sie ausgeführt wird?
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... und ihre Ergebnisse

Erfahren wir, wann die Darmspiegelung stattfindet?
–

Steht zum Äußerungszeitpunkt bereits de facto fest,
dass die Darmspiegelung tatsächlich ausgeführt
wird?
–

intensive Diskussion
Erfahren wir, von wem sie ausgeführt wird?
–
31
Nein, ‚heute‘ gibt als deiktischer Ausdruck keinen exakten
Zeitpunkt an
Vorgangspassiv, aber Möglichkeit der Rekonstruktion
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Modalverben im Deutschen




Modalverben ist gemeinsam, dass mit ihnen
Elemente der ‚Vorgeschichte‘ einer Handlung
benannt werden können
‚möchten‘ – Wunsch
‚können‘ – Fähigkeiten
‚wollen‘ – Wunsch
(nach Überprüfung des der Fähigkeiten)

‚müssen‘ – Obligation
(Ehlich & Rehbein 1972, Brünner & Redder 1983, Redder 1984)
32
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‚sollen‘

‚sollen‘ macht kenntlich, dass der Motivation
eines Aktanten nicht der eigene, sondern ein
fremder Wunsch zu Grunde liegt
(Ehlich & Rehbein 1972)
33
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weitere Modalverben in
Arztäußerungen
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
‚möchten‘
(A) „Herr • • • Yol/ äh Yildirim, wir wollen mit Ihnen
besprechen, dass wir gern eine Ernährungssonde in
den Magen einbauen möchten.“

‚wollen‘
(A) „Wir wollen ((1,1s)) versuchen äähm • •
versuchen, die • • • die Gallenwege noch ein
bisschen darzustellen.“
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‚werden‘

‚werden‘ benennt das letzte Stadium der
Vorgeschichte einer Handlung, den
Umschlag von Planung zu Ausführung
(Ehlich & Rehbein 1972, Redder 1992, 1999, 2003)
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‚Ankündigungen unter Vorbehalt‘ –
juristischer Hintergrund

wird in medizinischen
Aufklärungsgesprächen vor invasiven
diagnostischen oder therapeutischen
Eingriffen nicht die Einverständniserklärung
des Patienten per Unterschrift eingeholt,
laufen die Ärzte Gefahr, sich des
Straftatbestandes einer Körperverletzung
schuldig zu machen
(Bappert 1980: 48ff.)
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Struktur diagnostischer
Aufklärungsgespräche
(Meyer 2000, 2004)
37
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Zwischenresümé
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
Innersprachliche Konfrontation zeigt
Regelmäßigkeiten in der sprachlich-kommunikativen
Realisierungen eines konstitutiven Elementes von
Aufklärungsgesprächen

Einsatz zielbezogener Modalverben ist konstitutiv für
‚Ankündigungen unter Vorbehalt‘ und korrespondiert
mit der juristischen Konstellation medizinischer
Aufklärungsgespräche
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B1 (Zielsprache Portugiesisch)
(D) „Patinha, o que • • o que eles hoje vão
fazer • é uma espelhagem do intestino.“
(Rückübersetzung:
Patinha, das was, das was sie heute machen
werden, ist eine Spiegelung des Darms.)
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Ausgangs- u. Zielsprache im Vergleich
(A) „• Frau Pedeira, was • heute gemacht werden soll, •
• ist eine Darmspiegelung.“
(D) „Patinha, o que • • o que eles hoje vão fazer • é
uma espelhagem do intestino.“
(Rückübersetzung:
Patinha, das was, das was sie heute machen
werden, ist eine Spiegelung des Darms.)
(vgl. Hundertmark-Santos Martins 1998)
40
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Übertragungsmöglichkeiten ins
Portugiesische

‚sollen‘ – ‚dever‘ – ‚müssen‘

‚wollen‘ – ‚querer‘

‚möchten‘ – ‚gustar que‘
(Johnen 2003)
41
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‚ir‘-Konstruktion: Einsatz und
Konsequenzen

42
in den deutsch-portugiesischen
Aufklärungsgesprächen werden die
Ankündigungen unter Vorbehalt regelhaft mit
der ‚ir‘-Konstruktion in die Zielsprache
übertragen
–
patientenseitiger Entscheidungsraum wird in den
Formulierungen der Zielsprache ausgeblendet
–
aus ‚Ankündigungen unter Vorbehalt‘ werden
‚Mitteilungen‘
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Zusammenfassung

Innersprachliche Konfrontation ermöglicht das Erkennen konstitutiver
Bestandteile einer Diskursart
–


Gedolmetschte Diskurse: konfrontative Betrachtung ausgangs- und
zielsprachlicher Äußerungen
–
‚Ankündigen unter Vorbehalt‘ (AS) vs. ‚Mitteilen‘ (ZS)
–
Rekonstruktion sprachlicher Mittel, die für diesen Unterschied
verantwortlich sind (Modalverben)
Regelmäßigkeiten des Sprachgebrauchs in einer bestimmten
Konstellation ermöglichen Rekonstruktion der Funktionalität
sprachlicher Mittel im Handlungsprozess
–
43
‚Ankündigen‘ bzw. ‚Ankündigen unter Vorbehalt‘
Einsatz von Beobachtungsaufgaben als Impuls für eine ‚funktionale
Sprachreflexion‘ (Form-Funktions-Zusammenhang)
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… weitere Möglichkeiten für eine ‚funktionale
Sprachreflexion‘ im Unterricht im
anschließenden Workshop
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
45
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