Verena Günther: Verhaltenstherapie Teil 1

Report
PSYCHOTHERAPEUTISCHE VERFAHREN
KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE
Univ.-Prof. Dr. Verena Günther
Abteilung für Klinische Psychologie
der Univ.-Klinik für Allgemeine Psychiatrie
und Sozialpsychiatrie Innsbruck
A-6020 Innsbruck, Anichstraße 35
Tel.: ++43-512-504-23655
Fax: ++43-512-504-24249
E-Mail: [email protected]
„Behavior therapy“ - Ursprünge
(O.R.Lindsley, B.F.Skinner,
H.L.Solomon, 1953, USA)
zw. 1950 und 1960 Zentren
in Südafrika
(J. Wolpe, A.A. Lazarus, S. Rachman)
in England
(H.J. Eysenck, D. Shapiro, A.J.Yates)
John Watson (1878-1958)
Umweltdeterminismus
Geben Sie mir ein Dutzend gesunder
Säuglinge und eine von mir bestimmte
Umwelt, dann garantiere ich Ihnen, dass
ich das machen kann, was ich will:
Verbrecher, Arzt, Rechtsanwalt, Mörder...
John Watson (1878-1958)
Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936)
Frederic Burrhus Skinner (1904-1992)
Albert Bandura (geb. 1925)
Verhaltenstherapie – Historische Entwicklung
1. Lerntheorien als Grundlage
Klassische Konditionierung
Lernen am Erfolg
Modelllernen (soziales Lernen)
2. Kognitive-emotionale Wende
3. Achtsamkeit und Akzeptanz
Verhaltenstherapeutisches Vorgehen versucht, alle Ebenen
menschlichen Verhaltens (Verhaltensebene, kognitive
Ebene, emotionale Ebene, physiologische Ebene,
motorische Ebene) zu erreichen, wobei die Lernfähigkeit des
Individuums als Basis für therapeutische Veränderungen
herangezogen wird.
Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1936)
Klassische Konditionierung
Burrhus Frederic Skinner (1904-1992)
Operantes Konditionieren,
Lernen am Erfolg
positive/negative Verstärkung
positive/negative Bestrafung
Albert Bandura (geb. 1925)
Lernen am Modell
Soziales Lernen
Aaron T. Beck (geb. 1921)
Judith S. Beck (geb. 1954)
Kognitive Wende
KOGNITIVES MODELL
NACH BECK (1972)
Depression durch 5 Merkmalsbereiche definiert
1.
2.
3.
4.
5.
kognitive Manifestation: geringe Selbstbewertung, verzerrtes Selbstbild
emotionale Manifestation: Niedergeschlagenheit usw.
motivationale Manifestation: Vermeidungs- und Fluchtverhalten, Motivationsverlust,
Selbstmordwünsche
vegetative Manifestation: Appetitverlust, Ermüdbarkeit
motorische Manifestation: Retardierung oder Agitiertheit
KOGNITIVE MANIFESTATION*
Gedanken Depressiver sind
-
automatisch und reflexhaft
von unfreiwilliger Qualität
plausibel
perseverierend
* ist nach Beck für die affektiven, motivationalen und physischen
Merkmale der Depression verantwortlich
KOGNITIVES MODELL DER DEPRSSION
Kognitive Schemata
(„Oberpläne“)
Kognitiver Fehler
Kognitive Triade
KOGNITIVE TRIADE DER DEPRSSION
 negative Sicht von sich selbst
 negative Sicht der Umwelt
 negative Sicht der Zukunft
KOGNITIVE IRRTÜMER – FEHLER
Übergeneralisierung
selektive Abstraktion
übertriebenes Verantwortungsgefühl
Annehmen einer zeitlichen Kausalität
(Vorhersagen ohne ausreichende Evidenz)
Bezugnahmen auf die eigene Person (Personalisierung)
Katastrophisieren (Wahrsagen)
dichotomes Denken (Alles oder Nichts)
Positives Ausschließen oder Abwerten
Gefühl als Beweis
Etikettierungen
Vergrößerung/Verkleinerung
Mentaler Filter
Gedankenlesen
“Sollte“ und „müsste“-Aussagen
Tunnelblick
KOGNITIVE SCHEMATA
„Unreifes“
„Reifes“ Denken
1. Eindimensional +
global
(bin ängstlich)
Multidimensional
(bin ängstlich aber...)
2. Invariabel
(war immer Feigling)
Variabel
(Angst ändert sich von Zeit zu
Zeit)
3. Verabsolutierend und
Moralisierend
(ich bin totaler Feigling)
Relativierend und nicht wertend
(bin ängstlicher als viele...)
4. „Charakterdiagnose“
(habe Charakterfehler)
„Verhaltensdiagnose“
(gehe oft Dingen aus dem Weg...)
5. Irreversibel
(man kann nichts ändern)
Reversibel
(ich kann Methoden lernen um...)
2 GRUNDANNAHMEN
Hilflosigkeit
Nicht liebenswert zu sein
Grundannahmen sind
häufig unausgesprochen
betreffen auch Andere
betreffen auch die Umwelt
Gründe liegen in der Sozialisation
KOGNITIVER „TEUFELSKREIS“
Konsistenzeinschätzung
und
Konsenseinschätzung
Depression
Rückzug
Selbstmanagement-Therapie (Kanfer, Reinecker,
Schmelzer, 2000, Springer-Verlag)
Einige Grundannahmen
1. Der Mensch strebt nach Selbstbestimmung und Autonomie sowie
Selbstregulation
2. Aktive Lebensgestaltung
3. Maximierung persönlicher Freiheit
4. Individuelle Ziele
5. Ziele können sich ändern
6. Selbstregulation ist erlernbar
7. Wahrgenommene Kontrolle erhöht Motivation
8. Selbstmanagement verhindert Widerstand und Gegenkontrolle
9. Die Selbstattribution ist eine Folge der Selbstregulation und
verstärkt unabhängige Handlungen
10. Generalisierung des Therapieeffekts wird erleichtert
Phasen der Selbstmanagement-Therapie
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Eingangsphase
Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen
Aufbau von Änderungsmotivation und vorläufige Auswahl
von Änderungsbereichen
Horizontale und vertikale Verhaltensanalysen –
Verhaltensdiagnostik
Vereinbaren therapeutischer Ziele
Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden
Evaluation therapeutischer Fortschritte
Endphase
Erfolgsoptimierung und Abschluss der Therapie
Follow-up Katamnesen
1. Eingangsphase
Zur besonderen Situation des Erstkontaktes
Mit welchen Präsentiersymptomen kommt eine Person
genau jetzt und gerade zu mir in Therapie?
ZUR BESONDEREN SITUATION DES ERSTKONTAKTES
Weshalb kommt eine Person zum jetzigen Zeitpunkt in Therapie?
Weshalb kommt die Person zu mir?
Weswegen kommt sie in Therapie? (Präsentiersymptome)
• Finde heraus, weswegen jemand gerade jetzt und hier eine Therapie beginnen möchte.
• Versuche zu klären, wie und wann die präsentierte Hauptbeschwerde so „problematische“ Ausmaße
annahm, dass jemand deswegen Therapie sucht. Kläre auch, wer eine Beschwerde als „Problem“
definierte.
• Kläre, was der Klient über Deine Einrichtung und Dienste weiß, sowie in welchem Zusammenhang
dieses Wissen zu seinen Behandlungserwartungen und seinem Selbstverständnis steht.
• Suche bei den Problemschilderungen von Klienten nach subjektiven Ansichten und irrationalen
Haltungen, die möglicherweise eine Situation erst zum „Problem“ machen bzw. selbst ein
konstituierender Teil des Problems sind.
• Hole- das Einverständnis des Klienten vorausgesetzt- medizinisch-physiologische Befunde ein, wenn
physische Symptome (organisch oder funktional) im Mittelpunkt stehen oder eine intensive
Mitbeteiligung von Gamma-Variablen zu vermuten ist. Kläre auch die Rolle dieser Symptome im
sozialen Kontext sowie im Alltagsablauf des Klienten.
• Exploriere möglichst genau die subjektiven Erklärungen von Klienten hinsichtlich der Entstehung von
Symptomen, ihre Bedeutsamkeit sowie deren kausalen Attribuierung, ohne ihnen „objektive
Richtigkeit“ zu unterstellen. Kläre auf diese Weise den wichtigsten subjektiven Grund von Klienten,
sich für eine Therapie zu entscheiden.
• Motiviere Klienten, zur nächsten Sitzung wiederzukommen, wenn eine Behandlung aus Deiner Sicht
sinnvoll und Erfolg versprechend erscheint. (Unterstütze im umgekehrten Fall Klienten bei der Suche
nach besser geeigneten Hilfsmöglichkeiten oder alternativen Behandlungsadressen für ihre Anliegen.)
Zusammengefasst:
• Inhaltlich-problembezogene Angaben
Beschwerden, Schwierigkeiten, Konflikte,
Ziele, Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen
Allgemeine Anamnese-Daten und Angaben zum persönlichen
Hintergrund
• Beobachtungen hinsichtlich therapeutischer Basisvariablen
Therapeut-Klient-Beziehung
Arbeitsorientierung und Eigeninitiative
Therapiemotivation
• Sonstiges
Besondere Beobachtungen oder Auffälligkeiten im
Klientenverhalten
Maßnahmen zur „Prä“-Evaluation
Vereinbarungen/ Abmachungen/ Hausaufgaben
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 1
1. Bildung einer therapeutischen Allianz
Strukturierung der Rollen von Therapeut und Klient
Aufbau einer positiven Therapeut-Klient Beziehung
2. Problembezogene Informationssammlung
Sichtung der Eingangsbeschwerden
Sichtung der Eingangserwartung
Erste Überlegungen hinsichtlich therapeutischer
Ansatzpunkte
3. Äußere Merkmale der Therapiesituation
Organisatorische Belange
Therapeutisches Setting
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 1
1.1 Bildung einer Therapeutischen Allianz
Strukturierung der Rollen von Therapeut und Klient
Aufbau einer positiven Therapeut/Klient Beziehung
Gelingt es
• dem Therapeuten, seine Rolle als therapeutischer Helfer von üblicher Freundschaftsoder Arzt-Patent-Beziehung klar zu trennen und dies mitzuteilen?
• den Klienten von der Notwendigkeit einer aktiven Komplementärrolle zu überzeugen?
• vom Klienten als „Änderungsassistent“ wahrgenommen zu werden?
• therapeutische basisvariablen zu realisieren?
• einen sanktionsfreien Rahmen zu gewährleisten, also keine Bestrafung oder
Sanktionen auf ungewöhnliche Gedanken oder Verhaltensweisen zu geben?
• Offenheit und Vertrauen beim Klienten zu fördern?
• das therapeutische Vorgehen klar zu strukturieren und optimale Transparenz zu
gewährleisten?
• nicht nur als verständnisvolle, sondern als fachlich kompetente Person
wahrgenommen zu werden
• eigene und persönliche Ziele herauszuhalten und den Charakter einer Arbeitsbeziehung
zu wahren?
Fremdhilfe vs. Selbsthilfe
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Verantwortung übernehmen
Maximale vs. minimale Hilfe
Sich auf Klienten einlassen vs. Gegenerfahrung provozieren
Wärme, Freundlichkeit vs. strenge, fordern, führen
Schonung/ Angstabbau vs. Belastung / Konfrontation mit der
Angst
Sprache des Klienten übernehmen vs. neue Sprache
einführen
Therapie an Klienten anpassen vs. Klienten zur Therapie
Widerstand akzeptieren vs. Konzept durchhalten
Leiden ernst nehmen vs. Hoffnung induzieren
Aufbau von Arbeitsorientierung
• Positivkriterien:
Klient liefert nötige Informationen
Klient macht eigene Vorschläge
Klient bringt von sich aus wichtige unterlagen mit
Gemeinsam getroffene Vereinbarungen und Abmachungen werden
eingehalten
Klient erledigt therapeutische Hausaufgaben
• Negativkriterien:
Machen Sie einmal – Haltung das Klienten
Analogie zum medizinischen Arzt-Patienten-Verhältnis
Klient versucht, Verantwortung an den Experten abzugeben
Klient möchte über seine Schwierigkeiten nur reden
Klient wechselt sprunghaft zum Thema, sobald Verhaltensänderung
beginnen sollte
Absprachen und Vereinbarungen werden nicht eingehalten
Hausaufgaben werden nicht oder mangelhaft erledigt
Beziehungsangebote durch den Klienten
•
Übertragungstest
Patient verhält sich so, dass er dazu einlädt
kritisiert
kontrolliert
missbraucht zu werden.
Patient überprüft:
Sind alle Menschen so wie meine Eltern?
Bin ich so wenig Wert, dass man so mit mir umgeht?
Kann mich der Therapeut auf dieselbe Art schädigen wie meine Eltern?
•
Opfer-Täter-Test
Patient behandelt Therapeuten so, wie er selbst behandelt wurde
Klient muss neues Beziehungsangebot erleben.
Patient überprüft:
Wird der Therapeut auch so hilflos wie ich es wurde?
Therapeut muss als Modell im Umgang mit Verletzung und Kritik
wirken.
Was wirkt?
Mehrabian (1972)
Beziehungsregulation erfolgt zu
7% über Inhalt
38% über Tonfall
55% über Mimik
Sehr spannende Psychotherpieforschung
heute: E-Mental Health hilft!?!?
1.2. Problembezogene Informationssammlung
Sichtung der Eigenbeschwerden
Sichtung der Eingangserwartung
Erste Überlegungen hinsichtlich therapeutischer Ansatzpunkte
•
Wie bedeutsam (u. U. existenziell bedrohlich!) ist die Beschwerde für den
Klienten bzw. für dessen Umgebung?
•
Welche Schwierigkeiten haben für den Klienten den höchsten
Belastungsgrad (Prioritäten!)?
•
Woran möchte der Klient am liebsten arbeiten (Motivation!)?
•
Welche Erwartungen/Ziele hat der Klient explizit/implizit geäußert?
•
Entspricht das entsprechende „target“ den geäußerten Erwartungen/Zielen
des Klienten?
•
Welchen Stellenwert hat die Einzelschwierigkeit im Gesamtrahmen der
vorgebrachten oder konstatierten beschwerden (peripher?/zentral?)?
•
Gibt es eventuell wichtigere vorgeordnete „targets“?
•
Gibt’s es Ansatzpunkte, deren Änderung ein breites Spektrum positiver
Folgewirkungen im Hinblick auf andere Beschwerden zur Konsequenz hätte?
•
Ist eine Änderung der fraglichen Schwierigkeit überhaupt möglich (oder handelt es
sich dabei um eine unabänderliche „Tatsache“)?
•
Gibt es hinsichtlich der Kompetenzen des betreffenden Therapeuten oder aber
aufgrund der speziellen Lebenssituation des Klienten spezielle Möglichkeiten oder
aber Grenzen?
•
Welche (kurzfristigen und langfristigen) Konsequenzen träten ein, wenn eine
Therapie an diesem Punkt angesetzt würde?
•
Welche (kurzfristigen und langfristigen) Konsequenzen hätte eine erfolgreiche
Änderung sowohl für den Klienten als auch für seine Umgebung?
•
Welche speziellen Methoden/besonderen Hilfsmittel wären nötig, falls dieser Punkt
als Ansatzpunkt gewählt würde?
•
Kosten-Nutzen-Analyse: Wie hoch wäre – in jeder Hinsicht – der Aufwand für eine
Behandlung?
•
Bestehen gute Chancen, Erfolgreiche Änderungen des Ansatzpunktes auch nach
Therapieende aufrechterhalten zu können (oder wären Veränderungen von
vornherein nur kurzfristig auf die therapeutische Sondersituation beschränkt)?
•
Welche zusätzlichen Informationen wären nötig, um überhaupt vorläufige
therapeutische Ansatzpunkte beurteilen und festlegen zu können?
1.3. Äußere Merkmale der Therapiesituation
Organisatorische Belange
Therapeutisches Setting
•
Ist die Institution /der betreffende Therapeut für die vorgebrachten beschwerden
zuständig/kompetent?
•
Gibt es besser geeignete Spezialeinrichtungen oder Kollegen, die auf bestimmte
Probleme spezialisiert sind?
•
Sind andere Berufsgruppen (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Pfarrer, Sozialhelfer,
Krankengymnasten, Logopäden etc.) eher für eine adäquate Betreuung zuständig?
•
Ist eine ambulante Betreuung möglich/sinnvoll/erwünscht?
•
Ist eine medikamentöse Begleitung der Therapie notwendig/erwünscht/bereits im
Gang?
•
Ist eine medizinische (oder sonstige) Untersuchung notwendig?
•
Sind Kontakte zu früheren Therapeuten (bzw. Ärzten/Kliniken etc.)
notwendig/erwünscht?
•
Ist es ratsam, weitere Personen aus der „sozialen Umgebung“ des Klienten
einzuschalten (z.B. Partner, Restfamilie, Lehrkräfte, Erzieher, Hausarzt etc.)?
•
Ist die Kostenfrage der Therapie geklärt?
•
Ist der Klient über die Häufigkeit/Länge/Regelmäßigkeit der einzelnen Termine
informiert?
•
Gibt es Vereinbarungen über eine von vornherein begrenzte Dauer der Kontakte
(z.B. feste Vereinbarung von 10 Terminen etc.)?
•
Ist der Klient über seine Rechte aufgeklärt (z.B. Freiwilligkeit der Inanspruchnahme,
Recht auf Therapiebeendigung etc.)?
•
Ist der Klient über seine wichtigsten Pflichten informiert (z.B. aktive Mitarbeit,
Pünktlichkeit etc.)?
•
Sind dem Klienten wichtige gesetzliche/ berufsständische Verpflichtungen des
Therapeuten bekannt (z.B. Schweigepflicht, Datenschutz etc.)?
•
Weiß der Klient, dass Kooperation mit anderen Institutionen/ Personen nur mit seiner
ausdrücklichen Einwilligung erfolgen darf?
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 2
1. Aufbau der Therapiemotivation
Positivkriterien/Negativkriterien
2. Vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen
Geeignete therapeutische Ansatzpunkte
Ungeeignete therapeutische Ansatzpunkte
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 2
2.1. Aufbau von Therapiemotivation
Positiv-Kriterien (+) können indizieren „Therapie ist mir (als Klient) wichtig“.
Negativ-Kriterien (-) indizieren „Therapie ist für mich (zumindest zur Zeit) nicht so bedeutsam:
es gibt (im Moment) wichtigere andere Dinge für mich…“
• Motivation zu kommen / wiederzukommen:
(+) Klient hält Termine ein, ist pünktlich.
(+) Klient nimmt lange / umständliche Anfahrtswege in Kauf.
(+) Kontaktaufnahme erfolgt freiwillig und auf eigene Initiative / Klient ruft selbst an und bittet um
einen Termin.
(+) beim Vereinbaren von Terminen: „Ich kann immer kommen: da muss ich mir eben Urlaub bzw.
ein wenig früher frei nehmen“.
(+) Klient „opfert“ andere Dinge / verschiebt andere Termine, um kommen zu können.
(+) Klient äußert Enttäuschung bei Terminverlegung seitens des Therapeuten.
(-) Klient wird von anderen Institutionen / Personen gegen seinen eigenen Wunsch geschickt
(kommt z.B. mit amtlicher Auflage).
(-) Klient sagt wiederholt Termine ab oder verschiebt Termine aus wenig triftigen Gründen.
(-) Nichterscheinen / Unpünktlichkeit bzw. Falschdatieren von Sitzungen.
(-) Beim Vereinbaren von Terminen: „ Mittwoch geht nicht wegen Tischtennis, Donnerstag muss ich
zum Yoga-Kurs, am Freitag kommt meine Freundin…“
(-) In der Therapiestunde: „Heute habe ich nur ½ Stunde Zeit, ich muss dann zum Friseur…“
(-) Bei Terminverlegung seitens des Therapeuten: „Macht nichts, bei diesem Wetter gehe ich
sowieso lieber ins Schwimmbad…“
• Motivation, Informationen zu geben:
(+) Klient bemüht sich, gestellte Fragen zu beantworten (sucht eventuell zu Hause
noch nach Unterlagen/Quellen: erkundigt sich bei anderen Bezugspersonen etc.)
(+) Klient bringt von sich aus wichtige Unterlagen/Aufzeichnungen/Notizen mit.
(-) Klient weicht Fragen aus, antwortet auf Fragen mit Gegenfragen, beurteilt Fragen des
Therapeuten als „irrelevant“ bzw. schweigt gänzlich.
(-) Klient bringt auch auf Aufforderung keine Unterlagen mit oder „vergisst“ zugesagte
Erkundigungen. (Einfluss Therapeut-Klient-Beziehung?)
• Motivation, an einer Änderung zu arbeiten:
(+) Eigene Initiativen und Vorschläge des Klienten in Richtung Änderung.
(+) Klient lässt sich (zumindest innerhalb gewisser Grenzen) auf Neues, Ungewohntes,
Unvertrautes ein.
(+) Klient nimmt wegen der erstrebten Änderung Mühen und Erschwernisse in Kauf.
(-) Klient versucht, es beim „Reden“ zu belassen.
(-) Klient sucht ausschließlich nach plausiblen Erklärungen.
(-) Klient gibt anderen Personen die Schuld an seinen Schwierigkeiten.
(-) Klientenäußerungen wie z.B.:
„Ich glaube nicht, dass mir das helfen wird“,
„Das ist mir zu beschwerlich“,
„Dafür habe ich nicht genügend Zeit“,
„Das zu ändern ist mir nun doch nicht mehr so wichtig“; etc.
(-) Themen- oder Problemwechsel, sobald Änderungen anstehen.
• Motivation, bestimmte Interventionen durchführen:
(-) Klient lässt sich auf zielführende Interventionen ein (adäquate Therapieplanung des
Therapeuten vorausgesetzt!).
(-) Klient weigert sich, bestimmte Interventionen mitzumachen.
(-) Klient „vergisst“ bestimmte „Hausaufgaben“.
(-) Klient äußert z.B.: „Das ist mir zu blöd, so ein Rollenspiel!“ etc. („Störfall-Analyse“
wichtig, um die Gründe des Patienten zu klären!)
• Motivation, mit dem speziellen Therapeuten zu arbeiten: (Therapeut-KlientBeziehung)
• Motivierung durch Grundbedingungen des Selbstmanagements
Motivieren durch Maximierung des Ausmaßes an persönlicher Kontrolle
Selbstgesetzte Ziele
Steigerung von self-efficacy
Selbststeuerung und Selbstmotivation von Verhalten
Maximale Transparenz
Motivieren durch das Prinzip der Freiwilligkeit
• Motivierung durch Reduktion von Demoralisierung, Resignation
• Spezielle Motivationsstrategien
• Motivationsanalyse
• Motivationshindernisse
Angst vor Veränderung
Verhaltensträgheit
Gelernte Inkompetenz
Sekundäre Gewinne aus dem Problemverhalten
Fähigkeitsdefizite
fehlende/unzureichende Motivation
Widerstand gegen Therapeuten
• Gezielter Aufbau von Änderungsmotivation
• Erste Ansätze zur Ziel- und Wertklärung
Persönliche Vorlieben/ Gewohnheiten und Abneigungen
Selbstbild/ Selbstkonzept/ Einstellungen zur eigenen Person
Schule/ Ausbildung/ Beruf/ Freizeit/ Hobbys
Sozialkontakte
Politik/ Religion/ Gesellschaft/ Philosophie/ Ethik
Gesundheit/ Krankheit
Lieber/ Sexualität/ Partnerschaft
2.2. Vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen
Geeignete therapeutische Ansatzpunkte
• Verhaltenseisen mit akuter, existentieller Bedrohung (für den Klienten und seine
Umgebung)
• Beschwerden mit hohem Ausmaß an subjektiver Belastung
• Kernbeschwerden, deren Änderung eine große Bandbreite positiver
Veränderungen zur Folge hätte
• Beschwerden, die prinzipiell änderbar sind
• Berücksichtigung der Kompetenz des Therapeuten sowie der jeweiligen
Lebenssituation des Klienten
• Verhaltensbereiche, die mit den übergeordneten Zielen in Einklang stehen
• Beschwerden, für deren Besserung eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit
besteht.
Überlegungen des Patienten
• Wie wird mein Leben sein, falls ich mich ändere?
•
•
•
•
•
Wie werde ich besser dastehen, falls ich mich ändere?
kann ich es schaffen?
Was muss ich für eine Änderung investieren (lohnt es sich)?
Kann ich auf diesen Therapeuten in dieser Institution bauen?
Beantwortung der Grundfrage: Ändern vs. akzeptieren?
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 3
1. Situative Verhaltensanalyse – horizontale
Verhaltensanalyse von Makro- zur Mikroebene
2. Kontextuelle Verhaltensanalyse – vertikale
Verhaltensanalyse, von der Mikro- zur Makroebene
Analyse von Plänen und Regeln
Analyse von Systembedingungen
Analyse von health-believe-models
3. Analyse des bisherigen Umgangs mit dem
Problemverhalten
4. Strukturdiagnostik sozialer Systeme
Identifikation problemstabilisierender Systemregeln
Identifikation systemstabilisierender Probleme und
Verhaltensweisen
5. Hypothetisches Bedingungsmodell
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 3
3.1. Situative Verhaltensanalyse- horizontale Verhaltensanalyse von Makrozur Mikroebene
Genaue Problembeschreibung: derzeitige Beschwerden, Ressourcen, Fähigkeiten
Bedingungsanalyse: aufrechterhaltende Bedingungen und Konsequenzen, die eine
therapeutische Intervention für den Patienten haben würde.
• Unter welchen Bedingungsinhalt sich das Problemverhalten ursprünglich entwickelt?
• Lassen sich zum Zeitpunkt der Problemstellung noch relevante Bedingungen fassen?
• Ist es notwendig, überhaupt ursprüngliche Problembedingungen zu kennen?
• Welche sind heute noch vorhanden und funktional relevant?
• Gibt es Hinweise für „Lernen am Modell“?
• Ist das problematische Verhalten „V“ möglicherweise der missglückte Bewältigungsversuch für
andere Probleme?
• Wie erklärt sich der Klient die Entstehung seiner Schwierigkeiten?
Motivationsanalyse: Analyse der Motivation wobei mögliche Anreize, Werthaltungen, Lebensziele und
positive Interessensbereiche sowie negative Faktoren im Falle einer Änderung analysiert werden.
Entwicklunsanalyse: entstehungsgeschichtliche Analyse der biologischen, sozialen und
verhaltensmäßigen Änderungen einer Person, soweit sie für das momentane Problem des Patienten
mitbeeinflussen bzw. auch der Ressourcen, die für die Therapie daraus erwachsen.
Analyse der soziokulturellen und physischen Umgebung:
Einschätzung der Kongruenz zwischen dem momentanen Milieu des Klienten, seinem
Verhaltensrepertoire und den potenziellen Therapiezielen.
Horizontale Verhaltensanalyse
S
O
PV1
PV2
K
• Lernen
• Prüfungsstress
• Zug
• Gesellschaft
Angstbereitschaft (trait)
Schemata
kognitiv: unanständiger
Gedanke
emotional:
Schuld, Scham,
Angst
physiologisch:
Anspannung
• verlässt HS
• kann sich nicht
konzentrieren
• schläft viel
• schaut fern
• fährt Mittwoch
heim
• sorgt sich,
krank zu sein
• Stagnation –
im Studium
• Leben –
zerrinnt
• Mutter freut +
sich/Streit –
• Belastung –
• Zwangsgedanke –
3.2. Kontextuelle Verhaltensanalyse- vertikale
Verhaltensanalyse von der Mikro- zur Makroebene
Analyse von Plänen und Regeln
Analyse von Systembedingungen
Analyse des Health Belief-Modells
• Welche Vermutungen hat der Klient über die Ursachen seines Problems?
• Wie objektiv und realistisch sind diese Vermutungen?
• Welche Schlussfolgerungen zieht der Klient aus seinem Health- Belief
Modell?
• Selbstkontrollversuche?, Änderungsversuche?, Kontrollverlust?
• Aufgabe von Lösungsversuchen und Resignation?
• Delegation der Verantwortung an andere?
• Welche Chancen sieht der Therapeut, das momentane Health- Belief Modell
konstruktiv zu nutzen oder zum Positiven zu verändern?
Ich möchte
nicht
einsam sein
Ich möchte
Harmonie,
weil sonst
leidet die
Mutter
Ich möchte
geliebt
werden
Ich möchte
bewundert
werden
dann bin ich
allein
ich bin
schuld am
schiefen
Haussegen
ich möchte,
dass man
mich mag
ich möchte
gut sein
andere
würden
mich
ablehnen
und ich
mich auch
dann könnte
er mich
ablehnen
das wäre
sehr
schlimm
ich versage
dann
ich fühle mich
schuldig
ich darf
nicht so
unmoralisch
sein
wenn ich
mich wehre,
gibt es
Krach
dann würde
ich
abgelehnt
ich werde
die Prüfung
nicht
schaffen
ich möchte Ruhe von den
Gedanken
ich möchte
bewundert
werden
ich kann
mich dann
nicht
wehren
das weiß ich
nicht
weil er Geld
hat
weil man
merken
könnte, was
ich denke
weil ich
ständig
denke und
nicht lernen
kann
dann muss
ich nicht
denken und
habe Recht
weil dann
die
Gedanken
besser
werden
die mögen
mich sonst
nicht, die
wollen
immer alles!
die wollen
immer alles!
ich denke
unanständig
ich kaufe
Kleidung,
die dem
Vater gefällt
ich
vermeide
Feste und
Geselligkeit
ich
vermeide
Prüfung
ich schlafe
viel
ich fahre
Mittwoch
heim
ich kann ♂
gegenüber
nicht NEIN
sagen
die ♂ em
gegenüber
sehr
getrennt ist
Ich möchte
von ♂
gemocht
werden
dann würde
ich
abgelehnt
Bringe keine
Ich lehne unübliche
Disharmonie herein, denn Sexualität ab
sonst bist du Schuld an
Mutters Depression
Du darfst ♂er nicht
reizen, weil dann ist
Ablehnung nicht mehr
möglich, denn Männer
sind arm dran
Du darfst mit ♂n erst
etwas eingehen, wenn du
sicher bist, dass du den ♂
potenziell heiraten wirst
Horizontale Verhaltensanalyse
S
O
PV1
PV2
K
• Lernen
• Prüfungsstress
• Zug
• Gesellschaft
Angstbereitschaft (trait)
Schemata
kognitiv: unanständiger
Gedanke
emotional:
Schuld, Scham,
Angst
physiologisch:
Anspannung
• verlässt HS
• kann sich nicht
konzentrieren
• schläft viel
• schaut fern
• fährt Mittwoch
heim
• sorgt sich,
krank zu sein
• Stagnation im Studium
• Leben zerrinnt
• Mutter freut +
sich/Streit –
• Belastung –/
• Zwangsgedanke –/
3.3. Analyse des bisherigen Umgangs mit dem
Problemverhalten
• Welche Anstrengungen wurden bisher von wem unternommen,
um mit den Schwierigkeiten besser zurechtzukommen oder das
Problem zu lösen?
• Welche Maßnahmen führen eventuell zu kurzfristigen
Verbesserungen?
• Welche Maßnahmen hatten keinerlei Einfluss auf die
Schwierigkeiten?
• Welche Maßnahmen führten sogar zu Verschlechterungen?
• Auf welche Maßnahmen hat sich der Klient bisher nicht
eingelassen und warum?
3.4. Strukturdiagnostik sozialer Systeme
Identifikation Problemstabilisierender Systemregeln
Identifikation systemstabilisierender Probleme und Verhaltensweisen
• Was nützt das Problem den Mitgliedern?
• Hat das Problem einen stabilisierenden Stellenwert für die Familie?
• Würde das System ohne Problemträger funktionieren?
Identifikation von Regelkonflikten durch Zugehörigkeit zu mehreren
Systemen
3.5. Zusammenspiel vorläufiger Hypothesen zu einem
funktionalen Bedingungsmodell
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 4
4.1. Operationalisierung/Konkretisieren bislang vager Zielperspektiven
4.2. Überprüfen des Realitätsgehaltes der Zielperspektiven
4.3. Beurteilen der Klientenkapazitäten zum Erreichen potenzieller Ziele
• Einschätzung positiver Voraussetzungen für die Zielerreichung
• Einschätzung der verhaltensmäßigen Voraussetzungen
4.4. Positive Ressourcen oder hemmende Faktoren im sozialen und
materiellen natürlichen Umfeld
4.5. Normative Überlegungen/ Ethisch moralische Aspekte
• Geben die Ziele des Klienten bereits Hinweise darauf, in welche Richtung der Interventionsplan
erfolgen muss?
• Stehen die ersten Überlegungen in Richtung Methodenauswahl mit den Zielen des Klienten im
Einklang?
• Sind Vorbereitungen weiterer evaluativer Schritte nötig?
• Sind über die Therapie hinaus einige bedeutsame Lebensziele deutlich geworden, die spätestens
in der letzten Phase wieder relevant werden?
Konkrete Ziele aus horizontale Verhaltensanalyse
•
•
•
•
•
•
VL gehen
Kontakt mit ♀ und ♂ (VL, Sport)
Samstag heimfahren
Tagesplanung (VL, Sport)
Prüfungsstress wegnehmen
Zwang personifizieren (Denkzeit)
Konkrete Ziele aus vertikale Verhaltensanalyse
• Kontakt mit ♀ und ♂
• Disharmonie herstellen, wo immer möglich (was passiert dann?)
(werde ich dann abgelehnt?)
• üben, „schlechte Leistung“ zu erbringen
Zu allen Bereichen konkrete Alltagsübungen planen!
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
Verantwortung mir selbst gegenüber
Unabhängigkeit
Sexualität?
Versagensängste – Anforderung Studium (Leben?)
Selbstwert
- ich habe einen Beruf, der mir gefällt
- ich habe die Fähigkeit, den Tag zu strukturieren
- kontern können, Nein sagen, fordern können
- allein wohnt
sich selbst etwas Gutes tun zu können, ohne
schlechtes Gewissen
sexuelle Erfahrungen
10 Leute im Netzwerk
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 5
5.1. Planung spezieller Methoden
Nutzung therapeutischer Wissensspeicher
Verarbeitung vorliegender Klienteninformation
Detaillierte Analyse der potenziellen Maßnahmen (Interventionsanalyse)
• Welche Anforderungen stellt die geplante Änderung in Bezug auf:
• Wissen
• Können
• Motivation
• Rahmenbedingungen
• Sonstige Hilfsmittel/Ressourcen
5.2. Entscheidung über spezielle Intervention
5.3. Durchführung der entsprechenden Maßnahmen
BEHAVIORALE METHODEN
Alle Angstbewältigungsverfahren
Konfrontations- bzw. Habituation in vivo
Systematische Desensibilisierung
Flooding
Positivliste
Tagespläne (Erfolg – e; Vergnügen – v)
Selbstsicherheitstraining
Rollenspiel
Entspannungstechniken
Genusstraining (Spaß)
Ablenkung
Tortentechnik
Arbeit/Lernen
Freunde
Unterhaltung
Familie
Sport
Haushalt
Spirituelle/kulturelle/intellektuelle Anregung
WOCHENPLAN
Montag
Dienstag
Mittwoch
09-10
-seit 5 wach
noch im Bett
wach, aufgestanden -
10-11
-endlich auf Bad
Bad –
Kaffee
11-12
Sofa, Zeitg.
Neffe kommt
hilft im Garten
12-13
Sofa, Kaffee,
TV-Film -
Laub in Säcke,
aufgeräumt +/-
13-14
Sofa, TV
Film +/-
gegessen +/Pizza f. N.
14-15
Nachbarin +/kommt, Kaffee
Sofa, Zeitg.
Kaffee +/-
15-16
allein, Schreibtisch
allein, Sofa, Schreibtisch
16-17
Sofa, allein
-
Nachbarin +/erzwingt
17-18
Sofa, TV, -Anruf Tochter
Spaziergang,
anschließend
Kaffe b. Nachb.
18-19
Sofa, TV
--
zu Hause, Sofa,
TV +/-
19-20
Eier gegessen
Brot, TV --
TV, Sofa
Essen, +/-
20-24
TV, Sofa –
gegen 1h im Bett
alleine, TV,
Sofa -
Donnerstag
Freitag
Samstag
Sonntag
KOGNITIVE METHODEN
Sokratischer Dialog
Verhaltensexperimente mit Realitätsprüfung
Kognitionsprotokolle
7-Spalten-Technik
Kognitive Umstrukturierung
Bewältigungskarten
automatische Gedanken
passende Antwort
Die Beteiligung verschiedener Faktoren an einem Ereignis suchen
Tortendiagramm
Veränderung durch Vergleich
unperfekt
Entscheidungen treffen
Für und Wider-Gewichtung
Humorisierung
Jammerstunde
Aufblastechnik
Gedankenstopp
perfekt
P: Da denke ich, du bist ganz schön blöd für dein Alter. Und dann weiß ich,
dass ich nicht intelligent bin.
Th: Woher wissen Sie das?
P: Ich weiß, dass ich nicht intelligent bin, ich habe nicht die Allgemeinbildung.
Th: Wie konnten Sie das überprüfen?
P: Das ist so, wenn ich mich mit Leuten unterhalte. Da möchte ich mich am
liebsten verkriechen, weil die über etwas reden, von dem ich keine Ahnung
habe. Deswegen gehe ich im Betrieb schon immer auf die Toilette.
Th: Was sind denn das für Themen?
P: Zum Beispiel Politik. Da fallen immer Namen, die habe ich zwar schon mal
gehört, aber aus welchem Land die kommen oder in welcher Partei die sind,
das weiß ich nicht.
Th: Wenn ich Ihnen hier jetzt aus der Tageszeitung alle Politiker-Namen
vorlese, wie viel Prozent schätzen Sie, kennen Sie davon?
P: Nicht mehr als 10 %.
Th: Lassen Sie uns das Experiment machen. (liest vor)
So, das waren 23 Namen von Politikern. 20 davon kannten Sie. Sie wussten das
Bundesland, wo sie herkommen oder kannten die Partei, oder wussten, was sie machen.
Das sind knapp 90 %. Vorher sagten Sie, dass Sie nur 10 % kennen werden und dass
dies ein Zeichen dafür ist, dass Sie nicht intelligent sind. Halten Sie das noch für richtig?
P: Ich bin ein totaler Versager, mir gelingt überhaupt nichts mehr.
Th: Es ist jetzt 14 Uhr, was ist Ihnen heute bereits misslungen?
P: Ja, heute ist mir gerade nicht etwas misslungen, aber...
Th: Wenn Ihnen heute nichts misslungen ist, heißt das, dass Ihnen auch einiges gelungen ist?
P: Gelungen ist mir auch nichts besonders, ich habe halt das Normale geschafft.
Th: Heißt das, dass Ihnen heute die normalen Alltagsaktivitäten relativ gut von der Hand
gingen?
P: Wenn Sie das so sagen, ja.
Th: Wenn wir den heutigen Tag bis jetzt also noch einmal überlegen, so heißt das, dass Ihnen
heute nichts Bestimmtes misslungen ist und Ihnen der Alltag relativ gut von der Hand ging.
Wie war es gestern?
Th: (abschließend): Sie haben mir heute gesagt, Sie sind ein Versager. Nach dem jetzigen
Gespräch glaube ich, sagen zu können, dass Sie sich damit selbst sehr streng beurteilt
haben. Soweit wir zusammen erarbeiten konnten, ist Ihnen zumindest in der letzten
Vergangenheit nichts Auffälliges passiert, was Sie global als Versager abstempeln würde.
Eher ist Ihnen Einiges gut gelungen, Einiges vielleicht nicht ganz Ihren Ansprüchen
entsprechend, aber die Waagschalen sind etwa im Gleichgewicht.
FRAGEN ZU ÜBERPRÜFUNG EINES
AUTOMATISCHEN GEDANKENS
1.1 Welche Beweise gibt es?
Welche Anhaltspunkte sprechen für die Gedanken?
Welche Anhaltspunkte sprechen gegen diesen Gedanken?
1.2 Gibt es eine alternative Erklärung?
1.3 Was ist das Schlimmste, das mir passieren könnte?
Könnte ich das überleben?
Was ist das Beste, was mir passieren könnte?
Was ist das realistische Ergebnis?
1.4 Welchen Effekt hat es, wenn ich an den automatischen Gedanken glaube?
Welchen Effekt hat es, wenn ich mein Denken verändere?
1.5 Was sollte ich tun?
1.6 Was würde ich einem Freund in dieser Situation raten?
GEFÜHLE DES MENSCHEN
FREUDE
TRAURIGKEIT
ANGST
ÄRGER, WUT
Freude
Traurigkeit
Angst, Furcht
Ärger, Wut, Zorn
Begeisterung
Verzweiflung
Anspannung
Missmut
Glück
Sehnsucht
Nervosität
Ungeduld
Übermut
Einsamkeit
Verlegenheit
Widerwille, Trotz
Leidenschaft
Leere, Langeweile
Selbstunsicherheit
Abneigung, Hass
Lust
Enttäuschung
Unterlegenheit
Verachtung
Zufriedenheit
Beleidigtsein
Scham
Misstrauen
Stolz
Mitgefühl
Schuldgefühl
Neid
Selbstvertrauen
Reue
Eifersucht
Gelassenheit
Sorge
Überlegenheit
Ekel
Dankbarkeit
Schreck
Vertrauen
Zuneigung, Liebe
Rührung
EMOTIONSTRAINING
EMOTIONSTRAINING (S. SULZ)
1. Am meisten gehört zu mir ...
Am zweitmeisten gehört zu mir ....
.....
.....
.....
Am achtmeisten gehört zu mir ....
2. Wenn ich .... fühle, führt das dazu, dass ich ... handle
3. Am meisten fehlen mir
1. ....
2. ....
3. ....
4. Folgendes Beziehungsbedürfnis ist mir am Wichtigsten:
Willkommensein, Geborgenheit, Schutz, Liebe, Beachtung, Verständnis, Wertschätzung.
5. Mein wichtigstes Zugehörigkeitsbedürfnis ist (ich brauche ....)
Die Dinge selbst zu machen, Selbstbestimmung, Grenzen, Förderung, ein Vorbild, Erotik,
ein Gegenüber.
6. Am meisten Angst habe ich vor
Vernichtung, Trennung, Kontrollverlust, Liebesverlust, Gegenaggression, Hingabe
7. Nur wenn ich immer ........... handle, dann erhalte ich mir .... und verhindere ....
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 6
1. Kontinuierliche therapiebegleitende Diagnostik
2. Prä-/Postevaluation
3. Zielabhängige Evaluation in der Praxis
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 6
6.1 Kontinuierliche, therapiebegleitende Diagnostik
• Ist dem Therapeuten hinsichtlich geplanter Schritte und Maßnahmen bekannt, welcher
typische erwartungsgemäße Ablauf eintreten müsste, sodass es zu einer Änderung
kommen kann?
• Ist eine Zielfestlegung erfolgt, sodass festgestellt werden kann, ob überhaupt
Veränderungen in der erwünschten Zielrichtung erfolgen?
• Ist im Hinblick auf die geplanten Schritte klar, welche beobachtbaren Kriterien dabei
Erfolg bzw. Misserfolg anzeigen können?
• Sind die Kriterien fein genug gerastert, sodass subtile Veränderungen frühzeitig
feststellbar sind?
• Sind die Kriterien andererseits hinreichend komplex, um den Interventionsablauf
umfassend zu dokumentieren?
• Sind die erhobenen Informationen unmittelbar handlungsrelevant?
• Ist der Klient zur Mitarbeit bei der Evaluation motiviert bzw. kann er motiviert werden,
relevante Daten zu liefern?
• Entsteht durch die Art und den Umfang der Evaluation eine unzumutbare Belastung für
die Therapie bzw. den Klienten?
6.2. Prä-/Postevaluation
• Welche (problemorientierten) Möglichkeiten gibt es, die Ausgangslage
adäquat zu erfassen?
• Welche Messungen des Präzustandes liegen aus früheren Phasen vor?
• Welche Möglichkeiten gibt es, das Erreichen des Therapiezieles bzw.
eine Zielannäherung festzustellen?
• Welche Möglichkeiten bieten sich prinzipiell an? Tagebücher
Fragebögen, Tonband, Video
• Welche Hilfsmittel stehen im konkreten Fall tatsächlich zur Verfügung?
• Sind statistische Analysen ohne Zeitaufwand möglich?
Rorschach-Test
Persönlichkeits-Stil- und -Störungs-Inventar
Freiburger Persönlichkeitsinventar
6.3. Zielabhängige Evaluation in der Praxis
Gelingt es dem Klienten
• Probleme besser zu erkennen?
• Tatsachen von Problemen zu trennen?
• Relevante Ereignisse und Abläufe zu registrieren?
• Kontrollierte statt automatische Informationsverarbeitung vorzunehmen?
• effektiv Entscheidungen zu treffen?
• Ziele zu klären und sich realistisch Ziele zu setzen?
• Gezielt zu planen?
• Vorsätze in die Tat umzusetzen?
• Das eigene Handeln trotz kurzfristiger Durststrecken auf langfristige Ziele zu richten?
• Eigenes Handeln auf Effizienz hin zu prüfen und entsprechende Schlüsse zu ziehen?
• Eigene Schlüssel und eigenes handeln in Einklang zu bringen?
• Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen?
Womit möchte ich evaluieren?
• Listen, Fragebögen
Wozu möchte ich evaluieren?
• Legitimationspflicht des Therapeuten
• Therapiesteuerung
• Verbesserung therapeutischer Praxis
Unter welchen Bedingungen möchte ich evaluieren?
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 7
1. Stabilisierung und Transfer therapeutischer Fortschritte
2. Arbeit an restlichen therapeutischen Ansatzpunkten und
Erarbeiten neuer therapeutischer Ziele
3. Erlernen von Selbstmanagement als Prozess
4. Beenden und Ausblenden der Kontakte
Abschluss-Feedback sowie Vorbereitung von Follow-up und
Katamnesen
SCHWERPUNKTZIELE FÜR PHASE 7
7.1. Stabilisierung und Transfer Therapeutischer Fortschritte
•
•
•
•
•
•
•
Verstärkung/ Selbstverstärkung
Ausblenden von Kontingenzen
Variationen von Stimuli während der Therapie
Variationen von Flexiblen Strategien
Einübung neuer Verhaltensweisen in der natürlichen Umgebung
Einbeziehung des sozialen Systems des Klienten
Rule-learning im Alltag
7.2. Arbeiten an restlichen therapeutischen Ansatzpunkten bzw.
Bearbeiten neuer therapeutischer Ziele
7.3. Erlernen von Selbstmanagement als Prozess
Selbstbeobachtung
Coping
Evaluation von Bewältigungsstrategien
Erlernen von Selbstmanagement- Fertigkeiten
Gezielte Prävention von Misserfolgen und Rückfällen
• Wie sind wir bei der Bearbeitung vorgegangen?
• Was haben wir/Sie zuerst getan (z.B. bestimmte Abläufe genau beobachtet,
Probleme geklärt, Analyse des Verhaltens)
• Wie haben Sie bestimmte Entscheidungen getroffen?
• Nach welchen Kriterien haben Sie gehandelt?
• Was haben Sie daraus gelernt?
• Gibt es Situationen, in denen Sie nach einem ähnlichen Muster vorgehen
können?
7.4. Beenden und Ausblenden der Kontakte
Allmähliches Ausblenden
Starke Erhöhung der Klientenaktivität (Während der Therapeut immer
passiver wird)
Lenken der Aufmerksamkeit auf positive Fortschritte und gezielte Diskussion
über Transfer
Übergang zu kurzen Telefonkontakten, jedoch nach striktem Plan
Briefliche Rückmeldung des Klienten mit vorbereiteten Briefvordrucken
Gelegentliche Nachbesprechungstermine
Booster Sitzungen bei Bedarf
Falls nötig, jährlicher Check-up
Katamnese 1-3 Jahre
•
•
•
•
•
•
Positive und negative Erfahrungen während der Therapie
Einschätzung des Therapeuten als Person
Einschätzung der professionellen Kompetenz des Therapeuten
Eindrücke vom therapeutischen Setting, der Therapieziele und deren Erreichung
Ansichten des Klienten über wichtige persönliche Fortschritte
Vorschläge, wie der Therapeut sein Vorgehen verbessern sollte
7.5. Abschluss-Feedback sowie Vorbereitung von Follow-Up und
Katamnesen
S
• Schlange
• Kind in Armen
• Spaghetti
• Mülleimer
• dunkle Ecken
• Natur
• Anblick des
Partners
O
kognitive
Schemata
PV1
kogn: wie grauslig
emot.: Angst,
Grauen
motor.: Unruhe
phys.: mir wird
schlecht
Schweiß
Brechreiz
Harndrang
PV2
• weglaufen
• wirft Kind weg
• vermeidet
kochen
• lässt Müll im
Raum
• kann Kleidung
nicht
herrichten
• geht nicht
hinaus
• vermeidet Sex
K
Angst C ―
• soz. Isolation –
• Schuld/Reue –
• Schuld –
• Abhängigkeit –
Hilfe +
• Abhängigkeit –
Hilfe +
• Isolation –
Schuld –
• Schuld/Ruhe – +
Vertikale Verhaltensanalyse
Ich würde
gerne
selbständig
sein
Ich möchte
einen ♂, der
mich versteht
und unterstützt
dann hätte ich
einen Beruf
könnte sonst
studieren
der etwas für
mich tut
Ich möchte
geborgen sein
Ich muss
immer für
mein Kind da
sein, um eine
gute Mutter zu
sein
Weil er so
wenig
Verständnis
hat
Ich darf nichts
falsch machen
dann würde
ich mich viel
geborgener
fühlen
weil sonst
niemand da ist
der ist auf
mich
eingegangen
damit es
keinen
Schaden
annimmt
wenn müde, ♂
auch nicht
mehr so
attraktiv für
mich ist
grausige
Bewegung
Haushalt und
Kind
der hat mich
verstanden
ein Kind
braucht die
Mutter
habe keine
Lust
Habe Angst,
falsche
Entscheidunge
n zu treffen
die haben alle
ein anderes
Leben
Angst vor
Schlangen
keine Freizeit
fremdgegangen
ganz für mein
Kind da ist
derzeit keinen
Sex lebt
die nicht weiß,
wie Zukunft
aussieht
die sich
nirgends
zugehörig
fühlt
S
• Schlange
• Kind in Armen
• Spaghetti
• Mülleimer
• dunkle Ecken
• Natur
• Anblick des
Partners
O
PV1
Grundannahmen
kogn: wie
aus vertikaler VA grauslig
emot.: Angst,
Grauen
motor.: Unruhe
phys.: mir wird
schlecht
Schweiß
Brechreiz
Harndrang
PV2
• weglaufen
• wirft Kind weg
• vermeidet
kochen
• lässt Müll im
Raum
• kann Kleidung
nicht
herrichten
• geht nicht
• vermeidet Sex
K
Angst C ―
• soz. Isolation –
• Schuld/Reue –
• Schuld –
• Abhängigkeit –
Hilfe +
• Abhängigkeit –
Hilfe +
• Isolation + Schuld
• Schuld/Ruhe - +
VERHALTENSTHERAPIE - LITERATUR
Grundlagen
•
•
•
•
•
•
Beck J.: Praxis der Kognitiven Theorie. Beltz, 1999.
Kanfer F. H., Reinecker H., Schmelzer D.: Selbstmanagement-Therapie. SpringerVerlag,Berlin 2006.
Margraf J., Schneider S.: Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1: Grundlagen,
Diagnostik, Verfahren, Rahmenbedingungen (ursprünglich in 2 Bänden erschienen),
3. vollständig bearbeitete und erweiterte Auflage, Springer-Verlag 2009.
Linden M., Hautzinger M.: Verhaltenstherapiemanual: Techniken, Einzelverfahren
und Behandlungsanleitungen. 2004
Lenz G., Küfferle B.: Klinische Psychiatrie. Facultas, UTB. 2002
Parfy E., Schuch B. & Lenz G.: Verhaltenstherapie. Moderne Ansätze für Theorie
und Praxis. Facultas, UTB. 2003.
VERHALTENSTHERAPIE - LITERATUR
Kognitive und Emotionsfokussierte Verfahren
•
•
•
•
•
•
Beck, J. (1999). Praxis der Kognitiven Therapie. BeltzPVU.
Young, J.E., Klosko, J.S. & Weishaar, M.E. (2008). Schematherapie. Ein
praxisorientiertes Handbuch. Junfermann
Linehan, M. (1996) Dialektisch-Behaviorale Therapie der BorderlinePersönlichkeitsstörung. CIP-Medien
Roediger, E. (2008). Praxis der Schematherapie: Grundlagen-AnwendungPerspektiven. Schattauer.
Lammers, C. H. (2006). Emotionsbezogene Psychotherapie: Grundlagen, Strategien
undTechniken. Schattauer.
Was man hört, wenn man Profis fragt: „Wo geht‘s denn hier zum Bahnhof?“
Es antwortet .....
Ein Philosoph:
Ein Gesprächstherapeut:
Ein Beamter:
Ein Psychoanalytiker:
Ein Telefonseelsorger:
Ein Verhaltenstherapeut:
Ein Gestalttherapeut:
Ein Hypnotherapeut:
Ein Familientherapeut:
Ein Psychiater:
Ein Bioenergetiker:
Ein Sozialarbeiter:
Ein Soziologe:
Ein NLP‘ler:
Ein Coach:
Ein Moderator:
Ein Priester:
„Der Weg ist das Ziel“
„Sie möchten wissen, wo der Bahnhof ist?“
„Ich hab‘ Mittagspause“
„Sie meinen diese dunkle Höhle, wo immer etwas langes rein- und rausfährt?“
„Weiß ich nicht, aber wir können gern darüber sprechen.“
„Heben Sie den rechten Fuß. Schieben Sie ihn nach vorne. Setzen Sie ihn auf.
Sehr gut. Hier haben Sie ein Bonbon.“
„Du, lass es voll zu, dass du zum Bahnhof willst.“
„Schließen Sie die Augen. Entspannen Sie sich. Fragen Sie Ihr Unterbewusstsein, ob es Ihnen bei der Suche behilflich sein will.“
„Was ist dein sekundärer Gewinn, wenn du mich nach dem Weg zum Bahnhof
fragst?“
„Seit wann bedrängt Sie diese Frage?“
„Machen Sie mal sch... sch... sch...“
„Keine Ahnung, aber ich fahr dich schnell hin.“
Bahnhof? Zugfahrt? Welche Klasse?
„Stell dir vor, du bist schon am Bahnhof. Welche Schritte hast du zuvor getan?“
„Wenn ich Ihnen die Lösung vorkaue, wird das ihr Problem nicht dauerhaft
beseitigen.“
„Welche Lösungswege haben Sie sich schon angedacht? – Schreiben Sie
alles hier auf diese Kärtchen.“
„Heiliger Antonius, gerechter Mann, hilf, dass er ihn finden kann. Amen.“
Du musstest mit 9 Jahren erleben, dass
eine heile Welt von heute auf morgen zusammenbricht, dass Unerwartetes aus heiterem Himmel
passieren kann.
Die schönsten Situationen wie Weihnachten
etc. waren immer von der Trauer der
Mutter überschattet. Auf Schönes folgt
Katastrophe
copyright schmidererfoto
Schema – Memo:
Schema Negativität/ Pessimismus
Arbeiten mit "Stühlen"
• Einen aktuellen inneren Konflikt aufgreifen und auf Stühle setzen (evtl. mit einem
Copingmodus beginnen, bis der dahinterstehende Eltern- oder Kind-Modus
deutlich wird).
• Mit dem Teil beginnen, der im Vordergrund steht (erst zum Therapeuten sprechen
lassen, dann zum anderen Stuhl).
• Den anderen Teil fragen, wie er das Gesagte erlebt, Therapeut paraphrasiert und steigert bei Bedarf (Konflikt "heiß machen" um den
DISTANZIERTEN BESCHÜTZER zu umgehen. Dabei rasch wechseln.)
• Auf der Kindseite immer wieder nach Gefühlen fragen (woher kennen Sie
das Gefühl von früher?) Bewältigungsmodi benennen (Kompensierer,
Selbstentwerter, distanzierter Beschützer, ärgerlicher Beschützer) und
"rausnehmen". Auch den abgespaltenen Kindmodus zu sprechen bringen,
Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen erfragen.
• Patient auf "gesunden Erwachsenen-Stuhl" setzen und innere
Spannung fühlen lassen (dieser "bricht "daraufhin oft "zusammen").
Dadurch kann gezeigt werden, warum die Patienten in die Bewältigungsmodi
gegangen sind.
• Evtl. nochmal mit dem Kind im Sinne einer Exposition weiterarbeiten.
Arbeiten mit "Stühlen"
• Der gesunde Erwachsene geht aus einer wahrhaftig-rationalen Sicht auf die Modi
ein: Das Kind wird unterstützt und versorgt, der Elternmodus entmachtet und
zurückgewiesen. Der gesunde Erwachsene kann evtl. angemessene gute
Absichten der Elternmodi übernehmen ("ja, dennoch....").
• Hier muss der Therapeut anfangs häufig mit Vorschlägen helfen. Die Patienten
müssen die Reaktionen des gesunden Erwachsenen aber dann selbst zu den
Modi in direkter Rede aussprechen. Auf Körperhaltung achten!
• Der gesunde Erwachsene entwirft einen konkreten Lösungsvorschlag.
• Zur Absicherung geht der Patient nochmal auf die Außenstühle: Die Kindseite wird
gefragt, ob sie zufrieden ist und "mitzieht". Die inneren Eltern müssen die Macht
an den gesunden Erwachsenen abgeben und einem Verhaltensexperiment
zustimmen. Gegebenenfalls kann bei sehr rigiden Elternmodi deren Stuhl vor die
Tür gestellt werden.
• Der gesunde Erwachsene fühlt noch einmal den Unterschied (auch körperlich).
• Innere Antworten des gesunden Erwachsenen für Aktivierungssituationen werden
festgelegt und eingeübt (für das Schematagebuch).
RÖDIGER (2010)

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