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Ökonomie des Mittelalters (500 – 1500)
I. „Kirchenväter“:
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Augustinus (354 – 430)
Gregor von Nyssa (ca. 334 – 394 n. Chr.)
Ambrosius (340 – 397)
Hieronymus (331 – 420)
Lactantius († 330 n. Chr.)
II. Scholastiker:
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Albertus Magnus (1193 – 1280), Dominikanermönch
Thomas von Aquin (1225 – 1274), dessen Schüler
Bernhard von Siena (1380 – 1444), gründete Studium generale in Köln
Antonin von Florenz (1389 – 1459)
Geschichte der ökonomischen Theorie,
Prof. Dr. van Suntum
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I. Kirchenväter (Spätantike)
Hauptvertreter: Augustinus von Hippo (354 – 430)
• Geboren in Nordafrika, Mutter Christin
• Studium und später Lehrer der Rhetorik in Karthago
• Zunächst ausschweifendes Leben, unehelicher Sohn
• 386 Bekehrungserlebnis :„Tolle lege“ (Nimm und lies)
„Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht,
nicht in Hader und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesus
Christus an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung
eurer Lüste.“ (Paulus-Brief an die Römer 13, 13–14)
• Taufe, Klostergründung, Bischof von Hippo, später Heiligsprechung
• Verbindung von Philosophie (Platon, Cicero) mit Bibellehre
• Ewiger Zeitbegriff ähnlich wie bei Parmenides, aber Jenseitsglaube
• Vertrat Glaube an Hölle, Fegefeuer und Erbsünde
Bibelauslegung mit Hilfe griechischer
Philosophie (insbesondere Platon)
 „Ideen“ Platons  Gottes Vorstellung von der Welt vor dem Sündenfall
 Staat bleibt wichtig, aber zwei Unterschiede zu Platon:
• Erwächst aus der Familie durch freiwillige Übereinkünfte (Subsidiaritätsprinzip !)
• Einbindung des Staates in ethische Grundsätze (z.B. Willkürverbot)
 Übernahme von Zinsverbot und Geringschätzung des Handels
(Kaufmann kann höchstens sündlos, niemals aber gottgefällig handeln)
 ausgeprägtes Arbeitsethos (siehe Apostel Paulus: Wer nicht arbeitet,
soll auch nicht essen)
Geschichte der ökonomischen Theorie,
Prof. Dr. van Suntum
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Wert- und Preislehre der Kirchenväter
Gebrauchswert
(valor usalis)
Naturwert
(valor naturalis)
Entspringt Vernunft bzw. Gottes
Ordnung:
Entspringt Bedürfnissen bzw. menschlichen
Schwächen
Mensch  Tier  Pflanze  Metall
Gold
Perle
Pferd
Moderne Interpretation: Vorläufer
der Umweltökonomie (Hans Immler,
Natur in der ökonomischen Theorie,
Opladen 1985)
Widerspruch zu göttlicher Ordnung, da
sinnentbehrende > sinnbegabte Wesen



Fliege
Magd
Sklave
Kritik: Widerspruch existiert immer, hat
nichts mit Wirtschaftssystem zu tun
Geschichte der ökonomischen Theorie,
Prof. Dr. van Suntum
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Scholastik
Albertus Magnus (1193 – 1280)
• Dominikanermönch und Bischof, leitete u.a. Studium Generale in
Köln => Vorläufer der Universität
• Verbindung griechischer Philosophie mit Bibel, eher auf Aristoteles
zurückgreifend
• Ideal von Askese und Armut (ora et labora); selig sind die Armen)
• Später Heiligsprechung, Schutzpatron der Naturwissenschaften
Max Weber These: Scholastische Ablehnung des Reichtums hat wirtschaftlichen
Aufschwung im Mittelalter verhindert, erst Johannes Calvins (1509 – 1564)
Prädestinationslehre brachte Wende
*) Max Weber, Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus, 1904
ders. Wirtschaft und Gesellschaft , 1922 (Posthum)
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Thomas von Aquin (1225 – 1274)
• In Italien als reicher Adels-Sohn geboren
• Als Kind in Benediktinerkloster Montecassino erzogen
• 1244 Eintritt in Dominikanerorden, Entführung durch Familie (!)
• Studium bei Albertus Magnus in Paris und Köln
• Lehre und Forschung in Paris, Neapel und Rom
• Tod auf Reise zu Konzil (Gift?), später Heiligsprechung
• Bedeutendster Philosoph und Theologe der katholische Kirche
• Starke Orientierung an Aristoteles, pragmatisches Weltbild
Versöhnung von Aristoteles mit Bibel:
Verbindung von Naturrecht und christlicher Ethik
Vier Kardinaltugenden
Drei christliche Tugenden
• prudentia (Klugheit)
• Glaube
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• Hoffnung
justitia (Gerechtigkeit)
• Temperantia (Mäßigung)
• Fortitudo (Tapferkeit)
• Liebe
Thomas von Aquin zu Arbeit und Privateigentum:
Teleologische anstelle rein naturrechtlicher Begründung
Funktionen der
Arbeit
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Funktionen des
Eigentums
Sichert (eigenen)
Lebensunterhalt
Ermöglicht Unterstützung
anderer (und der Kirche)
Schützt vor Müßiggang und
Laster
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Notwendig zu
menschenwürdigem Leben
Anreiz zu sparsamem und
sorgsamem Umgang mit
irdischen Gütern
Weniger Streit um Nutzung als
bei Gemeineigentum
Ähnlich später Utilitarisums: Nicht auf die moralische Intention, sondern
auf die konkreten Folgen und Anreizwirkungen von Institutionen kommt es letztlich an
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Normative Grundlage der Scholastik
3 Gesetzesarten
Lex divina (göttliches Gesetz, z.B. 10 Gebote)
Lex naturalis (Naturrecht, z.B. Eigentum)
Lex positiva (staatliches Recht, z.B. Steuern)
3 Gerechtigkeitsdimensionen
Justitia commutativa (Tauschgerechtigkeit)
Justitia distributiva (Verteilungsgerechtigkeit)
Justitia generalis (gerechte Staatsgesetze)
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Exkurs: Abstimmungsparadoxa
I. Condorcet-Paradoxon (Kern des Arrow-Paradoxons)
Es kann nur ein Haustier angeschafft werden – welches?
1. Präferenz
2. Präferenz
3. Präferenz
Vater
Hund
Katze
Wellensittich
Mutter
Katze
Wellensittich
Hund
Kind
Wellensittich
Hund
Katze
Alle Alternativen werden von der Mehrheit abgelehnt:
Marquise des Condorcet,
1743 – 1794, französischer
Mathematiker und
Philosoph, Freund
Turgots
Hund: Mutter und Kind würden Wellensittich vorziehen
Wellensittich: Vater und Mutter würden Katze vorziehen
Katze: Vater und Kind würden Hund vorziehen
=> Intransitive Präferenzen
Literatur: U. van Suntum, Das ARROWParadoxon, in: Das Wirtschaftsstudium (wisu),
15. Jg.(1986)7, S. 361-365.
Kenneth J. Arrow, USA,
Geb. 1921, Nobelpreis 1972
II. Weitere Widersprüche in demokratischen Entscheidungen
Annahme: Eigene Einschränkung wird stark negativ gewichtet,
Einschränkung anderer schwach positiv
Leinenzwang
Rauchverbot
Tempo 100
Hundehalter
-3
+1
+1
Raucher
+1
-3
+1
Raser
+1
+1
-3
• Demokratische Einzelabstimmung (one man one vote): Zustimmung zu allen Restriktionen
• Meinungsumfrage: dito
• Demokratische Abstimmung „alles oder nichts“: Ablehnung des Gesamtpakets
• Wahl zwischen „Freiheitspartei“ und „Verbotspartei“: Freiheitspartei gewinnt
Beispiel für Tempo 30 auf Durchgangsstraßen
Stadt A
Stadt B
Stadt C
Bewohner A
+1
-1
-1
Bewohner B
-1
+1
-1
Bewohner C
-1
-1
+1
• jeweilige Stadt entscheidet: Überall Tempo 30
• Demokratische Abstimmung im ganzen Kreis „alles oder nichts“: Ablehnung Tempo 30
• letztlich moral-hazard –Problem: Verstoß gegen Kant´schen Imperativ
• mögliche Lösung: föderale Zuständigkeit nur da, wo höhere Ebene nicht betroffen ist
Verhältnis der Scholastiker zum Geld
• Vereinbartes Zahlungs- und Rechenmittel (nominalistische Geldauffassung)
• Gelderwerb und Tausch nicht zum Zwecke des Gewinns erlaubt („propter
lucem“)
• Buridanus (1300 – 1358) und sein Schüler Oresmius (1320 – 1382) erkannten
schon sog. Greshamsches Gesetz
• „Schlechtes Geld verdrängt das gute Geld“ (Sir Thomas Gresham, 1519 – 1549,
Berater Elisabeth I., Gründer der Londoner Börse)
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Kanonisches Zinsverbot
Prophet Ezechiel (=Hesekiel) im Alten Testament (597 v. Chr.):
„Wer auf Zins leiht und Zuschlag nimmt, sollte der am Leben
bleiben? – Er wird nicht am Leben bleiben!… Er muß sterben!
Sein Blut komme über ihn!“
Christus in der Bergpredigt (Lukas-Evangelium):
„vielmehr liebet eure Feinde und tut Gutes und leihet, ohne
etwas zurückzuerwarten. Dann wird euer Lohn groß sein und
ihr werdet Söhne des Höchsten sein…“
Gesetz von Kaiser Lothar, 825 n. Chr.
„Wer Zins nimmt, wird mit dem Königsbann belegt, wer
wiederholt Zins nimmt, wird aus der Kirche ausgestoßen und
soll vom Grafen gefangen gesetzt werden.“
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Begründung des Zinsverbots:
1. Geld geht bei Verwendung unter, im Gegensatz zu Haus
2. Geld verschleißt nicht, anders als Haus
3. Zins ist Preis für die Zeit, diese aber gehört Gott
Ausnahmen vom Zinsverbot (nach Thomas von Aquin)
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•
•

Schaden für Verleiher (damnum emergens)
Entgangener Gewinn (lucrum cessans)
Versäumter Rückgabetermin (titulus morae)
Beteiligung an Unternehmen (societas)
Ausfallrisiko (periculum sorties)
Es bleibt nur noch Verbot von Wucherzinsen und reinen
Konsumentenkrediten
 Dagegen Martin Luther (1483 – 1546): totales Zinsverbot, sogar
Ratenkauf ist Wucher
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Umgehungen des Zinsverbotes
 durch „contractus trinus“*)
1.Vertrag: Beteiligung (z.B. am Kauf eines Hauses)  erlaubt
2.Vertrag: Versicherung eines Mindestgewinnanteils von 5%  erlaubt
3.Vertrag: Verzicht auf etwaige höhere Gewinne  erlaubt
 Weitere übliche Umgehungen (auch im Islam)
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Geldgeschenk als Dank statt Zins für Gläubiger
Schuldschein über höheren als den Kreditbetrag (oft 100% Aufschlag)
Absichtlich zu kurzer Rückzahlungstermin  Strafzahlung erlaubt s.o.
Zum Schein Kauf einer Ware und sofortiger Rückverkauf zu höherem Preis,
aber mit späterem Zahlungstermin
Beteiligung zum Schein an einem Unternehmen / einer Investition
* nach Johannes Eck („DrEck“), erbitterter Gegner von Luther („Luder“)
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Justitia Commutativa
(Tauschgerechtigkeit)
• Justum pretium (gerechter Preis)  grundsätzlich im Wettbewerb zu finden
• Aber: Aufklärungspflicht beider Seiten:
– Nach Maßgabe der Bedürfnisse ( subjektive Wertlehre!)
– Unter Berücksichtigung der Kosten (labora et expenses, ohne Kapitalzins 
aber keine Arbeitswertlehre!)
• Bietet der Verkäufer die Handschrift zu billig an  Käufer muss ihn darauf
hinweisen!
• Im Zweifel entscheidet Wertschätzung des Verkäufers
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Beispiel
Bild der verstorbenen
Großmutter
Nur scheinbar
wertvolle Handschrift
Wertschätzung des
Verkäufers
hoch
niedrig
Wertschätzung des
Käufers
niedrig
hoch
Justum pretium
hoch
niedrig
• Justum pretium kann notfalls vom Staat erzwungen werden
• Luther : generelle staatliche Preisfestsetzung
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Pragmatische Position zum Justum pretium
Antonin von Florenz (1389 – 1459)
3 Bestimmungsgründe
• Virtuositas (Nützlichkeit)
• Varitas (Seltenheit)
• Complacibilitas (subjektive
Wertschätzung)
3 Stufen
• Frommer Preis (niedrig)
• Interessenpreis (mittel)
• Strenger Preis (hoch)
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Justitia distributiva
(Verteilungsgerechtigkeit)
Ständestaat, Gottgewollte Ordnung, Hierarchie nach Gottesnähe
„Ein jeder lebe nach seinem Stande“
Klerus
Seelenheil
Weltlicher Adel
Schutz
Bauern, Gewerbe
Produktion
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Justitia generalis
(gerechte Staatsgesetze)
• Rechtsstaatsgedanke des Aristoteles
• Maßstab vor allem: Bibel, Christliche Gebote
• Europäische Besonderheit: Trennung von weltlicher und religiöser Macht
beginnt im Mittelalter („Gang nach Canossa“) als Voraussetzung für die spätere
Trennung von Staat und Religion
• Hinterziehung gerechter Steuern (Kirchensteuer?) ist Sünde
• Erhebung ungerechter Steuern (Weinsteuer?) aber auch!
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Mittelalterliche Ökonomievorstellungen:
Zusammenfassung und Kritik
• Ableitung der ökonomischer Lehre (z.B. Justum pretium, Zinsverbot) aus
religiösen und sozialen Normen
• Hauptsächlich durch metaphysische Argumentation und Spitzfindigkeiten (z.B.
Gottesbeweise)
• Positive Ansätze einer Preis- und Werttheorie bei Albertus Magnus, einer
Zinstheorie bei Thomas v. Aquin
• Problematisierung des Staates, Subsidiaritätsprinzip
• Positive Begründung von Eigentum und Fleiß
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