Verena Günther

Report
SCHEMATHERAPIE
Univ.-Prof. Dr. Verena Günther
Abteilung für Klinische Psychologie
Univ. Klinik für Allgemeine Psychiatrie
und Sozialpsychiatrie
Anichstraße 35
A-6020 Innsbruck
Tel.: 0512-504-23655
e-mail: [email protected]
Automatische Gedanken
sie existieren neben dem offensichtlichen
Gedankenstrom, tauchen spontan auf und
basieren nicht auf Nachdenken oder gründlichen
Überlegungen. Sie sind kurz und flüchtig, wie
stenografiert und können in verbaler und/oder
bildlicher Form auftreten. Sie hängen je nach
Inhalt und Bedeutung jeweils mit bestimmten
Gefühlen zusammen (dies wird vorrangig gespürt,
dem Gedanken muss nachgeforscht werden).
Bedingte Annahmen (Regeln,
Einstellungen, Axiome)
werden wenig ausgesprochen,
wenn - dann - Sätze
Kompensatorische Strategien
sind Verhaltensweisen, die entwickelt
werden, um den bedingten Annahmen
gerecht zu werden
Grundannahmen, Schemata (Core beliefs)
sind fundamentale und tief verwurzelte
Annahmen, die der Betroffene für absolut wahr
hält und oft nicht einmal sich selbst gegenüber
ausspricht. Sie bilden die unterste, am
wenigsten zugängliche Ebene, sind
situationsübergreifend, stabil und
pauschalierend. Sie betreffen nicht nur die
Person selbst, sondern auch andere und die
gesamte Umwelt.
2 Kategorien von Grundannahmen oder
Schemata
1.
2.
Hilflose Grundannahmen
ich bin hilflos, ich bin machtlos, ich habe keine
Kontrolle, ich bin schwach, ich bin verletzlich,
ich bin bedürftig, ich bin ein Versager, ich werde
verachtet, ich bin nicht in Ordnung, ich bin nicht
gut genug.
Grundannahmen, nicht liebenswert zu sein
ich bin nicht liebenswert, ich bin unsympathisch,
ich bin unerwünscht, ich bin wertlos, ich werde
immer zurückgewiesen, ich werde immer
verlassen, ich werde immer allein bleiben
Schematherapie (Jeffrey E. Young, 1990,
1999, 2005)
Integrativer Ansatz unter Einbeziehung
der Elemente der traditionellen kognitiven
Verhaltenstherapie, der Bindungstheorien,
gestalttherapeutischer Ansätze und
psychoanalytischer Denkweisen
Schema (Young, 1990, 1999)
Early Maladaptive Schemes
 Weit gestecktes, umfassendes Thema oder Muster
 Besteht aus Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und
Körperempfindungen
 Bezieht sich auf die Person selbst und ihre Kontakte zu
anderen
 Ist in Kindheit oder Adoleszenz entstanden
 Hat sich im Laufe des Lebens verstärkt
 Stark dysfunktional
Ursprünge von Schemata
I) Verletzung zentraler emotionaler
Bedürfnisse
1. Sichere Bindung (Stabilität, Zuwendung,
Akzeptiert werden)
2. Autonomie, Kompetenz, Identitätsgefühl
3. Freiheit, berechtigte Bedürfnisse und
Emotionen auszudrücken
4. Spontaneität und Spiel
5. Realistische Grenzen setzen und selbst
Kontrolle innehaben
II) Frühe Traumen
Sexuelle Missbrauchserfahrungen
Gewalterfahrungen
Frühe Verluste
Life Events
III) Temperament
Unstet
Schwermütig
Besorgt
Obsessiv
Passiv
Gereizt
Schüchtern
Reaktionslos
Optimistisch
Ruhig
Ablenkbar
Aggressiv
Gut gelaunt
Gesellig
Schemadomäne 1: Abgetrenntheit und
Ablehnung
1.
2.
3.
4.
5.
Verlassenheit/Instabilität
Misstrauen/Missbrauch
Emotionale Entbehrung
Unzulänglichkeit/Scham
Soziale Isolierung/Entfremdung
Schemadomäne 2: Beeinträchtigung
von Autonomie und Leistung
6.
7.
8.
9.
Abhängigkeit/Inkompetenz
Anfälligkeit für Schädigungen und Krankheiten
Verstrickung/unentwickeltes Selbst
Versagen
Schemadomäne 3: Beeinträchtigung im
Umgang mit Begrenzung
10. Anspruchshaltung/Grandiosität
11. unzureichende Selbstkontrolle/Selbstdisziplin
Schemadomäne 4: Fremdbezogenheit
12. Unterwerfung
13. Selbstaufopferung
14. Streben nach Zuwendung und Anerkennung
Schemadomäne 5: Wachsamkeit/Gehemmtheit
15. Negativität/Pessimismus
16. Emotionale Gehemmtheit
17. Überhöhte Standards
18. Bestrafen
Dysfunktionale Verhaltensweisen sind
Reaktionen auf das Schema = Maladaptive
Bewältigungsreaktionen
 Sich fügen
 Vermeiden
 Überkompensation
Schemamodi
Modus ist die Gruppe von – adaptiven oder
maladaptiven – Schemata oder
Schemaoperationen, die bei einem Menschen
in einem bestimmten Augenblick aktiv sind
1.
Kind-Modi
o Verletzbares Kind (Schemaassoziationen zu 1, 2, 4, 5, 6,
7, 8,15)
o Verärgertes Kind (1, 2, 3, 12)
o Impulsives, undiszipliniertes Kind (10, 11)
o Glückliches Kind (kein Schema aktiviert)
2.
Maladaptive Bewältigungsmodi
o Bereitwillig sich Fügender
o Distanzierter Beschützer
o Überkompensierer
3.
Dysfunktionaler Eltern-Modus
o Strafender/kritischer Elternteil (internalisiert, 12, 4, 2 als Täter)
o Fordernder Elternteil (internalisiert, 17, 13)
4.
Gesunder Erwachsener
Schematherapeutisches Vorgehen nach
Young (2005)
Ziel ist der „Krieg gegen das Schema, das dauernd um
sein Überleben kämpft“
Es soll weniger häufig aktiviert und der mit ihm erlebte assoziierte Affekt
geschwächt und kurzlebiger werden.
Bottom-up-Vorgehensweise
besonders initiiert bei Borderline-Störungen und narzisstischen
Persönlichkeitsstörungen, wobei die Klassifikation der
Persönlichkeitsstörung zugunsten der Schemabegriffe in den Hintergrund
gestellt wird.
(ermöglicht empathischeres Vorgehen)
Schemaeinschätzung und Veränderung
1.
2.
Edukationsphase und Diagnostik
Veränderungsphase
o kognitive Techniken
- Beweise für das Zutreffen des Schemas prüfen
- Umdeuten (refraiming) der Beweise, die ein Schema
stützen
- Beurteilung der Vor- und Nachteile für den Patienten
- Initiieren eines Dialoges zwischen „Schemaseite“ und „gesunder
Seite“
- Erinnerungskarten mit Merksätzen (Schema-Memo)
- Führen eines Schema-Tagebuches
o Erlebnisbasierte Techniken
- Imaginations- und Dialogarbeit, um Schemata affektiv zu erleben
- Vorstellung eines sicheren Ortes
- Bilder aus der Kindheit
- Bilder, die Vergangenheit mit Gegenwart verbinden
- Bildliche Vorstellungen im Sinne von Schemata verstehen
- Imaginieren anderer wichtiger Personen aus der
Kindheit des Patienten
- Dialoge mit Vorstellungsbildern (Kind mit Eltern)
- Begrenzte elterliche Fürsorge (reparenting) im Dialog
- Traumatische Erinnerungen
- Briefe an Eltern
- Vorstellungen zur Überwindung eingefleischter
Bewältigungsmuster
o Aufbrechen von Verhaltensmustern
- Verhaltensübungen (weg von sich fügen, Vermeiden,
Überkompensieren)
- Hausaufgaben
o Therapeutische Beziehung
- Reparenting (zuerst mehr, dann begrenzt)
- Erkennen eigener Schemata und Bewältigungsstile
- Empathische Konfrontation
KOGNITIVE METHODEN
Sokratischer Dialog
Verhaltensexperimente mit Realitätsprüfung
Kognitionsprotokolle
5-Spalten-Technik
Kognitive Umstrukturierung
Bewältigungskarten
automatische Gedanken
passende Antwort
Die Beteiligung verschiedener Faktoren an einem Ereignis suchen
Tortendiagramm
Veränderung durch Vergleich
unperfekt
Entscheidungen treffen
Für und Wider-Gewichtung
Humorisierung
Jammerstunde
Aufblastechnik
Gedankenstopp
perfekt
P: Da denke ich, du bist ganz schön blöd für dein Alter. Und dann weiß ich,
dass ich nicht intelligent bin.
Th: Woher wissen Sie das?
P: Ich weiß, dass ich nicht intelligent bin, ich habe nicht die Allgemeinbildung.
Th: Wie konnten Sie das überprüfen?
P: Das ist so, wenn ich mich mit Leuten unterhalte. Da möchte ich mich am
liebsten verkriechen, weil die über etwas reden, von dem ich keine Ahnung
habe. Deswegen gehe ich im Betrieb schon immer auf die Toilette.
Th: Was sind denn das für Themen?
P: Zum Beispiel Politik. Da fallen immer Namen, die habe ich zwar schon mal
gehört, aber aus welchem Land die kommen oder in welcher Partei die sind,
das weiß ich nicht.
Th: Wenn ich Ihnen hier jetzt aus der Tageszeitung alle Politiker-Namen
vorlese, wie viel Prozent schätzen Sie, kennen Sie davon?
P: Nicht mehr als 10 %.
Th: Lassen Sie uns das Experiment machen. (liest vor)
So, das waren 23 Namen von Politikern. 20 davon kannten Sie. Sie wussten das
Bundesland, wo sie herkommen oder kannten die Partei, oder wussten, was sie machen.
Das sind knapp 90 %. Vorher sagten Sie, dass Sie nur 10 % kennen werden und dass
dies ein Zeichen dafür ist, dass Sie nicht intelligent sind. Halten Sie das noch für richtig?
P: Ich bin ein totaler Versager, mir gelingt überhaupt nichts mehr.
Th: Es ist jetzt 14 Uhr, was ist Ihnen heute bereits misslungen?
P: Ja, heute ist mir gerade nicht etwas misslungen, aber...
Th: Wenn Ihnen heute nichts misslungen ist, heißt das, dass Ihnen auch einiges gelungen ist?
P: Gelungen ist mir auch nichts besonders, ich habe halt das Normale geschafft.
Th: Heißt das, dass Ihnen heute die normalen Alltagsaktivitäten relativ gut von der Hand
gingen?
P: Wenn Sie das so sagen, ja.
Th: Wenn wir den heutigen Tag bis jetzt also noch einmal überlegen, so heißt das, dass Ihnen
heute nichts Bestimmtes misslungen ist und Ihnen der Alltag relativ gut von der Hand ging.
Wie war es gestern?
Th: (abschließend): Sie haben mir heute gesagt, Sie sind ein Versager. Nach dem jetzigen
Gespräch glaube ich, sagen zu können, dass Sie sich damit selbst sehr streng beurteilt
haben. Soweit wir zusammen erarbeiten konnten, ist Ihnen zumindest in der letzten
Vergangenheit nichts Auffälliges passiert, was Sie global als Versager abstempeln würde.
Eher ist Ihnen Einiges gut gelungen, Einiges vielleicht nicht ganz Ihren Ansprüchen
entsprechend, aber die Waagschalen sind etwa im Gleichgewicht.
FRAGEN ZU ÜBERPRÜFUNG EINES
AUTOMATISCHEN GEDANKENS
1.1 Welche Beweise gibt es?
Welche Anhaltspunkte sprechen für die Gedanken?
Welche Anhaltspunkte sprechen gegen diesen Gedanken?
1.2 Gibt es eine alternative Erklärung?
1.3 Was ist das Schlimmste, das mir passieren könnte?
Könnte ich das überleben?
Was ist das Beste, was mir passieren könnte?
Was ist das realistische Ergebnis?
1.4 Welchen Effekt hat es, wenn ich an den automatischen Gedanken glaube?
Welchen Effekt hat es, wenn ich mein Denken verändere?
1.5 Was sollte ich tun?
1.6 Was würde ich einem Freund in dieser Situation raten?
Die Grundannahmen in der Vergangenheit prüfen
Neustrukturierung von Kindheitserinnerungen
wann haben Sie sich so richtig unfähig
gefühlt in der Kindheit?
6-jährige Anna, ich möchte dir helfen, diese
Sache anders zu sehen. Möchtest du mit
deiner Mutter oder Vater sprechen und
erklären wie es dir geht? Oder mit wem
würdest du gern sprechen?
Den Patienten über Annahmen informieren und Beispiele
formulieren
Vor- und Nachteile von Annahmen untersuchen
Eine neue Annahme formulieren, funktionaler, weniger starr,
weicher
Glaubwürdigkeit der Annahme von 0-100%
Sokratische Fragen
Verhaltensexperimente
Kognitives Kontinuum
Rational-emotionales Rollenspiel (Argument vs.
Gegenargument)
Andere Person als Bezugsgröße
So tun, als ob
Selbstenthüllung
Modifikation durch gemäßigtere Formulierung
ich bin nicht liebenswert
ich bin im Großen und Ganzen ein
sympathischer Mensch
Wie überzeugt sind Sie von der alten Grundannahme (0-100%)
größter Überzeugungsgrad letzte Woche
geringster Überzeugungsgrad letzte Woche
Modifikation von Grundannahmen durch
Vergleich mit Extremen
wie sieht jemand aus, der wirklich unfähig ist?
Metapher finden
GEDANKENPROTOKOLL
Situation
Gefühl
Automatische Gedanken
und Vorstellungen
Beweise gegen den
„heißen“ Gedanken
Alternative, mehr
ausbalancierte
Gedanken
Gefühle jetzt
Gedankenprotokoll
1. Situation
2. Gefühle
3. Automatische
Gedanken
(Vorstellungen)
4. Beweise zur
Stützung der
„heißen“
Gedanken
5. Beweise, die
die „heißen“
Gedanken nicht
stützen
6. Alternative
mehr
balancierte
Gedanken
7. Gefühle jetzt
Lesen der
Kontaktanzeigen in
der Zeitung
Traurigkeit
80 %
Ich werde nie einen
passablen Mann
finden.
Mein ExFreund
Thomas sagte
oft: „Halt den
Mund, davon
verstehst du
nichts“, wenn
wir mit seinen
Freunden
beisammen
saßen und
über Fußball
oder Fischen
diskutiert
haben.
Er warf mir oft
vor, dass ich
mich für nichts
interessiere
und nur vor
dem Fernsehapparat sitze.
Bevor ich
Thomas kennen
lernte, ging ich
gerne laufen und
reiten und war
gerne als
Kellnerin tätig.
Wenn ich mich
mit Menschen
umgebe, die
ähnliche
Interessen
haben, werde
ich akzeptiert
und
keineswegs als
langweilig
angesehen.
Traurigkeit
40 %
Ich bin zu uninteressant.
Als ich ein Kind war,
sagte mein Vater oft:
„Halt den Mund,
niemand interessiert
sich für deine
Geschichten“
In Gesprächen
mit anderen
Pferdeliebhabern galt ich nie
als langweilig.
Notizen zu Gedanken
Teil I
Situation:
.
.
.
Gefühle:
.
1. Gefühl =
.
2. Gefühl =
.
3. Gefühl =
.
Automatische Gedanken:
.
Wahrnehmungen:
.
Erinnerungen:
.
.
.
© Newmann, Layden, Byres
Notizen zu Gedanken
Teil III
Identifizierung von vorhandenen
Einstellungen/Vorstellungen
Automatischer Gedanke: ______________________________________________
__________________________________________________________________
Gefühl:__________________ Intensität (0-100): ___________________________
Wann haben Sie dieses Gefühl das erste Mal gehabt und wann diesen Gedanken?
___________________________________________________________________
Was bedeutet dieser Gedanke für Sie?
___________________________________________________________________
Wie beeinflusst dieser Gedanke Ihr Verhalten?
___________________________________________________________________
Wie denken Sie über sich selbst, wenn Sie diesen Gedanken haben
oder ihm entsprechend handeln?
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
Notieren Sie weitere Situationen, in denen dieser Gedanke auftaucht oder
Verhaltensweisen auftauchen, die von diesem Gedanken beeinflusst sind und Ihre
Gefühle beeinflussen, Ihre Fähigkeit zu kommunizieren, Ihre Beziehungen und Ihr
Gefühl von Selbstkontrolle:
___________________________________________________________________
___________________________________________________________________
© Newmann, Layden, Byres
Arbeiten mit "Stühlen"
• Einen aktuellen inneren Konflikt aufgreifen und auf Stühle setzen (evtl. mit einem
Copingmodus beginnen, bis der dahinterstehende Eltern- oder Kind-Modus
deutlich wird).
• Mit dem Teil beginnen, der im Vordergrund steht (erst zum Therapeuten sprechen
lassen, dann zum anderen Stuhl).
• Den anderen Teil fragen, wie er das Gesagte erlebt, Therapeut paraphrasiert und steigert bei Bedarf (Konflikt "heiß machen" um den
DISTANZIERTEN BESCHÜTZER zu umgehen. Dabei rasch wechseln.)
• Auf der Kindseite immer wieder nach Gefühlen fragen (woher kennen Sie
das Gefühl von früher?) Bewältigungsmodi benennen (Kompensierer,
Selbstentwerter, distanzierter Beschützer, ärgerlicher Beschützer) und
"rausnehmen". Auch den abgespaltenen Kindmodus zu sprechen bringen,
Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen erfragen.
• Patient auf "gesunden Erwachsenen-Stuhl" setzen und innere
Spannung fühlen lassen (dieser "bricht "daraufhin oft "zusammen").
Dadurch kann gezeigt werden, warum die Patienten in die Bewältigungsmodi
gegangen sind.
• Evtl. nochmal mit dem Kind im Sinne einer Exposition weiterarbeiten.
Arbeiten mit "Stühlen"
• Der gesunde Erwachsene geht aus einer wahrhaftig-rationalen Sicht auf die Modi
ein: Das Kind wird unterstützt und versorgt, der Elternmodus entmachtet und
zurückgewiesen. Der gesunde Erwachsene kann evtl. angemessene gute
Absichten der Elternmodi übernehmen ("ja, dennoch....").
• Hier muss der Therapeut anfangs häufig mit Vorschlägen helfen. Die Patienten
müssen die Reaktionen des gesunden Erwachsenen aber dann selbst zu den
Modi in direkter Rede aussprechen. Auf Körperhaltung achten!
• Der gesunde Erwachsene entwirft einen konkreten Lösungsvorschlag.
• Zur Absicherung geht der Patient nochmal auf die Außenstühle: Die Kindseite wird
gefragt, ob sie zufrieden ist und "mitzieht". Die inneren Eltern müssen die Macht
an den gesunden Erwachsenen abgeben und einem Verhaltensexperiment
zustimmen. Gegebenenfalls kann bei sehr rigiden Elternmodi deren Stuhl vor die
Tür gestellt werden.
• Der gesunde Erwachsene fühlt noch einmal den Unterschied (auch körperlich).
• Innere Antworten des gesunden Erwachsenen für Aktivierungssituationen werden
festgelegt und eingeübt (für das Schematagebuch).
RÖDIGER (2010)
GEFÜHLE DES MENSCHEN
FREUDE
TRAURIGKEIT
ANGST
ÄRGER, WUT
Freude
Traurigkeit
Angst, Furcht
Ärger, Wut, Zorn
Begeisterung
Verzweiflung
Anspannung
Missmut
Glück
Sehnsucht
Nervosität
Ungeduld
Übermut
Einsamkeit
Verlegenheit
Widerwille, Trotz
Leidenschaft
Leere, Langeweile
Selbstunsicherheit
Abneigung, Hass
Lust
Enttäuschung
Unterlegenheit
Verachtung
Zufriedenheit
Beleidigtsein
Scham
Misstrauen
Stolz
Mitgefühl
Schuldgefühl
Neid
Selbstvertrauen
Reue
Eifersucht
Gelassenheit
Sorge
Überlegenheit
Ekel
Dankbarkeit
Schreck
Vertrauen
Zuneigung, Liebe
Rührung
EMOTIONSTRAINING
EMOTIONSTRAINING (S. SULZ)
1. Am meisten gehört zu mir ...
Am zweitmeisten gehört zu mir ....
.....
.....
.....
Am achtmeisten gehört zu mir ....
2. Wenn ich .... fühle, führt das dazu, dass ich ... handle
3. Am meisten fehlen mir
1. ....
2. ....
3. ....
4. Folgendes Beziehungsbedürfnis ist mir am Wichtigsten:
Willkommensein, Geborgenheit, Schutz, Liebe, Beachtung, Verständnis, Wertschätzung.
5. Mein wichtigstes Zugehörigkeitsbedürfnis ist (ich brauche ....)
Die Dinge selbst zu machen, Selbstbestimmung, Grenzen, Förderung, ein Vorbild, Erotik,
ein Gegenüber.
6. Am meisten Angst habe ich vor
Vernichtung, Trennung, Kontrollverlust, Liebesverlust, Gegenaggression, Hingabe
7. Nur wenn ich immer ........... handle, dann erhalte ich mir .... und verhindere ....
Kognitives Fallkonzept nach J. Beck (1999)
Patient, 65 a, „Pensionist“
Relevante Kindheitsdaten
Einziger Sohn, 4 Töchter
Vater verstirbt, als Patient 9 Jahre alt war
Mutter geht nie mehr eine Beziehung ein.
67 a
Vater (+ 1946)
Firmenbesitzer
Tiroler Produkte
weltweiter Export
Tod des Vaters
9a
Lehrabschluss
17 a
23 a
Unterschiedlichste
leitende Positionen
in Kirche, Sport,
Kultur
27 a
64 a
Sr
62 a
Sr
Mutter (93 a)
Mutter übernimmt die Firma
Wanderjahre
Firmenübernahme
Heirat, 3 Kinder
39 Jahre Tochter
37 Jahre Sohn
33 Jahre Sohn
offenes Haus
aktivste Gattin
breitestes soziales
Netz
65 a
66 a
täglicher Besuch der Firma,
Post-Mail-Kontrolle
Wochenende: Sport, kulturelle Ereignisse,
Stadtführungen
65 a
Sr
Firmenübergabe an Söhne,
da subjektiv das Gefühl der
Überforderung
depressive Episode mit einmonatiger
stationärer Aufnahme
anschließend Beginn der Psychotherapie
Automatische Gedanken
Situation 1: sehe Schlamperei in der Firma meiner Söhne wir werden eingehen - Angst, Artikel in TT zieht sich zurück, weist Söhne zaghaft hin,
depressiv
Situation 2: sie verlieren Aufträge - wir werden eingehen Angst, Artikel in TT - zieht sich zurück, weist
Söhne zaghaft hin, depressiv
Situation 3: bei der nächsten Produktion könnte etwas
schief gehen - wir werden eingehen Artikel in
TT - zieht sich zurück, weist Söhne zaghaft hin,
depressiv
Kompensatorische Strategien
• Entwickelt einen hohen Standard
• Strengt sich sehr an
• Nimmt überhaupt nie Urlaub
S
O
R
K
Coladose
Verlust eines
Auftrags
Schulbeginn
Konkursberichte
Telefon
Schitour
Angstbereitschaft
Verhalten: Kontrolle
und Vermeidung
Emotion:
Depression, Angst
Kognition (Grübeln):
Es könnte etwas
Schlimmes
geschehen
Jemand könnte
etwas brauchen, was
du nicht schaffst
Wir gehen in
Konkurs
Physiologisch:
Anspannung
Motorisch:
Antriebslosigkeit,
Rückzug ins Bett
Behandlung C+
Frau sorgt sich
C+
Muss sich den
Katastrophen
nicht mehr
aussetzen C―
Muss keine
Beziehung
eingehen C―
Fühlt sich
inkompetent C-
Schemata
Ich versage
Man muss das
Beste bringen
Ich brauche die
„Bühne“
Grundsätzlich gibt
es Katastrophen
SCHEMATA: Ich versage, Alles ist Katastrophe, nur das Beste ist gut
genug, erhalte deshalb Bewunderung
Erhalte die
Firma!
Sei toll!
Sei bewundert!
Erhalte die
Firma!
Erhalte die
Firma!
verhindere
Katastrophen,
sonst geht die
Firma ein
da bin ich wer
und bekomme
Anerkennung
Kunden müssen
immer
gehätschelt
werden
wenn ich frei
nehme, dann
könnte etwas
schief gehen
und ich kann
nicht helfen
da bin ich in
meinem
Element
er könnte ein
potenzieller
Kunde sein
ich weiß nicht,
warum mich
Altes, Negatives
so einholt
damit ich zur Not
Schlimmeres
verhindern kann
der immer aktiv
ist
der gerne
öffentlich auftritt
der anderen nie
den Vogel zeigt
der nur grübelt
der täglich in die
Firma geht
Schema-Memo:
Schema Negativität/Pessimismus
Du musstest mit 9 Jahren erleben, dass eine heile
Welt von heute auf morgen zusammenbricht,
dass Unerwartetes aus heiterem Himmel passieren kann.
Die schönsten Situationen wie Weihnachten etc.
waren immer von der Trauer der Mutter überschattet.
Auf Schönes folgt Katastrophe.
Du warst ein miserabler Schüler, gut, dass Dein Vater das nicht
erleben musste. Hohe Standards und ständiges bewundert
werden durch andere vermitteln Dir, dass Du ausreichst.
Schema-Memo – Frau Z.:
Verlassenheit: mein Vater hat meine Mutter und mich verlassen, seine liebste
Tochter. Mit 12 Jahren war das für mich das Schlimmste.
Misstrauen: Vertrauen wurde von meinem Vater missbraucht, Versprechungen von
meinen männlichen Bezugspersonen auch später oft nicht gehalten,
besonders das Versprechen, bei mir zu bleiben.
Selbstaufopferung: wenn ich jemanden mag, gehe ich für ihn durch dick und dünn
(auch um ihn zu halten und das Verlassenwerden zu verhindern).
Emotionale Gehemmtheit: „Indianer kennen keine Tränen“ – ein Grundprinzip
meines Vaters.
Unerbittliche Standards und Ansprüchlichkeit/Großartigkeit: gefalle dem Vater,
dessen Leitsatz es war „beuge dich niemals“, dann ist man auch toll und
großartig.
Selbstbestrafung: besonders bei Verletzung von Leistung und Kontrolle musst du
erkennen, dass du Schuld bist.
Schema-Zusammenhänge:
Mein Vater hat meine Mutter und mich verlassen, mein Vater, mit
dem ich mich total identifizierte, nicht mit den eher schwachen
und weinerlichen Frauen unserer Familie.
Ich habe nach seinem Motto „ein Indianer kennt keine Tränen“
das Verlassen bewältigt und bin ständig bei ihm gewesen,
habe mich perfekt mit seiner Freundin arrangiert, habe für
beide alles getan, letztlich um meinen Vater zu halten.
Meine Gefühle habe ich nach seinem Moto übergangen, meine
Bedürfnisse hintangestellt. Seine unerbittlichen Standards und
auch seinen strafenden Teil habe ich für mich selbst
übernommen. Sein Prinzip „beuge dich nicht“, habe ich später
gegen ihn benutzt.
Ich wiederhole diese Verhaltensweisen in allen Beziehungen.

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