Fachpfl Unterricht-2011 - robert

Report
Blut ist ein flüssiges Organ
• Bindet und befördert die Atemgase
• Schafft Nährstoffe zu den Verbrauchsstellen und
transportiert die Metaboliten von dort weg
• Ist das Vehikel für Hormone, Mineralstoffe und Vitamine
• Verteilt im ganzen Körper das Wasser und die Wärme
• Transportiert die Mechanismen zur Blutstillung und zur
Infektabwehr
• Reguliert den kolloidosmotischen Druck
Meilensteine
• 1492 Papst Innozenz VIII. bekommt die erste "Frischzellenkur". Er
bekommt das Blut von drei zehnjährigen Knaben zu trinken. Zuerst
sterben die drei Kinder, dann der Papst.
• 1615 Der Alchemist A. Libavius beschreibt die Möglichkeit wie "das
arterielle, warme und gasreiche Blut vom Gesunden auf den
Kranken überspringen wird".
• 1616 Entdeckung des Blutkreislaufes durch den englischen Arzt
William Harvey.
• 1666 Erste dokumentierte Bluttransfusion von Hund zu Hund.
1667 Erste Tierblut-Mensch-Transfusion.
• 1668 Entscheidung eines französischen Gerichtes, dass nur Ärzte
transfundieren dürfen und dass noch viele Versuche notwendig sind.
• 1788 Tierversuch. Es wird demonstriert, dass ein ausgebluteter
Hund nur Blut zur Wiederbelebung benötigt. Entdeckung der
Funktion des Blutes als Sauerstoffträger.
Echte Meilensteine
•
1818 Erste Transfusion von Mensch zu Mensch: Ausgebluteten Frauen wird
nach der Geburt ihres Kindes Blut transfundiert.
•
1820 Gerinnungsprobleme bei "Mensch zu Mensch"-Transfusionen und
Rückfall in die Tierbluttransfusion.
•
1860 Erste Beschreibung der Blutplättchen.
•
1874 Erkenntnis, dass die Transfusion zwischen unterschiedlichen Spezies
tödlich ist.
•
1900 Veröffentlichung der Blutgruppen (AB0-System) durch Karl
Landsteiner.
•
•
•
1916 Erstmals gelingt die Konservierung von Blut.
1919 In den USA wird im Rockefeller-Center die erste Blutbank gegründet.
1921 Der erste Bluttransfusionsdienst wird in London gegründet, unter
federführender Beteiligung des Roten Kreuzes.
•
1924 Na-Citrat (Natrium-Citrat) wird zur Gerinnungshemmung des Blutes
verwendet.
•
1940 Karl Landsteiner entdeckt den Rhesus-Faktor.
Blut Zellreihen im Knochenmark
Regelkreis der Erythropoese
•
•
Unter normalen
Bedingungen enstehen im
Menschen
ca 2,5 Mio Erythrozyten
• Pro Sekunde!
Anämieformen
• Renale Anämie durch Mangel an Erythropoetin
• Aplastische A. bei Bestrahlung Vergiftung,
Chemotherapie, Tumorverdrängung im Mark, Infektion /
Sepsis
• Hämolytische Anämie wegen des verstärkten EryAbbaus z. B. bei erblichen Membranschäden, Malaria,
Autoimmunkrankheiten, Rhesus- Inkompatibiltät,
Dialysemembran oder -kapillare.
• Mangelanämien: Eisen (mikrozytäre A.), Vitamin B6 und
B12, Folsäure… (megaloblastäre oder perniziöse A),
extreme Diäten.
• Blutverluste akut / traumatisch, chronisch z.B. Magen
Darm Ulzera, Menstruationsverluste
Vor der
Separation der Komponenten aus einer Blutspende
Separation der Komponenten aus einer Blutspende
Nr. 4 das gefilterte
Erykonzentrat
Infektionen verhindern
Um jeden Preis?
http://www.shotuk.org/
ABO - Blutgruppen
Die Blutgruppe im ABO- System wird vererbt. Jeder Mensch besitzt (mehr
als) zwei Gene durch die die Blutgruppe bestimmt wird (eines von der
Mutter und eines vom Vater).
Jedes dieser Gene kann das Merkmal A oder das Merkmal B oder keines
von beiden tragen.
Die ABO- Merkmale sitzen auf der Erythrozytenoberfläche.
Genet. Typ
Resultierende
Blutgruppe
Natürliche
PlasmaAntikörper
A—A
A--B
A—0
B—B
B—0
0--0
A
AB
A
B
B
0
Anti-A
Anti-A
und AntiB
Anti-B
Nichts
Anti-B
Anti-A
Neugeborene entwickeln ihre Antikörper in den ersten Lebensmonaten
Zelloberflächen als Merkmalsträger
•
•
•
•
•
Die Blutgruppen-Merkmale
finden sich auf fast allen
Zellen.
Auch auf tierischen und
pflanzlichen!
Sie sind nicht ‚eigens‘ für
die Identität entwickelt,
sondern erfüllen als
Funktionsproteine Aufgaben
für den Zellhaushalt
Art und Zusammensetzung
unterliegen der Vererbung
Bringt man fremde Zellen
ein, können
Immunreaktionen dagegen
ablaufen.
Auf der Erythrozytenoberfläche
Immunogenität erythrozytärer Antigene bei Transfusion
Name
System
Immunogenität
D
Rh
70
K
Kell
10
c
Rh
4
E
Rh
3,3
k
Kell
1,5
e
Rh
1,1
Fya
Duffy
0,5
C
Rh
0,2
Jka
Kidd
0,1
S
MNS
0,08
s
MNS
0,06
Jkb
Kidd
0,03
Antikörperscreening
AKS
• Bei Patienten gehört zu jeder Blutgruppenbestimmung
auch ein Antikörperscreening (Antikörpersuche),
welches irreguläre Antikörper nachweist. Es werden
dazu mindestens zwei, besser drei Testzellen verwendet,
die die folgenden Blutgruppenantigene in möglichst
homozygoter Form aufweisen:
• C, Cw, c, D, E, K, k, Fya, Fyb, Jka, Jkb, S, s
• Das Antikörperscreening ist nach den z. Zt. gültigen
Richtlinien bei jeder Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe)
zu wiederholen, wenn die Blutentnahme, aus der das
vorangegangene Antikörperscreening durchgeführt
wurde, länger als 72 Stunden zurück liegt.
Erythrozytäre Antikörper und humorale Immunreaktion
Transfusionsgesetz
von 1998
zuletzt neugefasst und
in Kraft gesetzt am
28.08. 2007
(§§ 13 bis 18 für Anwender)
Richtlinien zur Gewinnung von
Blut und Blutbestandteilen
und zur Anwendung von
Blutprodukten (Hämotherapie)
Querschnitts-Leitlinien (BÄK)
zur Therapie mit
Blutkomponenten und
Plasmaderivaten
zuletzt novelliert Okt. 2010
zuletzt novelliert 29.08.2008
Kapitel
Bezeichnung
Seite
0 Allgemeine Erläuterungen
Seite 5
1 Erythrozytenkonzentrate
Seite 18
2 Thrombozytenkonzentrate
Seite 49
3 Granulozytenkonzentrate
Seite 86
4 Plasma zur therapeutischen Anwendung
Seite 99
5 Humanalbumin
Seite 129
6 Faktor VIII-Konzentrate, Faktor VIII / von Willebrand-FaktorKonzentrate, Faktor IX-Konzentrate, Aktivierte ProthrombinKomplex-Konzentrate
Seite 158
7 Prokoagulatoren
Seite 190
8 Inhibitoren
Seite 248
9 Humane Immunglobuline
Seite 284
10 Autologe Hämotherapie
Seite 323
11 Unerwünschte Wirkungen
Seite 340
Fallbericht Polyglobulie Herr N. 68 Jahre Leistenhernien OP
•
Durch COPD bedingte, langjährige Polyglobulie
Hb 19,5 Hk 60,1 Ery 6,24 Mio
Quick 85
Thr. 189
GE 7,14
•
10:00 Uhr unkomplizierte LH Operation, anschliessend 500 ml Aderlass zur
Verbesserung der Rheologie durch den Anästhesisten.
•
18:00 Uhr operative Revision bei massivem Skrotalhämatom. Intraooperativ
werden ca. 1100 ml Koagel geborgen. Blutungsquellen identifiziert und
versorgt.
Am nächsten Morgen: Drainage ist trocken geblieben
Hb 13,9 Hk 43,5 Ery 4,48 Mio
Quick 77 Thr. 153 GE 4,49
•
•
Entlassung bei weiterhin unkompl. Verlauf am 5. postoperativen Tag
Hb 12,4 Hk 38,4 Ery 4,04 Mio
Quick 92 Thr. 253 GE 5,65
•
Blutverlust bedeutete hier vor allem einen Verlust an Gerinnungspotential
Kreisklinikum Siegen GmbH
Labor Haus Siegen / Hüttental
Anforderung von Blutprodukten und immunhämatologischer Diagnostik
Patient:
Aufnahme-Nr.:
Name, Vorname:
geb.:
Station:
Diagnose / Indikation
____________________
____________________
____________________
____________________
____________________
Bitte Patientenetikett mit Aufnahme-Nr. benutzen !
Klinische Angaben:
 Blutgruppe : ________________
 Medikamente:________________
 vortransfundiert: ______________
 voraussichtlich langzeittransfundiert
Dringlichkeit der Bearbeitung:
 Notfall sofort
 dringlich
 Routine




Notfallausweis:__________________
bekannte Antikörper:_____________
Schwangerschaften:______________
letzte Transfusion: _______________
 OP-/Transf.-Dat.: _______________
Anforderung :
 Blutgruppenbestimmung
 Kreuzprobe Erykonzentrate Anzahl:_____  Bereitstellung Erykonzentrate Anzahl: ___
 Plasma lyophilisiert
Anzahl:_____  Thrombozytenkonzentrate
Anzahl: ___
 Direkter Coombstest
 Sonderzubereitung:__________________
Das Blut wurde von mir dem oben genannten Patienten entnommen,
die Beschriftung des Probenröhrchens kontrolliert und mit dem Anforderungsschein verglichen.
_____________________
Unterschrift der entnehmenden Person
____________________
Unterschrift des anfordernden Arztes
___________________________________________________________________
Immunhämatologische Diagnostik
• Die immunhämatologische Diagnostik in der Klinik
umfasst die Untersuchung des Spenderblutes
(Konserve) und des Patientenblutes
• sowie die serologische Verträglichkeitsprüfung auf
Reaktionen von Spender- mit Empfängerblut. Das
Vorgehen stellt sich wie folgt dar:
• Blutgruppenbestimmung (Patient, Spender)
Antikörpersuche (Patient)
• Kreuzprobe (serologische Verträglichkeitsprobe)
• Bedside-Test (ABO-Identitätstest)
Prinzip der Kreuzprobe
Konserven- Begleitschein
Bedsidetest
?
???
Transfusion 2. Tag
•
•
•
•
•
•
•
Unerwünschte Reaktionen bei EK- Transfusionen
Chargendokumentationspflichtige Plasmapräparate
Einzelfaktoren
Lyoplasma / GFP
TRALI
Thrombozytenkonzentrate
Cellsaver
•
[email protected]
Fallbericht Polyglobulie Herr N. 68 Jahre Leistenhernien OP
•
Durch COPD bedingte, langjährige Polyglobulie
Hb 19,5 Hk 60,1 Ery 6,24 Mio
Quick 85
Thr. 189
GE 7,14
•
10:00 Uhr unkomplizierte LH Operation, anschliessend 500 ml Aderlass zur
Verbesserung der Rheologie durch den Anästhesisten.
•
18:00 Uhr operative Revision bei massivem Skrotalhämatom. Intraooperativ
werden ca. 1100 ml Koagel geborgen. Blutungsquellen identifiziert und
versorgt.
Am nächsten Morgen: Drainage ist trocken geblieben
Hb 13,9 Hk 43,5 Ery 4,48 Mio
Quick 77 Thr. 153 GE 4,49
•
•
Entlassung bei weiterhin unkompl. Verlauf am 5. postoperativen Tag
Hb 12,4 Hk 38,4 Ery 4,04 Mio
Quick 92 Thr. 253 GE 5,65
•
Blutverlust bedeutete hier vor allem einen Verlust an Gerinnungspotential
Veränderungen an Erythrozytenkonzentraten über die
Lagerungszeit
Lagerungszeit in Tagen
Normal
0
7
14
21
35
Glucose (mg/dl)
100
430
380
350
320
280
Blut - pH
7,40
7,16
6,94
6,93
6,87
6,73
Plasma HCO3 (mmol/l)
24
17
13
12
12
8
Lactat (mmol/l)
<1
2
7
10
14
22
Kalium (mmol/l)
4
3,5
12
18
22
18
Ammoniak µmol/l)
50
50
150
250
300
400
Freies Hb (mg/dl)
2
1
13
25
25
45
Leukozyten (103/µl)
8
7
4
3
3
2
LDH (U/l)
<250
300
1000
2300
1500
1800
Agglutination
Erythrozytenagglutination durch komplette Antikörper.
Blutgruppenspezifische Antikörper (IgM) binden an die
Erythrozyten
und
führen
ohne
Zugabe
von
Reaktionsverstärkern zu einer Agglutination.
Unerwünschte Transfusionsreaktionen
•
•
•
•
•
•
•
Nicht hämolytische, febrile Transfusionsreaktion NHFTR
Allergische Reaktion bei Transfusion
Anaphylaktischer Schock (meist gegen IgA)
Akute (intravasale) hämolytische Transfusionsreaktion
Akute (extravasale) hämolytische Transfusionsreaktion
Verzögerte hämolytische Transfusionsreaktion
Transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz TRALI
Nicht hämolytische, febrile Transfusionsreaktion NHFTR
Klinisches Bild:
30 Min bis 2 h nach Beginn der Transfusion: Schüttelfrost, Unwohlsein,
Übelkeit, Kopfschmerz, Dyspnoe
Ursache:
Leukozyten- Abbauprodukte in der Konserve, Zytokine, Antikörper des
Patienten gegen einlaufende Thrombozyten und Restleukozyten. Dabei werden
aber nur diese zerstört, es findet keine Hämolyse statt.
Therapie:
Entscheidung ob Unterbrechung oder Abbruch der Transfusion
Symptomatisch helfen Antipyretika (Novamin, Ibuprofen, Kristalloidinfusionen)
Prävention:
Leukozytendepletierte Produkte (ist Vorschrift), möglichst ‚junge‘ Konserven
verwenden. Insbesondere dann, wenn der Pat. so was schon einmal erlebt hat.
Allergische Reaktion bei Transfusion
Klinisches Bild:
Urtikaria, Erythem, Juckreiz, Stridor, Dyspnoe kein Fieber
Ursache:
Antikörper gegen individuelle plasmatische Bestandteile in der Konserve
Therapie:
Unterbrechung der Transfusion, H1 / H2 Antagonisten,
Prävention:
schon vor der Transfusion H1 / H2 Antagonisten geben.
Bei wiederholtem Auftreten:
gewaschene Erykonzentrate und Thrombozytenkonserven verwenden.
Anaphylaktischer Schock bei Transfusionen
Klinisches Bild:
Larynxödem, Bronchospasmus, Dyspnoe, Zyanose, Hypotension,
Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit, Schock kurz nach Transfusionsbeginn,
Kein Fieber (!)
Ursache:
Antikörper gegen IgA und andere Plasmaproteine, Zufuhr anderer Allergene
mit dem Spenderblut, gegen die der Patient bereits sensibilisiert ist
Therapie:
Abbruch der Transfusion, Schocktherapie, Kortikoide, Adrenalin, H1/H2Antagonisten
Prävention:
Gewaschene Erythrozyten/Tiefkühlerythrozyten, Gewaschene Thrombozyten
IgA-Mangelplasma bei Anti-lgA verwenden (sehr selten verfügbar!)
Quincke- Ödem
Akute hämolytische Transfusionsreaktion
Klinisches Bild:
Subjektiv:
Wärmegefühl, Frösteln, Kreuz- (Nieren-), Brust-, Flanken-, Kopfschmerz,
Atemnot, Brechreiz, Unruhe
Objektiv:
Hautblässe, Temperaturanstieg, Tachykardie, Blutdruckabfall, Schock,
Hämoglobinämie, Hämoglobinurie, Bilirubinanstieg,
Gerinnungsstörungen, Verbrauchskoagulopathie, Nierenfunktionsstörung,
Nierenversagen
Akute hämolytische Transfusionsreaktion
Ursache:
Alloantikörper des Patienten gegen Erythrozytenmerkmale (AB0) der
Konserve.
Eine grosse Menge Plasma reagiert gegen die einlaufenden SpenderErys
Hervorgerufen wird die akute, komplementabhängige intravasale Lyse im
Regelfall durch die Isoagglutinine Anti-A oder Anti-B vom IgM- oder IgGTyp als Folge einer ABO- inkompatiblen Fehltransfusion.
Solche, auch als Transfusionszwischenfälle bezeichnete Reaktionen,
enden nicht selten (10%) tödlich.
Man geht davon aus, dass jedes 600.000ste transfundierte
Erythrozytenpräparat aufgrund einer ABO-Fehltransfusion zum Tod führt!
Bei narkotisierten Patienten kann aufgrund fehlender Äußerungen
wertvolle Zeit bis zum Sichtbarwerden der Transfusionsreaktion
verstreichen.
Extravasale Hämolyse
•
Neben der sehr schnell ablaufenden intravasalen Hämolyse gibt es auch
eine langsamer (teils erst nach mehreren Stunden) anlaufende
extravasale Hämolyse mit einem Abbau der Erythrozyten in Leber oder
Milz. Die verursachenden irregulären IgG-Antikörper binden zwar
Komplement, aber die Komplementkaskade stoppt bei C3b bzw. C4b
•
Im AKS des Patienten könnte man finden:
- Anti-D, -C, -c, -E, -e, -K, -Fy(a), -Jk(a) usw.
Und in der Konserve ist ein korrespondierendes Antigen (siehe
Konservenetikett!)
•
Prävention:
vollständige serologische Voruntersuchungen und genaue Dokumentation.
•
Genaue Überprüfung der Begleitpapiere.
Hier liegt praktisch immer eine Probenvertauschung vor. Und es gibt STETS
einen zweiten Patienten, der deshalb auch serologisch falsches Material
bereitgestellt bekommt!
Therapeutisches Vorgehen:
• Transfusion stoppen, restliche Konserve und Transfusionsbesteck
asservieren
• Venösen Zugang offen halten
• Herz- Kreislauf- Monitoring
• Corticosteroide, Antihistaminika (H1- und H2-Blockade)
• Volumensubstitution
• Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Nierenperfusion (z. B.
Dopamin)
• Hämodialysebehandlung bei freiem Hämoglobin,
mindestens aber Diuresesteigerung mit Furosemid
• Therapie der Verbrauchskoagulopathie
Gleichzeitig die Diagnose sichern
• ABO und Rhesusbestimmung von Empfänger, Konserve und dem
‚verdächtigen‘ Blutröhrchen neu durchführen
• Kreuzprobe (major und minor-Ansatz) aus Empfängerblut vor und
nach der Transfusion
• Freies Hämoglobin, LDH, Haptoglobin, Bilirubin im Serum, Blutbild
• Komplette Antikörpersuche aus der Rückstellprobe vor der
Transfusion durchführen lassen.
• Sterilkontrolle des Blutproduktes
• Blutkulturen beim Empfänger
• Finde den ‚anderen Patienten‘
Verzögerte hämolytische Transfusionsreaktion
Klinisches Bild:
Hämoglobinabfall, Ikterus, gelegentlich Fieber, direkter Antiglobulintest
positiv 2-14 Tage nach der Transfusion, selten bis 50 Tage danach
Selten: Nierenversagen, tödlicher Verlauf
Ursache:
Antikörper gegen Erythrozytenmerkmale.
Boosterung eines früher gebildeten Antikörpers, der vor der Transfusion
nicht mehr (!) nachweisbar war, selten Neubildung des Ak
Typische Antikörper: Anti-E, Anti-Fy(a), Anti-Jk(a), Anti-Jk(b)
Therapie:
Nach klinischem Bild, Überwachung (wenn der Pat. Überhaupt noch im
Hause ist :^)
Prävention:
Differenzierung und Dokumentation aller
irregulären Alloantikörper, Beachtung bei späteren Transfusionen,
Patientenaufklärung, Blutgruppenausweis
Kidd Antikörpertiter
Direkter Coombstest
Nochmal auf einen Blick:
•
•
•
•
•
•
•
Nicht hämolytische, febrile Transfusionsreaktion NHFTR
Allergische Reaktion bei Transfusion
Anaphylaktischer Schock (meist gegen IgA)
Akute (intravasale) hämolytische Transfusionsreaktion
Akute (extravasale) hämolytische Transfusionsreaktion
Verzögerte hämolytische Transfusionsreaktion
Transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz
Chargendokumentationspflichtige Medikamente
•
•
•
Erythrozytenkonzentrat
Lyoplasma
Thrombozytenkonzentrat
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Beriplex = PPSB (Faktor II, VII, IX und X)
Haemokomplettan (Faktor I = Fibrinogen)
Fibrogammin (Faktor XIII)
Novo Seven (aktivierter Faktor VII)
Kybernin (AT III)
Octagam (Immunglobulin G)
Sandoglobulin (Immunglobulin G)
Tachosilschwamm (Fibrinogen + Thrombin)
Beriplast (Fibrinkleber)
•
•
Tetagam (Impfstoff gegen Wundstarrkrampf)
Rhesogam (für Schwangere)
In- vivo- Eigenschaften transfundierter Gerinnungsfaktoren
Hämostatische
Mindestkonzentrationen
(%)
Halbwertszeiten für
transfundierte
Gerinnungsfaktoren
I (Fibrinogen)
Spuren
4-6 Tage
II (Prothrombin)
20
3 Tage
V
10-15
12 h
VII
5-10
4-6 h
VIII
10-20
8-12 h
IX
10-20
18-24 h
X
10-15
2 Tage
XI
10-20
2-3 Tage
XII
<1
?
XIII (fibrinstab. F.)
1-5
6-10 Tage
Dosierung von Einzelfaktoren
Faustregel zur Dosierung von Plasma:
1 ml Plasma pro kg Körpergewicht erhöht den Faktorengehalt um ca. 1
-2%
Faustregel zur Dosierung von PPSB:
1 E. pro kg KG hebt die Faktorenaktivität (Quickwert) um 1% an
(über den Daumen 1500 bis 2500 E. für OP-Fähigkeit)
Gerinnungsfaktoren - Hochkonzentrate z. B: Faktor VIII /
v.Willebrand Cofaktor oder F IX - kommen ausschließlich in der
Therapie von Hämophilie A oder B bzw. v.Willebrand zum Einsatz.
Faustregel zur Dosierung:
1 E. pro kg KG hebt die Faktorenaktivität um 1% an
Faktor XIII, Fibrinogen und Fibrinkleber- Präparate nur bei ganz
bestimmten Indikationen (am ehesten intra oder postoperativ).
Lyophilisiertes Plasma
Aus Quarantänelagerung (6 Monate)
Einsatzbereiche für Plasmakonserven
•komplexe Gerinnungsstörungen (DIC)
•Wenn keine speziellen Einzelfaktoren- Konzentrate zur Verfügung
stehen
•bei Verlust- und Verdünnungskoagulopathie
•Bei Verbrennungsopfern
•Bei Operationen und Traumaversorgung
•Bei Lebererkrankungen mit Koagulopathie
•Zur Plasmapherese z.b. bei Thrombotisch Thrombozytopenische
Purpura TTP dem „Moschkowitz Syndrom“ oder beim Guillain-BarréSyndrom
•Von Willebrand Syndrom
Sie sind nicht tauglich als Volumenersatz, oder zur Substitution
von Albumin, Immunglobulinen oder zur parenteralen Ernährung
oder zur Verbesserung des KOD
•Ein Verlust an Erythrozyten kann kompensiert werden (HZV
Steigerung, Sauerstoffbeatmung…)
•Mangel an Gerinnungspotential nur durch Ersatz der Verluste.
Herstellung von Lyoplasma
• Quarantänelagerung mindestens 4 Monate
• Kontrolliertes Auftauen, erneute Zellfiltration jeder
einzelnen Konserve damit ist es im Gegensatz zum GFP
praktisch zellfrei (interessant bei intrazellulären Erregern
wie Cytomegalie- Viren)
• Überführen in Glasflaschen und kontrolliertes Spinfrieren
(-45°C)
• Über mehrere Tage kontrollierte Erwärmung von -45 auf
+5°C dabei kontinuierlicher Wasserentzug durch
Vakuum (Sublimation)
• Etikettierung und Registrierung
Vorbereitung von Lyoplasma zur Transfusion
Verabreicht wird das Plasma über ein belüftetes (!)
Transfusionsbesteck mit 170µm Filter.
Innerhalb 6 Stunden verliert es seine Aktivität nicht.
ACHTUNG es können Farbschattierungen von hellem Orange
bis gelbgrün auftreten. Die sind kein Zeichen für mangelhafte
Qualität, sondern spiegeln die Plasmazusammensetzung des
jeweiligen Spenders wieder.
TRALI im Röntgenbild
TRALI im CT
Transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz
Klinisches Bild:
Innerhalb von 1 -6 h nach Transfusionsbeginn:
Kurzatmigkeit, Fieber, Husten, respiratorische Insuffizienz, beidseitiges
Lungenödem ohne Stauungszeichen, Lungeninfiltrate, Tachykardie, Hypoxie
Am Intensivpatienten praktisch nicht vom ARDS oder TACO zu unterscheiden,
daher dort hohe Mortalität von ca. 10%
Ursache:
Granulozyten-, Neutrophilen-, HLA-Antikörper
im Spenderplasma, die im Empfänger zu Aktivierung von Leukozyten führen.
Diese schädigen dann die Lungenkapillaren
Therapie:
Abbruch der Transfusion! (versuchsweise Corticoide), symptomatische
intensivmedizinische Behandlung entsprechend dem Schweregrad
Prävention:
Ausschluss von sensibilisierten Spendern
mit leukozytären Antikörpern sofern bekannt
Thrombozytenkonzentrat
Nie kühlen! Sofort und zügig verabreichen.
Separation der Komponenten aus einer Blutspende
Thrombozytenkonzentrat
Hier eine Konserve aus Zell- Apherese
Der Riesenbeutel ist nötig wegen der ‚Agitation‘
Einsatz von Thrombozytenkonzentraten
• Am häufigsten bei Plättchenmangel im Rahmen von
Knochenmarkschäden und Produktionsstörungen
• Im Gefolge von starken Blutverlusten (> 1,5fache des Blutvolumens)
• Unter 50000 / µL bei geplanten allgemeinchirurgischen Operationen
• Unter 80000 / µL bei geplanten neurochirurgischen Eingriffen
• Eine therapeutische Einheit (= Erwachsenendosis) ist ein gepooltes
TK (aus 4-6 Vollblutspenden)
• Oder ein Apheresekonzentrat von einem Einzelspender
• Immer SOFORT transfundieren, niemals kühlen, nicht schütteln
• Visuelle Kontrolle auf ‚Swirling‘
Operativ Blutsparende Massnahme: Cellsaver
Cellsaver gefüllt
Cellsaver Flussdiagramm
Geschafft !

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