Kapitel 6

Report
Vorlesung
im Wintersemester 2010/11
„Kapital und Moral“ –
Wirtschaft und Ethik in der Geschichte
Unternehmen, Ethik, Gesellschaft
Prof. Dr. Susanne Hilger
SEMESTERABLAUFPLAN
1. Ethik als theoretischer Begriff
2. Die Begriffe „oikos“ und „chrema“ in der antiken und frühchristlichen
Philosophie
3. Geld und Zins seit dem Mittelalter
4. Kapitalismus und Protestantismus
5. Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘: Von Adam Smith zu Karl Marx
6. Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“? Wirtschaftswachstum und
Unternehmer-Ethik im Zeitalter der Industrialisierung
7. Unternehmen und Diktatur am Beispiel des „Dritten Reichs“
8. Staat und Markt: Vom „Nachtwächter-Staat“ zur „Sozialen Marktwirtschaft“
9. Sind Familienunternehmer die „besseren“ Unternehmer?
10. Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship als Metaphern
gesellschaftlicher Partizipation von Unternehmen
11. „Moralische Märkte?“ – Umweltschutzdiskussion und Unternehmensstrategien
seit den 1970er Jahren
12. Unternehmen und Nachhaltigkeit. Selbstverpflichtungsprogramme zur
Durchsetzung moralischer Standards in einer globalisierten Wirtschaft am
Beispiel des United Nations Global Compact (1999)
13. „Zivilisierte Marktwirtschaft“ durch Regulierung.
Das Beispiel des deutschen Corporate Governance Codex von 2002
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Literaturempfehlung
Jacques Le Goff, Wucherzins und
Höllenqualen. Ökonomie und Religion im
Mittelalter, frz. EA Paris 1986.
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Zins (lat. census, Vermögensschätzung)
• ist das Entgelt für ein über einen bestimmten Zeitraum zur
Nutzung überlassenes Sachgut oder Kapital, das der
Empfangende (Schuldner) dem Überlasser (Gläubiger) zahlt
• ist zu unterscheiden nach Miet- oder Pachtzins und Geldzins
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
„Gebt Darlehen, aber erhofft Euch nichts daraus.“
(Lucas-Evangelium)
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
„Wen du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen
Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer
handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen“.
Buch Exodus
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Geldauffassung
„Zins nehmen für geborgtes Geld ist an sich
ungerecht; denn es wird verkauft, was nicht
ist“.
„Geld pflanzt sich nicht fort.“
Thomas von Aquin
„Geld kann keine Früchte tragen.“
Bonaventura
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
“Wucher” ist
• all das, was bei einem Leihgeschäft über die Leihgabe selbst
hinaus zurückverlangt wird
• steht in engem Zusammenhang mit professionellen Handels- und
Geldgeschäften
• Unstatthafter Gewinn, unerlaubte Übervorteilung, Diebstahl
• Wucherzins zu nehmen ist eine vom Alten wie vom Neuen
Testament verbotene Sünde
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Rembrandt van Rijn, „Jesus treibt die
Wechsler aus dem Tempel“ (1626)
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Exkurs:
„Wucher“ und Antijudaismus
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Islamic Banking als Modell?
Verbot des Zinsnehmens im
Koran
• Anlageprodukte nach islam.
Glaubensregeln: keine Zinsen,
Ausschluss von best. Branchen,
geringer Verschuldungsgrad
des Unternehmens
•
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Modell Kleinkredite?
Muhammad Yunus (geb. 1940)
•
•
Begründer des MikrofinanzGedankens (Grameen Bank,
1983)
Friedensnobelpreisträger 2006
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
Literatur
• Roland Geitmann, Der Zins als Problem für Juden, Christen und
Muslime, in: Mathias Weis/Heiko Spitzeck (Hg.), Der Geldkomplex.
Kritische Reflexion unseres Geldsystems und mögliche
Zukunftsszenarien, Bern 2008, S. 87-99.
• Arno Schelle, Das Problem des Zinsnehmens in der Theologie und
Wirtschaft, Hannover 2001.
Kapitel 3 –
Geld und Zins seit dem Mittelalter
ZUSAMMENFASSUNG
• Das kanonische Zinsverbot entstammt einer Zeit, die noch nicht
marktwirtschaftlich, sondern hauswirtschaftlich dachte.
• Die Zeitgenossen hatten keine Vorstellung von der Produktivkraft des
Kapitals, die man sich durch ein Darlehen nutzbar machen konnte.
• Das wäre kein hauswirtschaftlicher, sondern ein erwerbswirtschaftlicher
Standpunkt des Produktivitätsdenkens gewesen.
• Allerdings sorgt der wirtschaftliche Strukturwandel insbesondere seit
dem hohen Mittelalter mit dem Aufkommen des Städtewesens, der
Geldwirtschaft und dem zunehmenden grenzüberschreitenden Handel
für Innovationen im Handels- und Kreditgewerbe.
• Ebenso sorgen Hofhaltung, Politik und Lebensführung der weltlichen wie
geistigen Herren dafür, dass die Nachfrage nach Darlehen und Krediten
insgesamt zunahm.
• Zu Beginn der Neuzeit ist die Kirchengeschichte zu großen Teilen eine
Finanzgeschichte, das kanonische Zinsverbot erscheint aufgeweicht.
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Martin Luther
(1483-1546)
Ulrich Zwingli
(1484-1531)
Johannes Calvin
(1509-1564)
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Max Weber (1864-1920):
Die protestantische Ethik und der
Geist des Kapitalismus,
erschienen in: Archiv für
Sozialwissenschaften und
Sozialpolitik XX/XXI, 1905.
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Moderner westlicher Kapitalismus
• als „spezifisch gearteter Rationalismus der
okzidentalen Kultur" (Bd. 1, S.20)
• Ethos einer Wirtschaftsform, entstanden
durch bestimmte religiöse Glaubensinhalte,
und zwar im Zusammenhang mit der
rationalen Ethik des asketischen
Protestantismus (Bd1, S.21)
• Fokus auf angelsächs. Puritanismus
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Protestantische Ethik
•
•
•
•
Innerweltliche Askese
Prädestinationslehre
Arbeits- und Berufsethik
Gemeinwirtschaftliche Tendenzen (z.B.
Siedlungsgründungen württemb. Pietisten in
Pennsylvania: „Harmony“ und „Economy“).
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Quelle des Angelsächsischen
Puritanismus
Benjamin Franklin (1706-1790):
Advice to a young Tradesman, 1746
„Bedenke, dass die Zeit Geld ist; … bedenke,
dass Kredit Geld ist. Lässt jemand sein Geld,
nachdem es zahlbar ist, bei mir stehen, so
schenkt er mir die Interessen oder so viel als
ich während dieser Zeit damit anfangen kann.
… Bedenke, dass Geld von einer
zeugungskräftigen und fruchtbaren Natur ist.
Geld kann Geld erzeugen und die Sprösslinge
können noch mehr erzeugen und so fort. …“
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
M. Weber über die ‚auri sacra fames‘
„Die Habgier des chinesischen Mandarinen, des altröm.
Aristokraten, des rückständigsten modernen Agrariers
hält jeden Vergleich aus … Die auri sacra fames ist so
alt wie die uns bekannte Geschichte der Menschheit ,
wir werden aber sehen, dass diejenigen, die ihr als Trieb
sich vorbehaltlos hingeben …. keineswegs die Vertreter
derjenigen Gesinnung waren, aus welcher der
kapitalistische Geist als Massenerscheinung …
hervorbrach.“
(M. Weber, Prostest. Ethik)
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
LITERATUR
Joachim Radkau, Max Weber. Die
Leidenschaft des Denkens, München
2005.
Kapitel 4 –
Kapitalismus und Protestantismus
Max Weber-Rezeption
• Peter Kriedte, (Eine Stadt am seidenen Faden.
Haushalt, Hausindustrie und soziale Bewegung in
Krefeld in der Mitte des 19. Jahrhunderts
[Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für
Geschichte, Bd. 97] Göttingen 1991.
•
Ders, Taufgesinnte und großes Kapital, Göttingen
2007.
•
Ders., Wirtschaft, in: Geschichte des Pietismus,
Bd. 4: Göttingen 2004, S. 584-616.
•
Gisela Mettele, Fromme Demut. Wirtschaftsethik
und Wirtschaftspraxis im ,,Gefühlspietismus", in:
VSWG, 92, 2005 ,
S. 301-321.
Kapitel 4 –
IV.2 Das Gewerbe
Kapitalismus und Protestantismus
Schloß Leyenburg, Rheurdt b.
Neukirchen-Vluyn, Schloß
Bloemersheim, Neukirchen-Vluyn
Friedrich Heinrich
von Friedrich Freiherr von
der Leyen (1769-1825)
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Adam Smith (1723 bis 1790)
• Begründer der klassischen
Nationalökonomie
• Hauptthese: die Allgemeinheit
profitiere davon, wenn jeder
Einzelne nur sein eigenes Wohl im
Blick habe.
• Dafür sorge die "unsichtbare Hand"
des Marktes.Markts.
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Adam Smith (1723 bis 1790)
Hauptwerke
• The Theory of moral
Sentiments, 1759
• An Inquiry into the Nature and
Causes of the Wealth of
Nations, 1776
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Adam Smith:
„Commerce and manufacture …
gradually introduce order and good
government, and with them the
liberty and security of individuals.“
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Adam Smith (1723 bis 1790)
• Ein Mensch, der kein Eigentum erwerben darf, kann
auch kein anderes Interesse haben, als so viel wie
möglich zu essen und so wenig wie möglich zu
arbeiten." – Wealth of Nations, Book I
• "Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des
Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen
erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen
Vorteil trachten." - The Wealth of Nations, Book I
• "Keine Gesellschaft kann gedeihen und Glücklich
sein, in der der weitaus größte Teil ihrer Mitglieder
arm und elend ist." - The Wealth of Nations, Book I
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Literatur
Albert O. Hirschman, Leidenschaften und Interessen.
Politische Begründungen des Kapitalismus vor seinem
Sieg, EA Princeton 1977.
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Wer ist oder für was steht
der Homo Oeconomicus?
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Homo Oeconomicus (Def.):
Der ausschließlich nach wirtschaftlichen
Zweckmäßigkeitserwägungen handelnde Mensch.
Begriff der klass. und neoklass. Wirtschaftstheorie
(vgl. rational choice model)
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Homo Oeconomicus :
• bezeichnet einen (fiktiven) Akteur, der
• eigeninteressiert und rational handelt
• seinen eigenen Nutzen maximiert
• auf veränderliche Restriktionen reagiert
• feststehende Präferenzen hat
• und über vollständige Informationen verfügt.
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Kritiker des Homo oeconomicus
Thorstein Veblen (1857-1929), John Maynard Keynes (1883-1946),
Amos Tversky (1937-1996), Daniel Kahneman (*1934)
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
Der Homo oeconomicus
im wirtschaftshistorischen Diskurs
• Werner Plumpe, Die Geburt des „Homo oeconomicus“, in:
Wolfgang Reinhard/Justin Stagl (Hg.), Menschen und Märkte.
Studien zur historischen Wirtschaftsanthropologie, Köln et al.
2007, S. 319-352.
Kapitel 5 –
Die Entstehung des ‚Homo oeconomicus‘:
Von Adam Smith zu Karl Marx
„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ –
Titelblatt der Originalausgabe des Manifests der Kommunistischen
Partei (1848)
Titelblatt Das Kapital, Erstausgabe von 1867.
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber
Baron“? Wirtschaftswachstum und
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Die „schrankenlose Ausbeutung wohlfeiler Arbeitskräfte
bildet die einzige Grundlage ihrer Konkurrenzfähigkeit.“
(Karl Marx, Das Kapital, Bd. I)
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Beschäftigtenanteile der volkswirtschaftlichen Hauptsektoren in Deutschland 18001907 (in Prozent)
70
Quelle: Pierenkemper: Umstrittene Revolution, S. 95.
60
Landwirtschaft
Industrie und Gewerbe
Dienstleistungen
Prozent
50
40
30
20
10
0
1800
1825
1846
1855
1861
Jahr
1871
1882
1895
1907
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Die Henkel-Werke 1912
Aus: Heinz Schwarz; Boris Kaloff, 100 Jahre Holthausen 1899-1999
(Schriften des Werksarchivs der Henkel KGaA Düsseldorf, Sonderband 2),
Würzburg 1999, S. 21.
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Die Henkel-Werke 1912
Industrialisierungsfaktoren
•
Kolonialer Besitz
•
Geographische und topographische Faktoren
•
Klima
•
Religion
•
Bodenschätze
•
Institutioneller Rahmen
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Industrielle Take off-Phasen
(nach Walt W. Rostow)
England
1780–1802
Frankreich 1830–1860
Belgien
1833–1860
USA
1843–1860
Deutschland
1850–1873
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Abbildung: Berlin, Möckernstraße 115, aufgen. 1904
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts pro Jahr 1848/50-1913
(in Prozent)
4,50%
4,14%
4,00%
in Prozent
3,50%
3,00%
2,58%
2,55%
2,50%
1,95%
2,00%
1,61%
1,50%
1,00%
0,50%
0,00%
USA
Dtld.
Belgien
GB
Frankreich
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Friedrich Harkort (1793-1880)
Burg Harkort, Wetter a.d. Ruhr
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Verfahren zur Stahlherstellung
Puddelverfahren: Henry Cort machte 1784 die Entdeckung, dass man Roheisen in
Stahl verwandeln kann, wenn man die schon zäh werdende Roheisenmasse (Luppe)
mit Stangen umrührt. Dadurch kommt die Oberfläche mit Luft aus der Umgebung in
Berührung, sodass das Roheisen in Stahl umgewandelt wird. Man nennt diesen
Vorgang „frischen“.
Bessemerverfahren: Henry Bessemer entwickelte 1855 das „saure
Windfrischverfahren“. Dieses Verfahren unterscheidet sich von dem Puddelverfahren
darin, dass nun nicht mehr die Umgebungsluft die Roheisenmasse frischt, sondern ein
Gemisch aus Sauerstoff und Wasserdampf. Außerdem erfand Bessemer die dazu
notwendigen Anlage, einen birnenförmigen, kippbaren Behälter, den Konverter.
Thomasverfahren: Sidney Thomas und Percy Gilchrist entwickelten 1878 das
„basische Frischverfahren“. Auch dieses Verfahren baut auf Bessemers Entdeckung auf.
Es unterscheidet sich nur darin, dass der Konverter basisch ausgekleidet ist, so dass
auch phosphorhaltiges Roheisen verwendet werden kann.
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Leistung je Hochofen in t
30000
30000
25000
in Tonnen
20000
15000
10000
10000
5000
600
2000
0
1800
1835
1875
1913
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“
zum „Robber Baron“?
„Fabrikfürsorge“
Wirtschaftswachstum und Unternehmer-Ethik
im ausgehenden 19.
im Zeitalter der Industrialisierung
Henkel, Werkswohnungen, DüsseldorfReisholz, und Werksbibliothek 1911
Jhd.
Kapitel 6 Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
„Unternehmerischer
Wirtschaftswachstum und
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
August Thyssen auf
Schloss Landsberg,
1912
Habitus“
Ansichtskarte Villa
Hügel, Bertha und
Gustav Krupp von
Bohlen und Halbach
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“
im ausgehenden
Jhd.
zum „Robber19.
Baron“?
Wirtschaftswachstum und
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der
Industrialisierung
Krupp, Wohnkolonie
Essen-Cronenberg,
1872-1874 errichtet
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Ernst Abbe, Gründer Zeiss AG
"Der Fortschritt auf sozialem Gebiet wird nicht unter der Parole
Arbeiter gegen Unternehmer geschehen, sondern unter der
anderen: Fortgeschrittene Arbeiter und Unternehmer gegen
rückständige Arbeiter und Unternehmer!“
Robert Bosch, Bosch GmbH
„Die anständigste Art der Geschäftsführung ist auch die
beständigste.„ „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld
habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle!“
"Geld verloren, nichts verloren. Vertrauen verloren, alles
verloren.„ "Lieber Geld verlieren als Vertrauen."
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Werner von Siemens, Gründer der Siemens AG
„Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.“
„Mir würde das verdiente Geld wie glühendes Eisen in der Hand
brennen, wenn ich den treuen Gehülfen nicht den erwarteten
Antheil gäbe."
August Thyssen, Gründer Thyssen-Werke
"Ich glaube, ohne mich dabei zu überheben, sagen zu dürfen,
daß von meiner Lebensarbeit die Allgemeinheit mehr Vorteile
gehabt hat als ich selbst.“
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Literatur
Daniel Klink, Der ehrbare Kaufmann, Diplomarbeit BWL, Berlin
2007 (http://www.der-ehrbare-kaufmann.de/files/der-ehrbarekaufmann.pdf)
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Standard Oil as an Octopus, Cartoon, Puck Magazine, 1904
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Rockefeller as an industrial emperor,
1901 cartoon from Puck magazine
"The Great Race for the Western Stakes, 1870," Cornelius
Vanderbilt versus James Fisk; Currier & Ives lithograph
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Puck Magazine, Cartoon "The Helping Hand“, 1911
Kapitel 6 „Fabrikfürsorge“
Vom „ehrbaren Kaufmann“ zum „Robber Baron“?
imund
ausgehenden
19. Jhd.
Wirtschaftswachstum
Unternehmer-Ethik
im Zeitalter der Industrialisierung
Literatur
• Bridges, Hal, The Robber Baron Concept in American History,
in: Business History Review 32, 1958, S. 1-13.
• Jones, Peter D‘Alroy, The Robber Barons revisited, Boston
1968.
• Morris, Charles R., the Tycoons. How Andrew Carnegie, John D.
Rockefellder, Jay Gould and J.P. Morgan invented the American
Supereconomy, New York 2005.

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