Die Globalisierung der Finanzmärkte

Report
Innenansichten
1. Teil: Gesundheitswesen
2. Teil: Rentensysteme
Attac-Vortrag Genug für alle
Harald Klimenta
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Grundsätzliche Feststellungen über unser
gegenwärtiges Gesundheitssystem
1.
Es existiert keine Kostenexplosion
2.
Es existieren Fehlanreize und eine ineffiziente
Steuerung
3.
Prävention wird unterschätzt
4.
Pharmakonzerne erwirtschaften Monopolrenten
5.
Privatisierungen im Gesundheitswesen sind beinahe
generell schädlich
6.
Patienten werden „repariert“
7.
Mehrklassenmedizin ist bereits existent, dies ist mit
der Würde des Menschen nicht vereinbar
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Grundsätzliche Feststellungen über unser
gegenwärtiges Gesundheitssystem
1. Es existiert keine
Kostenexplosion
2.
Es existieren Fehlanreize und eine ineffiziente Steuerung
3.
Prävention wird unterschätzt
4.
Pharmakonzerne erwirtschaften Monopolrenten
5.
Privatisierungen im Gesundheitswesen sind beinahe generell schädlich
6.
Patienten werden „repariert“
7.
Mehrklassenmedizin ist bereits existent, dies ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar
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Kostenexplosion und absolute Preise
3 wahre Aussagen...
„Benzinpreise: Zwischen 1960 und 2000
um 240 Prozent gestiegen“
„DAX: zwischen 1960 und 2000 um 1560
Prozent gestiegen“
„Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung:
Zwischen 1970 und 2000 verzehnfacht“
...die nichts aussagen!
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„Benzinpreise: Zwischen 1960 und 2000 um
240 Prozent gestiegen“
Durchschnittliche Benzinpreise am Jahresende
1960: 60 Pfennig,
2000: 204 Pfennig
Wesentliche Frage: Was geschah mit der Kaufkraft?
Wie lange benötigt ein durchschnittlich Verdienender, um
sich einen Liter Benzin kaufen zu können?
1960: ca. 14 Minuten
2000: ca. 5 Minuten
FAZIT: Kosten für Mobilität deutlich gesunken
(Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft)
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„Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung:
Zwischen 1970 und 2000 verzehnfacht“
1970: 25 Mrd. DM -- 2000: 250 Mrd. DM
1) Inflation 160 % (Faktor 2,6)
2) Wachstum 96 % (Faktor 1,96 - Lohnsteigerungen in selben Umfang)
3) Wiedervereinigung (schlagartig mehr Versicherte) +15 %
4) Innovationen zwischen 1970 und 1975 (Lohnfortzahlung...) +57 %
--> Steigerung um 2,6*1,96*1,57*1,15 = Faktor 9,2
-->Restgröße von ca. 10 % ist gesamte Kostensteigerung zwischen 1975 und
2000 [0,38% p.a.]
FAZIT: Es existiert keine Kostenexplosion!
Reichere Gesellschaften kümmern sich vermehrt um ihre Gesundheit
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GKV-Ausgaben in Prozent des BIP
8,0
Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung in Prozent des
Bruttoinlandsprodukts
7,5
7,0
6,5
6,8
6,2
6,4
+10 %
6,0
5,8
5,5
5,0
4,5
4,0
3,5
3,7
Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes;
Alte Gesundheitsausgabenrechnung des statistischen
Bundesamtes. Zahlen bis einschl. 1991 altes
Bundesgebiet, Zahlen für 1999/2000 vorläufig.
3,0
1970
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1975
1980
1985
1990
1995
2000
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Das Märchen von den ausufernden
Sozialleistungen
2003:
29,5 %
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Es existiert keine Kostenexplosion im
Gesundheitswesen
Daraus folgt:
• Innovation im Gesundheitswesen im selben Tempo wie in
Industrie, Tempo entspricht Wirtschaftswachstum, in diesem
Tempo steigen die Kosten.
• Also: Keinerlei Kostenexplosion durch Apparate-Medizin (wahrlich
erstaunlich!)
• Demografische Effekte: Hauptteil der Kosten fallen in letzten
beiden Lebensjahren an, unabhängig vom Alter. Effekt wird völlig
überschätzt!
• (Teil-)Privatisierungsdiskussion reine Propaganda.
Es existieren sogar noch Wirtschaftlichkeitsreserven!
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Warum steigen die Beiträge?
45
Sozialversicherungsbeiträge
40
35
+37%
Gesamt
Prozent
30
25
Ökosteuer
Rente
20
15
Gesundheit
+38%
10
5
Arbeitslosigkeit
Pflege
0
1970
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1975
1980
1985
1990
1995
2000
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Warum steigen die Beiträge?
1.
Steigende Arbeitslosigkeit
2.
Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse
3.
Steigende hohe Löhne bei zu langsam steigender
Beitragsbemessungsgrenze
4.
Zu geringe durchschnittliche Lohnerhöhungen
5.
Rückzug wohlhabender Bevölkerungsschichten
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Rückzug wohlhabender Schichten aus der
Finanzierung sozialer Systeme
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Grundsätzliche Feststellungen über unser
gegenwärtiges Gesundheitssystem
1.
Es existiert keine Kostenexplosion
2. Es existieren Fehlanreize und eine
ineffiziente Steuerung, diese werden
gegenwärtig noch verstärkt
3.
Prävention wird unterschätzt
4.
Pharmakonzerne erwirtschaften Monopolrenten
5.
Privatisierungen im Gesundheitswesen sind beinahe generell schädlich
6.
Patienten werden „repariert“
7.
Mehrklassenmedizin ist bereits existent, dies ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar
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60-jähriger Patient mit „Raucherbein“
Diagnose:
Therapie:
Hauptdiagnose: Schwere arterielle Durchblutungsstörung
pAVK St.IV I70.24 DRGF65A
Nebendiagnosen: Herzinsuffizienz
I50.1
KHK
I25.1
Z.n. Myocradinfarkt
I25.2
Arr. Abs. bei Vorhofflimmern
I48
Diabetes mellitus Typ II b
E11.71
diabet. Polyneuropathie
G63.2*
diabet. Nephropathie
N16.2*
Niereninsuffizienz
N18.8
asymptomatische Carotisstenose I65.2
Adipositas
E66.0
Verweildauer 21 Tage
Feinnadelangiographie li. Bein 3-607
tgl. Wundpflege
1 Woche antibiot. Therapie mit Rocephin 2 g i.v.
intraart. Infusionstehrapie mit Prostavasin über 20 Tage
Diabetesneueinstellung
Physiotherapie
Zusätzlich: Vorfußamputation nach
Chopart 5-865.4
Vergütung nach DRG: PCCL 3 oder 4, CW 1,69*
€ 2400 .--
€ 10.600 .--
* bezogen auf die austr. Def. Von 1997/98
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Die Würde des Menschen ist antastbar: DRGs
Folgen des DRG-System:
Unmittelbar:
• Steigender
Verwaltungsaufwand
• Steigender Kostendruck
• Mißbrauchsmöglichkeiten
• Verteuerung des
Gesundheitswesens
• „Herumschieben“ von
Patienten, „Drehtüreffekt“
Mittelbar:
• ??? Therapiefreiheit
• Sinkende Nachbehandlungsqualität
• Selektion
• Werteverschiebung
• Menschenwürde
Weiterer Türöffner für Privatisierungen
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Wieso über 10 Euro aufregen?
•
Widerspricht Solidarprinzip
und Versichertenprinzip
•
Sozial unausgewogen (Wer wird
häufig krank?)
•
Medizinisch unausgewogen
(Vernünftige und unvernünftige
Arztbesuche werden reduziert)
•
Ärzte dehnen ihr Angebot aus
 Einsparungen verpuffen
•
Moral Hazard („Ich war ja
dieses Quartal schon, dann…“ )
•
Verschleppen v. Krankheiten
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• Quebec-Studie: Höhere Gesamtkosten
• Absinken der Einnahme essenzieller
Arzneimittel um 9 / 14 % bei älteren
/ ärmeren Personen
• Verdopplung von Zwischenfällen
• Verdopplung von notärztlichen
Akutbehandlungen, signifikant v.a.
bei langfristiger
Medikamenteinnahme
• Bsp. USA: höherer Eigenanteil bei
Psychopharmaka  Kostenanstieg wg.
Inanspruchnahme v. Akutkliniken
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Grundsätzliche Feststellungen über unser
gegenwärtiges Gesundheitssystem
1.
Es existiert keine Kostenexplosion
2.
Es existieren Fehlanreize und eine ineffiziente Steuerung, diese werden gegenwärtig verstärkt
3.
Prävention wird unterschätzt
4.
Pharmakonzerne erwirtschaften Monopolrenten
5. Privatisierungen im
Gesundheitswesen sind beinahe
generell schädlich
6.
Patienten werden „repariert“
7.
Mehrklassenmedizin ist bereits existent, dies ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar
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Leitlinien für ein ideales
Gesundheitswesen (Patienten)
• Patienten werden unabhängig von
ökonomischen Interessen behandelt.
• Patienten werden in erster Linie
behandelt und nicht verwaltet.
• Mit der Informationsasymmetrie im
Arzt-Patienten-Verhältnis wird
verantwortungsvoll umgegangen.
• Die Gesundheitsversorgung ist
unabhängig von den finanziellen
Möglichkeiten des Patienten und
dessen sozialen Status.
• Einzelfallentscheidungen am Patienten
dominieren gesellschaftliche
Entscheidungen unter Beachtung
interdisziplinär und verantwortungsvoll
ausgearbeiteter Leitlinien.
• Die Compliance ist hoch.
• Prävention wird verinnerlicht
 z. B. Menschen handeln
entsprechend der Erkenntnis, dass
Bewegung gut tut.
Eine egalitäre Gesundheitsversorgung ist
Grundvoraussetzung für jede faire Gesellschaftsordnung
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Leitlinien für ein ideales
Gesundheitswesen (Institutionen)
• Es existieren Anreizsysteme, durch die
präventive wertvoller als kurative
Medizin wird – in der Behandlung als
auch in der Forschung
• Die Auswirkungen gesellschaftlicher
Entwicklungen auf die Gesundheit wird
von der Politik beachtet
 Sozialer Ausgleich und Bildung
sind Teil präventiver Maßnahmen
• Berufsständische Hierarchien
verschwinden, Ärzte kooperieren.
• Es existieren Anreizsysteme,
durch die sprechende Medizin
und Pflege dieselbe
Wertschätzung erfährt wie
medikamentöse und
apparative Behandlungen.
• Medizintechnik- und
Pharmaindustrie unterstützen
medizinische Entwicklungen
und dominieren sie nicht,
alternative Heilmethoden
haben eine Chance
Niemand übt Macht aus, ohne Verantwortung zu tragen
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Was droht in privatisierten Krankenhäusern?
Vorsicht: öffentliche und private KH parallel  Systemkonkurrenz
•
•
•
•
•
PatientInnen werden noch mehr
ökonomischen Kalkülen unterworfen
Schlechtere Arbeitsbedingungen
(Verdichtung), kein BAT, Outsourcing
Kostensenkungswettbewerb 
Qualitätsmängel, Folge: teures
Qualitätsmanagement muss gegen
ökonomische Interessen ankämpfen
Allgemein: Spezialisierung; =
Widerspruch zu wohnortnahen
Versorgung
Spezialisierung auf rentable Bereiche,
Rosinenpicken, Rest für Öffentliche
• Generelle Probleme bei Konkurrenz:
Werbung, Profite (Dividende),
Lohnspreizung  weniger Geld für
Gesundheit
• Erfahrung in USA: Verteuerung des
Gesundheitswesens
• Verquickung mit Industrieinteressen
(KH-Betreiber oder Anteilseigner
Glaxo?)
• Ausweitung von unterschiedlichem
Angebot an unterschiedlich
Versicherte: Vertiefung der
Mehrklassenmedizin
Öffentliche ineffizient?  Öffentliche Kontrolle, Unternehmensberatung
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Folge der Privatisierung von
Versicherungsleistungen
1)
Privatisierung verteuert das Gesundheitswesen
Verwaltungskosten der Privatversicherungen *3-5
•
•
•
Werbeausgaben
Zwischenschalten der Finanzmärkte
Gewinnabschöpfen
2)
Keine Steigerung der Qualität des Gesundheitswesens (USA)
3)
Zwangsläufige Vertiefung einer Mehrklassenmedizin Umverteilung ist privaten Systemen wesensfremd
4)
Enorme Gelder für Finanzmärkte
• Sharholder-Value
• Finanzmarktrisiken (erst die Lebensversicherer…?)
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Warum ist Privatisierung im
Gesundheitswesen generell abzulehnen?
• Eine angemessene Gesundheitsversorgung ist Menschenrecht
• Gesundheitsversorgung für alle ist eine der Grundvoraussetzungen,
damit in einer Gesellschaft Chancengleichheit existieren kann
• Patienten haben Anspruch auf Hilfe jenseits ökonomischer Kalküle
• Patienten sind keine Kunden
• Mehrklassenmedizin unterminiert den Hippokratischen Eid (wenn
der Arzt nicht mehr behandeln darf, obwohl er die Möglichkeit hätte)
• Basisdienstleistungen dürfen nicht von Profitinteressen beherrscht
werden (Wasser, Rente, ...)
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Grundsätzliche Feststellungen über unser
gegenwärtiges Gesundheitssystem
1.
Es existiert keine Kostenexplosion
2.
Es existieren Fehlanreize und eine ineffiziente Steuerung, diese werden gegenwärtig verstärkt
3. Prävention wird unterschätzt
4.
Pharmakonzerne erwirtschaften Monopolrenten
5.
Privatisierungen im Gesundheitswesen sind beinahe generell schädlich
6.
Patienten werden „repariert“
7.
Mehrklassenmedizin ist bereits existent, dies ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar
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Prävention?
• 4 Probleme im Gesundheitswesen: Bewegungsmangel,
Fehlernährung, Alkoholmissbrauch, Rauchen
• Gewohnheitsänderungen nur über lange Zeiträume
 Prävention bringt keinen Profit in für private
Institutionen relevanten Zeiträumen
SVR: Bis zu 70 % aller Krankheiten ließen sich durch
gezielte Vorbeugung verhindern
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Die Reformdebatte steht erst am
Anfang
Gegenwart:
Zukunft:
•
Diskussion über
Eigenverantwortung
- Spaltung der Gesellschaft
Diskussion über Kopfpauschalen
vs. Bürgerversicherung
- Sozialkapital erodiert
•
• Diskussion über Proportionalsteuer
 Kein Ende der Debatte absehbar
- Sozialer Friede schwindet
- Inlandsnachfrage bleibt mau
- Elitenbildung? / Aristokratie?
Generell gilt:
Privatsystemen ist Umverteilung
wesensfremd
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Wie den Sozialstaat
„globalisierungsfest“ machen?
Erkennen, dass Standortwettbewerb etwas negatives ist:
• Ablösen des neoliberalen Konkurrenzdenken durch internationale
Kooperation, Verlangsamung
• Bekämpfen von Steuerflucht, etc..
Erkennen, dass Handlungsspielräume vorhanden sind:
•
•
•
•
•
Überwinden rezessiver Wirtschaftspolitiken,
Einführung Vermögens- u. Erbschaftssteuer
Keine weitere Entlastungen der Unternehmen, Mindestgewinnbesteuerung
Antizyklische Konjunkturpolitik
Einschwenken auf nachhaltiges Wirtschaften
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Gestaltungsspielräume sind vorhanden
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Gestaltungsspielräume sind vorhanden
Quelle: Deutscher Bundestag: Schlussbericht der EnqueteKommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“, S. 99.
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Attac & Sozialsysteme
Grundsätze:
• Jeder Mensch hat aufgrund seiner bloßen Existenz ein Recht auf Teilhabe
am gesellschaftlichen Reichtum
• Solidarischer Ausgleich zwischen Alt & Jung – Reich & Arm – Stark &
Schwach
• Umlagesysteme sind gerechter und sicherer!
• Globale Umverteilung, Nachhaltiges wirtschaften, Aufbauhilfe Süd,
Reform int. Org., TRIPS, GATS, …
Finanzierung der Sozialsysteme:
• Alle Einkommen gemäß ihrer Leistungsfähigkeit besteuern
• Vermögens- und Erbschaftssteuern
• Massiver Druck auf Steueroasen (S-L-L)
• (Gewinnsteuer-)Harmonisierungen in der EU
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Forderungen zur Sicherung der Finanzierung
des Gesundheitswesens
• Massiver Ausbau von Prävention, Einführung einer Positivliste,
Anreize für eine offene Medizinentwicklung
• Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze
• Ausdehnung der Versicherungspflicht auf alle Erwerbstätigen
(führt zum Ende der Privatversicherungen im
Gesundheitswesen)
• Einbeziehen aller Zins-, Miet- und Gewinneinkommen und
nicht nur der Arbeitseinkommen der Versicherten in die
Beitragspflicht
• Heranziehen der Arbeitgeber zu einer Wertschöpfungsabgabe,
die arbeitsintensive Betriebe gegenüber kapitalintensiven
bevorzugt.
Einführung einer
Bürgerversicherung
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Innenansichten
2. Teil: Rentensysteme
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Umbau des Rentensystems
Offizielle Begründungen:
• Umlageverfahren dem demographischen Wandel
nicht gewachsen
 Alterspyramide, „explodierende“ Beiträge
 Keine Renditen bei Umlagesystem
• Für eine (Teil-)Privatisierung spricht außerdem:
• Geringere Risiken bei Mischsystemen
• Breite Bevölkerungsschichten an hohen
Kapitalmarktgewinnen beteiligen
• Investieren im Ausland verringert
demographische Probleme
• Senkung der Lohnnebenkosten
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Umfang des demographischen Wandels
Stat. BuA: Auf 100 Menschen zw. 20-60 Jahre kommen:
2001: 44 // 2050: 76 … also: +77%
Problem 1: 50-Jahres-Prognosen = Kaffeesatzleserei [Vorhersagen des Jahres 1905,
Bevölkerung 2050 zw. 67 u. 81 Mio.]
Problem 2: Modellannahmen durch Politik beeinflussbar (Migration, Familienpolitik)
Problem 3: Auch jüngere einbeziehen, dann 2001: 82 // 2050: 112 … + 37 %
Problem 4: 6 Jahre länger leben, keinen Tag länger arbeiten? Annahme Renteneintrittsalter
2050 = 65 Jahre. „Mittleres Alter“ dann 20-65 Jahre. Dann die Zahlen:
Auf 100 Menschen mittleren Alters kommen 2001: 82 // 2050: 85
jüngere und ältere [detailliert: 2001 a44 – j38, 2050 a-55, j30]
Kontrast: 1970: Auf 100 Menschen zw. 20-60 kommen: 40 ältere, 60 jüngere
[zwischen 2001 u. 2050]
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Quelle: Bosbach
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Wie sicher ist die Rente?
Kritische Anmerkungen:
• 2050: Auswahl des Jahres mit der höchsten „Dramatik“
• Bis 2020 nur minimale Änderung
 Versucht die Regierung tatsächlich bis 2050 zu planen??
Ein Novum!
Jährlicher Produktivitätsfortschritt:
• Rürup +1,25 %, Herzog: +1,8 %, Vergangenheit: 2-2,5 %
• Annahme: +1,25 %  Leistungsfähigkeit steigt bis 2050 um
84 %
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Quelle: Bosbach
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Privatisierung der Rente
• Ziel: Riesiges Kapitalvolumen (ca. 250 Mrd. Euro) weckt natürlich
Begehrlichkeiten  für Finanzmärkte nutzbar machen
• Weg: Erzwingen der Bildung eines Kapitalstocks
• Riester-Rente = Teilprivatisierung
• Nachhaltigkeitsfaktor (beginnender Umbau von Leistungszusage
zu Beitragsprinzip) zwingt zu privater Vorsorge,
Gewinner: Finanzbranche, Arbeitgeber (Entlastung,
willkürliche Zumutbarkeitsgrenzen (22 %))
Anderer Deutungsansatz: Verschieben von Rechten, um Voting by
feets in 30 Jahren zu umgehen
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Wie sicher ist die Rente?
1400
Inflationsbereinigte Aktienkurse der 500 größten
US-Amerikanischen Unternehmen
S&P Composite Aktienindex
1200
1000
800
55 Jahre
600
25 Jahre
400
200
0
1880
1900
1920
1940
1960
1980
2000
Jahr
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Keine prinzipiellen Unterschiede in
den Rentensystemen
• Gesellschaft ohne Geld: Beschäftigte versorgen nicht
Beschäftigte
• Gesellschaft mit Geld kann nicht anders
funktionieren
• Geldflüsse im privaten und im Umlageverfahren
identisch, Unterschied: Vermögenstitel
• Alle Systeme reagieren identisch auf sinkende
Erwerbstätigkeit
• These von Mackenroth:
„Aller Sozialaufwand muß immer aus dem
Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden“
• Kapitalstock: Psychologie unwesentlich (USA)
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Folgen einer Privatisierung der Rente
• Prinzipielle Erhöhung der Rentenunsicherheit
(Finanzmarktkapriolen: 55 Jahre ohne Rendite...)
• Altersarmut: Umlagesystem besser (Chile, GB: 1/3
aller Rentner leben unterhalb der Armutsgrenze)
• Stärkung der Finanzmärkte und des ShareholderValue-Denkens
• „Moral-hazard“-Problem bei großen Fonds:
Scheitern einkalkulieren, da Staat den Schaden
begrenzt
• Interessenskonflikt Aktionär - Beschäftigter
Privatisierung von Gewinnen, Verluste trägt
Gemeinschaft
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Beispiele aus anderen Ländern
• US-System:
• „401(k)“: Keine Garantie auf Ausschüttungen, Finanzmarktrisiken
tragen eigentlich Rentner, aber:
• Mexiko-Krise: Hilfskredite für Rentenfonds
• Enron-Pleite [incl. Folgekosten 60 Mrd. $]: Belegschaftsaktien v.
21000 Mitarbeitern wertlos
• Staatl. Rückversicherungen (garantieren Mindestrente) vor Pleite
• Japan:
• Zusammenbruch drei der größten Versicherer
 Rentenverpflichtungen werden vom Staat übernommen
 Genereller Umbau zum Beitragsprinzip bereits vollzogen
 Senken der Grundrente
• Großbritannien:
 Abbau d. Leistungszusagen d. Privaten (Köder nach Priv. 1980)
 Betriebsrentensystem bricht zusammen
 Staatl. Rente ca. 15 % des Durchschnittseinkommens
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Beispiele aus anderen Ländern: Chile
• Zwangsversicherungssystem bei AFP,
Privatisierung ab 1980
• Ab 1991 jährlich negative Rendite,
chilenische Staatspapiere rentabler.
• Verwaltungskosten ca. 18% (in GB bis 40 %,
Argentinien bis 30 %, Umlageverfahren in
Deutschland: ca. 2 %), (Grund: Werbung +
Profite + Abwerbegeschenke
• Mitglieder, die regelmäßig einzahlen,
von 71 % (in 1983) auf 45 % (in
1999) gefallen, Financial Times 1998:
> 50 % der Mitglieder zahlen
überhaupt nicht ein.
• 1,6 Mio AFP-Wechsler pro Jahr (22.000
„Abwerber“, reine Werbekosten 3,2 % am
Umsatz) „Wenn schon keine Rente, dann
zumindst Geschenke)
• Konzentration: 7 Pensionsfonds übrig,
Eigenwerbung: Rendite = 11 % (vor
Verwaltungskosten); irreführend, da keine
Mindestrendite für einzelnen Versicherten
sondern Durchschnittsrendite
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• Nur für verschwindende
Minderheit wird Rente vor Armut
schützen
• 1995: auf >50 % der Konten weniger
als 1250 US-Dollar, Minimalrente
120 US-Dollar/Monat...
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Beispiele aus anderen Ländern: Argentinien
• 1994: Öffnung. Wahlfreiheit bei finanziellen Anreizen zur
Privatvorsorge
• Staat kommt weiter allen bisherigen Rentenverpflichtungen nach
• Wahlfreiheit bei Beschäftigten, doch Anreize zum Wechsel,
Einbahnstraße
• Banken, etc. bauen Privatkassen auf (ca. 30 % Kommission). Außer
Verwaltung keine Ausgaben, da nur Beschäftigte, noch keine Rentner
 Hohe Überschüsse: Halten argentinische
Staatsschuldverschreibungen
• Staatl. System verliert Einzahler  ca. 10 Mrd. US-Dollar Defizit,
finanziert über privates Rentensystem
• 1997: Durchschnittsrente 150 US-Dollar (Preisniveau höher als in D)
• 2001: Rentenkürzungen um 13 Prozent, um Staatshaushalt IWFForderungen gemäß zu gestalten
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Systemvergleich: Rente und Gesundheit
Rente
•
•
•
•
•
Umsatz: ca. 250 Mrd. €
Überwiegend Umlagefinanziert
„Lohnnebenkosten“
hohe Umverteilungskomponente
„In Zukunft gefährdet:
Alterspyramide“
• Eliten vom Solidarsystem
ausgenommen
• Eigendynamik: Fluchtmöglichkeit
wird genutzt
• „Eigenverantwortung“
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Gesundheit
•
•
•
•
•
dito
dito
dito
noch deutlich höher!
„In Zukunft gefährdet:
Kostenexplosion“
• Privatversicherungen,
private Krankenhäuser
• dito
• dito
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Rentenreform – warum ein
Systembruch?
Bisher:
•
Paritätische Umlagefinanzierung
 Finanzmärkte ausgesperrt
•
Altersarmut stark rückläufig nach 2.
WK
Zukunft:
• Private Vorsorge ohne
Beteiligung des Arbeitgebers
 Keine Parität
• Aufbau eines Kapitalstocks
•
Nur Umlageverfahren überlebte
Hyperinflationen und Kriege
• Rente den Finanzmarktkapriolen unterworfen
•
Hohe Sparquoten gerade im
Umlageverfahren
• Auf Rente sparen stärkt
Shareholder-Value(-Denken)
Generell gilt:
Arbeitender Teil der Bevölkerung muss den nicht arbeitenden
Teil versorgen Volksverdummung!
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