"aus" der Vorlesung

Report
Das Recht der Staatenimmunität
Vorlesung: Vertiefung Völkerrecht
Rechtsquellen
• Das Recht der Staatenimmunität entspringt auch heute noch zu einem
Großteil der Quelle des Gewohnheitsrechts
– Starke Mindermeinung aus der amerikanischen Völkerrechtsliteratur vertritt die
Auffassung, dass die Immunitätsgewährung allein auf comity beruhe.
• Ausnahme: spezielle vertragliche Regelungen sind anwendbar:
–
–
–
–
Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen (WÜD)
Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen (WÜK)
Europäische Übereinkommen über Staatenimmunität (EÜSI)
Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ, zB Art. 95, 96: Immunität
von Schiffen)
• Kodifikationsbestrebungen (nicht vollständig):
– Competence of Courts in regard to Foreign States (Entwurf der Harvard University
von 1932)
– Resolutionen des Institut de Droit Internationale
• Contemporary Problems Concerning the Immunity of States in Relation to Questions of
Jurisdiction and Enforcement (IDI 1991, 2001, 2005)
• Resolution on the Immunity from Jurisdiction of the State and of Persons Who Act on Behalf of
the State in case of International Crimes (IDI 2009)
– United Nations Convention on Jurisdictional Immunities of States and their
Property (2004, derzeit 14 Ratifizierungen)
Allg. Grundlagen der Staatenimmunität
• Völkerrechtliche Immunität schützt vor der
Gerichtsbarkeit eines fremden Staates
• Anknüpfungspunkt ist die formale souveräne Gleichheit
der Staaten, Art. 2 I UN-Charta
Merke: Gleiche können über Gleiche nicht zu Gericht
sitzen, da sich ansonsten die zwischen ihnen geltende
Gleichheit in ein Über- Unterordnungsverhältnis
verkehren würde (par in parem non habet iudicum)
• Immunität beschränkt somit die Gebietshoheit, indem sie
verlangt, dass gewisse staatliche Handlungen nicht von
ihr erfasst werden
Allg. Grundlagen der Staatenimmunität
Jurisdictional Immunities of the State, Germany v. Italy,
Judgment, 3rd February 2012, MN. 57:
“The Court considers that the rule of State immunity occupies an
important place in international law and international relations. It
derives from the principle of sovereign equality of States, which (…) is
one of the fundamental principles of the international legal order. This
principle has to be viewed together with the principle that each State
possesses sovereignty over its own territory and that there flows from
that sovereignty the jurisdiction of the State over events and persons
within that territory. Exceptions to the immunity of the State represent
a departure from the principle of sovereign equality. Immunity may
represent a departure from the principle of territorial sovereignty and
the jurisdiction which flows from it.”
Allg. Grundlagen der Staatenimmunität
• Das Bestehen von Immunität ist eine prozessuale
Vorfrage und daher unter dem Prüfungspunkt
„Gerichtsbarkeit“ auch vor der Zulässigkeit zu prüfen
• Dieses Hindernis für die Ausübung deutscher Gerichtsbarkeit ergibt sich hinsichtlich
• Staaten aus der Verfassung selbst, vgl. Art. 25 GG
• und für Personen aus den §§ 18-20 GVG
– § 18 GVG betrifft Mitglieder diplomatischer Missionen
– § 19 GVG betrifft Mitglieder konsularischer Vertretungen
– § 20 I GVG betrifft eingeladene Repräsentanten eines
Drittstaates
– Art. 20 II GVG betrifft alle sonstigen Personen (zB
Regierungschefs, Minister etc.)
Allg. Grundlagen der Staatenimmunität
Welcher Zeitpunkt ist für die Bestimmung des Immunitätsumfanges relevant?
Ferrini Fall: Luigi Ferrini wurde von der dt. Wehrmacht nach Deutschland zwangsdeportiert
und dort und menschenunwürdigen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen. 1998
verlangte Ferrini hierfür Schadensersatz von Deutschland.
Jurisdictional Immunities of the State, Germany v. Italy, Judgment, 3rd
February 2012, MN. 58:
“The Court observes that, in accordance with the principle stated in Article 13 ASR,
the compatibility of an act with international law can be determined only by reference
to the law in force at the time when the act occurred. In that context, it is important to
distinguish between the relevant acts of Germany and those of Italy. The relevant
German acts (…) occurred in 1943-1945, and it is, therefore, the international law of
that time which is applicable to them. The relevant Italian acts ⎯ the denial of
immunity and exercise of jurisdiction by the Italian courts ⎯ did not occur until the
proceedings in the Italian courts took place. Since the claim before the Court concerns
the actions of the Italian courts, it is the international law in force at the time of those
proceedings which the Court has to apply.”
Immunität des Staates
Immunität
Erkenntnisverfahren
Vollstreckungsverfahren
Merke: Der Staat genießt sowohl im Erkenntnisverfahren als auch im sich
daran ggf. anschließenden Vollstreckungsverfahren Immunität.
Der Schluss von der fehlenden Immunität auf einen fehlenden Immunitätsschutz im Vollstreckungsverfahren ist untersagt.
Immunität des Staates
• Umfang der Immunität des Staates:
– Ursprünglich: absolute Immunitätstheorie
Sämtliche Handlungen des Staates waren vom Immunitätsschutz
umfasst
– Heute: restriktive Immunitätstheorie (ganz hM)
•
•
•
Staatliche Handlungen genießen nur noch dann Immunitätsschutz,
wenn sie als hoheitlich zu qualifizieren.
ILC folgte letztlich der restriktiven Immunitätstheorie bei der
Ausarbeitung ihrer Artikel (vgl. nur Art. 10 UNCJI)
Ausgangspunkt: verstärktes Aufkommen ökonomischer Tätigkeiten des
Staates (Staatsunternehmen etc)
–
•
„Tate Letter“ beschreibt diesen Einstellungswandel sehr schön (abgedr. bei
Bankas, The State Immunity Controversy in International Law (2005), S. 409
f.)
IGH lies die Frage hinsichtlich des Anwendungsbereichs ratione
materiae in Germany v Italy offen, da es dort unstreitig um hoheitliche
Akte Deutschlands ging (Jurisdictional Immunities of the State,
Germany v. Italy, Judgment, 3rd February 2012, MN. 60)
Immunität des Staates
•
Wendepunkt in Deutschland:
– Rechtsprechung des BVerfG in E 16, 27 – Iranische Botschaft
„Eine zusammenfassende Würdigung der Rechtsprechung, einiger vertraglicher Regelungen, der
Kodifikationsbemühungen und Völkerrechtslehre ergibt, daß die unbeschränkte Staatenimmunität nicht
mehr als Regel des Völkergewohnheitsrechts angesehen werden kann. Dem österreichischen Obersten
Gerichtshof ist zuzustimmen, wenn er in seiner Entscheidung [Hoffmann vs. Dralle] feststellt, „…daß heute
nicht mehr gesagt werden kann, daß nach anerkannten Regeln des Völkerrecht die sogenannten acta
gestionis von der inländischen Gerichtsbarkeit ausgenommen ist“.“ (BVerfGE 16, 27 (61))
•
Wendepunkte in den USA:
– Alfred Dunhill of London Inc v. Rupublic of Cuba, 425 U.S., S. 682 (698):
„Although it had other views in years gone by, in 1952 (…), the United States abandoned the absolute
theory of sovereign immunity and embraced the restrictive view under which immunity in our courts
should be granted only with respect to causes of action arising out of a foreign state's public or
governmental actions and not with respect to those arising out of its commercial or proprietary actions.“
–
US Foreign Sovereign Immunities Act 1976, § 1602:
„Under international law, states are not immune from the Jurisdiction of foreign courts insofar as their
commercial activities are concerned (…)“
•
Wendepunkte in UK:
– I Congresso del Partido, [1981] 2 All ER, S. 1092 (1100):
„In view of these developments I think it plain that the absolute doctrine is no longer part of international
law. The restrictive theory holds the field in international law (…)“
– UK Sovereign Immunities Act 1978
Immunität des Staates
• Begriffsbestimmung „Staat“ iSd Rechts der
Staatenimmunität
– Staat soll umfassen (vgl. auch Art. 2 UNCJI):
Staat (ggf. inkl. territoriale Untergliederungen) als
Rechtspersönlichkeit aber auch dessen Angestellte iwS
–
Grund: Würde sich die Immunität des Staates nicht
auch auf seine Beschäftigten erstrecken, wäre es ein
leichtes die staatliche Immunität zu umgehen
• Jones v. Saudi Arabia, 45 ILM (2006), S. 1108 (MN.10):
“There is, however, a wealth of authority to show that in
such case the foreign state is entitled to claim immunity for
its servants as it could if sued itself. The foreign state's right
to immunity cannot be circumvented by suing its servants or
agents.”
Immunität des Staates
•
Wonach bestimmt sich die Natur des staatlichen Handelns?
– all diejenigen Handlungen, die mit einer hoheitlichen Aufgabe im Zusammenhang
stehen, einem hoheitlichen Zweck dienen sind als acta iure imperii einzuordnen
• Dagegen: staatliches Handeln steht meist im Zusammenhang mit einer hoheitlichen
Aufgabe
– BVerfGE 16, 27 (62) – Iranische Botschaft:
„Maßgebend für die Unterscheidung zwischen Akten iure imperii und iure gestionis kann
vielmehr nur die Natur der staatlichen Handlung oder des entstandenen Rechtsverhältnis
sein, nicht aber Motiv und Zweck der Staatstätigkeit. Es kommt also darauf an, ob der
ausländische Staat in Ausübung der ihm zustehenden Hoheitsgewalt, also öffentlichrechtlich, oder wie eine Privatperson, also privatrechtlich, tätig geworden ist“
– Art. 2 II UNCJI kombiniert beide Ansätze in gewisser Weise:
“In determining whether a contract or transaction is a “commercial transaction” under
paragraph 1 (c), reference should be made primarily to the nature of the contract or
transaction, but its purpose should also be taken into account if the parties to the contract
or transaction have so agreed, or if, in the practice of the State of the forum, that purpose is
relevant to determining the non-commercial character of the contract or transaction”
Faustformel: Kann die Handlung nur vom Staat vorgenommen
werden, oder kann sie ebenfalls von Privaten ausgeübt werden?
Immunität des Staates
• Die wichtigsten Immunitätsausnahmen
– Private bzw. wirtschaftliche Handlungen
– Immunitätsverzicht bzw. Staat stimmt Verfahren
ausdrücklich zu (express consent rule, Art. 7 UNCJI)
– Arbeitsrechtliche Streitigkeiten (str., vgl Art. 11
UNCJIL)
• EuGH, Mahamdia v. Algerien, Rs. C-154/11, Rn. 56
Anstellungsstaat kann sich nur dann auf seine Immunität
berufen, wenn die Tätigkeit des AN hoheitlichen Zwecken dient
– Gebietsbezogene Deliktsausnahme (str., vgl. Art. 12
UNCIJ)
Immunität des Staates
Problem: Kann sich der Staat vor nationalen Zivilgerichten fremder Staaten auf seine Immunität
berufen, wenn er ihm schwere Menschenrechtsverletzungen oder Kriegsverbrechen zur Last
gelegt werden
Ferrini Fall: Luigi Ferrini wurde von der dt. Wehrmacht nach Deutschland zwangsdeportiert und
dort und menschenunwürdigen Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen. 1998 verlangte
Ferrini hierfür Schadensersatz von Deutschland.
•
Erster Prüfungspunkt: Kriegsverbrechen als acta iure imperii?
vgl. Joint Separate Opinion Higgins, Kooijmans und Buergenthal, Arrest Warrant Case, MN. 85:
“(…) serious international crimes cannot be regarded as official acts because they are neither normal
State functions nor functions that a State alone (in contrast to an individual) can perform.”
•
•
Zweiter Prüfungspunkt: Sind Kriegsverbrechen noch vom Immunitätschutz umfasst?
–
–
–
•
Dagegen: Kriegsverbrechen werden ausschließlich im Zuge von militärischen Maßnahmen begangen, welche
unstreitig als hoheitliche Maßnahmen zu klassifizieren sind, da sie einseitig und zwingend beschlossen
werden (vgl. nur EuGH, EuZW 2007, 252 (254))
keine gewohnheitsrechtliche Ausnahme mangels hinreichend einheitlicher Praxis erkennbar
Gewohnehitsrechtlicher Status gebietsbezogene Deliktsausnahme str, aber in jedem Fall nicht anwendbar auf
militärische Handlungen
Da durch die Berufung auf die Staatenimmunität keine jus cogens Verletzung einhergeht müssen die Regeln der
Immunität auch nicht zurücktreten!
Merke: Auch der IGH ging jüngst davon aus, dass Staaten auch für schlimmste Kriegsverbrechen weiterhin
Immunitätsschutz vor nationalen Gerichten genießen
Immunität des Staates: menschenrechtswidrig?
• Ausgangspunkt Art. 6 I EMRK
– Art. 6 I EMRK ist so zu verstehen, dass er auch Zugang zum Gericht mitumfasst ist.
– Durch Gewährung von Immunität wird dieser Zugang jedoch verhindert
• Case of McElhinney v. Ireland, Appl. No 31253/96, MN 34:
“The right of access to court is not, however, absolute, but may be subject to
limitations; these are permitted by implication since the right of access by its very
nature calls for regulation by the State. In this respect, the Contracting States
enjoy a certain margin of appreciation, although the final decision as to the
observance of the Convention’s requirements rests with the Court. It must be
satisfied that the limitations applied do not restrict or reduce the access left to
the individual in such a way or to such an extent that the very essence of the right
is impaired. Furthermore, a limitation will not be compatible with Article 6 § 1 if it
does not pursue a legitimate aim and if there is no reasonable relationship of
proportionality between the means employed and the aim sought to be achieved”
• Sicherstellung von völkerrechtskonformen Handeln = legitimes Ziel
• EMRK ist nicht isoliert zu betrachten sondern gem. Art. 31 III c WVK
auszulegen
• Maßnahme die völkerrechtskonformes Handeln sicherstellt ist daher
grundsätzlich nicht unverhältnismäßig
Immunität des Staates im Vollstreckungsverfahren
Grundsatz: Wurde ein vollstreckbarer Rechtstitel gegen einen Staat im Rahmen
eines zulässigen Erkenntnisverfahrens erwirkt, so kann nur in dasjenige
Vermögen vollstreckt werden welches nicht hoheitlichen Zwecken dient
– BVerfGE 46, 342 (392): „Es besteht eine gefestigte, allgemeine, von
Rechtsüberzeugung getragene Übung der Staaten, wonach es dem Gerichtsstaat
verwehrt ist, die Zwangsvollstreckung aus gerichtlichen Titeln gegen des fremden
Staates, die im Inland belegen sind oder sich dort befinden und hoheitlichen
Zwecken dienen, ohne dessen Zustimmung zu betreiben.“
– Jurisdictional Immunities of the State, Germany v. Italy, Judgment, 3rd February
2012, MN. 118: “(…) there is at least one condition that has to be satisfied before
any measure of constraint may be taken against property belonging to a foreign
State: that the property in question must be in use for an activity not pursuing
government non-commercial purposes, or that the State which owns the property
has expressly consented to the taking of a measure of constraint (…).”
– vgl. auch Art. 19 UNCJI (str. ob vollumfänglich GewohnheitsR)
Immunität des Staates: Abschlussfall
In der kasachischen Botschaft in Berlin leckt das
Dach. Daraufhin wird der Handwerker H mit der
Reparatur beauftragt. Bis heute ist die kasachische
Botschaft mit der Werklohnzahlung in Verzug.
1. Kann H die kasachische Botschaft auf
Werklohnzahlung iHv 56.000 Euro vor dem LG
Berlin verklagen?
2. Wäre eine Vollstreckung des erwirkten Titels in
das in Deutschland gelegene Bankkonto der
kasachischen Botschaft zulässig?
Spezielle Regelungen: Immunität einzelner Personen
• Bestimmte Amtsträger genießen darüber hinaus
persönliche Immunität (Immunität ratione personae)
– Staatsoberhäupter (Bundespräsident)
– Minister (insbesondere Außenminister)
• Internationaler Verkehr käme teilweise zum Erliegen, müssten
Regierungsmitglieder befürchten im Ausland angeklagt zu
werden
– Diplomaten und Konsularbeamte
• Anders als bei normalen Amtswaltern leitet sich diese
Immuniät nicht aus der Staatenimmunität ab, sondern
ist Ausfluss gewohnheitsrechtlicher Regeln bzw.
völkervertraglicher Spezialregelungen (WÜD, WÜK)
Spezielle Regelungen: Immunität einzelner Personen
•
•
Umfang und Dauer der persönlichen Immunität von hohen
Regierungsbeamten
– persönliche Immunität gewährt Schutz sowohl für acta iure gestionis als
auch für acta iure imperii während der gesamten Dauer der Amtszeit.
Nach Beendigung des Amtes genießen diese Personen nur noch
Immunität für die von ihnen getätigten hoheitlichen Akte (acta iure
imperii).
– Auch bei der persönlichen Immunität stellt sich die Frage, inwiefern
schwerste Menschenrechtsverletzungen uä vom Immunitätsschutz
ausgenommen sind (vgl Pinochet Entscheidung(en) des House of Lords)
– Auch persönliche Immunität ist abhängig vom Willen des Staates. Ein
Verzicht führt folglich zum Wegfall des Immunitätsschutzes (vgl. Marcos
Fall)
Arrest Warrant, ICJ Reports 2002, 3 (20-23):
“The Court would observe at the outset that in international law it is firmly established that, as also
diplomatic and consular agents, certain holders of high-ranking office in a State, such as the Head of
State, Head of Government and Minister for Foreign Affairs, enjoy immunities from jurisdiction in other
States, both civil and criminal. (…) The Court accordingly concludes that the functions of a Minister for
Foreign Affairs are such that, throughout the duration of his or her office, he or she when abroad enjoys
full immunity from criminal jurisdiction and violability. That immunity and that inviolability protect the
individual concerned against any act of authority of another State which would hinder him or her in the
performance of his or her duties. In this respect, no distinction can be drawn between acts performed by
a Minister for Foreign Affairs in an "official" capacity, and those claimed to have been performed in a
“privat capacity", or, for that matter, between acts performed before the person concerned assumed
office as Minister for Foreign Affairs and acts committed during the period of office.“
Spezielle Regelungen: Immunität einzelner Personen
•
vertragliche Sonderregeln für Diplomaten und Mitarbeiter der Botschaft
•
– Diplomaten und ihre Familienmitglieder dürfen weder festgenommen noch
inhaftiert werden (Art. 29, 37 I WÜD)
– Diplomaten und ihre Familienmitglieder genießen Immunität hinsichtlich
Strafverfahren und größtenteils hinsichtlich Zivil- und Verwaltungsverfahren
(Art. 31 I, 37 I WÜD)
– Diplomaten sind nicht verpflichtet als Zeugen auszusagen (Art. 31 II WÜD)
– Restliches Botschaftspersonal genießt in Strafverfahren vollumfängliche
Immunität und in Zivil- und Verwaltungsverfahren Immunität ausschließlich
für acta iure imperii (Art. 37 II WÜD)
– Hauspersonal genießt Immunität ausschließlich für acta iure imperii (Art. 37 III
WÜD)
Sonderregeln für Konsularbeamte/-angestellt
– Konsularbeamte/-angestellte genießen Immunität nur für acta iure imperii (Art. 43
I WÜK)
– Konsularbeamte/-angestellte können nur bei Vorliegen schwerer Verbrechen
festgenommen und in Untersuchungshaft genommen werden (Art. 41 I WÜK)
– Konsularbeamte/-angestellte können als Zeugen geladen werden, ihnen kommt
jedoch ein Zeugnisverweigerungsrecht zu, bei Angelegenheiten, die die
Wahrnehmung ihrer Aufgaben betreffen (Art. 44 WÜK)
Spezielle Regelungen: Immunität einzelner Personen
• Exkurs: Immunitätsschutz von Staatsoberhäuptern, Regierungschefs etc
sowie von sämtlichen weiteren Staatsangestellten vor internationalen
Strafgerichtshöfen
– mittlerweile hat sich eine gewohnheitsrechtliche Regel dahingehend
entwickelt, dass wenn ein internationales Strafgericht Jurisdiktion ratione
materiae bzw. personae innehat, sich sämtliche Staatsangestellte nicht auf
ihre Immunität berufen können
•
•
•
•
•
Art. 7 Nuremberg-Charter
Art. 6 II ICTR-Statute
Art. 7 II ICTY-Statute
Art. 27 II ICC-Statute (gilt primär nur für Vertragsstaaten)
Art. 6 II SCSL-Statute
– Internationale Strafgerichtshöfe üben grundsätzlich keine nationale Hoheitsgewalt
aus, sodass der Grundsatz par in parem non habet imperium überhaupt nicht zur
Anwendung kommt
– Special Court for Sierra Leone, Prosecutor against Charles Taylor, Decision on
Immunity from Jurisdisction, Appeals Chamber, 31st May 2004, MN 51/52:
„A reason for the distinction, in this regard, between national courts and international courts,
though not immediately evident, would appear due to the fact that the principle that one
sovereign state does not adjudicate on the conduct of another state; the principle of state
immunity derives from the equality of states and therefore has no relevance to international
criminal tribunals which are not organs of a state but derive their mandate from the international
community. (…) Be that as it may, the principle seems now established that the sovereign equality
of states does not prevent a Head of State from being prosecuted before an international tribunal
or court.“
Spezielle Immunitätsregelungen: Abschlussfall
Fall ist angelehnt an Certain Questions of Mutual
Assistance in Criminal Matters, ICJ Reports 2008, 177:
Ein französischer Staatsbürger wird in A tot aufgefunden.
Der Fall schlägt hohe Wellen in Frankreich. Die Behörden
von A kommen zu dem Ergebnis, dass A Selbstmord
begangen hat. Fünf Jahre später tauchen Zeugenaussagen
auf, die die Selstmordthese unglaubwürdig erscheinen
lassen und eine Beteiligung des nun amtierenden
Staatspräsidenten P von A nahe legen. Der zuständige
französische Richter lässt P eine Vorladung zur
Zeugenaussage zukommen
Aufgabe: Stellt die Vorladung des P eine Immunitätsverletzung dar, wenn nach französischer StPO keine
Erscheinungspflicht besteht?

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