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Report
CRPS
CHRONICAL REGIONAL PAIN
SYNDROM
AUS PHYSIOTHERAPEUTISCHER SICHT.
SYNONYME CRPS








Algodystrophie
Neuroalgodystrophie
Causalgia
Sudeck Syndrom / Sudeckse Dystrophie
Syndrome de Leriche-Sudeck
Transient Osteoporosis
Schulter-Hand Syndrom
Reflex Sympathetic Dystrophy
IASP
 International association for the study of pain
 Gegründet in 1973, auf Wunsch der WHO von John
 Bonnica
 Erteilte dem kanadischen Psychiater Harold Merskey
den Auftrag eine Taxonomie zu erstellen.
Erste Taxonomie CRPS
 1986: Harold Merskey
 «Ein kontinuierlicher Schmerz in einem Abschnitt
einer Extremität nach einem Trauma, das eine
Knochenfraktur einschliessen kann, eine Verletzung
eines grösseren Nervs jedoch ausschliesst»
1988
Erste internationale Konferenz IASP
 Taxonomie CRPS specifizieren.
 Alle 10-15 Jahre anpassen an wissenschaftlichen
Studien und Ergebnissen
 Neue Taxonomie:
CRPS
 Anfängliches Vorkommen eines schädigenden Ereignisses, oder eines Anlasses
für eine Immobilisierung.
 Anhaltender Schmerz, Allodynie oder Hyperalgesie stehen in einem
Missverhältnis zum auslösenden Ereignis.
 Anhaltspunkte für ein jemaliges Vorhandensein eines Ödems, einer Veränderung
der Hautdurchblutung oder einer abnormen Schweissbildung.
 Die Diagnose ist ausgeschlossen, wenn Verhältnisse bestehen, welche das
Ausmass der Schmerzen und der Funktionsstörung anderweitig erklären.

Typ I : Ohne Anhaltspunkt für Schädigung eines grösseren Nervs.
 Typ II: Mit Anhaltspunkt für eine solche Schädigung.
VEREINFACHUNG DER DIAGNOSE
ERGÄNZENDE KRITERIEN
 Andauernde Schmerzen, die in einem Missverhältnis
zum auslösenden Ereignis stehen.
 Jeweils EIN Symptom (subjektive Beschwerde) aus 3
von 4 Kategorien.
 Jeweils EIN Zeichen (klinische Befunde) aus 2 von 4
Kategorien.
 Keine andere Diagnose, welche die Schmerzen
anderweitig erklärt als das CRPS.
SYMPTOMEN IN UNSEREN PRAXEN




Motorische Störungen
Sensorische Störungen
Autonome Störungen
Trophische Störungen.
VERDACHT AUF CRPS BEI EINEM
PATIENTEN
 Sekundär, selten primär.
 = Patient ist eine Weile in der Therapie, man merkt
dass der Therapieverlauf nicht so ist wie er sein sollte.
 Oder der Patient reagiert ganz anders auf unsere
Therapie als erwartet.
 Oder es gibt unerwartete Rückschläge während der
Therapie.
MOTORISCHE STÖRUNGEN
 Muskelatrophie
MOTORISCHE STÖRUNGEN
 Kontrakturen.
MOTORISCHE STÖRUNGEN
 Myoklonie betrifft oft die
Gesichtsmuskulatur.
 (Schnelle Muskel Zuckungen).
SENSORISCHE STÖRUNGEN
SCHMERZ
AUTONOME STÖRUNGEN




Rötung
Schwellung (Ödem)
Erhitzung der Haut
Schweissbildung
TROPHISCHE STÖRUNGEN
AKTIVE THERAPIE
BEI CHRONISCHEM SCHMERZ
 Aus Hirnaktivitätsstudien ist bekannt, dass das
Denken oder Sehen einer Bewegung fast das gleiche
Hirnareal aktiviert, als würde die Bewegung effektiv
durchgeführt.
 Daraus resultiert auch die klinische Erfahrung, dass
Patienten ihre Schmerzmatrix aktivieren, obwohl sie
noch keine Bewegung durchführen.
DIE GRADUELLE IN-VIVOEXPOSITION
 Der Physiotherapeut probiert eine praktische
Rekonzeptualisierung der Bewegung zu erreichen um die
falsche Vorhersage des Patienten über die Empfindlichkeit
der Bewegung zu korrigieren.
 Der Fokus liegt auf den spezifischen, individuellen
Situationen oder Aktivitäten, die die schmerzbezogene
Angst auslösen:
 Edukativer Teil: Der Patient wird aufgeklärt über
Schmerzmechanismen und Angstvermeidungsverhalten.
BEISPIEL: FAUST MACHEN
HAND RECHTS: FAUST MACHEN NICHT
MÖGLICH + SCHMERZEN
 1)
 2)
 3)
 4)
Hand links: Dich vorstellen eine Faust zu
machen ohne Schmerzen.
Hand rechts: Das Gleiche auch als Heimübung.
Hand links: Eine Faust machen ohne Schmerzen
Hand rechts: Probieren das Gleiche zu erreichen.
Mobilisationen, Traktionen, aktive Übungen, Massage,
Lymphdrainage, Kälte/Wärme, Elektro usw.
AKTIVE THERAPIE
(Endphase)
PASSIVE THERAPIE
SCHWELLUNG / ÖDEM
 Lymphdrainage
 Sehr wirksam
 Angenehm
 Nicht schmerzhaft
BEISPIEL 1








Patient: Männlich, 55Jr, St.n. Hallux valgus re. Ops.
Nach 6 Wochen: Anfang Physiotherapie mit dem Ziel:
1)
Lockerung/Detonisation der Weichteile.
2) Mobilisation aller Fussgelenke, speziell MTP, IP I
und IT I/II.
3) Dehnung der Fuss- und Unterschenkelmusk.
4) Kraftübungen der Fuss- und Unterschenkelmusk.
5) Stabilitätstraining.
6) Heimprogramm.
BEISPIEL 1
 Vor der Physiotherapie: Röntgenkontrolle: « Es ist noch
nicht 100% zusammengewachsen aber die Therapie darf
vorsichtig angefangen werden»
 Der Patient hat Schmerzen im ganzen Fuss, die mediale
Hälfte des Fusses ist leicht rot, minim geschwollen und
zeigt Schweissbildung schon nach ein paar Minuten
Therapie.
 Die Schmerzen nehmen zu nach sanften
Weichteiltechniken.
 Der Patient bekommt etwas Angst vor der Therapie, macht
keine Heimübungen mehr weil es weh tut.
BEISPIEL 1
 Normalerweise sollte der Physiotherapeut jetzt
Kontakt aufnehmen mit dem Hausarzt und seine
Vermutung bekannt machen.
 Wie gehen wir weiter? Muss die Therapie gestoppt
werden? Sollte der Patient nur Medikamente
bekommen? Wenn ja…welche? Oder sollte eine
Kombination erfolgen, Therapie mit medikamentöser
Unterstützung?
 = spätere Diskussion heute Abend!
BEISPIEL 2
 Patient: Weiblich, 52Jr, Computerprogrammeurin,
St.n. böser Sturz beim snowboarden mit distaler
Radiusfraktur li, Luxation MCP II und Fraktur
proximaler Phalancs II + MC III.
 Die Patientin kommt nach 6 Wochen in die
Physiotherapie und gibt an, dass es so schnell wie
möglich gut werden muss, lieber gestern als heute.
BEISPIEL 2







Ziel der Physiotherapie nach 6 wochen postops:
1) Lockerung/Detonisation der Weichteile.
2) Mobilisation aller Hand- und Unterarmgelenke.
3) Dehnung der Hand- und Unterarmmusk.
4) Kraftübungen der Hand- und Unterarmmusk.
5) Stabilitätstraining.
6) Heimprogramm.
BEISPIEL 2
 Schon nach einer Behandlung: deutliche Allodynie, Rötung,
Schwellung, Schweissbildung, heftige Schmerzen in
Ruhezustand, wenn sie nur schon denkt an eine Bewegung
der beteiligten Gelenken hat sie Schmerzen / Angst.
 Die Patientin ist ungeduldig und böse mit sich selber:» wie
kann man so blöd sein so ein Unfall zu bauen», böse mit
dem Chirurgen:» Der hat sicher etwas vergessen, eine Gaze
oder sonst etwas, böse mit dem Spital:» Die können nicht
mal steril arbeiten». Zu mir blieb sie noch sehr anständig
aber ich bin sicher dass auch der Therapeut gar keine
Ahnung hat.
BEISPIEL 2
 Nach einem einfühlsamen Gespräch stellt sich heraus, dass
in ihrer Firma Restrukturierungen angekündigt wurden,
30% der Belegschaft ihrer Abteilung «muss raus», die Alten
sind zu teuer und sie ist sich bewusst, dass es nicht leicht
wäre in ihrem Alter einfach einen neuen Job zu finden. Es
ist aber noch nicht einmal sicher, dass sie gehen muss.
 Hier haben wir eindeutig auch zu tun mit einem
vegetativen Komponenten.
 PS: Nachdem sie erfahren hat, dass sie nicht entlassen
wird, ging es mit ihr rasant bergaufwärts.
BEISPIEL 2
 Ist das ein CRPS ? Oder ein reines psychosomatisches
Problem?
 Ist es eine Kombination? CRPS verschlimmert durch
ihre psychosoziale Probleme?
 Physiotherapie ohne Pause weiterführen?
 Medikamente ja oder nein?
 = spätere Diskussion heute Abend.
BEISPIEL 3
 Patient: Weiblich, 78 Jr, Mittelschwere Osteoporosis,
St.n. dist. Radiusfraktur re. vor 2 Jahren.
 Dazumal deutliche Diagnose CRPS (intensive
Schmerzen, Schweissbildung, Rötung, Schwellung,
Bewegungsangst, Kontraktur M.Flex.Digitorum
Profundus).
BEISPIEL 3
 Ziel der Physiotherapie vor 2 Jahren:
 Die graduelle In-vivo-Exposition.






1)
2)
3)
4)
5)
6)
Lockerung/Detonisation der Weichteile.
Mobilisation aller Hand- und Unterarmgelenke.
Dehnung der Hand- und Unterarmmusk.
Kraftübungen der Hand- und Unterarmmusk.
Stabilitätstraining.
Heimprogramm.
BEISPIEL 3
 Die Patientin war nach 6 Monaten geheilt nur die
Kontraktur des Musk. Flex. Dig. Prof. nicht.
 Sie kam nach 1 Jahr wegen dem in die Physiotherapie.
 Fragestellung/Diskussion:
 Immer noch eine Diagnose CRPS?
 Wie behandeln? Mit/Ohne Medikamente?
DISKUSSION
FRÜHER UND JETZT
 Aktive- und passive Therapie nur wenn es ANGENEHM für
den Patienten ist.
 Es wird/wurde gearbeitet nach der Gate Control Theory;
Wenn man Typ II afferente Fasern stimuliert, bremst das
die Aktivität der Typ IV afferente Schmerz-Fasern.
 Heute gibt es immer mehr wissenschaftliche Studien, die
empfehlen auch im Schmerz hinein zu behandeln mit
aktiver- und passiver Therapie.
AUS VERSICHERUNGSMEDIZINISCHER SICHT
Das CRPS verursacht(e) erhebliche Kosten:
Von der SUVA wurden im Jahr 2000, 702 CRPS-Fälle registriert. Bei
diesen Patienten wurden bis 2009 durchschnittliche Fallkosten von
CHF 152’000,- verursacht.
49% dieser Patienten erhielten eine IV-Rente.

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