Allg. Krankheitslehre

Report
Allgemeine
Krankheitslehre
Wie definieren Sie Krankheit?
Welche Kriterien deckt der Begriff Krankheit ab?
Krankheit
Problem: Wie definieren wir „Krankheit“ ???
Erkrankung
Disease
Nosos
Pathos
Morbus
Problem der Definition eines allgemeinen
Krankheitsbegriffes
Drei unterschiedliche Bedeutungsfacetten:
praktischer
theoretischer
nosologischer
(adaptiert nach P. Hucklenbroich „Theorie der Medizin“)
Krankheitsbegriff
Praktischer Krankheitsbegriff
Bsp.: Krankschreibung:
•
•
jemand wird als krank erklärt,
ohne eine bestimmte Diagnose zu stellen.
Entspricht im Alltagsverständnis der Unterscheidung, ob ein Mensch
gesund oder krank ist.
In diesem Zusammenhang bezieht sich das Wort "Krankheit" (oder
"Kranksein") immer auf einen allgemeinen, körperlich-seelischen Zustand
eines ganzen Menschen
(adaptiert nach P. Hucklenbroich „Theorie der Medizin“)
Theoretischer Krankheitsbegriff
Mediziner befinden irgendein
•
•
•
•
•
Merkmal
einen Vorgang
Zustand
Anteil oder
Parameter
an einem Patienten als
• krankhaft
• pathologisch oder
• pathologisch verändert
(z.B. Gelbfärbung der Konjunktiven oder stark erhöhter Blutdruck)
(adaptiert nach P. Hucklenbroich „Theorie der Medizin“)
Theoretischer Krankheitsbegriff
Alltagsverständnis:
Teile und Merkmale des Körpers oder der Psyche können in diesem
Sinne "krank" sein, z. B.
• „kranker Fuß“
• „gestörte Verdauung“
• „schlimmer Finger“ oder
• „krankhafter Geiz“.
Theoretischer Krankheitsbegriff
In diesem Zusammenhang bedeutet Krankheit
•
krankhafte Veränderung eines Teils bzw.
•
die Krankhaftigkeit eines Merkmals des Organismus“
d.h.
"Krankheit„ ist kein Allgemeinzustand,
sondern ein Merkmal
Nosologischer Krankheitsbegriff
Nosologie = Krankheitslehre
= systematische Beschreibung der Krankheiten
(Zweig der Pathologie)
Nosologischer Krankheitsbegriff
Bezeichnung und Klassifikation der
• klinischen Krankheitseinheiten (Krankheits-Entitäten),
aus denen die
• nosologischen Systeme
der verschiedenen klinischen Disziplinen bestehen.
Wenn z.B. in der Rheumatologie die
• Rheumatoide Arthritis
• Polyarthrose
• Oligoarthritis
unterschieden werden so wird der nosologische Krankheitsbegriff verwendet
(adaptiert nach P. Hucklenbroich „Theorie der Medizin“)
Nosologischer Krankheitsbegriff
Mit diesem Begriff bildet man Sätze wie
"Grippe ist eine Krankheit„
oder
"Schlechte Angewohnheiten sind keine Krankheiten„
Nosologischer Krankheitsbegriff
Schon das Alltagswissen unterscheidet eine große Zahl von
Einzelkrankheiten.
"Krankheit" ist in dieser dritten Bedeutungsfacette der allgemeinste
Oberbegriff für alle Einzelkrankheiten
•
(wie Grippe, Lungenentzündung, Herzinfarkt …)
und alle Gruppen oder Kategorien von Krankheiten
•
(wie Infektionen, Frakturen, Herzkrankheiten, etc.).
5 Krankeitskriterien nach Hucklenbroich
Ein Vorgang (Zustand/Ereignis) ist krankhaft (pathologisch) genau
dann,
1. wenn er bei natürlichem, unbehandeltem Verlauf unmittelbar zum
vorzeitigen Tod oder zur Verkürzung der natürlichen
Lebenserwartung des Betroffenen führt, oder
5 Krankeitskriterien nach Hucklenbroich
2. wenn er (unbehandelt) mit
• Schmerz, Leiden, Mißempfindungen oder Beschwerden
• in körperlicher und/oder seelischer Hinsicht verbunden ist
• wobei diese Zustände bestimmte natürlich vorgegebene, kulturell
überformbare Normalbereiche oder Schwellenwerte bezüglich
• Intensität, Dauer und/oder Häufigkeit des Auftretens überschreiten,
oder
5 Krankeitskriterien nach Hucklenbroich
3. wenn er die natürlich vorgegebenen körperlich-seelischen
Dispositionen und Potentiale des Betroffenen so verändert
•
•
z.B. Fähigkeiten einschränkt oder verschwinden lässt
ungünstige Reaktionsweisen entstehen lässt oder verstärkt
dass dieser (ohne adäquate Behandlung bzw. Substitution) in
bestimmten, zuvor harmlosen Situationen krank wird gemäß den
Krankheitskriterien 1-5
• z. B. in Lebensgefahr gemäß Klausel (1) gerät
• oder Schmerz, Leiden oder Beschwerden gemäß Klausel (2) ertragen muss
oder wenn bestimmte solche Dispositionen/Potentiale von vornherein
(d. h. in angeborener Weise) in dem genannten Sinn vorhanden,
verändert bzw. eingeschränkt/verstärkt sind oder ganz fehlen,
oder/und
5 Krankeitskriterien nach Hucklenbroich
4. wenn er unbehandelt die Unfähigkeit zur biologischen Reproduktion
beinhaltet oder zur Folge hat, oder/und
5. wenn
a) ein einzelner davon Betroffener unbehandelt nicht in der Lage ist,
mit "gesunden" menschlichen Lebensgemeinschaften seinem
Alter entsprechend in möglichst konfliktfreier und kooperativer
Weise und ohne selbst Leid zu verursachen zusammenzuleben,
oder
b) umgekehrt eine davon betroffene Lebensgemeinschaft
"unbehandelt" nicht in der Lage ist, allen ihren einzelnen
Mitgliedern ein möglichst leid- und konfliktfreies, kooperatives
Zusammenleben zu gewährleisten.
5 Krankeitskriterien nach Hucklenbroich
• Lebensgefährdung
• Leiden
• Krankheitsdisposition (Behinderung, Fehlbildung)
• Biologische Reproduktionsunfähigkeit
• Soziale Integrationsunfähigkeit
Wie ist Gesundheit nach WHO definiert?
Wofür steht WHO?
Gesundheit
•
Nach WHO ist Gesundheit der Zustand völligen körperlichen,
geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.
•
Im engeren Sinne das subjektive Fehlen körperlicher, geistiger und
seelischer Störungen bzw. Veränderungen
•
Im sozialversicherungsrechtlichen Sinn bedingt Gesundheit die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit.
•
(Pschyrembel, Klinische Wörterbuch)
Krankheitsbegriff
BEACHTE:
Prozesse, zu denen es nach menschlicher bzw. ärztlicher Erfahrung
• keine natürliche Alternative gibt,
können nicht als krankhaft verstanden werden.
• Normales Altern und "natürlicher" Tod, aber auch
• normale Entwicklungs-, Wachstums- und Rückbildungsprozesse
sind alternativenlos, unvermeidlich
und daher nicht krankhaft, auch wenn sie zu
• Unfruchtbarkeit, Behinderungen bzw. Tod führen.
Vgl.: Regenerative Medizin, Schönheitschirurgie
(adaptiert nach P. Hucklenbroich „Theorie der Medizin“)
Krankheit
Im weiteren Sinne Fehlen von Gesundheit.
Im engeren Sinne Vorhandensein von
•
subjektiv empfundenen u./od.
•
objektiv feststellbaren
•
körperlichen, geistigen u./od. seelischen Veränderungen bzw.
Störungen.
Im sozialversicherungsrechtlichen Sinn das Vorhandensein von
•
Störungen, die Krankenpflege und Therapie erfordern und
Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben
(Pschyrembel, Klinische Wörterbuch)
Ätiologie = Ursachenlehre
befasst sich mit den Ursachen von
Krankheiten und Mißbildungen,
mit den krankheitsauslösenden Noxen und Erregern.
Davon abzutrennen ist der Entstehungsmechanismus
Einer bestimmten Krankheit,
die Pathogenese
Pathogenese
Beantwortet die Frage weshalb
• eine bestimmte Noxe (z.B. Erreger)
• bei einem bestimmten Individuum
„krankmachend“ wirkt.
Sie beschreibt die Entstehungsbedingungen von Krankheiten, also das
• Zusammenspiel von Krankheitsursachen
• und Krankheitsbereitschaft des Organsimus.
Disposition
Krankheitsbereitschaft, Veranlagung eines Organismus.
Diejenige Beschaffenheit des Organismus, die die
Voraussetzung der Wirkung schädigender Einflüsse ist.
Diese kann angeboren oder erworben sein.
Die Krankheitsbereitschaft ist umgekehrt proportional
zur Resistenz eines Organismus.
Resistenz
Widerstandskraft eines Organismus
gegenüber krankheitsauslösenden Faktoren.
Sie setzt sich aus
angeborenen und erworbenen Körperfunktionen
zusammen.
(Beispiel: Resistenz gegenüber Infektionserregern)
Symptom
(gr.; vorübergehende Eigentümlichkeit)
Anzeichen, Vorbote, Warnungszeichen, Merkmal einer Erkrankung
Syndrom
(gr.; Zusammenlaufen)
Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammentreffen verschiedener
charakteristischer Symptome ergibt (Symptomenkomplex).
z.B. AIDS (aquired immunodeficiency syndrom)
Behinderung
Jeder regelwidrige körperliche, geistige oder seelische Zustand, der nicht
nur vorübergehend zu einer Funktionsbeeinträchtigung führt und
wenigstens das Ausmaß von 10% ausmacht.
Rehabilitation
(lat.; re= zurück, habilitare= wohnen, gewöhnen)
Umschreibung von Maßnahmen zur Wiedereingliederung in Gesellschaft
und Berufsleben nach einer Erkrankung oder bei Behinderung
Morbidität
(lat.; Morbus = Krankheit)
Häufigkeit einer bestimmten Erkrankung
Bsp: Die Morbidität des Diabetes mellitus ist 2% = 2% der Bevölkerung leiden an
Diabetes mellitus
Multimorbidität
(lat.; multus = viel)
Anhäufen mehrerer Erkrankungen oder Krankheitserscheinungen bei einer
Person
Bsp: Der Patient hat Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, einen Herzinfarkt und
eine Niereninsuffizienz
u.U. Problem des älteren Patienten (Arzneimittelinteraktionen)
Mortalität oder Sterberate
Man versteht unter der so genannten rohen Sterberate die Zahl der in einem
bestimmten Zeitraum (i.d.R. ein Kalenderjahr) Gestorbenen je 1.000 der
Bevölkerung (wobei i.d.R. die sog. mittlere Bevölkerung zu Grunde gelegt wird, d.h. die
Bevölkerungszahl in der Mitte des betrachteten Zeitraums):
mit Gt = Anzahl der Gestorbenen im Zeitraum t
und Ewt = Anzahl der Individuen der Population im Zeitraum t
Ableitungen der Mortalität lassen sich z.B. auf
eine bestimmte Teilpopulation (wie etwa junge Autofahrer) oder eine bestimmte
Krankheit beziehen.
Bsp: Die Mortalität für Lungenkrebs liegt in der Bundesrepublik bei 5/10000.
Von der Mortalität ist die
Letalität
zu unterscheiden. Die Letalität (von lat. letalis tödlich) bezeichnet die „Tödlichkeit“
einer Erkrankung, eines Giftstoffes oder einer Waffe.
Letalitätsrate
Zur Ermittlung der Letalitätsrate berechnet man das Verhältnis der Menschen, die
an einer bestimmten Krankheit in einem bestimmten Zeitraum (z.B. 1 Jahr)
verstorben sind, zur Anzahl derer, die innerhalb einer definierten Population an der
Krankheit erkrankt sind (in %).
Beispiel:
Lungenkrebsfälle in den USA im Jahr 2001
Zahl der diagnostizietren Fälle: 79.200
Zahl der verstorbenen Fälle:
65.700
Vgl. Ein-Jahres-Überlebensrate
Daraus folgt
Inzidenz
• Anzahl der Neuerkrankungen einer bestimmten Erkrankung im definiertem
Zeitintervall Bsp: Die Inzidenz des Diabetes mellitus liegt bei 3/10000.
Pävalenz (lat., Häufigkeit)
• Anzahl der Erkrankten einer bestimmten Erkrankung am Stichtag Bsp: Die
Prävalenz an Diabetes ist hoch Anmerkung: Bei chronischen Erkrankungen ist
in der Regel die Prävalenz hoch, die Inzidenz niedrig
Prävention (lat., Vorbeugung)
• Primäre Prävention = Gesundheitsförderung
 Krankheitsursache vermeiden und ausschalten Bsp: Mit dem Rauchen aufhören
• Sekundäre Prävention = Gesundheitsfrüherkennung
 Erkennen von Krankheitsvorstadien und Frühsymptomen. Bsp.:
Vorsorgeuntersuchung beim Arzt
Tod
Der Tod ist der unumkehrbare
Verlust der für ein Lebewesen
typischen und wesentlichen
Lebensfunktionen.
Agonie
Agonie (gr., Todeskampf)
• In einer zeitlich unterschiedlich langen Phase kündigt sich in der
Agonie durch Beeintächtigung von Atem-, Kreislauf- und Herzfunktion
der bevorstehende Tod an.
Metapher für „das Ringen eines Lebewesens mit dem Tod “.
Sterben
Biologisch gesehen läuft das natürliche Sterben eines Menschen in
folgenden Phasen ab:
• Einschränkung der Wahrnehmung durch verringerte Hirnaktivität
• Die Atmung wird flacher (ev Rasselatmung)
• Das Sehvermögen wird schlechter
• Das Hörvermögen funktioniert nur noch partiell.
• Das Augenlicht erlischt völlig.
• Herzstillstand, unmittelbar gefolgt vom
• Gehirntod
Sterben
An den Herzstillstand anschließend beginnt die Zersetzung des Körpers.
Durch die fehlenden Teile des Stoffwechsels
• Transport von Sauerstoff
• Transport von Nährstoffen,
• fehlender Abtransport von Endprodukten
sterben Zellen ab.
Den Anfang machen dabei Gehirnzellen.
Tod
Die Schwierigkeit einer für alle Lebewesen gültigen Definition lässt sich durch die Beispiele Tod
von Einzellern und Tod von Säugetieren erahnen.
•
Im ersten Fall ist der Tod entweder durch den unumkehrbaren Verlust der Zellintegrität
(Lyse) oder den unumkehrbaren Verlust der Zellteilungsfähigkeit
(z.B. durch Zerstörung des Genoms) definiert,
•
im zweiten Fall durch die unumkehrbare Desintegration lebensnotwendiger Organe wie
des Herzkreislaufsystem und des ZNS (Gehirn).
Das Sterben ist ein Prozess und das Eintreten des Todes lässt sich selten exakt einem
Zeitpunkt zuordnen.
Der Tod ist der Zustand eines Organismus nach der Beendigung des Lebens und nicht zu
verwechseln mit dem Sterben und Nahtoderfahrungen, die ein Teil des Lebens sind.
Todeszeichen
Das Todeszeichen oder signum mortis (lat.) dient der Feststellung des
Todes beziehungsweise der Eingrenzung des Todeszeitpunktes.
•
Bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung einer Leiche ist unter
anderem die Bestimmung des Todeszeitpunktes für die weiteren
polizeilichen Ermittlungen von Bedeutung.
•
Dabei bedient man sich früher und später

Todeszeichen

der Temperatur der Leiche und

supravitaler Reaktionen.
Unsichere Todeszeichen
Unsichere Todeszeichen sind all diejenigen Erscheinungen, die auch bei lebenden
Individuen angetroffen werden können, andererseits zwangsläufig post mortem (nach
dem Tode) auftreten.
•
fehlende Atmung
•
fehlender Puls
•
Bewusstlosigkeit
•
Abkühlung des Körpers (bei entsprechender Umgebungstemperatur)
 Vorsicht: bei Badeunfällen oder Einbruch im Eis ein sehr unsicheres Todeszeichen! (Bei
Kälte verbraucht der ganze Körper, vor allem aber das Gehirn deutlich weniger
Sauerstoff)
•
Hautblässe
•
komplette Lähmung aller Muskeln mit
•
fehlenden Pupillenreflexen/Areflexie
•
Hornhauttrübung
Sichere Todeszeichen
•
Im Allgemeinen reichen die sicheren Todeszeichen zur Feststellung
des eingetretenen Todes aus.
•
Diese können in frühe und späte Zeichen unterteilt werden.
Sichere Todeszeichen
Frühe Veränderungen
• Totenflecke (Livores)
 mit Auftreten etwa 20-60 Minuten post mortem
• Totenstarre (Rigor mortis, Leichenstarre)
 beginnend mit der Kaumuskulatur und zu den unteren Gliedmaßen absteigend
• mit dem Leben nicht zu vereinbarende Verletzungen
 (z.B. die Trennung von Kopf und Rumpf durch einen schweren Unfall)
Sonderfall Null-Linien EKG über 10 Minuten,
ansonsten Reanimation bis zum Eintreten sicherer Todeszeichen?
Sichere Todeszeichen
Späte Veränderungen
Die Zersetzung als Kombination aus der
• chemischen Verwesung, der
• bakterielle Fäulnis und der
• durch eigene Enzyme ausgelöste Autolyse, dazu
• Tierfraß (Fliegenmaden, Insekten, Wildtiere, Ratten etc), eventuell in der Skelettierung
resultierend.
• unter besonderen Umständen die
• Adipocire, die Leichen- oder Fettwachsbildung
•
(Luftabschluß, Wasserleichen) oder
die
• Mumifizierung des Körpers oder einzelner Glieder - meist in
trockener, warmer Umgebung.
Klinischer Tod
unsichere Todeszeichen, ABER wesentlich ist, dass eine Reanimation noch gelingen kann.
Die Wiederbelebungszeit des Gehirns nach einem Zirkulationsstillstand beträgt 5-10 Minuten
(und bei Kindern manchmal noch mehr).
Endgültiger Tod
Irreversibler Stillstand von Atmung und Kreislauf mit Auftreten sicherer Todeszeichen.
Scheintod
Zustand, bei dem die betroffene Person noch lebt (Fehlen sicherer Todeszeichen) jedoch
wichtige Lebensäußerungen wie Atmung, Puls, Körperwärme, Reflexe) nicht wahrnehmbar
sind.
Scheintod
Zustand, bei dem die betroffene Person noch lebt (: Fehlen sicherer Todeszeichen) jedoch
wichtige Lebensäußerungen wie Atmung, Puls, Körperwärme, Reflexe) nicht wahrnehmbar
sind.
Agonie (gr., Todeskampf)
In einer zeitlich unterschiedlich langen Phase kündigt sich in der Agonie durch
Beeintächtigung von Atem-, Kreislauf- und Herzfunktion der bevorstehende Tod an.
Hirntod
•
bezeichnet den irreversiblen Verlust sämtlicher Hirnfunktionen
•
Ende der menschlichen Existenz, obwohl z.B. übrige Organe noch
funktionieren.
•
Vorraussetzung für Organspende; daher geregelt im
Tranplantationsgesetz von 1997:
“Der Hirntod ist der Tod des Menschen”
•
Der Nachweis erfolgt durch
 Null-Linien-EEG mehrmalig über 1h abgeleitet
 fehlende Gefäßflussdarstellung (Angiographie) der Hirnarterien
 Nachweis einer erniedrigten hirnarteriovenösen
Sauerstoffdifferenz
Arten von Krankheiten
Funktionelle Störungen (vegetative Dystonie)
•
körperliche Beschwerdebilder ohne anatomische (körperliche)
Strukturveränderungen
•
Häufig durch psychische Faktoren ausgelöst, das heißt nicht, dass die
Beschwerden eingebildet sind/sein müssen (realer Leidensdruck)

z.B. Dyspepsie des Erwachsenen;
volkswirtschaftlich hoher Kostenfaktor
Arten von Krankheiten
Entzündliche Krankheiten
• Beteiligung des Immunsystems
 äußere Auslöser (z.B. Bakterien), innere Auslöser (z.B. Rheuma)
Maligne Krankheiten („Krebs“)
• Bösartige Veränderung körpereigener Zellen, die autonom wachsen.
Mißbildungsbedingte Krankheiten
• Heute eher genetisch bedingte Defekte/Abweichung
 z.B. Stoffwechselerkrankungen
Arten von Krankheiten
Degenerative Veränderungen
•
•
•
Ersatz vollwertiger Substanz durch minderwertige (Abnutzung)
v.a. Stütz- und Bewegungsapparat
Arthrose, in Abgrenzung gegen entzündliches Rheuma: Arthritis
Traumatologische Krankheiten
•
•
•
Trauma: Verletzung, Wunde
Gewalteinwirkung in körperlicher oder psychischer Hinsicht
Volkswirtschaftlich: Sportunfälle; Stürze im Alter
Arten von Krankheiten
Thrombus
• Blutgerinnsel/pfropf.
Thrombose = Erkrankung
• bsp. Beinvenenthrombose
Embolie
• Gefäßpfropf. Ein in der Blutbahn befindlicher Fremdkörper (Blut, Luft, Fett o.a.)
Infarkt
• Schlagartige Minderversorgung mit Blut welche zum Gewebetod führt
Trauma (gr.)
• Verletzung, Wunde
Zeitliche Verlaufsformen von Krankheiten
Akut
• plötzlich auftretend, schnell, heftig verlaufend
• Steigerung: perakut

z.B. Infektionskrankheiten wie Leptospirose: „Erkrankt der Bauer auf dem Feld, wird
er mit der Schubkarre nach Hause gefahren“
• Abschwächung: subakut
Chronisch
• langsam sich entwickelnd,
• langsam verlaufend;
• auch im Sinne von bleibend (keine Ausheilung)
Rezidiv = Rückfall
• Wiederauftreten einer Krankheit nach Abheilung (≠ „Schub“)
Endzustände von Krankheiten („outcome“)
•
Im Idealfall völlige Ausheilung ohne Defekte = restitutio ad integrum
•
Defektheilung
•
Tod
•
Chronisch




persistierender
aggressiver
progredienter
rezidivierender
Verlauf (z.B. niedrig-maligne Lymphome)
Endzustände von Krankheiten („outcome“)
Daher interessiert die
Prognose (gr. πρóγνωσις - wörtlich das Vorwissen, die "VorausKenntnis")
•
bezeichnet die Vorhersage eines Ereignisses, Zustandes oder einer
Entwicklung.
ODER: Wie lange habe ich noch?
Krankheitsbewältigung
Drei mögliche Verarbeitungsmuster
•
gesund, aber mit einem Problem
•
krank, aber das Beste daraus machen
•
völlig im Kranksein befangen, von der Krankheit überwältigt
Wie reagiert der Körper auf äußere Einflüsse?
Physikalische Einflüsse:
Hitze, Kälte, UV-Licht,
Strahlung, Strom
Druck, Vibration
Erreger
Bakterien, Viren, Pilze
Nahrung
Chemische Einflüsse:
(Umwelt-)Gifte, Toxine durch
Bakterien, Pilze (Ergotismus)
Arzneimittel, Drogen (Nikotin, C2)
Mangel, Überfluß,
Zusammensetzung
Die Frage beantwortet die Pathologie
Die Pathologie
ist die "Lehre von den Leiden" (griech. Pathos = Leiden)
und erforscht
• die Ursachen
• Entstehungsmechanismen
• sichtbaren Veränderungen und
• Verläufe von Krankheiten mit morphologisch fassbaren Methoden.
Die Frage beantwortet die Pathologie
Nach der Dimension des Untersuchungsobjektes unterscheidet man die
•
pathologische Anatomie (ganze Körper)
•
die Histopathologie (Gewebe)
•
die Zytopathologie (Zellen)
•
die Ultrastrukturelle Pathologie und
•
die Molekularpathologie (Gene)
Aufgaben der Pathologie
•
Durchführung von Sektionen
•
Beurteilung von
•
Biopsaten
• Schnellschnitten und
• der bei Operationen entnommenen Gewebe als Grundlage der weiteren
Therapie
Folgende Begriffe haben die gleiche Bedeutung
• Sektion: Zergliederung
• Autopsie: in Augenschein nehmen
• Obduktion: hinführen (zur Diagnose)
Ziele/Aufgaben einer Sektion
• Feststellung von Krankheiten und Todesursache
• Medizinische Fort- und Weiterbildung
• Erforschung von Krankheiten
Geschichte der Pathologie
Die Humoralpathologie oder Viersäftelehre wurde von
Hippokrates von Kós (ca. 5 Jhd. v. Chr.)
ausgehend von der Elementelehre des
Empedokles (490-430 v. Chr.)
als Krankheitskonzept entwickelt
(Über die Natur des Menschen; um 400 v. Chr.)
•
Die vier Säfte sind
 Sanguis (Blut)
 Phlegma (Schleim)
 Cholos (gelbe Galle)
 Melancholos (schwarze Galle)
Geschichte der Pathologie
Die vier Säfte wurden analog zu den vier Elementen
Feuer, Wasser, Luft und Erde
konzeptualisiert.
Jeder dieser Säfte wird in einem eigenen Organ gebildet.
Die Ausgewogenheit der Säfte (Eukrasie) ist äquivalent (gleichbedeutend)
mit Gesundheit.
Krankheiten entstehen der Humoralpathologie zufolge durch Störungen
(Dyskrasie) dieser Ausgewogenheit.
Einflüsse bis in heutige Volksmedizin.
Geschichte der Pathologie
Galen aus Pergamon
• (129-199 n.Chr.; Leibarzt von Marc Aurel)
• fasste das gesamte medizinische Wissen seiner Zeit zusammen
• Bedeutung als Anatom durch Sektionen an Tieren da Sektionen an
menschlichen Leichen verboten
• jedoch Einblicke als Gladiatorenarzt, daher teilweise falsche Annahmen
• Galen entwickelte für das medizinische Gesamtsystem drei Prinzipien
 die Notwendigkeit einer umfassenden theoretischen Grundlage in der
Physiologie und Anatomie
 das Wirken der Säfte und des Pneumas
 die Verbindung der Medizin mit der Philosophie von Aristoteles und Platon
Galen
Von der Hippokratischen Schule übernahm er die Lehre von den vier
Körpersäften
•
Die vier Säfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle müssen sich im Körper im
Gleichgewicht befinden
• Verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten eines dieser Stoffe, so erkrankt der Mensch
Er legte die Wirkung der Säfte den verschiedenen Temperamenten
zugrunde
• der Sanguiniker
 Blut mit den Grundqualitäten feucht und warm
• Der Phlegmatiker
 feuchter und kalter Schleim
• der Melancholiker
 trockene und kalte schwarze Galle
• der Choleriker
 trockene und warme gelbe Galle
Galen
Die Aufgabe des Arztes sei es, das Ungleichgewicht (der Säfte)
• durch Diätetik
• Arzneimittel oder auch
• chirurgische Maßnahmen wieder aufzuheben.
Er übte einen außerordentlichen Einfluss bis ins 19. Jahrhundert unserer
Zeitrechnung aus.
Wie Aristoteles war er überzeugt, dass die Natur vollkommen sei und nichts
umsonst mache, und vertrat eine monotheistische Weltsicht.
Galen
Die von ihm vertretenen Theorien bildeten die Grundlage der Medizin der
• Hildegard von Bingen
• der Physiognomik eines Johann Kaspar Lavaters und
• der Ernährungslehre.
Im übrigen bezog sich auch Sebastian Kneipp bei seiner Wasserkur auf die
Erkenntnisse Galens, nach denen überflüssige Säfte aus dem Körper
abgeleitet werden müssten.
Damaliger Fortschritt der Humoralpathologie
• Die KH wurde nicht mehr als übernatürliche Erscheinung angesehen
• sie wurde von einem rationalen, naturalistischen und
wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus betrachtet.
Physiognomik
Die Kunst, aus dem unveränderlichen physiologischen Äußeren
des Körpers, besonders des Gesichts,
auf die seelischen Eigenschaften eines Menschen zu schließen.
Geschichte der Pathologie
Zellularpathologie
• Begründet in den 1850er Jahren von Rudolf Virchow (1821-1902)
• Die Zellularpathologie ist die Lehre, nach der Krankheiten auf
Störungen der Körperzellen bzw. ihrer Funktionen basieren.
• Als Krankheitskonzept ersetzte sie die zuvor seit der Antike gültige
Humoralpathologie und ist damit für eine umfassende Umwälzung in
der Vorstellung von Krankheitsentstehung und Krankheit im
allgemeinen verantwortlich
• Zusammen mit der Mikrobiologie (Robert Koch) bildet sie das
Fundament der heutigen Naturwissenschaftlichen Medizin.
Reaktionsformen des Gewebes
Hypertrophie
• Zunahme der Organgröße/Gewebemasse durch Zunahme der Zellgröße
 kompensatorische Hypertrophie
o
z.B. Herzmuskelhypertrophie bei chronischer arterieller Hypertonie.
 Aktivitätshypertrophie
o
z.B. die Skelett- und Herzmuskelhypertrophie bei Sportlern.
 hormonell induzierte Hypertrophie
o
z.B. die Skelettmuskelhypertrophie bei Einnahme anaboler Steroide
Reaktionsformen des Gewebes
Hyperplasie
• Gewebsvermehrung durch Zunahme der Zellzahl.
 regeneratorisch
o z.B. die Verdickung der Epidermis an mechanisch belasteten Hautstellen.
 Endokrin
o z.B. die Hyperplasie der Nebennierenrinde bei CRH/ACTH-produzierendem Tumor
Noduläre Hyperplasie Pankreas
Struma
Reaktionsformen des Gewebes
Hypotrophie (gr.; hypo = unter, weniger)
• Vermindertes Wachstum bzw. unterdurchschnittliche Größenentwicklung eines
• Zellverbandes, Organsystems, Organs, Organteils, Gewebes oder einer Anlage
 bedingt durch unzureichende Ernährung
 und/ oder Zellverkleinerung als Folge
 funktioneller Minderbelastung,
 die zu verminderter Funktionsfähigkeit von
 Organen, Geweben, Muskeln etc. infolge
 eines Körpersubstanzschwunds, sprich einer Verkleinerung von Organen oder Geweben
 durch Abnahme der Zellgröße
 bei gleich bleibender Zellzahl führen kann.
Diese Krankheit tritt beispielsweise nach langer Bettruhe oder durch
unzureichende Nährstoffversorgung auf.
Reaktionsformen des Gewebes
Atrophie
• Gewebereduktion durch Verminderung von Zellgröße und/oder Zellzahl.
 Involution - altersgebundene Gewebsrückbildung
o z.B. des Thymus im Jugend- und Erwachsenenalter und des Uterus nach Eintritt der
Menopause, hormonell- und altersbedingt.
 Inaktivitätsatrophie
o z.B. Atrophie der Muskulatur bei Lähmungen.
 Altersatrophie - Mischform aus Involution und Inaktivitätsatrophie
o Bsp.: Osteoporose.
 Hungeratrophie - Gewebsrückbildung aufgrund nutritiver Unterversorgung
o besonders Proteinmangel
 Vaskuläre Atrophie - Atrophie von Gewebe durch ischämischen Substratmangel
o z.B. Hautatrophie bei bei diabetischem Fuß oder pAVK.
 Druckatrophie
o z.B. Abbau von Knochen neben einem pulsierenden Aneurysma.
Atrophie fronto-temporale
de la maladie de Pick
Reaktionsformen des Gewebes
Metaplasie
• Umschlag der Gewebsdifferenzierung in ein ähnlich differenziertes und der
spezifischen Belastung besser gewachsenes Gewebe
 Bsp.: die Zylinderepithelmetaplasie beim Barret-Ösophagus bei chronischem
Magensaftreflux (Austausch des unverhornten Plattenepithels gegen Zylinderepithel)
 die bronchiale Plattenepithelmetaplasie bei Rauchern (Austausch des
Zylinderflimmerepithels gegen Plattenepithel)
Mehrreihiges Flimmerepithel
Plattenepithelmetaplasie der Bronchialschleimhaut
Nekrose
Nekrose ist das intravitale Absterben von Zellen
• Gruppenzellnekrosen
 Bsp.: Tubulusnekrosen bei der Schockniere
• Koagulationsnekrose - Eiweißdenaturierung, Verfestigung, Narbenbildung
 Bsp.: Anämische Infarkte in eiweißreichen Organen (Herz, Niere, Milz),
Säureverätzungen
• Kolliquationsnekrose - Verflüssigung, Pseudocysten statt Narben
 Bsp.: Infarkt in eiweißarmen, fettreichen Organen (Gehirn), Laugenverätzungen
• Enzymatische Fettgewebsnekrose
 Bsp.: Pankreatitis: Die freigesetzten Lipasen setzten aus dem Fettgewebe z.B. des
Mesenteriums Fettsäuren frei, die mit Calzium Kalkseifen bilden.
Nekrose
Nekrose ist das intravitale Absterben von Zellen
• Traumatische Fettgewebsnekrose
• Käsige Nekrose
 Bsp.: Tbc (Epitheloidzelliges Granulom mit Langhans-Riesenzellen und zentraler käsiger
Nekrose)
• Fibrinoide Nekrose - keine echte Nekrose, Entstehung im Bindegewebe oder in
der glatten Muskulatur
• Ischämie (gr.; (h)äm = Blut)
 Minderdurchblutung
Nekrose
Gangrän bei pAVK = Ischämie
Traumatische Nekrose
Unterscheide: Apoptose als programmierter Suizid der Zelle.
Reaktionsformen des Gewebes
Degeneration (lat.; genesis = Entstehung, Geschlecht)
• Zugrundegehen eines lebenden Zellverbandes
• Ersatz vollwertiger Substanz durch minderwertige
Regeneration
• sich Erholen (regenerieren) eines zuvor geschädigten Zellverbandes
Symptomlehre
Symptom
(gr.; vorübergehende Eigentümlichkeit)
Anzeichen, Vorbote, Warnungszeichen, Merkmal einer Erkrankung
• Subjektive Symptome
 nur durch den Patienten wahrnehmbar
• Objektive Symptome
 auch durch den Arzt/Untersucher wahrnehmbar
 Ein objektives Symptom wird auch klinisches Zeichen genannt.
Die Gesamtheit der aus einem Krankheitsprozess resultierenden
Symptome wird als Symptomatik oder auch klinisches Bild bezeichnet.
Symptomlehre
Mehrere Symptome und Zeichen werden teilweise zu einem Syndrom
zusammengefasst
• vor allem, wenn noch Unklarheit über die genauere Pathogenese
(Krankheitsentstehung) besteht.
• Die Ätiologie (grundsätzliche Auslöser, etwa überzählige oder fehlende
Chromosomen bei genetischen Syndromen, z.B. Trisomie 21) ist hierbei aber
oft bekannt.
• Beim Symptomenkomplex wiederum werden mehrere Symptome
zusammengefasst, bei denen eine gemeinsame Ätiologie lediglich vermutet
wird und die Pathogenese meist weitestgehend unbekannt ist
Symptomlehre
Als pathognomonisch wird ein Symptom bezeichnet, das bereits für sich
alleine genommen hinreichend für eine sichere Diagnosestellung ist.
Der Begriff symptomatisch bezeichnet in der Medizin
• Therapieverfahren, die nur die unerwünschten Symptome einer Erkrankung
unterdrücken, weil eine ursächliche Behandlung nicht nötig oder möglich ist

z.B. Fiebersenken bei Virusinfektionen oder Lymphdrainagen
• Erkrankungen, die mit erkennbaren Beschwerden einhergehen im Gegensatz zu
asymptomatisch

z.B. Diabetische Stoffwechsellage
Symptomlehre
In vielen Fällen kann bereits die Erhebung des Leitsymptoms und einiger
weiterer Symptome ausreichend sein,
um eine (Verdachts-) Diagnose zu stellen und eine entsprechende Therapie
einzuleiten
• z.B. Brustschmerz, Ausstrahlen in den linken Arm
In weniger klaren Fällen sowie zur Absicherung sind zusätzliche
Untersuchungen notwendig
Wie geht es vom Symptom aus weiter?
Stimmt?
Symptom
Diagnose
„Diagnostik“
Therapie
Ergibt sich meist von selbst,
Manchmal aber auch nicht
Besser?
Häufige Allgemeinsymptome
• Fieber
• Husten
• Schmerzen
• Herzklopfen
• Luftnot
• (LK-) Schwellungen
• Durchfall (Diarrhoe)
• Ödeme
• Verstopfung (Obstipation)
• …
• Apetittlosigkeit
B-Symptomatik:
• Übelkeit
• Fieber
• Müdigkeit
• Nachtschweiss
• Schwäche
• Gewichtsverlust
• Abgeschlagenheit
 Malignom, TBC, endokrin?
Diagnostik
Unter Diagnostik versteht man die Gesamtheit aller
Maßnahmen, die zur Erkennung (Diagnose) einer Krankheit
führen.
Die Diagnostik umfasst Maßnahmen wie
• die Anamnese
• die körperliche und
• weiterleitende apparative Untersuchungen
 Analysen von Körpergeweben und Ausscheidungen.
Anamnese
von griechisch: ana - gegen, mnemosyne - Vergessen
Synonym: Fallaufnahme
•
Die Anamnese ist eine systematische Befragung, die der
Arzt/Therapeut durchführt, um die aktuellen Beschwerden, die
gesundheitliche Vorgeschichte, besondere Dispositionen (z.B.
Allergien), die Lebensumstände und das genetische Risiko des
Patienten auszuforschen.
•
Eine sorgsame Anamneseerhebung ist wegweisend für Art und Umfang
der weiterführenden diagnostischen Maßnahmen und führt häufig
bereits zu einer Verdachtsdiagnose.
Diagnostik
Soll
Ist
Anamnese (Krankengeschichte)
80%
10%
Körperliche Untersuchung
15%
10%
Technische Verfahren
5%
80%
Altern
•
Keine einheitliche Definition für „Alte“
•
Alter in soziologischer Perspektive mit dem Ausscheiden aus dem
Berufsleben gleichgesetzt
•
Häufig verwendet:




40 bis 60 Jahre (junge Alte)
60 bis 75 Jahre (neue Alte)
75 bis 90 Jahre (Alte)
über 90 Jahre (Hochbetagte)
•
Diskrepanz chronologisches Alter, biologisches Alter (vorgealtert) und
„gefühltes“ Alter (Selbsteinschätzung).
•
Altern ist ein sehr individueller Prozess
•
Altern ist keine Krankheit
Altern
Gesundheitliche Probleme geprägt von chronischen Erkrankungen und
Multimorbidität
•
Herzinsuffizenz und Diabetes
•
Degenerative Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparates
(Osteopoorse, Arthrose)
•
Nachlassende Kognitive Leistungen (einschl. Koordination, Sturzgefahr)
bis hin zur Demenz
•
erhöhtes Unfallrisiko
•
Psychische Probleme (Depression)
•
Mißbrauchsopfer
•
Medikamenteninteraktionen!
•
Malignome 
Psychische/Psychiatrische Probleme des Alterns
•
Demenz (Prävalenz 20% bei über 80-Jährigen)
•
Depression (Prävalenz 1-2%, häufig depressive Symptome)
•
Suizid: höchste Rate bei alten Leuten, insbesondere bei Männern;
häufig in Zusammenhang mit physischen Erkrankungen, Schmerzen
und Alkohol;
•
Angst (Prävalenz insgesamt ca. 15%)
•
Schlaflosigkeit (ca. 25% der über 65-Jährigen), oft im Zusammen-hang
mit Medikamenten(missbrauch) oder Depression und Angst
•
Alkoholprobleme, häufig bereits vorher manifest
Lebenserwartung bei Geburt
Deutschland Stand 2004
Jungen:
75,89 Jahre
Mädchen: 81,55 Jahre
Alterspyramide
Soll
Ist
Altern
• Altern ist per se keine Krankheit
• Unausweichlich: das Beste draus machen
• Soziale, psychische und gesundheitliche Komponenten
• Körper und Geist sind trainierbar bis ins hohe Alter
Muskelaufbau, Verzögerung des Abbaus, Koordination,
brain-jogging
• Sexuelle Aktivität (noch Tabuthema)
Prävention - Prophylaxe
Prävention - Prophylaxe
•
Was versteht man unter Prävention/Prophylaxe?
•
Was soll Prävention/Prophylaxe leisten?
•
Was kostet Prävention/Prophylaxe?
•
Wer bezahlt?
•
Ab wann lohnt sich Prävention/Prophylaxe‚
und für wen?
•
Wie wird Prävention „verkauft“?
Prävention
Als Prävention (vom lateinischen prævenire „zuvorkommen, verhüten„ ,englisch: prevention)
bezeichnet man das Vorbeugen eines Ereignisses oder Effekts.
• Der Begriff Prävention wird vielseitig verwendet.
• In der Medizin bezeichnet Prävention Maßnahmen, die die Beeinträchtigungen
der Gesundheit (Krankheit, Verletzung)

Verhindern
 verzögern oder
 weniger wahrscheinlich zu machen vermag.
• Überschneidung mit der Sozialarbeit (Sozialmedizin):
 Suchtprävention,
 Gewaltprävention.
• Begriffliche Überschneidung mit „Prophylaxe“.
• Man unterscheidet
 Primär Sekundär- und
 Tertiärprävention.
Primäre Prävention
Synonym: Primärprävention
• Als primäre Prävention bezeichnet man die Gesamtheit aller Maßnahmen, die den Erhalt der
Gesundheit von einzelnen Individuen oder einer Bevölkerung zum Ziel haben.
• Typische Inhalte der primären Prävention sind


die Aufklärung über gesundheitlich beeinträchtigende Verhaltensweisen oder Risikofaktoren
das Aufzeigen von Möglichkeiten zur Förderung der Gesundheit noch bevor Risikofaktoren oder die
Erkrankung selbst bestehen.
• Im Bezug auf kardiovaskuläre Erkrankungen bezeichnet "Primärprävention" alle
Maßnahmen, die vor dem Eintreten einer kardiovaskulären Erkrankung (z.B. Herzinfarkt)
unternommen werden (z.B. Blutdruck einstellen).
• Eine konkrete Maßnahme der Primärpräventon wird auch Prophylaxe genannt.
Prophylaxe
Synonym: Vorbeugung
Englisch: prophylaxis
Als Prophylaxe bezeichnet man die Gesamtheit aller Maßnahmen, die dazu
dienen, eine Beeinträchtigung der Gesundheit durch Krankheiten oder Unfälle zu
verhindern.
Die Maßnahmen können sich
•
auf ein einzelnes Individuum (Individualprophylaxe)
•
oder einer Gruppe von Individuen beziehen (Gruppenprophylaxe).
Prophylaxe
Zu üblichen prophylaktischen Maßnahmen gehören
•
Impfungen
•
präventive Medikamentengabe
•
Trinkwasserfluoridierung
•
Isolierung von infektiösen Individuen
•
Schritte, die der Verhinderung von Unfällen dienen.
Dekubitusprophylaxe
Ein Dekubitus ist eine schlecht und langsam heilende Wunde infolge einer Minderdurchblutung
der Haut und/oder des Subkutangewebes.  „Wundliegen, Aufliegedefekt“.
•
Einschätzung der Dekubitusgefährdung des mit Hilfe der Norton- oder der Braden-Skala.
•
Elemente der Dekubitusprophylaxe





Mobilisation: Patienten regelmäßig mobilisieren oder zur selbstständigen Mobilisation auffordern.
Lagerung: Patienten in zweistündlichem Rhythmus umlagern.
Hautbeobachtung: Die Haut an gefährdeten Stellen regelmäßig beobachten und auf Veränderungen
reagieren.
Hautpflege: Entsprechende Hautpflege am Patienten durchführen
Ernährung: Altersadäquate Versorgung mit Nährstoffen
Fraktur-Prophylaxe
Unter Fraktur-Prophylaxe versteht man vorbeugende Maßnahmen gegen das Auftreten von
Knochenbrüchen bei entsprechend disponierten Patienten, z.B. Osteoporose.
Zur Frakturprophylaxe gehört:
• Verbesserung des Wohnumfeldes:




Erkennen und Abbauen von Stolperfallen wie
o rutschenden Teppichen,
o überstehenden Schwellen,
o losen Kabeln.
Gute Ausleuchtung von Flur, Bad etc.
Anbringen von Haltegriffen an Dusche oder Badewanne,
Duschsitz oder Antirutschmatten in Dusche oder Wanne.
Fraktur-Prophylaxe
Zur Frakturprophylaxe gehört:
• Verbesserung der Koordination und Beweglichkeit:
• Regelmäßige körperliche Bewegung, am besten in Begleitung
• Regelmäßige Überprüfung der Dauermedikation

Abbau überflüssiger Präparate
• gute Einstellung des Blutdrucks
• Regelmäßige Überprüfung und Korrektur des Sehvermögens.
• Verringerung eventueller Sturzfolgen:
• bei Stürzen auf die Seite bieten Hüftprotektoren einen Schutz vor Schenkelhalsfrakturen,
da sich die beim Sturz auf den Knochen einwirkende Energie auf eine größere Fläche
verteilt.
Kariesprophylaxe
• vorbeugende Maßnahmen zur Verhütung von Karies
 z.B. regelmäßige Zahnhygiene, (Trinkwasser-) Fluoridierung etc.
Postexpositionsprophylaxe
• medizinsche Vorbeugemaßnahme, die ergriffen wird,
nachdem eine Person der Ansteckungsquelle einer
Infektionskrankheit ausgesetzt war.
• Sie soll verhindern, dass der Patient an der
Infektionskrankheit erkrankt.
• Eine Postexpositionsprophylaxe ist vor allem dann indiziert,
wenn die Infektionskrankheit eine vitale Gefährdung des
Patienten oder - bei einer Schwangeren - des Kindes
bedeuten würde,
 Rötelnexposition in der Schwangerschaft,
 (beruflicher) HIV-Exposition,
 Tollwut
• Die „Pille danach“ als Postexpositionsprophylaxe?
Sekundäre Prävention
•
Synonym: Sekundärprävention
•
Als sekundäre Prävention bezeichnet man die Gesamtheit aller Maßnahmen,
die der Früherkennung und damit der Möglichkeit einer rechtzeitigen
Behandlung von Erkrankungen dienen.
•
Typische Bestandteile der sekundären Prävention sind Screening- oder
Vorsorgeuntersuchungen, die eine Aufdeckung symptomloser Erkrankungen bei
scheinbar gesunden Individuen ermöglichen sollen.
•
Im Bezug auf kardiovaskuläre Erkrankungen bezeichnet "Sekundärprävention"
alle Maßnahmen, die nach dem Eintreten einer kardiovaskulären Erkrankung
(z.B. Herzinfarkt) unternommen werden (z.B. Blutdrucksenkung), um ihr
weiteres Fortschreiten zu verhindern - im Gegensatz zur Primärprävention.
Sekundärprävention-Programme
Generell:
•
Kosten-Nutzen Analyse durch Studien. Klare Regelungen bzgl.

„wer darf“ „was wird bezahlt“, „wer zahlt“
Beispiele:
•
Dickdarmkrebs (Kolon-Ca.)

Darmspiegelungen (Kostenübernahme nach Alter, Risiko)
•
Brustkrebs (Mamma-Ca.)
•
Prostatakrebs

•
Klinische und Laboruntersuchung
Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom)

sinnvoll, Untersuchung aber privat zu bezahlen
Mammakarzinom -Prävention
•
Beim Mammakarzinom handelt es sich um eine Tumorerkrankung mit hohen
Inzidenz- und Mortalitätsraten und einem langen präklinischen Stadium.
•
Zudem ist eine primäre Prävention zurzeit nicht möglich.
•
Daher sind sekundär-präventive Maßnahmen gerechtfertigt, um durch den
regelmäßigen Einsatz der Mammografie bei symptomfreien Frauen den
Brustkrebs in früheren Stadien zu erkennen, bevor er symptomatisch wird.
•
Die Wirksamkeit der Maßnahme wird
derzeit in mehreren Studien reevaluiert.
Tertiäre Prävention
•
Synonym: Tertiärprävention
•
Als tertiäre Prävention bezeichnet man die Gesamtheit aller
Maßnahmen, die der Verhinderung des Fortschreitens oder des Eintritts
von Komplikationen bei einer bereits manifesten Erkrankung dienen.
•
Typische Bestandteile der tertiären Prävention sind Rehabilitation,
Anschlußheilbehandlung und Rezidivprophylaxe.
Tertiäre Prävention
•
Gesunde Ernährung
•
Bewegungsmangel ausgleichen
•
Anti-Raucher und Anti-Drogen Kampagnen
•
Aufklärung (z.B. „safer sex“)
 relativ geringe Kosten, hoher Nutzen

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