Indien 20140505 - Themenplattform EZ

Report
Klimawandel:
Ökonomische Auswirkungen in Indien
Daniel Osberghaus
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim
Deutsch-Indische Zusammenarbeit
7. Mai 2014, Heidelberg
Agenda
1. Globaler Klimawandel
2. Klimawandel in Indien
3. Methoden und Probleme bei Schätzung
von ökonomischen Auswirkungen
4. Ökonomische Auswirkungen in Indien
Globaler Klimawandel
Globaler Klimawandel
• Temperatur in der Vergangenheit
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
• Treibhauswirkung von emittierten Gasen
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
• Zuverlässigkeit von Aussagen
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
• Niederschlagsänderung in % bis 2100 in zwei
Extremszenarien
(IPCC 2013)
Globaler Klimawandel
(IPCC 2013)
Agenda
1. Globaler Klimawandel
2. Klimawandel in Indien
3. Methoden und Probleme bei Schätzung
von ökonomischen Auswirkungen
4. Ökonomische Auswirkungen in Indien
Klimawandel in Indien
• Temperaturänderung in Südasien
(IPCC 2013)
Klimawandel in Indien
• Temperaturänderung in Südasien
(IPCC 2013)
Klimawandel in Indien
• Niederschlagsänderungen in Südasien
(IPCC 2013)
Klimawandel in Indien
• Niederschlagsänderungen in Südasien
(IPCC 2013)
Klimawandel in Indien
• Häufigkeit der Zyklone im Indischen Ozean (Nord):
– Kein eindeutiges Signal (manche Studien sehen signifikanten Anstieg,
manche einen signifikanten Fall)
• Intensität der Zyklone im Indischen Ozean (Nord):
– Kein signifikanter Trend erwartet
(IPCC 2013)
Agenda
1. Globaler Klimawandel
2. Klimawandel in Indien
3. Methoden und Probleme bei Schätzung
von ökonomischen Auswirkungen
4. Ökonomische Auswirkungen in Indien
Unsicherheiten
Klimaveränderungen
• Szenarien (Emissionen)
• Klimamodelle
Impacts
• Physische Folgen
Kosten
• Ökonomische Folgen
• Quantifizierung von Kosten und Nutzen
Bewertungsmethoden
• Partialmodelle, z.B. für Pflanzenwachstum, oft ohne
Anpassung
• Gesamtwirtschaftliche Modelle, oft ohne Anpassung
• Statistische Analysen
• Happiness und hedonische Modelle (Migration)
• Stated Choice
Bewertungsmethoden
• Partialmodelle, z.B. für Pflanzenwachstum, oft ohne
Anpassung
• Gesamtwirtschaftliche Modelle, oft ohne Anpassung
• Statistische Analysen
• Happiness und hedonische Modelle (Migration)
• Stated Choice
Bewertungsmethoden
• Beispiel: Modellbasierte Analyse marktgängiger Güter
(Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Landwerte)
• Insgesamt niedrigere Effekte auf Volkswirtschaften
(Mendelsohn et al.
2000, Climatic Change)
Bewertungsmethoden
• Modellbasierte Analyse von marktgängigen Sektoren
• Optimale globale Klimapolitik angenommen
• Indien: Schäden von 5,7% des BIP Anfang des 22. Jhdt.
(Ortiz et al. 2011,
Energy Economics)
Bewertungsmethoden
• Partialmodelle, z.B. für Pflanzenwachstum, oft ohne
Anpassung
• Gesamtwirtschaftliche Modelle, oft ohne Anpassung
• Statistische Analysen
• Happiness und hedonische Modelle (Migration)
• Stated Choice
Bewertungsmethoden
Beispiel für statistische Analysen: Auswirkungen auf die
westdeutsche Landwirtschaft durch beobachtete
Bodenpreise und Aufwendungen
(LANG 2006)
Bewertungsmethoden
• Partialmodelle, z.B. für Pflanzenwachstum, oft ohne
Anpassung
• Gesamtwirtschaftliche Modelle, oft ohne Anpassung
• Statistische Analysen
• Happiness und hedonische Modelle (Migration)
• Stated Choice
Bewertungsmethoden
• Partialmodelle, z.B. für Pflanzenwachstum, oft ohne
Anpassung
• Gesamtwirtschaftliche Modelle, oft ohne Anpassung
• Statistische Analysen
• Happiness und hedonische Modelle (Migration)
• Stated Choice
Probleme bei Bewertung
• Fokus auf marktgängige Güter
• Ergebnisse aus USA auf ganze Welt angewendet
• Diskontierung: Wert von zukünftigen Kosten und Nutzen?
• Problematische Annahmen: z.B. optimale Klimapolitik
• Aggregation der regionalen Auswirkungen
(u.a. Ackerman et al. 2009, Climatic Change
Pindyck 2013, Journal of Economic Literature)
Probleme bei Bewertung
Aggregierte Klimaschäden steigen bei Berücksichtigung
von Gerechtigkeitsaspekten:
Nach Tol 2002 (Bewertung von Menschenleben):
Schaden in % BIP
Einfache Aufsummierung der Output-Wirkungen
+2,3
Anwendung globaler Durchschnittswerte
-2,7
Nach Nordhaus 2006:
Impact in % GDP
Schaden in % BIP
(Szenario CC1)
Gewichtet nach Output
-0,93
Gewichtet nach Bevölkerung
-1,73
Gewichtet nach Fläche
-0,72
Probleme bei Bewertung
• Fokus auf marktgängige Güter
• Ergebnisse aus USA auf ganze Welt angewendet
• Diskontierung: Wert von zukünftigen Kosten und Nutzen?
• Problematische Annahmen: z.B. optimale Klimapolitik
• Aggregation der regionalen Auswirkungen
(u.a. Ackerman et al. 2009, Climatic Change
Pindyck 2013, Journal of Economic Literature)
Agenda
1. Globaler Klimawandel
2. Klimawandel in Indien
3. Methoden und Probleme bei Schätzung
von ökonomischen Auswirkungen
4. Ökonomische Auswirkungen in Indien
Was ist Vulnerabilität
(O‘Brien et al. 2004, Global
Environmental Change)
Landwirtschaft
• Literaturüberblick über 94 Studien zu
Produktivitätsänderungen in Südasien
• Nur Änderungen ab 2050 sind signifikant
• Mais und Hirse sind in Südasien signifikant negativ betroffen
(-15,9 bzw. -10,8%). Reis nicht signifikant betroffen.
(Knox et al. 2012, Environmental Research Letters)
Landwirtschaft
• Crop-Modell für Baumwolle
• Klima (-) und CO2-Düngung (+): insgesamt kein signifikanter
Effekt
• Monsun: Verspätung erwartet, aber nicht Ausbleiben
• Regionen: Norden eher negativ betroffen, Mitte und Süden
eher positiv
• Anpassung: Verschiebung der Pflanzzeit um 15 Tage auf
Grund des verspäteten Monsuns
(Hebbar et al. 2013,
Climatic Change)
Landwirtschaft
(Hebbar et al. 2013,
Climatic Change)
Landwirtschaft / Migration
• Fallstudie in Chhattisgarh mit Haushaltsbefragung
• Hohe Unsicherheiten bei Niederschlägen führt zu Problemen
bei Lebensunterhalt
• Migration von Landarbeitern (hauptsächlich Reisbauern)
(Murali Afifi 2014, Climate
and Development)
Urbane Zentren
• Stadtbevölkerung steigt innerhalb der nächsten 50 Jahre um
500 Mio
• Überschwemmungen (Niederschlag, Flüsse, Meer),
insbesondere in Slums
• Trockenheiten in ländlichen Gebieten führt zu Migration,
höheren Lebensmittelpreisen
• Trinkwassermangel in Städten
• Migranten sind “doppelte Klimawandelopfer”: Leben oft in
Slums, die besonders vulnerabel sind
(Revi 2008, Environment
and Urbanization)
Urbane Zentren
• Fallstudie für Überschwemmung in Mumbai, mit “worst-case”
Klimaszenario
• Ausgangspunkt Flut vom Juli 2005 mit 500 Todesopfern und
ökonomischen Schaden von 2 Mrd. USD
• Hydrologische Projektionen: Wahrscheinlichkeit für solches
Ereignis steigt auf das doppelte
• Gesamte ökonomische Schäden eines heute hundertjährigen
Hochwassers steigt auf das Dreifache (690 bis 1,890 Mio.
USD) allein durch Klimawandel
• Annahme: kein Bevölkerungswachstum (!)
(Ranger et al. 2011,
Climatic Change)
Urbane Zentren
(Ranger et al. 2011,
Climatic Change)
Urbane Zentren
• Annahmenbasierte Kostenkalkulation für
Überschwemmungen in Mumbai (€ p.a. für 2005-2050)
• Unklar wie Kostenschätzungen hergeleitet werden
• Hochwasserkosten: 27 Mio. €
• Ökonomische Kosten (Verdienstausfälle) wegen zusätzlicher
Fälle von Malaria, Durchfall und Leptospirose: 9 Mio. €
• Weitere Kosten an Gebäuden durch Meeresspiegelanstieg
und im Tourismus (hier Berechnung vollkommen unklar)
(Kumar et al. 2008,
Regional Health Forum)
Migration (international)
• Klimawandel verursacht Anstieg der bereits existierenden
Migrationsströme von Bangladesch (15-20 Mio. Bangladeschi
in Indien)
• Verstärkte Grenzkontrollen
• Politische Spannungen wegen Migranten in Nordost-Indien
• Auch von anderen Nachbarländern werden “Klimaflüchtlinge”
erwartet: Nepal, Sri Lanka, Malediven
(US National Intelligence Council 2010,
Population and Development Review)
Zusammenfassung
• Klimawandel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit existent und
anthropogen.
• Ökonomische Auswirkungen sind extrem schwer
abzuschätzen.
• Ökonomische Auswirkungen in Indien:
–
–
–
–
–
–
Viele Studien zu landwirtschaftliche Auswirkungen
Keine gravierenden Verluste durch allmählichen Klimawandel
Einige Pflanzen / Regionen können profitieren
Hoher Nutzen von Anpassungsmaßnahmen
Wenige Studien zu Extremwetterereignissen, hier hohe Schäden
Praktisch keine Studien zu Migrationsauswirkungen
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Kontakt:
Daniel Osberghaus
[email protected]
www.zew.de
Bewertungsmethoden
• Beispiel: Maddison Rehdanz 2011, Ecological Economics
• Annahme: Lebenszufriedenheit soll konstant bleiben bei
geänderten Klimadaten
• Indien: Effekt von Klimawandel entspricht einem
Einkommensrückgang um 89,6%
• Methodik führt zu deutlich überschätzten Werten
• Aber: Indien zählt zu den am stärksten betroffenen Ländern
Landwirtschaft
• Crop Model mit und ohne Anpassung für Reis
Soora et al. 2013,
Climatic Change
Landwirtschaft
• Crop Model ohne Anpassung für Hirse
• Hirseernten sind insbesondere durch
Niederschlagsänderungen beeinflusst.
• Ernten ändern sich um -29% bis +11% (für Indien und Afrika
zusammen).
(Berg et al. 2013, Agricultural
and Forest Meteorology)
Landwirtschaft
• Empirische Analyse der historischen Reisernten
• Monsum kommt seltener, aber heftiger in 2. Hälfte 20. Jhdt.
• Gefahr v.a. für Reis
• Insbesondere Trockenheiten reduzieren Reisernten
• Bei gleichbleibenden Klimaverhältnissen von 1960 wären die
historischen Reisernten um 5,7% höher ausgefallen.
(Auffhammer et al.
2012, Climatic Change)
Landwirtschaft
• Fallstudie: Cardamom Hills, Kerala, 1978-2007
• Temperatur signifikant (+), Monsunregen (-)
• Belastung durch Insekten und Pfanzenkrankheiten (+),
dadurch größere Belastung durch Insektizide
• Ergebnis: Cardamom (++) Kaffee (+) Tee und Pfeffer (0)
(Murugan et al. 2012,
Climatic Change)

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