Präsentation zum Thema: Sufismus - RPI

Report
Präsentation zum Thema:
Sufismus
Seminar: Vielfalt des Islam
TU Dortmund, Wintersemester 2013/14
Seminarleitung: Dr. Reinhard Kirste
Von: Anna Paldino und Kathrin Lehmann
Sufismus
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Begriffsabgrenzung
Entwicklung des Sufismus
Die Initiation durch den Meister
Sufi-Praktiken
Wege des Lernens
Beispiel: Sufi-Schule
Sufismus - Begriffsabgrenzung
• Mystische Strömung des Islam mit unzähligen Facetten
• Scheinbare Ferne vom „Gesetzes-Islam“, jedoch aus islamischen
Wurzeln gewachsen.
• „Der Sufi ist jemand, der nicht ist“  Ziel des „Entwerdens“ (in
dem unbeschreiblichen göttlichen Wesen).
• Die Suche nach dem höchsten Prinzip
– „Urgrund“ der Gottheit; göttlicher Geliebter, unvorstellbare
Schönheit in Liebesüberschwang, Schleier der Unwissenheit
heben.
• Existentielle Erfahrung ist wichtiger als intellektuelles Wissen.
• Zentrum und Grundlage des Sufismus: das im Koran offenbarte
Gotteswort.
• Die Kenntnis und rituelle Rezitation des Gotteswortes als
wichtiger Aspekt des Sufismus.
Sufismus - Begriffsabgrenzung
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Sufimeister ziehen erstaunliche Schlüsse aus den heiligen Worten 
verfassten ihre Werke aus der Meditation des Korans
– Koranisierung des Gedächtnisses  durch die ständige tiefe Meditation
des Korans sah der Sufi alles in der Welt gewissermaßen durch den Koran
Einzelne Verse, die besondere Botschaften für die Lebenshaltung der Sufisten
haben:
– Aufforderung, Gott häufig zu gedenken (Sure 33,41), da „durch das
Gedenken an Gott die Herzen stille werden“
– Das Wissen, dass alles in der Welt ein Zeichen ist, das Gott „in den
Horizonten und in den Seelen“ gesetzt hat (Sure 41,53) und dessen
Betrachtung zu Gott, dem Schöpfer, führt
– Das Lernen, dass Gott zu Beginn der Welt die künftigen Menschen zum
Gehorsam verpflichtet hatte, indem Er sie ansprach: „Bin Ich nicht euer
Herr?“ (Sure 7,172)
– Das Lernen, dass Er, den die Blicke nicht erreichen (Sure 6,103),
gleichzeitig dem Menschen näher ist als seine Halsschlagader (Sure 59,24)
und dass alles geschaffen ward, um Ihm zu dienen und Ihn anzubeten
(Sure 51,56)
Sufismus - Begriffsabgrenzung
• Muhammad genießt im Sufismus eine besonders hohe Stellung
und gilt als das eigentliche Ziel der Schöpfung
• Die Himmelsreise des Propheten aus Sure 17,1 – wird für den
Sufi das Vorbild seiner eigenen Reise in die unmittelbare Nähe
Gottes.
• Die Sufis behandeln die Aussprüche des Propheten und die
Berichte über seine Werke und Taten (Hadith) als Richtschnur
ihres praktischen Verhaltens: Der Mensch soll vollkommener
Diener Gottes sein.
•  Die Grundlagen des Sufismus liegen in der Anerkennung der
absoluten Macht des nur durch Seine Zeichen erkennbaren
Gottes, im vollen Vertrauen auf die koranische Offenbarung und
in der Verehrung des Propheten Muhammad.
Sufismus – Entwicklung des Sufismus
• Um 715 entwickelten sich kleine Gruppen von Frommen – vor allem im
Irak – wo der große Prediger Hasan al-Basri asketische Frömmigkeit
predigte und praktizierte, die der immer stärker werdenden
Verweltlichung entgegenwirken sollte  Konzentration auf die Lektüre
und Meditation des Korans
• Der Begriff Sufismus leitet sich ab von suf – „Wolle“, und weist auf das
Wollgewand der Asketen hin. Man hat zugleich versucht das Wort vom
griechischen sophos – „Weisheit“ abzuleiten
• Muslime, die der Mystik fern oder feindlich gegenüberstehen, werden oft
erklären, dass Sufismus als tasawwuf , also die „Gewohnheit, das wollene
Gewand anzuziehen“ = sich dem mystischen Leben zu widmen,
unislamisch sei. Schließlich kämen das Wort oder seine Wurzelbuchstaben
nicht im Koran vor.
– Es sei ein verwerflicher menschlicher Versuch, Gott nahe zu kommen;
dieser habe zu Bräuchen geführt, die nichts mit dem strengen echten
Islam zu tun hätten. Diese Meinung herrscht vor allem in SaudiArabien vor.
Sufismus – Entwicklung des Sufismus
• Was für Einflüsse auf den entstehenden Sufismus im 8.
und 9. Jahrhundert eingewirkt haben, wird sich nie im
einzelnen feststellen lassen
– Es gab unter anderem Kontakte zu christlichen Eremiten,
die eine gewisse Wirkung auf die Ideale der asketischen
Frommen hatten
– Man kann auch an einzelne buddhistische Einflüsse denken
(Übertragung der Buddha-Legende auf Ibrahim ibn Adham,
gest. 776)
– Hindu-Philosophie und Praxis kamen erst später dazu.
– Griechische philosophische Gedanken verbreiteten sich
dank arabischen Übersetzungen griechischer Werke, vor
allem der so genannten „Theologie des Aristoteles“, so
dass man das System des großen Theosophen Ibn Arabi als
„islamisierte Form des Neuplatonismus“ bezeichnet hat
Sufismus – Initiation durch den Meister
• In den Anfangsstadien des Sufismus wurden bestimmte
Persönlichkeiten durch ihre Aktivität oder ihre Ausstrahlung als
Modelle für ihre Mitmenschen angesehen
– Keine etablierten Führer, sondern Handwerker oder Gelehrte
 keinesfalls eine Art Priestertum, denn der Islam schließt
jede Vermittlerrolle zwischen Gott und Mensch aus
– Der immer wachsende Einfluss der Sufi-Scheichs auf ihre
Anhänger ist deshalb in späterer Zeit einer der Hauptgründe
für die Ablehnung des Sufismus von Seiten vieler
sunnatreuer Muslime
• Ein murid zu werden (derjenige, der die Einweihung vom Meister
will) war nicht einfach. Man musste oft lange warten oder
unlösbare Aufgaben erfüllen
• Einmal angenommen, hatte er dem Meister in allem zu
gehorchen
• Die Initiation erfolgte durch Handschlag  dadurch in die Kette
eingebunden, die durch die großen Sufis bis hin zum Propheten
reichte
Sufismus – Initiation durch den Meister
• Die Zahl der Jünger eines Scheichs war zunächst klein
– Sie fühlen sich eng verbunden, oft heute noch, wo es große SufiOrden gibt
– Im indischen Bereich spricht man dann vom pir-bhai (Bruder
durch den Meister)
– Auch Frauen konnten und können eingeweiht werden
• Der Meister überwacht das geistige Wachstum seines Schülers und
setzt ihn manchmal in die vierzigtägige Klausur (40 Tage in einem
engen, dunklen Raum mit Minimum an Nahrung ständiges Gebet
und Meditation vollziehen)
• Der Meister bringt seinem Jünger das rechte Benehmen in allen
Situationen bei
– Arabische Werke, die Ideale und Regeln des Sufitums darlegen
– Es gibt auch Biographien von frühen Sufis, deren Leben als
Modelle dienen sollten
• In allen Werken versucht der Meister den Sucher durch die
verschiedenen Stufen auf dem Weg zu leiten
Sufismus – Initiation durch den Meister
• Die Zahl der Stufen wird (wie in fast allen mystischen
Traditionen) mit sieben angegeben, jedoch sind die Stufen
im Sufismus nicht so klar gegliedert, und ihre Anzahl
wechselt von Meister zu Meister
– Die erste Stufe ist immer die Reue, das Abbrechen der
Beziehungen zum früheren Leben und die volle Konzentration
auf den neuen Weg
– Zu den wichtigsten Haltungen gehört die Armut  darwisch /
Derwisch (persisch: „der Arme“) als eine Bezeichnung für Sufis
– Absolutes Gottvertrauen (tawakkul)  „Gutes von Gott denken“
– Geduld und Dankbarkeit
– Furcht und Hoffnung als die beiden „Flügel, mit denen man zum
Paradies fliegt“
• Immerwährende Furcht vor dem Gericht Gottes, aber Hoffnung, weil
Gott alles zum Guten geordnet hat
– Die Endstation des Sufi-Weges ist die Gottesliebe oder
Gotteserkenntnis
• Liebesekstase und Erkenntnis, Gnosis
Sufismus – Sufi-Praktiken
• Unter den kleinen frühen elitären Sufi-Gruppen
entwickelten sich langsam besondere Praktiken
– Außerordentlich intensive Ausübung des Ritualgebets
– Lange Perioden des Fastens
– Grundregeln: „wenig essen, wenig schlafen, wenig
sprechen“
– „Peinliche Gewissenhaftigkeit“ (wara) bei dem
Versuch, so korrekt wie möglich zu handeln
– Beobachtung der Seele (nafs) als ein wichtiger Teil der
Erziehung, da die nafs im Koran (Sure 12,59) „als zum
Bösen anreizend“ erwähnt wird
• Kampf gegen die gefährliche Seele als „größerer Heiliger
Krieg“  langsame Umwandlung zur „Seele in Frieden“ als
Ziel der Sufis
Sufismus – Sufi-Praktiken
– Technik des Gottgedenkens (dhikr): der Sucher soll
tausende Male das Wort Allah wiederholen, bis
sein gesamtes Sein von diesem Namen
durchdrungen ist
– Ständige Wiederholung des
Glaubensbekenntnisses bzw. seiner ersten Hälfte
• „Es gibt keine Gottheit außer Gott, Allah“
• Verbunden mit einer Atemkontrolle (das letzte h des
Wortes Allah soll wie ein Ausatmen, ein letzter Hauch,
verklingen)
– Methoden, um ganz bestimmte Gottesnamen im
dhikr zu verwenden  der Meister findet den
passenden Namen für den Jünger
Sufismus – Wege des Lernens
Wie sollte nach den Regeln der Sufis ein Lehrer
seinen Schülern gegenüber treten?
- Keine pauschal Antwort.
- „Man muss eine Lehrmethode wählen, die zu
dem Schüler passt, selbst wenn sie dem Schüler
unangemessen erscheint.“
- „Lehren muss man zur rechten Zeit am rechten
Ort und in der richtigen sozialen Umgebung.
Wenn es Zeit ist, ernst zu sein, dann werden wir
ernst sein. Wenn die Zeit es verlangt uns mit den
Dingen zu beschäftigen, die trivial erscheinen,
dann werden wir auch dies tun.“
Sufismus – Wege des Lernens
Themen für Sufi-Studien:
1)
Studiere die Annahmen die deine Handlungen
leiten. Studiere dann die Annahmen die hinter
deinen Annahmen stehen.
2)
Es ist sinnvoll zu fragen: ‚Warum habe ich das und
das getan?‘ Aber besser ist zu fragen: ‚Wie hätte ich es
besser machen können?‘
3)
Wenn du Liebenswürdigkeit benutzt um Macht
auszuüben, kannst du mehr Schaden anrichten, als
wenn du grausam bist. Beide Verhaltensweisen sind
falsch.
4)
Versuche nicht bescheiden zu sein. Lerne die
Bescheidenheit.
5)
Nimm an, dass du zum Teil heuchlerisch und zum Teil
rücksichtslos bist. Dann bist du der Wahrheit nahe.
Sufismus – Wege des Lernens
Der Pedant
Nasrudin setzte einen Pedanten über ein stürmisches Wasser
über. Als er etwas sagte, das grammatikalisch nicht ganz
richtig war, fragte ihn der Gelehrte: „Haben Sie denn nie
Grammatik studiert?“ „Nein.“ „Dann war ja die Hälfte Ihres
Lebens verschwendet!“
Wenige Minuten später drehte sich Nasrudin zu seinem
Passagier um: „Haben Sie jemals schwimmen gelernt?“ „Nein,
warum?“ „Dann war Ihr ganzes Leben verschwendet – wir
sinken nämlich!“
I. Shah: Die Sufis, S. 59
Zum Namen: Nasrudin, Nasruddin, auch Nasreddin Hodscha
Sufismus – Beispiel Sufi-Schule
Quelle: deutschland.sufischool.org/die-schule/
• Es gibt eine Schule der Sufi-Lehren in Deutschland
• kostenlose Unterweisung in die Lehren der von dieser Schule als 5
Hauptorden bezeichnet: Naqshbandi-, Mujadidi-, Chishti-, Qadiriund Shadhili-Orden mit besonderer Betonung auf Mujadidi-Orden),
• gegründet von Sheikh Hazrat Azad Rasul (+ 7.11.2006).
• Sufi-Orden gibt es in aller Welt.
• Ziel der Schule: „Übungen so zu lehren, dass alle ernsthaft
Suchenden Zugang haben, zu den großen Gewinnen und den Segen
des Sufi Weges. Die Schule möchte, dass die SchülerInnen eine
ernsthafte und regelmäßige Anstrengung unternehmen, die
Übungen der Meditation und Rezitation anzuwenden, da mit ihnen
das Selbst entwickelt und gereinigt wird. Mit einem allmählichen
und ausdauernden Programm der Meditation und Rezitation
werden die SchülerInnen kultiviert und beginnen ihr Verhältnis zu
Welt und zu ihrem Schöpfer auf neue Art zu verstehen“
Sufismus – Beispiel Sufi-Schule
• Übungen werden in Übereinstimmung zur Sunna durchgeführt
welche durch Sufi-Lehrer „mit Bedacht“ weiterentwickelt wurden,
damit sie „für die modernen Gesellschaften relevant und
wirkungsvoll bleiben.“
• Es ist nicht notwendig Muslim/Muslima zu sein oder zu werden
• Anliegen der Schule ist es „einige der früher al esoterisch
angesehene Lehren, zu einem geeigneten Zeitpunkt, vom Osten in
den Westen zu bringen.“
• Praktiziert wird eine bestimmte Form der Meditation: ‚muraqaba.‘
• Unterschied zu anderen Formen, die versuchen, sich auf einen
Punkt im Körper zu konzentrieren: hier wird Meditation so
verstanden, dass man sich selbst von der weltlichen Aktivität löst
und seine Aufmerksamkeit Gott widmet.
• nach den einleitenden 10 Lektionen können die Schüler selbst
entscheiden ob sie die Lehre weiterführen und einen Lebensstil
annehmen, der auf islamischen Grundsätzen und der Sunna
besteht.
Sufismus – Beispiel Sufi-Schule
• wie lange ein einzelner Schüler braucht ist
unterschiedlich und hängt davon ab, mit welchen
Vorkenntnissen sie zum Sufismus kommen und
„inwieweit sie sich kontinuierlich ihren Übungen
widmen“
• einleitende Übung ist die Meditation für das Herz
welche zu Beginn mit einer Absicht (niyyat)
verinnerlicht wird und anschließend sitzt der Schüler
ca. 30-40 Minuten in Ruhe (ohne eine spezielle Haltung
dafür einzunehmen)
• versprochen wird eine spürbare Verbesserung auf
spiritueller und körperlicher Ebene
Quellen
• Schimmel, Annemarie. Wie universal ist die Mystik?,
Freiburg/Br.: Herder 1996
• Schimmel, Annemarie. Sufismus – Eine Einführung in die
islamische Mystik. München: C.H.Beck, 2004
• Schimmel, Annemarie. Mystische Dimensionen des Islam. Die
Geschichte des Sufismus.
Köln: Diederichs 1985
• Shah, Idries. Wege des Lernens – Die spirituelle Psychologie
der Sufis. München: Knaur 1985
• Internet-Angebot:
http://deutschland.sufischool.org/die-schule/
(abgerufen 18.12.13)

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