2. Gemeinschaftsschule und G9/neu in Bretten - geb

Report
Gemeinschaftsschule und
G9/neu in Bretten
Richard D. Precht (2013) :
„Nach Erkenntnis von OECD-Studien hat
Deutschland inzwischen eines der schlechtesten
Schul- und Bildungssysteme unter allen
Industrienationen der Welt. Und zwar in allen
maßgeblichen Belangen. Pädagogisch so freundlich
wie möglich ausgedrückt: „Im internationalen
Vergleich schafft es das deutsche Schulsystem
weder in der Begabtenförderung noch im
durchschnittlichen allgemeinen Bildungsniveau
noch im Abbau von Bildungsarmut eine führende
Position einzunehmen.“ (Zit. Quenzel/Hurrelmann
2010)
Prof. Dr. Mathias von Saldern,
Schulpädagogik/Grundschulpädagogik Universität
Lüneburg:
„Da wir Deutschen mit unserem Schulsystem international
also fast alleine stehen, ist es nicht verwunderlich, dass es
innerhalb und außerhalb Deutschlands zu zahlreichen
Äußerungen gekommen ist, die unser Schulsystem
zwingend infrage stellen.“
„Ab dem Jahre 2006 scheint sich die Erkenntnis, dass das
gegliederte Schulsystem nicht zukunftsfähig ist, langsam
durchzusetzen.“
Prof. Dr. Dietlinde Hedwig Heckt,
Universität Oldenburg:
„Es ist aber auch so, dass Deutschland ein unrühmliches
Schlusslicht bezogen auf die Integration behinderter Kinder ist,
• dass unser Schulsystem selektions- und keineswegs
förderorientiert arbeitet,
• dass der Sozialstatus der Eltern die Bildungsabschlüsse
weitgehend bestimmt,
• dass die im mit Nibelungentreue verteidigten gegliederten
Schulsystem erbrachten Schülerleistungen – je nach Studie in
unterschiedlichem Maße – keineswegs in der jeweils
verteidigten Spitzengruppe anzusiedeln sind,
• dass die Abiturientenquote im internationalen Vergleich zu
gering ausfällt (…).“
Jesper Juul, dänischer Pädagoge und Psychologe (1):
„Lehrer, Schüler und Eltern sollten gemeinsam auf die
Straße gehen und gegen das Schulsystem
demonstrieren. Wenn es so weit ist, dann komme ich
und gehe mit. (…)
Unser Schulsystem ist gekennzeichnet durch
wachsenden Druck und reine Leistungsorientierung,
sodass wirkliches Verständnis des Stoffes,
Kompetenzvermittlung und menschliche Beziehungen
immer mehr auf der Strecke bleiben.“
Jesper Juul, dänischer Pädagoge und Psychologe (2):
„Die Aufteilung [in Deutschland nach der vierten Klasse]
entspringt einer veralteten Idee der
Industriegesellschaft, der zufolge man ein paar Leute
benötigt, die andere Menschen führen, und solche, die
sich führen lassen, sozusagen die Leute zweiter Klasse.
Und die sondert man nach der vierten Klasse aus. (…)
Unser Schulsystem hat sich entwickelt, um die
Bedürfnisse einer Industriegesellschaft zu befriedigen,
die nicht mehr existiert.“
Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D, 2005:
Das deutsche Schulsystem ist das eines Ständestaates,
dessen Nachteile offensichtlich zuerst die Industrie erkannt
hat.“
Ifo-Institut München 2005:
„In diesem Institut arbeiten zahlreiche Frauen und Männer
aus dem Bereich der Volkswirtschaftslehre, die unser
Bildungssystem bis zum heutigen Tage und immer wieder
dahingehend kritisieren, dass es volkswirtschaftlich nicht
sinnvoll ist, Selektion zum Leitprinzip eines Schulsystems zu
erheben.“
Lothar Späth, Ministerpräsident a.D. und
Manager (2006):
„Das Dreiklassensystem [der Schule] ist nicht
zukunftsfähig.“
UN-Kinderrechtskonvention (2005):
Deutsches Schulsystem wird als gravierender
Verstoß gegen die Kindermenschenrechte
gemaßregelt.
Ein Schüler:
Heute - 2013:
8 Jahre alt, 2. Klasse Grundschule
In 2 Jahren - 2015:
Kommt in eine weiterführende Schule
In 10 Jahren - 2023:
Besteht vielleicht die Abiturprüfung
In 16 Jahren - 2029:
Hat vielleicht seine Universitätsausbildung beendet
In 26 Jahren - 2039:
Hat sich vielleicht in einen
Beruf erfolgreich eingearbeitet
In 58 Jahren – 2071:
Beendet vielleicht sein Berufsleben
In 81 Jahren - 2094:
feiert hoffentlich seinen 90. Geburtstag
Vielleicht brauchen wir für unsere
Kinder doch nicht mehr eine Schule,
deren Wurzeln vor über 100 Jahren
gelegt wurden, sondern eine Schule, die
auf das Leben im 21. Jahrhundert
vorbereitet.
Schule neu denken?
Die aktuelle Bildungsreform:
Eine Säule soll das Gymnasium, die zweite soll nach
dem Ende eines Übergangsprozesses die
Gemeinschaftsschule sein (…) In der Übergangszeit
wird es in der zweiten Säule weiterhin
unterschiedliche Schularten geben, wobei die
Realschulen Kern künftiger Gemeinschaftsschulen
sein könnten. (…)
Das bisherige dreigliedrige Schulsystem habe sich
als nicht zukunftsfähig erwiesen.
Nach: http://www.ganztagsschulen.org/de/2540.php vom 27. November 2012
Das allgemeine Unbehagen an
der bestehenden Schule und ihrer
Struktur zeigt sich immer
deutlicher, beispielsweise:
„Sortierung“,
„Segregation“
nach Begabungen
Sortierung/Segregation der Kinder nach der
Grundschule durch die Aufteilung der
Jahrgangsgruppen auf die Schularten:
• International und national weitgehend als pädagogische
Fehlmaßnahme eingestuft (OECD/PISA, UN, Jesper Juul…)
• Zu früh (Kinder sind 10 Jahre alt)
• Zu unsicher (Begabungen kann man erst hinterher sicher
feststellen)
• Übergänge in andere Schularten auch weiterhin möglich,
aber gravierende emotionale Probleme nicht auszuschließen
(Verlust der Freunde, Enttäuschung, Gefühl der
Minderwertigkeit ....)
• Eine Harmonisierung der Schülergruppen/Klassen
wird auch durch den Wegfall der verbindlichen
Grundschulempfehlung immer weniger doch nicht
erreicht.
• Empirische Untersuchungen erweisen, dass die
Sortierung nach „Begabungen“ immer noch viel zu
oft eine Sortierung nach sozialer Herkunft ist.
• Die demographische Entwicklung zeigt, dass wir
zukünftig kein Kind zurücklassen dürfen.
Daher international und national Tendenz zu
integrierten Schulformen.
In Deutschland hinken dabei besonders Bayern und
Baden-Württemberg hinterher.
International und national anerkannte Erfordernisse in den
Bereichen Bildung, Erziehung und Unterricht, die insbesondere
von Österreich, der Schweiz und Deutschland noch nicht
angemessen umgesetzt sind zum Beispiel:
• Umsetzung des „Übereinkommens über die Rechte von
Menschen mit Behinderungen“. Generalversammlung der
UNO, Resolution 61/106 vom 13.12.2006. Ratifiziert von
Deutschland am 24.2.2009 (Inklusion)
• Keine frühe Segregation von Schülern
• Frühe vorschulische Förderung
• Schule ohne Angst
• Individuelle Förderung jedes Schülers
• Verstärkung des autonomen Lernens
• Bildung, Erziehung und Unterricht für alle in gleichem Maße
Mit der grün/roten Landesregierung seit 2011hat auch
Baden-Württemberg die Chance zum bildungspolitischen
Umschwung ergriffen.
Die Plötzlichkeit und Schnelligkeit des neuen Kurses nach
vielen schwierigen Reformen der vergangenen Jahre scheint
allerdings weite Bevölkerungskreise zu überfordern.
Deutliches Anzeichen dafür war der jüngste Wechsel im Amt
des Kultusministers.
Unterscheidung ist erforderlich:
Die Umorientierung der Bildungspläne aller
Schularten („Kompetenzen“) und G8 sind
Maßnahmen der früheren schwarz-gelben
Landesregierung.
Gemeinschaftsschule ist Projekt der grünroten Landesregierung seit 2011.
Lehrpläne / Bildungspläne
Bis 1980er Jahre: Was gelernt werden soll.
Mitte der 1990er Jahre: Welche Ziele beim Lernen erreicht
werden sollen.
Bildungspläne 2004:
1. Welche Fähigkeiten / Fertigkeiten die Schüler mit dem
Gelernten auf welchem Niveau können (nicht: sollen!):
Fachliche, soziale, methodische, personale Kompetenzen
und Standards
2. Kerncurriculum durch KuMi, zusätzlich Schulcurriculum =
Festlegung von Inhalten durch die Schule
3. Stundenkontingente, Festlegung durch die Schule
4. Gymnasium: Einführung von G8 ohne Veränderung des
Bildungsplans
Bildungspläne 2015 – in Arbeit (?):
Förderung der Persönlichkeit,
des Verantwortungsbewusstseins, der
demokratischen Grundhaltung
= besondere Ziele der Gemeinschaftsschule.
Die Gemeinschaftsschule (GMS)
ist eine Schule, die die
Bildungsstandards und Abschlüsse
der Hauptschule,
der Realschule und
des Gymnasiums (G9)
anbietet.
Alle Schülerinnen und Schüler lernen
verbindlich (unabhängig von der Schulleiterund Lehrersituation) nach ihren individuellen
Voraussetzungen
und werden entsprechend gefördert.
Nicht: Alle das gleiche.
Sondern: Jeder nach seinen Fähigkeiten und
Möglichkeiten.
(Schon heute an vielen Schulen, je nach
Möglichkeit.)
Inklusive Bildungsangebote sind
Bestandteil der Schule. Eine zentrale Rolle
spielen Selbstlernprozesse und
kooperative Lernformen. Die bisher
üblichen Klassenverbände sind durch
Lerngruppen ersetzt, in denen die
Schülerinnen und Schüler miteinander und
voneinander lernen.
•
Gemeinschaftsschule ist gebundene
Ganztagsschule
•
rhythmisierter Tagesablauf
•
Netzwerk von Partnern
•
Sozialarbeit an Schulen
•
außerschulische Jugendarbeit
•
Sport, Vereine
•
berufliche Orientierung
Organisation der Gemeinschaftsschule
•
zwei- oder mehrzügig, im Einzelfall einzügig;
•
gebundene Ganztagesschule an 3 oder 4 Tagen;
•
alle 3 Bildungsstandards:
•
Grundschule Klassen 1 bis 4
•
Sekundarstufe I Klassen 5 bis 10
•
Sekundarstufe II Klassen 11 bis 13 falls 60 Schüler
pro Jahrgang (= G9-Abitur)
In der Gemeinschaftsschule gibt es keine
Versetzung/Nichtversetzung und keine
Wiederholung im bisherigen Sinn.
Abschlüsse an der Gemeinschaftsschule
An der Gemeinschaftsschule können
• nach Klasse 9 der Hauptschulabschluss,
• nach Klasse 10 der Hauptschulabschluss oder der
Realschulabschluss und
• sofern eine Sekundarstufe II eingerichtet ist, das Abitur nach
Klassenstufe 13 erreicht werden.
Häufig gestellte Fragen zur neuen Schulart
„Gemeinschaftsschule“ und ihre Antworten
(Quelle: Kultusministerium)
Welche Schulen können
Gemeinschaftsschule werden?
Alle allgemein bildenden weiterführenden
Schulen können sich zu
Gemeinschaftsschulen entwickeln – das
heißt Grundschulen, Hauptschulen,
Werkrealschulen, Realschulen, Gymnasien.
Welche Lehrkräfte unterrichten an der
Gemeinschaftsschule?
An der Gemeinschaftsschule unterrichten
Lehrkräfte aller Schularten. Wenn die
Gemeinschaftsschule eine Sekundarstufe II
anbietet, unterrichten dort nur
Gymnasiallehrerinnen und -lehrer.
Gibt es Vorgaben zur Größe einer
Gemeinschaftsschule?
Eine Gemeinschaftsschule ist grundsätzlich zweioder mehrzügig, wobei der Klassenteiler bei 28
Kindern festgelegt ist. Eine Gemeinschaftsschule,
die nach Klassenstufe 10 mindestens 60
Schüler(innen) mit gymnasialem Niveau hat, ist
auch berechtigt, eine Sekundarstufe II zu führen.
Welche Wege stehen Schülern mit gymnasialem
Niveau nach dem Abschluss der Klasse 10 der
Gemeinschaftsschule offen, wenn die
Gemeinschaftsschule keine eigene
Sekundarstufe II anbietet?
- Übergang in die Sekundarstufe II eines allgemein
bildenden Gymnasiums
- Übergang in die Sekundarstufe II einer anderen
Gemeinschaftsschule
- Übergang an berufliche Gymnasien
- Übergang in die berufliche Ausbildung
Wodurch wird sich der Unterricht an
einer Gemeinschaftsschule
auszeichnen?
Die Gemeinschaftsschule ist eine
leistungsstarke und sozial gerechte
Schule, die alle Bildungsstandards
anbietet und in der alle Schülerinnen und
Schüler nach ihren individuellen
Voraussetzungen lernen.
Beispielhaft einige konkrete Punkte dazu:
- schülerzentrierte Unterrichtsmethoden
- individuelle Lernpläne für alle Schülerinnen
und Schüler
- selbstverantwortliches Lernen - individuell
und in variablen Gruppen
- Praktika in unterschiedlichen
Lebensbereichen
- Lehrerinnen und Lehrer arbeiten im Team
- Leistung wird differenziert rückgemeldet
- rhythmisierter Schulalltag, d. h. sinnvolle
Abwechslung verschiedener Lernphasen und
Aktivitäten im Laufe eines Tages
Was unterscheidet eine Lerngruppe von
einer Klasse?
Die Gesamtheit der Kinder einer Klasse bildet
die Lerngruppe in der Gemeinschaftsschule. (…)
Darüber hinaus haben die Kinder jedoch die
Aufgabe, sich in unterschiedlichen
Gruppierungen anhand individueller und
kooperativer Lernformen weitgehend
selbstverantwortlich zu betätigen. Über Größe
und inhaltliche Ausrichtung der Lerngruppen
entscheidet nach pädagogischen
Gesichtspunkten und organisatorischen
Gegebenheiten die Schule vor Ort. In keinem Fall
gibt es eine Aufteilung in leistungsorientierte A,
B, C-Kurse oder ähnliches.
Gibt es an einer Gemeinschaftsschule Noten?
Schülerleistungen werden an der Gemeinschaftsschule
durch differenzierende Rückmeldungen über den
individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand der
Kinder beurteilt. Zum Schulhalbjahr und am Ende des
Schuljahres erhalten die Schüler eine schriftliche
Information über ihre Leistungen und auch darüber,
auf welchem Niveau die Leistungen erbracht wurden.
Auf Wunsch der Eltern werden dabei Noten bzw.
Notentendenzen genannt. In jedem Fall gibt es Noten
in den Abschlussklassen.
Wie werden Eltern ins Schulleben
eingebunden?
Die Gemeinschaftsschule geht mit den Eltern eine
Erziehungspartnerschaft ein. In engem,
regelmäßigem Kontakt verständigen sich
Lehrkräfte und Eltern über den Leistungsstand der
Kinder und treffen gemeinsam Absprachen über
eine praktikable und sinnvolle Begleitung sowohl
in der Schule als auch im Elternhaus.
Welche Fortbildungen und
Unterstützungssysteme gibt es für Schulleitung
und Lehrkräfte?
Die Starterschulen (2012/13) und die Schulen des
Jahrgangs (2013/14) werden beratend durch Tandems
unterstützt, die aus Fachberatern Schulentwicklung und
Unterrichtsentwicklung gebildet werden.
Die Landesakademie für Lehrerfortbildung bietet für alle
interessierten Lehrkräfte Fortbildungsmodule zu
Themen an, die für individuelles und kooperatives
Lernen bedeutsam sind.
Wo
befinden sich
die
ersten
Gemeinschaftsschulen?
OberhausenRheinhausen
Weingarten
Sulzfeld
Gondelsheim
Regierungsbezirk
Karlsruhe
Standorte neuer
Gemeinschaftsschulen
2012/13 (4)
2013/14 (11)
Oft geäußerte Gegenargumente und Bedenken:
1:
Die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen ist
unpädagogisch motiviert: Gemeinden
wollen den Bestand ihrer Schule sichern.
Legitimes Argument der Kommune für den Erhalt ihrer
Schule.
2:
Überstürzte Einführung der Gemeinschaftsschule: Ohne landesweite,
regionale und kommunale Schulentwicklungsplanung
Stimmt. Aber die Gebietskörperschaften sind an der Umsetzung.
„Überstürzt“: „Eine Vielzahl der (…) Empfehlungen [in der
„Expertise Gemeinschaftsschule“, Hrsg. Thorsten Bohl und Sybille
Meissner, 2013] stellen sich aufgrund der Einführung der
Gemeinschaftsschule und der damit einhergehenden
Herausforderungen mit besonderer Dringlichkeit dar, obschon sie
seit Jahren auf der Agenda bildungspolitischer Reformen und
Weiterentwicklungen hätten platziert werden können.“
3:
Ohne genaue Konzeption
Rahmenvorgaben im Schulgesetz. Die Schulen
müssen ihr Konzept selbst erarbeiten und dem
Antrag beilegen.
4
Ausgebildete Lehrer fehlen
Stimmt.
Aber an Gemeinschaftsschulen unterrichten kompetente Lehrer
aller Schularten. Für die Vermittlung bisher im Ausbildungsgang
fehlender Kompetenzen (Ganztagsunterricht, Inklusion,
Entwicklungspsychologie, individuelle Förderung...) werden
durch die Kultusbehörden Fortbildungen und Berater angeboten.
Eine geänderte Lehrerausbildung ist in der Diskussion
(Kommissionsvorschlag liegt vor).
5:
Flächendeckende Einrichtung aus Kostengründen fraglich,
Bevorzugung der Gemeinschaftsschulen zu Ungunsten der
bestehenden Schularten
„Die von der Landespolitik vorgegebenen Ziele sind gleichsam
Grundlage für einen Vertrag mit der zukünftigen Schule, die
ihrerseits pädagogisches Engagement und Innovationswillen
einbringt. Beide Seiten sind mit allen Kräften zur verbindlichen
Erfüllung ihrer Zusagen aufgerufen. Die Zurücknahme des
Versprochenen oder gar das Scheitern auf der einen oder
anderen Seite wären fatal.“ – und zwar politisch und für das
demokratische Verständnis des Bürgers.
(E.S., LB/BW 20. März 2013)
6:
Bisherige Schulstruktur in Baden-Württemberg
hat sich bewährt. PISA bescheinigt Baden-Württemberg
erfolgreiche und leistungsfähige Schulen.
Richtig,
nach den von der OECD (=PISA) zugrunde gelegten
Beurteilungskriterien (Lesekompetenz, mathematische
Kompetenz). Keiner will davon Abstriche machen.
Bisheriges soll ergänzt werden u.a. durch stärkere Ausrichtung
auf den individuellen Schüler, auf Stärkung der Persönlichkeit, auf
Einübung des Kindes in die demokratische Mitwirkung in einer
heterogenen Gesellschaft, auf Übernahme sozialer
Verantwortung …
7:
„Was die Gemeinschaftsschule will,
machen wir alles schon.“
Das trifft für viele Schulen zu, und es ist zu begrüßen. Aber
die pädagogische Aufgeschlossenheit einer heutigen Schule
ist fragil, weil abhängig von der heutigen Schulleitung und
vom heutigen Kollegium.
Bei Umwandlung einer bestehenden Schule in eine
Gemeinschaftsschule oder bei ihrer Neugründung werden
die Prinzipien der Gemeinschaftsschule verbindlich
vorgeschrieben und zugesagt.
8:
„Never change a winning system.“
“Bullshit! (…) Der Spruch leitet sich von der Sportweisheit "never
change a winning team" ab. Jeder halbwegs fähige Trainer weiß
aber, dass selbst das nur für sehr begrenzte Zeit gut geht, weil
das Team dann eben nicht mehr gewinnt. Die Aufgabe eines
guten Teamchefs besteht darin, sein Team weiterzuentwickeln,
damit es besser wird oder zumindest seinen Status nicht verliert.
(…)“
http://www.faq-o-matic.net/2008/02/20/never-change-a-running-system-bullshit/ [22. April 2013]
9.
Heinz-Peter Meidinger,
Vorsitzender des Philologenverbandes
(in: DIE ZEIT Nr. 17 vom 18. April 2013, Seite 83 f.):
„Ich bin skeptisch.“
„Ich glaube einfach nicht (…)“
Richard D. Precht (2013):
„(…) ich kenne die weltanschaulichen Hürden auf ideologisch
vermintem Terrain ebenso wie die Argumente und Ausflüchte
der Sachwalter des Status quo, denen die Mühen der Ebenen
den Blick auf die Berggipfel längst getrübt haben.“ (11)
„Denn was immer man an Verbesserungen vorschlägt, ist
entweder „alles längst bekannt“ oder „völlig utopisch“ und
„weltfremd“.“ (17)
G9/neu
G9: Gymnasium mit Abitur
nach Klasse 13 (bis 2004)
G8: Gymnasium mit Abitur
nach Klasse 12 (ab 2004)
G8 und G9 haben
dengleichen Bildungsplan.
In G9/neu kann in der
Unter- oder Mittelstufe gedehnt werden.
Die beiden Züge laufen nach Klasse 10 (G8)
bzw. Klasse 11 (G9) zusammen und haben die
gleiche Abiturprüfung.
In Baden-Württemberg sind die allgemein bildenden
Gymnasien seit 2004 achtjährig aufgebaut. Viele
Schülerinnen und Schüler kommen damit gut zurecht.
Allerdings fühlen sich auch viele andere junge Menschen durch
das G8 zu stark belastet.
Zahlreiche Eltern monieren, dass ihre Kinder beim G8 kaum Zeit
für Sport oder Musik, kulturelles Engagement oder
ehrenamtliche Tätigkeiten hätten. Aber auch diese
außerschulischen Aktivitäten sind wesentlich für die
Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen.
http://www.kultusportal-bw.de/servlet/PB/show/1377365/2012-08-29-KuMi_Bilanz_SCREEN%20%283%29.pdfGymnasien im G9-Modellversuch –
Die Landesregierung hat deshalb
entschieden, ab dem Schuljahr 2012/2013
im Rahmen eines Schulversuchs an 22
Gymnasien G9 anzubieten. Zum Schuljahr
2013/2014 wurden noch einmal 22
Gymnasien in den Schulversuch
einbezogen, insgesamt dann also 44.
Bretten war nicht dabei.
Schon beim ersten Teil des Schulversuchs
zeigte sich die große Attraktivität des G9. Die
Anmeldungen an den Modellschulen hatten
zum Ergebnis, dass sich über 81 Prozent der
Schülerinnen und Schüler für einen G9-Zug
entschieden, nur knapp 19 Prozent für einen
achtjährigen Zug.
Zum Schuljahr 2013/14 sind an zahlreichen
Modellschulen alle Anmeldungen für
G9/neu.
http://www.kultusportal-bw.de/servlet/PB/show/1377365/2012-08-29KuMi_Bilanz_SCREEN%20%283%29.pdf
In einem Interview im SWR1
äußerte KM Stoch, angesichts der
„Abstimmung mit den Füßen“ die
Anzahl der Modellschulen in der
Landesregierung neu zur Sprache
zu bringen. Die GRÜNEN/B90 sind
strikt gegen eine Erhöhung der
Anzahl.
Die G9-Modellschulen haben unter
verschiedenen Varianten gewählt, an welcher
Stelle sie zwischen den Klassen 5 bis 11 eine
Dehnung einfügen wollen.
Diese neuen neunjährigen Züge sind eine
Weiterentwicklung, keine Rückkehr zum
früheren neunjährigen Gymnasium.
Die Auswahl der Gymnasien für den neuen Schulversuch
G9 erfolgte nach den folgenden äußeren und inneren
Kriterien:
- Ausgewogene regionale Verteilung der
Versuchsschulen,
- Erschließung eines entsprechenden Einzugsgebiets,
- Gute Erreichbarkeit der G9-Modellschulen mit
öffentlichen Verkehrsmitteln,
- Gesamtschau des regionalen und kommunalen
Bildungsangebots,
- Varianz der an den Versuchsschulen zu erprobenden
Modelle,
- Qualität des jeweiligen pädagogischen Konzepts.
Kultusministerium:
„Standard wird weiterhin das
achtjährige Gymnasium bleiben.“
Magische Zahl:
265
Beschluss der KMK:
265 gymnasiale Jahreswochenstunden
bis zum Abitur
Das bedeutet (durchschnittlich, i.d.R. in unteren
Klassen weniger, in höheren mehr Wochenstunden)
9 Jahre Gymnasium: 29,4 Wochenstunden / Jahr
8 Jahre Gymnasium: 33,1 Wochenstunden / Jahr
Zuzüglich:
Hausaufgaben Vorbereitungen Nacharbeiten Präsentationen
….
Auch: Fahrtzeiten
Fächer streichen?
Aber immer neue Forderungen: Wirtschaft,
Informatik, Glück…
Fächer zusammenlegen?
GWG, EWG, MNK…
Lehrpläne „entrümpeln“ = „optimieren“?
…..
„Gymnasien mit weniger als vier Zügen pro
Jahrgang können in der Regel nur als reine G9-
Schulen an dem Modellversuch teilnehmen.“
Kultusministerin BAW
ESG: Dreizügig - MGB: Fünfzügig

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