Seilriß und Außenlandung

Report
BWLV Flugschule + Freizeit
HONBERG 73529
Schwäbisch Gmünd
Methodische Empfehlungen zu
„Besonderen Situationen beim SEGELFLUG“
(Seilrisse beim Windenstart und Außenlandungen)
Grundlagen: M. Dom Skript „Verhalten in besonderen Fällen“
Flugsicherheitsmitteilung 1 / 89 „Außenlandung“
Empfehlungen der DAeC Segelflugkommission
Erfahrungen der Flugschule Hornberg
Dritte überarbeitete Fassung
- H. T. 2010 / 2011 -
Methodik für die Seilriß - Ausbildung
A.
Seilriß in Bodennähe bis
ca. 80 m Höhe
„Geradeaus - Landung“.
B.
Seilriß in ca. 80 – 150 m
„Gegenlandung durch
Umkehrkurve“ bzw.
durch einen „Vollkreis“
C.
Seilriß über 150 m
„verkürzte Platzrunde“
(Zwei Kurven um 180°)
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Seilriß – Windenstart I A. In Bodennähe bis ca. 80 m
≥ ca. 80 m
Methode „Geradeaus - Landung“ auf dem Flugplatz oder eine Außenlandung
Gegebenheiten
Höhenbegrenzung
je nach örtlichen
1. Höhenruder
sofort zügig drücken,
bis normale Gleitfluglage
01.11.2010
Achtung:
nicht brutal
nachdrücken,
damit kein
negativer
„Strömungsabriß“
erfolgt.
2. Kupplungsgriff
3 x betätigen,
Schleppseil ausklinken
3. Geschwindigkeit
„V - mindest.“ ( ) +10%
einnehmen.
BK erst ausfahren bzw. evtl.
slippen, wenn genügend
Fahrt vorhanden ist.
- H. T. 2010 / 2011 -
Seilriß – Windenstart II B. Höhe 80 – 150 m
Methode „Gegenlandung durch Umkehrkurve“ bzw. Landung aus einem „Vollkreis“
„..Gegenlandung“
bzw. „Vollkreis“
Beachte: Umkehrkurve bzw. Vollkreis müssen sehr
weiträumig, koordiniert und leicht über die MindestGeschwindigkeit ( ) geflogen werden. In Bodennähe sind
keine großen Schräglagen ( ≤ 40° ) zuzulassen. Die Methode
Vollkreis wird in Abhängigkeit vom Flugzeugtyp, der Flughöhe
sowie den Platz- und Windverhältnissen alternativ angewandt.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
- Höhenruder
Höhenruderzügig
drücken, stabile
drücken, stabile
Gleitfluglage
mit Gleitflugleicht
lage mit Geschwindigkeit,
erhöhter
„V - mindest“
am - mindest“(
„V
, einnehmen
) +. 10%
einnehmen.
- Kupplungsgriff
- 3
Kupplungsgriff
x betätigen,
Schleppseil
3
x betätigen,ausklinken
Schleppseil ausklinken
- Mit Erreichen der
- „Veinemindest“
flache Kurve
am um
, eine
180°
flacheeinem
bzw.
KurveVollkreis
um 180° mit
mit
geringer Schräglage gegen
zur „Gegenlandung“
den
Wind durchführen.
durchführen.
- Gegebenenfalls seitlich
- der
Gegebenenfalls
Landebahn landen.
seitlich
der Landebahn landen.
- Die Funkmeldung ist für
- den
Die Funkmeldung
übrigen Platzverkehr
ist für
den Bedeutung.
von
übrigen Platzverkehr
von Bedeutung.
Seilriß – Windenstart III C. Höhe ≥ 150 m
Methode „verkürzte Platzrunde“
- Höhenruder drücken, stabile
Gleitfluglage mit leicht
erhöhter Geschwindigkeit
„V- mindest“ (
) + 10%
einnehmen.
X
- Kupplungsgriff
3 x betätigen,
Schleppseil ausklinken.
- Zwei Kurven um 180°
zu einer verkürzten
Platzrunde durchführen.
- Der Zeitpunkt der zweiten
Kurve um 180° richtet sich
nach Wind, eigener Höhe
und Platzverhältnissen.
Generell gilt: Keine steilen Kurven in Bodennähe durchführen.
„Fahrt ist dabei das halbe Leben“. Gegebenen falls muss die
Landung am Platzrand erfolgen.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
- Die Funkmeldung ist für
den übrigen Platzverkehr
von Bedeutung.
Methodik für eine sichere Außenlandung
Wolkenorientiertes Fliegen in großer Höhe
1. Bodenorientierte Phase
2. Landefeldorientierte Phase
Es ist deshalb besser, nach einem
Entscheidungstrichter zu verfahren.
3. Lande Phase
Generell gilt:
Jede Außenlandung beginnt vor dem
Flug !!!
01.11.2010
Die Entscheidungshöhe (EH)
Sie ist keine absolut vorgegebene
Höhe.
Faktoren für EH:
- Thermikanschluss noch möglich
- Übergang zum bodenorientierten
Fliegen erforderlich,
- Oberflächen- und Bodenstruktur
- H. T. 2010 / 2011 -
1. Entscheidungsstufe:
Bodenorientierte- Phase
2. Entscheidungsstufe:
Landefeldorientierte- Phase
3. Entscheidungsstufe:
Lande- Phase
Methodik für Außenlandungen I
Entscheidungstrichter
1. Bodenorientierte- Phase
ab ca. 700 m GND
Erste Entscheidungsstufe:
1. Bodenorientierte- Phase
ab 700 m GND
Beim Durchfliegen des oberen Teiles
des Trichters muss für die Fortsetzung
des Fluges die Oberflächen – und
Bodenstruktur einbezogen werden.
Es wird also „bodenorientiert“
geflogen.
Landealternativen sind möglich;
Ein Landefeld ist vorhanden.
Generell gilt:
Die Entscheidung zur Außenlandung sollte rechtzeitig
getroffen werden, damit genügend Zeit zur Auswahl und
Untersuchung durch Überfliegen des Landefeldes bleibt.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Entscheidung:
* Bodenwind in Richtung und Stärke
überprüfen bzw. ermitteln!
Methodik für Außenlandungen II
Zweite Entscheidungsstufe:
2. Landefeldorientierte- Phase
ab 400m GND
2. Landefeldorientierte- Phase
ab ca. 400 m GND
Der Thermikanschluss konnte nicht
hergestellt werden. Die Höhe über
Grund hat sich auf die Ausklinkhöhe
für den Windenstart vermindert.
Das Landefeld ist nun der Bezugspunkt.
Ab jetzt wird nun geflogen wie am
Heimatplatz „landefeldorientiert“.
Das schließt ein weiteres Suchen nach
thermischem Anschluss nicht aus.
Aber:
.. Der Spielraum ist enger geworden!!!
Generell:
Die Entscheidung zur Außenlandung sollte rechtzeitig
getroffen werden, damit genügend Zeit zur Auswahl und
Untersuchung durch Überfliegen des Landefeldes bleibt.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Entscheidung:
•
Landefeld bestimmen
•
Beschaffenheit, Umgebung und
Hindernisse erfassen,
•
Position und Platzrunde festlegen.
Methodik für Außenlandungen III
Dritte Entscheidungsstufe:
3. Lande- Phase ab 200m GND
Ohne einen neuen Bart zu suchen, wird
„Positionshöhe“ erreicht und
„landungsorientiert“ geflogen.
Position:
Je nach Verhältnissen eine schulmäßige
Platzrunde mit Landeeinteilung ab
Position in ca.200-150m GND fliegen.
Bei allen weiteren Entscheidungen soll
der Pilot das „Gesetz des Handelns“
verwirklichen.
3. Lande- Phase
ab ca. 200 – 150 m GND
Die Zeit arbeitet nun permanent
gegen den Piloten!
Generell:
Die Entscheidung zur Außenlandung sollte rechtzeitig
getroffen werden, damit genügend Zeit zur Auswahl und
Untersuchung durch Überfliegen des Landefeldes bleibt.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Entscheidung:
•
Landeentschluss
•
Platzrunde fliegen
•
volle Konzentration auf
Landeeinteilung und Landung
Außenlandefeld und Außenlandung IV a
Tipps für die Außenlandung:
1
5
4
6
2
7-8
3
Position ca. 150 m Höhe einnehmen, wie am
Heimatflugplatz
01.11.2010
1. Landecheck vor der Position
durchführen, evtl. Sitzposition
verbessern, (z.B. für Fußbremse)
2. Position nicht zu dicht an das
Außenlandefeld (ALF) legen,
3. Einen ausreichend langen
Queranflug planen,
4. ALF immer im Blick behalten,
5. Landegeschwindigkeit 10% über die
Mindest- Fahrt (
) legen, bei zu
erwartenden Turbulenzen um weitere
10 km/h erhöhen,
6. Immer mit ausgefahrenen Fahrwerk
landen,
7. Bei Gegenwind stets mit einer
Höhenreserve anfliegen,
8. Bei Rückenwind niedriger und mit
einer Fahrtreserve anfliegen.
- H. T. 2010 / 2011 -
Außenlandefeld und Außenlandung IV b
ALF am Ende quer überfliegen
X
X
Position
250 – 150m
Richtig
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Mögliche Situationen:
•
Schlecht oder falsch
gewähltes Landefeld.
•
Hohe Hindernisse, die nicht
zu umfliegen sind.
•
Hoher Bewuchs auf dem
Landefeld, ein Ausweichen
ist nicht mehr möglich.
•
Rauher, steiniger und
unebener Boden.
•
Hindernisse auf dem
Landefeld, mit denen eine
Berührung nicht zu
vermeiden ist.
•
Mangelnde Höhenreserve
für die Landeeinteilung in
Folge zu später
Entschlussfassung.
Außenlandung – V
II a
F A L S C H !!!
Hindernisse im Anflug:
Das gezeigte Verfahren führt
immer wieder zu Diskussionen.
Diese Verfahrensweise ist aber
- Falsch - .
Viele dieser Versuche enden mit
einem schweren Unfall.
Die Kontrolle der AnflugGeschwindigkeit geht hierbei
leicht verloren und der
Aufsetzpunkt verschwindet
aus dem Blickfeld.
Aufschlag
X
Sehr riskante Variante
Höhe nach dem Hindernis reicht oft zum Fahrt
aufholen nicht mehr aus!
Folge: Strömungsabriss – ballistischer Absturz !!!
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Die Energie des SFZ reicht im
Scheitelpunkt des Hochziehens
für einen kontrollierten Gleitflug
hinter dem Hindernis oft nicht
mehr aus.
Folge → Aufschlag
Außenlandung – V b
Hindernisse im Anflug:
F A L S C H !!!
Das gezeigte Verfahren führt
immer wieder zu Diskussionen.
Diese Verfahrensweise ist aber
- Falsch Viele dieser Versuche enden mit
einem schweren Unfall.
Die Kontrolle der AnflugGeschwindigkeit geht hierbei
leicht verloren und der
Aufsetzpunkt verschwindet aus
dem Blickfeld.
Aufschlag
Sehr riskante Variante
Höhe nach dem Hindernis reicht oft zum
Fahrt aufholen nicht mehr aus!
Hindernis mit Schwung überfliegen ist gefährlich.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Die Energie des SFZ reicht im
Scheitelpunkt des Hochziehens
für einen kontrollierten Gleitflug
hinter dem Hindernis oft nicht
mehr aus.
Folge → Aufschlag
Außenlandung - V c
Anflug mit Luftbremse
Hindernisse im Anflug:
(Energiebetrachtung)
Das beste Gleiten (unter BerückSichtigung der GegenwindKomponente) ist das bestmögliche Verhältnis zwischen
Widerstand und Auftrieb
oder
zwischen Sinkgeschwindigkeit
u. Horizontalfluggeschwindigkeit.
Anflug mit
besten
Gleiten
Energieoptimaler kann man
nicht mehr fliegen.
Generell: * Nach Möglichkeit mit Höhenreserve
anfliegen, * Auf Oberkante der Hindernisse
anfliegen, * Bei genügend Gleitwinkelreserve – die
Luftbremse teilweise ausfahren, * Nach Überflug
der Hindernisse die Luftbremse voll ausfahren und
evtl. Slippen.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
Jede Abweichung vom
besten Gleiten kostet
Energie, führt also zum
größeren Höhenverlust.
Außenlandung - VI
Knüppel drücken, um
den Sporn anzuheben.
Fläche auflegen
•
Stellt sich im Landeanflug
heraus, dass das Landefeld zu
kurz ist und nicht ausreicht,
bleibt nur die Möglichkeit, den
Ausrollvorgang durch Auflegen
des Flügels auf den Boden vor
den Hindernissen (auch vor
einem Graben) zu beenden.
•
Gurtzeug vorher fest anziehen
•
Die Folge ist ein „Ringelpiets“
vor den Hindernissen.
•
Dabei sollte der Steuerknüppel
gedrückt sein, um den Sporn so
lang wie möglich bodenfrei zu
halten.
Geringstfahrt
Ringelpiets
durchführen
Die Entscheidung zum Auflegen der Tragfläche
auf den Boden muss rechtzeitig getroffen
werden, um eine Hindernissberührung sicher zu
vermeiden. Gleiches trifft vor einem Graben zu.
01.11.2010
Das Landefeld ist zu kurz
- H. T. 2010 / 2011 -
Außenlandung - VII
Unvermeidliche Kollision
mit Hindernissen auf dem
Landefeld
Mit Fläche
voraus ins
Hindernis
Seitengleitflug
Slipp
Wenn eine Kollision mit
Hindernissen auf dem
Landefeld unvermeidlich ist,
so bleibt nur der Versuch
einer Schadensbegrenzung.
•
Immer steht dabei die
Gesundheit des Menschen
im Vordergrund.
•
Seine körperliche
Unversehrtheit geht immer
vor Sachschaden.
Mit „V- Mindest“
(
)
anschweben
Immer das „harmloseste Hindernis“ aussuchen. Mit
Mindestgeschwindigkeit ( )(möglichst slippend)
anfliegen. Bei mehreren Einzelhindernissen den Rumpf
möglichst zwischen den Hindernissen hindurch steuern.
Sonst mit dem Flügel zuerst direkt in das Hindernis hinein
fliegen, um einen großen Teil der kinetischen Energie
aufzunehmen. Achtung: Gurte vorher fest anziehen.
01.11.2010
•
- H. T. 2010 / 2011 -
Außenlandung - VIII
Landung auf sehr welligem
bzw. bergigem Gelände
Immer bergauf landen!!!
Vor Stillstand des SFZ - die Richtung so ändern,
um ein unkontrolliertes Rückwärtsrollen des
Segelflugzeuges zu vermeiden.
Danach das Flugzeug sofort sichern.
01.11.2010
- H. T. 2010 / 2011 -
•
Landung wird nach Möglichkeit
immer bergauf vollzogen.
•
Bergauf geht immer vor
Windrichtung.
•
Die Anfluggeschwindigkeit ( )
muss schnell genug sein, damit
die Wirksamkeit des
Höhenruders im Abfangbogen
voll gewährleistet ist.
•
Das Abfangen muss bergauf eher
begonnen werden, ansonsten
folgt eine vorzeitige, harte
Landung gegen den Hang, was zu
Stauchungen bzw. zu einer
Wirbelsäulenverletzung führen
kann.

similar documents