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Report
Bernd Winkelmann
Akademie Solidarische Ökonomie
Stand 11. Juli 2013
Exkurs: Schlüsselfrage Menschenbild und Lebensverständnis
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Der Materialistische Grundirrtum
Leben und Glück seien im Haben
und immer mehr Haben,
im Machen, Unterwerfen zu
finden.
● Dagegen Uralterfahrung
der Menschheit,
dass dies eine zerstörerische Verkennung
des Lebens ist:
- Bibel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...
- Erich Fromm: „Haben oder Sein“....
- Erkenntnisse der Glücksforschung....
Tragik unserer Zivilisation:
die kapitalistischen Ideologien haben den materialistische Grundirrtum
zum herrschenden Leitprinzip der gegenwärtig Kulturepoche gemacht.
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Das sozialdarwinistische Menschenbild
● Der Mensch sei von Natur aus ein auf Egoismus, materielle Bereicherung, Neid,
Konkurrenz, Aggressivität hin angelegtes Wesen.
● Nur im Ausleben dieser Gaben könne der Einzelne gut leben und die Gattung Mensch
in der Evolution überleben.
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Das mechanistische Weltbild
Das in der Neuzeit (Aufklärung) u.a. von Rene´ Descartes, Newton, John Locke, Francis Bacon
entwickelte Weltbild, brachte enorme Fortschritte der Weltbemächtigung.
Zugleich war es gegenüber den ganzheitlichen Weltbildern der alten Welt ein stark reduktionistisches
Weltbild.
1. Die gesamte Welt (Kosmos) wurde in rein
materiell-mechanischen Wirkzusammenhängen erklärt
– die Welt als großes Uhrwerk
2. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit wurde auf das rein
Rationale, auf Logik und Mathematik zurück geführt.
Emotionalität, Gefühl und Leiblichkeit wurden verleugnet,
abgewertet oder rationalisiert.
„Cogito ergo
sum Ich denke, also
bin ich!
Rene Descartes
1596 - 1650
3. Die Natur wurde zum reinen Zweckgegenstand
erklärt, die zu unterwerfen und auszubeuten ist.
Sie ist kein eigenes Wesen, hat keinen Eigenwert.
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Das Dreigestirn des materialistischen Weltbildes
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Die Wiederentdeckung der Ganzheitlichkeit und der Transzendenz
Durch die moderne Physik angestoßen (Einstein, Heisenberg, Niels Bohr, Max Planck, David Bohm u.a.),
von der modernen Psychologie, der neueren Neurobiologie und Philosophie weiterentwickelt,
setzt sich ein neue Ganzheitlichkeit durch:
1. Ganzheitliche Wahrnehmung: nicht allein Ratio und Logik,
sondern nur im Einbeziehen von leiblichen, emotionalen und
seelischen Wahrnehmungen können wir die ganze Wirklichkeit
erfassen.
2. Ganzheitliche Werteorientierung: nicht allein das ichbezogene
rationale Zweckdienliche, sondern Mitempfinden, Solidarität
und Fürsorge für anderes Leben, machte den Menschen erst
lebensfähig, glücksfähig, gemeinschaftsfähig.
3. Ganzheitliche, holistische Weltsicht: Welt, Kosmos und Leben
sind mehr als gegenständliche Materie und mechanischer Ablauf;
Geist und Materie sind im Letzten eins (Energie).
Im Sein wirken Gegenständliches und geistige und seelische
Energien zusammen.
Es gibt ein „Transzendentes“ , aus dem Sinn und Sein kommen.
David Bohm: „Die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft werden nur noch einen Sinn
ergeben, wenn wir eine innere, einheitliche und transzendente Wirklichkeit annehmen,
die allen äußeren Daten und Fakten zugrunde liegt.“
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Das Dreigestirn eines ganzheitlichen Welt- und Lebensverständnisses
Tiefenökologie
Robert Jastrow (NASA-Physiker):
„Wenn der „Wissenschaftler die Berge der Unwissenheit mühsam und fleißig erklommen hat,... wird er von
einer Gruppe von Mystikern und Religionsstiftern begrüßt, die dort seit Jahrtausenden auf ihn warten“.
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Das ganzheitliche Menschenbild
1. Ganzheitlich duale (christlich-humanistische) Menschenbild:
> der Mensch ist sowohl ein auf Egoismus, Aggressivität und Habenwollen,
> wie ein auf Mitempfinden, Solidarität, Kooperation, Verantwortung,
sinnvolle Verzicht, spirituelle Sinnfindung hin angelegtes und begabtes Wesen
(„Sünder und Gerechter zugleich“)
2. Der Mensch ist ein Sozialwesen (relationales Menschenbild / Geschwisterlichkeit des Menschen ):
> kann nur in Beziehung, in Gemeinschaft leben, glücklich werden
> braucht Ethik, sich Regeln gebende Sozietät (Gemeinschaft, Staat)
3. Erkenntnisse der neueren neurobiologischen Forschung und Glücksforschung:
> Ab einem mittleren Einkommen steigt Lebenszufriedenheit nicht wirklich.
> Nicht Konkurrenz, Aggression und Kampf ums Dasein - sondern Kooperation, Zugewandheit,
Empathie, Vertrauen und Wertschätzung sind die besseren Stimulanzien biologischer, sozialer,
auch wirtschaftlicher Systeme.“
(Gerald Hüther, Joachim Bauer, Christian Felber)
4. Die Natur hat einen Eigenwert. Der Mensch kann nur eingebunden im ökologischen Netzwerk
der Erde überleben. („Ökologischer Imperativ“ Hans Jonas, Herrmann Scheer; Schöpfungsglaube der Bibel )
5. Der Mensch ist auf „Transzendenz“ hin angelegt, erfährt hier Sinngebung und
Gewissensanrede.
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Sozialethische Bestimmung des Menschen
– Wertebedingung einer menschlichen Zivilisation
Die sozialethische Bestimmung des Menschen, seine Fähigkeit zum Guten liegt
1. in seiner Empathiefähigkeit: die Not, das Leid des anderen rührt sein Herz,
2. in der Zweckmäßigkeit des Guten: „Was du willst, das dir die Leute Gutes tun,
das tue ihnen auch!“ (Goldene Regel)
3. in erfahrener Wertsetzung aus dem Unbedingten, der „Stimme des Gewissens“, des
Göttlichen, das Wahre und Gute zu tun über das jeweilig Opportune hinaus.
Die Wertegrundlagen einer menschliche Zivilisation:
1. Technisch-wirtschaftliche Innovationskraft: gute materielle Lebensvoraussetzungen
schaffen.
2. Sozietät: ein Sozialwesen, Staat, Völkergemeinschaf aufbauen, in der Regelwerke zur
Realisierung des Gemeinwohl entwickelt werden.
3. Solidarität: Verhaltensweisen, in denen Schwächere vom Stärkeren mit getragen werden,
weil nur im gegenseitigen Beistehen Gemeinschaft tragend, menschlich und stabil ist.
4. Spiritualität: die Erfahrung von vorgegebenen geistig-seelischen Werten, Wahrheiten,
der Antrieb zum Gutsein, zur Liebe, religiöse Tiefenbindung, Sinnfindung...
Da der Kapitalismus nur die technisch-wirtschaftliche Innovationskräfte fördert,
die Kräfte der Sozietät, der Solidarität und der Spiritualität aber untergräbt,
muss er für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation überwunden werden.
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