Document

Report
Musikgeschichte der
europäischen Neuzeit
Repertorium zur Vorlesung
Die Sonate
Die Sonate
„[Die] Sonate […] ist eine eigenständige, seit
Mitte des 17. Jh. in der Regel mehrsätzige und
zyklisch angelegte Instrumentalkomposition in
kleiner Besetzung. Die Bezeichnung Sonate
bezieht sich jedoch nicht auf eine eng zu
umgrenzende Gattung; Überschneidungen mit
anderen Instrumentalformen (Toccata, Concerto,
Sinfonia, Suite) sind vor allem im 17. und 18. Jh.
nachweisbar.“
Riemann Musiklexikon, Sachteil, S. 880.
Die Sonate
Frühzeit: Giovanni Gabrieli
• Die Geschichte der Sonate beginnt im 16. Jh.
• Hervorzuheben sind v.a. die Sonaten Giovanni
Gabrielis aus den beiden Sammlungen Sacrae
Symphoniae, Venedig 1597 und den Canzoni et
sonate, Venedig 1615.
• Diese Werke sind für ein kleines Ensemble aus
Soloinstrumenten konzipiert.
• Die Satzfolge sowie der Satztypus sind
weitgehend frei.
• Gegenüber den Canzonen sind die Sonaten
gravitätischer, „uff Motetten Art gesetzt“ (M.
Praetorius, Syntagma musicum Bd. 3, 1619, S. 24)
Die Sonate
Arcangelo Corelli
• Besondere Bedeutung für die Forentwicklung
der Sonate hat das Werk Arcangelo Corellis.
• Corelli (geb. 1653 bei Ravenna, gest. 1713 in
Rom) verfasste fünf Opusnummern mit
insgesamt 60 Sonaten.
• Die op. 1-4 sind als Triosonaten, op. 5 als
Solosonaten für Violine konzipiert.
• Corellis Sonaten galten bereits den
Zeitgenossen als Modell für die Gattung.
Die Sonate
Arcangelo Corelli
• Corelli verwendete dabei die beiden
Untergattungen der Sonate:
- Sonata da chiesa oder Kirchensonate
- Sonata da camera oder Kammersonate.
• Die beiden Untergattungen unterscheiden sich
in der Wahl der verwendeten Satztypen.
• Die Sonata da chiesa hat die Satzfolge
Langsam – schnell – langsam - schnell
Die Sonate
Arcangelo Corelli
• Auf den langsamen Einleitungssatz – vielfach
mit Vorhalten – folgt als zweiter Satz i.d.R.
eine monothematische Fuge.
• Der dritte Satz ist weniger standartisiert,
vielfach im Dreiertakt komponiert.
• Als Finale folgt zumeist wieder eine Fuge, die
jedoch ein schlichtere, oft kantableres Thema
aufzuweisen hat. (vgl. die Aufstellung der Sätze bei
Th. Schmidt-Beste, Die Sonate, Kassel u.a. 2006, S. 48)
• Die Sätze stehen alle in derselben Tonart.
Hörbeispiel
Arcangelo Corelli
Sonata op. 1 Nr. 1 F-Dur
Die Sonate
Arcangelo Corelli
• Die Sonata da camera besteht i.d.R. aus einer
Folge – einer Suite – von Tanzsätzen.
• Im 17. Jh. besitzen Suiten zumeist die
Satzfolge Allemande – Courante – Sarabande –
Gigue.
• Ggf. wird noch ein Praeludium vorangestellt.
• Im 18. Jh. kommen die neueren Tänze
Menuett, Gavotte, Bourée oder Passepied
dazu.
• Eine standartisierte Folge gibt es jedoch nicht.
Die Sonate
Arcangelo Corelli
Einige Tanzcharakteristiken
• Allemande: 4er-Takt, auftaktig, mäßig schnell
• Courante: 3er-Takt, schnelles Tempo
• Sarabande: 3er-Takt, gravitätisch, betont 2. Zz.
• Gigue: zusammengesetzter 3er-Takt (6/8, 12/8),
schnelles Tempo, Schlusstanz
• Menuett: 3/4-Takt, ruhig, Form: Men.-Trio-Men.
• Gavotte: Gerader Takt (2/2;2), stets auftaktig, schnell
Die Sonate
Arcangelo Corelli
• Bis zur Mitte des 18. Jh. gelten die von Corelli in
Szene gesetzten beiden Sonatentypen der Sonata
de chiesa und Sonata da camera als grundlegend
bzw. bestimmend.
• Die Triosonate wird zum gattungstypischen
Sonatenmodell bzw. zum „Gesellenstück“ für
Komponisten.
• Die Ausmaße der Einzelsätze nehmen an Umfang
zu, insbesondere die Fugen.
• Um die Mitte des 18. Jh. wird die Satzfolge
instabil bzw. freier.
Von der Suite zur Klaviersonate
Von der Suite zur Klaviersonate
Grundlegendes
• Die Sonate ab der Mitte des 18. Jh. ist in erster
Linie eine Sonate für Klavier.
• Ausgangspunkt ist nicht die Sonata da chiesa,
sondern die Sonata da camera bzw. die Suite.
• Der erste Satz ist in der Regel ein schneller
Satz, dessen Form sich im Laufe der Zeit zur
• Sonatenform oder Sonatenhauptsatzform
entwickelt.
Von der Suite zur Klaviersonate
Grundlegendes
• Die Sonatenform mit Haupt- und Seitensatz
sowie den Teilen Exposition, Durchführung
und Reprise, ist ein idealisiertes Schema, und
findet sich so erst in der Theorie des 19. Jh. (A.
B. Marx).
• Die Sonatenform löst sich noch im Laufe des
18. Jh. von der Klaviersonate ab und findet in
anderen Gattungen wie dem Streichquartett,
der Symphonie usw. Verwendung.
Von der Suite zur Klaviersonate
• Ausgangspunkt der Sonatenform ist der
zweiteilige Suitensatz, wie ihn bereits Corelli
verwendet.
• Charles Rosen, Sonata Forms, New York 21988,
spricht dabei von zwei Formtypen:
- der two-phrase binary form und
- der three-phrase binary form.
Von der Suite zur Klaviersonate
• Die two-phrase binary form besteht aus zwei
einteiligen Abschnitten, die sich nur auf ein
Motiv beziehen.
• Dieses kehrt nach dem Doppelstrich in der
Dominante wieder:
T -> D :||: D -> T :||
t -> tp :||: tp -> t :||
Von der Suite zur Klaviersonate
• In der three-phrase binary form besteht der
zweite Abschnitt aus zwei Unterabschnitten,
wobei das Hauptmotiv des ersten Teils vielfach
erst mit dem Erreichen der Tonika wieder
erklingt.
T -> D :||: D -> | T :||
t -> tp :||: tp -> | t :||
Von der Suite zur Klaviersonate
two-phrase binary form
• Ein typisches Beispiel der two-phrase binary
form bietet der erste Satz, die Allemande der
Französischen Suite Nr. 5 in G-Dur, BWV 816
von J.S. Bach.
• Die Allemande beginnt mit ihrem Motiv in GDur und erreicht zum Ende des Doppelstrichs
in T. 12 die Dominante D-Dur, die zuvor bereits
mehrfach (T. 6ff) durch die Doppeldominante
A-Dur bestätigt worden war.
Von der Suite zur Klaviersonate
two-phrase binary form
• Der zweite Teil der Allemande wird in T. 13 mit
dem Anfangsmotiv in der Dominante D-Dur
eröffnet.
• Relativ schnell, bereits in T. 14, wird über H-Dur
als Dominante die Tonikaparallele e-Moll
angesteuert, der harmonische Fernpunkt, der in
T. 18 nochmals befestigt wird.
• Darauf findet die Rückmodulation zur Tonika GDur statt.
• Harmonischer Gang:
T -> D :||: D -> Tp -> T :||
Von der Suite zur Klaviersonate
three-phrase binary form
• Ein Beispiel für die three-phrase binary form
bietet der 5. Satz, die Air in Bachs Franz. Suite
Nr. 4 in Es-Dur BWV 815.
• Die Air beginnt in der Tonika Es-Dur und
moduliert bis zum Doppelstrich in T. 7 zur
Dominante B-Dur.
• Nach dem Doppelstrich in T. 8 fährt der zweite
Teil in der Dominante B-Dur fort, doch mit
anderer Motivik.
Von der Suite zur Klaviersonate
three-phrase binary form
• Wieder wird zur Tonikaparallele moduliert, die
in T. 14 mit c-Moll erreicht ist.
• Im Anschluss wird zur Tonika zurück
moduliert.
• Diese wird in der Mitte von T. 18 betont mit
der Wiederaufnahme des Anfangsmotivs
erreicht.
• Harmonischer Gang:
T -> D :|| : D -> Tp -> D | T :||
Von der Suite zur Klaviersonate
• Auf Basis dieser Formen, von denen sich
zuletzt die dreiteilige durchsetzen wird,
entstehen ab Mitte des 18. Jh. eine große
Anzahl an Klaviersonaten.
• Die Klaviersonaten wird zur neuen Leitgattung.
• Die sog. Sonatenform f. d. Kopfsatz befindet
sich in einem Entwicklungsprozess.
• Die Anzahl der Sätze und ihre Folge ist nicht
normiert.
Von der Suite zur Klaviersonate
Wichtige Komponisten ab Mitte des 18. Jh.
• Domenico Scarlatti (1685-1757): 550 Sonaten
• C. Ph. E. Bach (1714-1788): über 200 Sonaten
• J. Chr. Bach (1735-1782): über 70 Sonaten
• G. Chr. Wagenseil (1715-1777): ca. 70 Sonaten
• Joseph Haydn (1732-1809): 52 Sonaten
• Anton Fils (1733-1760): über 30 Sonaten
• W. A. Mozart (1756-1791): 80 Sonaten
• L. v. Beethoven (1770-1827) 32 Sonaten
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
• An Joseph Haydns ca. 52 Klaviersonaten (die
Echtheit weniger früher Werke ist ungeklärt) lässt
sich gut die Entwicklung von der Klaviersuite zur
Klaviersonate im eminenten Sinne
nachvollziehen.
• Haydn selbst bezeichnet die frühen Sonaten noch
als „Divertimento“ oder „Partita per il
Clavicembalo solo“ (so die G-Dur-Sonate Hob.
XVI:6).
• Die Anzahl der Sätze sowie die Satztypen der
frühen Sonaten sind nicht einheitlich.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Beispiele
• Sonate in A, Hob. XVI:12
Andante (A) – Menuet (A) – Finale (A)
• Sonate in E, Hob. XVI:13
Moderato (E) – Menuet (E) – Finale (E)
• Sonate in B, Hob. XVI:2
Moderato (B) – Largo (g) – Menuet (B)
• Sonate in G, Hob. XVI:6
Allegro (G) – Minuet (G) – Adagio (g) – Finale (G)
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Kopfsatz: Allegro
• Haydns G-Dur-Sonate wird mit einem Allegro
eröffnet.
• Das Thema ist mit 4 Takten kurz und endet in T. 4
mit einem Halbschluss zur Dominante.
• Im Folgenden wird zur Nebentonart der
Dominante moduliert, über die Doppeldominante
(T. 6) sowie die Dominante zur Doppeldominante
(T. 7f).
• Der Seitensatz ist in T. 12 mit einem klaren
Doppelpunkt auf der Doppeldominante erreicht:
DDD-DD [GP] D
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Kopfsatz: Allegro
• Im folgenden wird D-Dur als Tonart des Seitensatzes
bestätigt.
• Der Seitensatz erhält kein neues Thema. Obgleich T. 12f
mit Quartfall etc. Neues bringt, erinnern die Sextolen
an das Thema. Ab T. 14 werde auch die Triolen wieder
aufgenommen, nun auch in der Begleitung.
• Dafür wurde der Beginn der Modulation in T. 5 mit
Auftakt durch die Einführung des punktierten
Rhythmus vom Thema abgehoben.
• Haydns Sonate ist folglich, wie vielfach bei ihm,
monothematisch angelegt.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Kopfsatz: Allegro
• Die Durchführung beginnt mit dem Thema in der
Dominante.
• Im folgenden werden auch die Sextolen sowie die
Begleittriolen des Seitensatzes verwendet (T. 22ff
bzw. 27ff), eine Verarbeitung findet nicht statt.
• Ab T. 24 wird der Haltepunkt oder Fernpunkt eMoll (Tp) anvisiert und in T. 26 erreicht.
• Anschließend folgt die Rückmodulation zur
Reprise.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Kopfsatz: Allegro
• Die Reprise beginnt in T. 31 mit Auftakt mit dem
punktierten Motiv aus T. 5, eigentlich dem beginn
des Modulationsteils zum Seitenthema.
• Im folgenden wird die Haupttonart G-Dur über
die DD und Dominante bestätigt, wichtig ist
hierzu die Subdominante C-Dur (T. 42).
• In T. 41 findet sich der Seitensatz in der
Haupttonart.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Minuet
• Der zweite Satz der Sonate ist von Haydn als
Menuet in der üblichen Form Menuet-TrioMenuet angelegt.
• Das Menuet ist zweiteilig und endet bzw. beginnt
am Doppelstrich mit der Dominante.
• Das Trio steht in der Variantentonart g-Moll und
ist selbst dreiteilig angelegt:
Am Doppelstrich endet und beginnt es in der Tp
B-Dur. Nach dem Dominantabsatz in T. 50 beginnt
in T. 51 die Reprise des Trio-Beginns in g-Moll.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Adagio
• Das Adagio steht ebenfalls in der Varianten-tonart
g-Moll
• Der Satz besteht aus einer verzierten
Melodiestimme mit Begleitung als Nachahmung
eines Konzertsatzes.
• In T. 11 ist die tP B-Dur erreicht, die nach der
Generalpause durch das Thema markiert wird.
• In T. 14 ist die Subdominante c-Moll erreicht,
• In T. 16 beginnt die Rückmodulation zur Tonika gMoll.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Finale
• Das Finale ist als schneller Kehraus im 3/8-Takt
komponiert.
• In der Form findet sich nichts Neues:
• In T. 22 findet sich der Dominantabsatz, danach
folgt über die DD die Bestätigung der
Seitensatztonart D-Dur.
• Die aufsteigenden Triolen T. 11, 13 und 27f
gehören zum Seitensatz bzw. zum
Modulationsweg, stellen aber kein Seitenthema
dar.
Von der Suite zur Klaviersonate
Joseph Haydn: Sonate in G Hob. XVI:6
Finale
• Die Durchführung beginnt mit dem Thema in
der Dominante.
• In T. 48f wird die Tp e-Moll durch Kadenz
bestätigt. In T. 50 setzt das Thema in e-Moll ein.
• Anschließend wird zur Tonika zurückmoduliert.
• Nach dem Dominantabsatz in T. 60 beginnt in T.
61 mit dem Thema in G-Dur die Reprise.
Grundsätzliches zur Sonatenform
• Die sog. „Sonatenform“ oder „Sonatenhauptsatzform“ ist in ihrer Idealgestalt ein Produkt der
Musiktheorie des 19. bzw. 20. Jh. (A.B. Marx,
Hugo Riemann, Hugo Leichtentritt).
• Dies gilt auch für die heute kanonisierten
Bezeichnungen der drei Abschnitte der
Sonatenform: Exposition, Durchführung und
Reprise.
• Ebenso gilt dies für die gängigen Annahmen, dass
a) die Exposition ein Haupt- und ein Seitenthema
besitzen muss
b) die Durchführung aus motivische-thematischer
Arbeit besteht.
Grundsätzliches zur Sonatenform
• Diese Annahmen sind selbstverständlich nicht
grundsätzlich verkehrt, doch stellen sie weder
im 18. noch im 19. Jh. eine Regel dar!
• So sind Sonaten mit nur einem (Haydn!) oder
auch mehreren Themen durchaus der
Normalfall.
• Dasselbe gilt für Durchführungen, die keine
motivisch-thematische Arbeit aufweisen,
manche Durchführung weisen gar kein
thematisches Material der Exposition auf.
Grundsätzliches zur Sonatenform
• Entscheidend sind deshalb bei der Analyse der
Sonatenform (bei Beibehaltung der
eingebürgerten Begriffe, der Praxis wegen) für die
Bestimmung der Abschnitte der Tonartenverlauf,
nicht die Thematik!
• So beginnt der Seitensatz mit Erreichen und
Bestätigen der Dominanttonart in Dur-Sätzen
bzw. der Tonikaparallele in Mollsätzen.
• Die Durchführung beginnt zumeist in der
Dominante bzw. der Tonikaparallele, muss es
aber nicht.
Grundsätzliches zur Sonatenform
• Auch entferntere Tonarten sind zu
Durchführungsbeginn möglich.
• Entscheidend für die Durchführung ist der
Modulationsgang, der zumeist beim Halte- oder
Fernpunkt in der Tonikaparallele (Dur-Sätze) oder der
III. Stufe (Mollsätze) endet.
• Hier beginnt die Rückmodulation zur Tonika.
• Die Reprise ist wiederum nicht notwendig thematisch
markiert, sondern durch den Einsatz der Tonika, i.d.R.
freilich mit Material der Exposition.
• Der Modulationsgang der Exposition bestätigt in der
Reprise die Grundtonart, das Seitensatzmaterial steht
in der Tonika.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
• Die C-Dur-Sonate Hob. XVI:50 gehört zu
Haydns letzten drei Klaviersonaten.
• Das Werk ist dreisätzig:
1. Allegro, C-Dur, C, 150 Takte
2. Adagio, F-Dur, 3/4 , 63 Takte
3. Allegro molto, 3/4, 92 bzw. 184 Takte
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro
• Der Satz ist monothematisch.
• Das Thema ist ein Sechstakter, der über quasi
liegendem C im piano zunächst das Material von CDur ausbreitet, ohne jedoch eine regelmäßige
Kadenz zu liefern.
• Diese findet sich erst in T. 7, wo im forte C-Dur in
einfachster Weise T-D-T bekräftigt und als Tonart
bestätigt wird.
• Diese drei Akkordschläge stellen aber zugleich den
Beginn der Wiederholung des Themenkopfs dar, der
in T. 7ff in verzierter Form und mit Begleitung
wiederholt wird.
• Die Akkordschläge werden sich im folgenden als
Einzelmotiv verselbständigen.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro
• Im folgenden wird C-Dur weiter ausgebreitet, bes.
ab T. 10ff durch den Wechsel T-D-T usw. betont.
• Ab T. 16 wird mehrfach über fis als Leitton die
Dominante G-Dur angesteuert.
• Obgleich die Doppeldominante noch nicht
erscheint, ist deutlich der Modulationsweg
Richtung Seitensatz eingeschlagen.
• In T. 20 wird nun der erste Sechstakter, das
Thema in der l.H. in G-Dur wiederholt, d.h. hier
beginnt der Seitensatz.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro
• Im folgenden wird G-Dur durch die DDD (T. 24)
und die DD (T. 22, 25 etc.) weiter als Tonart des
Seitensatzes bestätigt.
• T. 30 exponiert das Thema nun in der r.H. in GDur.
• Die nachfolgenden Takte dienen der Bestätigung,
in T. 42f werden die Akkordschläge aus T. 7
wiederholt.
• Mit einer ausgebreiteten G-Dur-Fläche ab T. 47
endet die Exposition.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro
• Die Durchführung beginnt mit dem Thema in der
Mollvariante der Dominante und wieder in der
l.H.
• In T. 60 wird F-Dur erreicht, wieder mit dem
Thema in der l.H.
• Als Halte- oder Fernpunkt wäre die Tp, also aMoll anzusteuern. Haydn präsentiert das Thema
jedoch nach einer Es-Dur-Fläche in T. 67ff und
Generalpause in T. 72 in T. 73 in As-Dur!
• In den T. 80ff wird schließlich die Tp a-Moll als
harmonischer Halte- oder Fernpunkt erreicht.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro
• Auch in den Folgetakten wird a-Moll mehrfach
angesteuert (T. 89ff), allerdings nie unter Verwendung
des Themas.
• Die dazu verwendete Überleitungsmotivik aus T. 18f zeigt
vielmehr bereits die Rückleitung zur Reprise an.
• In T. 95ff folgt eine Episode in d-Moll.
• Nach weiteren suchenden, nun nach G-Dur
ausgerichteten Takten und den demonstrativen G7Akkorden im ff in T. 100f, setzt in T. 102 die Reprise ein.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro
• Bemerkenswert ist die Molleintrübung in T. 115f, auf
die virtuos abstürzende 16tel folgen, die in T. 119
betont G-Dur exponieren.
• Hierauf folgt in T. 120ff im pp flächig ausgebreitetes
Dur, mit Dominantschluss in T. 124.
• Auch in T. 129 wird nochmals G-Dur demonstrativ als
Dominante exponiert.
• Ab T. 138 wird mehrfach F-Dur als Subdominante und
damit C-Dur als endgültig bestätigte Tonika exponiert.
• Der Satz endet mit Akkordschlägen analog zu T. 7
Die langsamen Sätze
• Für die langsamen Sätze lassen sich vier
Grundformen angeben:
- Sonatenform, wobei die Durchführung sehr kurz
(ca. 10 Takte) sein kann.
- Die Zweiphrasenform, die in Varianten existiert:
Zweiphrasenform: ||: T -> D :||: D -> T :||
„forma bipartita“: ||: T -> D :||: T -> T :||
- Dreiteilige Liedform: | T -> D | D/Tp/t .. | T -> T|
Der Mittelteil hat zumeist eigene Thematik.
- Dreiteil. Reihungsform: | T -> D | D -> x | T -> T |
Die Thematik jeweils A | A‘ | A‘‘ etc.
(vgl. Schmidt-Beste Sonate, S. 100ff).
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Adagio
• Das Adagio in F-Dur ist dreiteilig gebaut und folgt
prinzipiell dem Satztypus Melodiestimme + Begleitung.
• Das Thema ist achttaktig, wobei der erste Viertakter
geradezu schulmäßig in der Dominante endet, der
zweite wie T. 1 beginnt und in T. 8 in der Tonika
schließt.
• Im folgenden wird über die DDD und DD C-Dur als neue
Tonart befestigt, die schließlich in T. 18 erreicht ist.
• Mit T. 24 in c-Moll folgt ein knapper, 10taktiger
Mittelteil, der sich nach g-Moll, d-Moll über Rückungen
und einen C-Dur-Septakkord wieder nach F-Dur
wendet.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
• In T. 34 beginnt damit die Reprise mit dem Thema
in F-Dur.
• Trotz der Kürze des Mittelteils wäre es von der
harmonischen Struktur her wohl gerechtfertigt,
ihn als „Durchführung“ oder zumindest als
„Rückleitung“ zu bezeichnen.
• Die Reprise ist keine wörtliche Wiederholung der
Exposition, sondern durch Verzierungen und eine
kleine Verlängerung ausgezeichnet.
• Die T. 42ff – in der Exposition Beginn der
Modulation zur Dominante – gestaltet Haydn
zudem als Mollvariante der Tonika.
Menuett und Schlusssatz
• Vor oder nach dem langsamen Satz kann sich in
den Sonaten das 18. Jh. ein Menuett finden.
• An der Wende zum 19. Jh. wird das Menuett
zunehmend als Scherzo bezeichnet.
• Die Stellung des Menuett-Satzes wechselt.
• Als Schlusssatz wird entweder ein Satz in
Sonatenform oder aber, durchaus beliebt, ein
Rondo verwendet.
• Das Rondo besteht aus einem wiederkehrenden
Refrain, der sich mit Couplets – es bürgert sich
deren Dreizahl ein – abwechselt wird.
• Rondo und Sonatenform lassen sich zum
Sonatenrondo kombinieren (vgl. Schmidt-Beste,
Sonate, 106).
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro molto
• Das Allegro molto ist ein knapper Kehraus im 3/4
-Takt.
• Das Thema breitet C-Dur aus, wobei eine
Ausweichung in T. 9f nach H-Dur irritiert.
• In T. 12 mit Auftakt wird – betont durch hohes
Register – das Thema in C-Dur bestätigend
wiederholt.
• Nach einer kurzen Ausweichung nach a-Moll (EDur->a-Moll T. 14f) wird ab T. 16 mit der DD GDur bestätigt.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro molto
• Die Durchführung beginnt in T. 26 mit dem
modifizierten Thema, wobei d-Moll als neue Tonart
angesteuert wird, dies insbes. ab T. 28ff und plakativ
nach in T. 38.
• In T. 45 erscheint das Thema verkürzt in g-Moll.
• In T. 48 mit Auftakt setzt das Thema in C-Dur wieder
ein, die Reprise ist also erreicht.
• Allerdings stört Haydn die Sicherheit noch durch
verschiedene Ausweichungen, wie zu Beginn der
Exposition auch.
• So setzt in T. 64 das Thema nach der Generalpause,
vorbereitet durch die Dominante G-Dur, in der
Mollvariante ein. Doch endet dieser „Fehlgriff“ bereits
nach zwei Takten in einer GP.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Allegro molto
• In T. 67 schließt sich ein weiterer Ansatz – korrekt
auf C-Dur – an, der jedoch nach einem Takt
wieder im unerwarteten H-Dur der T. 9f endet.
• Schließlich führt ein letzter Ansatz C-Dur mit dem
Thema in der Oktave über 22 Takte breit die
Haupttonart aus.
• Nach den vielfachen Irritationen, bereits in der
Exposition, ist der Satz endlich im „sicheren
Hafen“ der Haupttonart C-Dur angekommen.
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50
Joseph Haydn: Sonate in C-Dur
Hob. XVI:50

similar documents