Wissenschaftstheorien_Ehlers

Report
Einführung in die
Wissenschaftstheorie
Prof. Dr. Ulf-Daniel Ehlers
DHBW
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Veranstaltungstermine
• 29.10.2012, 16:30-19:45
• Thema: Wissenschaftstheorie
• 12.11.2012, 13-19 Uhr
• Thema: Wissenschaftstheorie
• Einführung Methoden empirischer Sozialforschung
• 16.11.2012, 13-15 Uhr
• Thema: Methoden empirischer Sozialforschung
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Wo ist Wissenschaft im Alltag?
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Was sind populäre
Wissenschaftsthemen?
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• The strength of weak ties
Mark Granovetter
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• Connectivism
Georg Siemens
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Serendipity
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Was sind populäre Köpfe in der
Wissenschaft?
9
Was sind wissenschaftliche
Erfindungen, die wir nutzen?
• Internet
• MP3 + 4
• …?
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Was sind charakteristka von
Wissenschaft?
• Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten
„Wissenschaft“ definieren?
• 5 Minuten, Kartenabfrage
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Wissenschaft–Theorie–Wissenschaftstheorie
Was ist Wissenschaft?
 Systematische Tätigkeit: neue Erkenntnisse hervorbringen,
Fragen stellen, Vorhersagen treffen
 Arbeitet prognostisch, normativ oder empirisch
 Arbeitet entlang einer benennbaren Methodik
 Bietet detailgenaue Beschreibungen, Erklärungen und
Interpretationsvorschläge
 Belegbarkeit, Überprüfbarkeit, Reproduzierbarkeit
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Was ist Wissenschaft?
Beansprucht allgemeine Gültigkeit? Produziert
letztgültige Wahrheiten? Oder macht Vorschläge
in einem offenen Diskussionsprozess?
Unterschied zwischen Meinung und Wissen,
zwischen Wissenschaft und Ideologie – was als
Ideologie gilt, ist geknüpft an gesellschaftliche
Bedingungen
Denken und Arbeiten innerhalb eines
institutionalisierten Rahmens – Spielregeln
und Zwänge des Wissenschaftsbetriebs
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Wissenschaftstheorie PS TEF 2
Was tun WissenschafterInnen?
Beobachten, beschreiben, erklären, interpretieren ...
ABER
 Fakten werden nicht durch korrekte Methoden „entdeckt“,
sondern „geschaffen“ und interpretiert
 Auswahl der Studienobjekte, Perspektive,
Untersuchungseinheit ... entscheidet über Erkenntnis!
 Auswahl ist nicht neutral: theoretisches Grundverständnis,
persönliche Erfahrungen und Vorlieben, ontologische
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Position des/der Forschenden ...
Wissenschaftstheorie PS TEF 2
Forschungsprozess beginnt mit VorUrteilen, aber ....
 intersubjektive Überprüfbarkeit
 methodische Nachvollziehbarkeit
 Beweis- und Begründungspflicht
 „Öffnen“ für Prüfung, Diskussion, Kritik
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27
Was tun WissenschafterInnen?
Beobachten, beschreiben, erklären, interpretieren ...
ABER
„(E)very statement of fact implies
assumptions about what is
considered factural ...“
Kees van der Pijl
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Was ist Theorie?
 vollständige, durchgängige, in sich widerspruchsfreie
und präzise Erfassung des Gegenstandes
 Logische Aussagen und Thesen darüber, wie die
soziale Welt strukturiert ist, wie sie „funktioniert“
 wie ihre Teile und diese mit dem „Ganzen“
zusammenhängen
 Entwickelt eine eigene Sprache, hat eine bestimmte
Grammatik, legt Bedeutungen fest
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Was ist Theorie?
 Theorie = modellhaft, die abstrakte Essenz
abbildend
 Entwicklungen der Vergangenheit erklären
und Voraussagen für die Zukunft treffen
 intersubjektiv überprüfbar (Empirie!)
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Wozu Theorie?
 um Informationen / „Fakten“ zu ordnen
 Werkzeuge, um die soziale Welt zu verstehen bzw.
zu deuten
 Probleme zu definieren
 Möglichkeiten für Handeln zu erkennen bzw. zu
entwerfen
 Den Radius des Mach- und Denkbaren, des Sagund Wissbaren erweitern
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Wozu Theorie?
Theorie beeinflusst die Wahl des
Untersuchungsgegenstandes &
die Interpretation der Ergebnisse
„theoriegeleitete Forschung“
„theoriebeeinflusste Fragestellung“
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Ausgewählte Zitate: Theorie
Theory is a set of logical propositions
…about how the real world is structured,
or the way in which it operates (…)
which aim to explain how development has
occurred in the past, and/or how it should
occur in the future.
Robert P. Potter (2002)
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Theorie – „Große Erzählung“ – Ontologie
Was ist Theorie?
Theoretical perspectives serve to define the
nature of and the problems within the „real
world“ of the political economy.
General theory or ontology (…) involves
assumptions regarding the nature of a lived
reality, the way that parts of this reality relate
to the whole, and how that reality changes or
might change over time.
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Stephen Gill (1993)
Theorie – „Große Erzählung“ – Ontologie
Was ist Theorie?
There is no theory in itself,
no theory independent of a concrete
historical context. (...)
Theory is always for someone and for
some purpose.
Robert Cox (1995)
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Was ist Wissenschaftstheorie?
 Wissenschaftstheorie setzt sich mit den
Bedingungen auseinander, unter denen
Wissenschaft entsteht und betrieben wird
 Reflexion über Theorie und die
Konstruktionsregeln von Wissenschaft
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Scherer 2012, Züric
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Wissenschaftstheorie – wozu?
 Welche (Vor-)Annahmen haben wir über die
soziale Welt, die wir beforschen?
 Wie positionieren wir uns selbst als
Forschende?
 Wie und mit welchen Techniken können wir
soziale Phänomene erkennen und erforschen?
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Ein klares Verständnis über unsere
Annahmen ist notwendig, um
 Verwirrung bei der Diskussion von theoretischen
Standpunkten und Zugängen zu vermeiden
 andere Positionen zu erkennen und die eigenen
Positionen zu begründen
 den Zusammenhang zwischen den
Schlüsselkomponenten von Forschung – soziale
Realität, Erkenntnisprozess und
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Methodologie/Methoden – zu verstehen
Der Begriff der Wahrheit
Subjektivität – Objektivität –
Intersubjektivität
• Ist absolute Objektivität möglich?
• unterschiedliche Wahrnehmung von „Realität“ (Welt 1) z.B. durch
•
•
•
•
•
•
Selektion der Eindrücke
Vorverständnis von Begriffen/Prägungen
Assoziationen
Kenntnisstand bei Beobachtung
Verfügbarkeit von Messinstrumentarien
Abhängigkeit der Messergebnisse von Größenkonventionen
• Deshalb keine absolute Objektivität möglich
© Anselm Dohle-Beltinger
2010
Grenzen der Wahrnehmungspräzision
Wo sind die
Grenzen von
türkis?
•
•
•
•
Beschreibungen können nicht nachvollzogen werden
Theorien können nicht überprüft werden
keine „Wahrheit“, sondern nur „Meinung“
kein Erkenntnisgewinn möglich
© Anselm Dhle-Beltinger
2010
Ist Subjektivität
wünschenswert?
Lösung: Intersubjektivität =
„relative“ Objektivität
• anerkennt Unmöglichkeit der absoluten Objektivität
• verhindert reine Subjektivität; verlangt Wiederholbarkeit der
Feststellung = Reliabilität
• verlangt Nachvollziehbarkeit der Kategorisierung durch jedermann
durch jeden Qualifizierten
• durch Beschreibung der Kategorien
• Erarbeitung von zusätzlichen Prüfverfahren, die unabhängig vom
Einzelbeobachter sind (maschinelle Messung o.ä.)
Verifikation und Falsifikation
Aussage über Theoriebestätigung
• Gültigkeit/Wahrheit einer Theorie
• nur dann wahr, wenn alle Aussagen logisch aufeinander aufbauen
und einzeln positiv nachweisbar =
Theoriebildung durch verifizieren (Verifikation)
oder
• schon dann (und nur solange wie) wahr/gültig, wenn ich keine der
Theorie widersprechende Beobachtung mache =
Theoriebildung durch falsifizieren (Falsifizierung)
• Die Qualität einer Theorie ist um so besser, je leichter sie
sich falsifizieren lassen müsste, aber nicht lässt
Der Status quo
• Falsifikation
• Gewinnung meist durch Induktion
• Paradigmen als Tatsache und Herausforderung, auf anderen Wegen
zu denken akzeptiert
• schwer, einmal falsifizierte Theorien endgültig zu beseitigen (anders
z.B. ptolemäisches und kopernikanisches Weltbild)
• Änderung der Umstände oder von deren Wahrnehmung kann sie
wieder aktivieren
Allgemeine Grundsätze
wissenschaftlichen Arbeitens
(1)
• Bei jeder Untersuchung ist die Art des Gegenstandes zu klären.
• In der Phase der Ideensuche zur Lösung einer Frage oder eines
Problems sind prinzipiell alle Methoden erlaubt.
Kriterien jeglicher
Informationsbeschaffung
• Gesuchte Daten
• Relevanz, d.h.nur problembezogene Daten
• Vollständigkeit (Kosten!) der relevanten Daten
• Intersubjektivität (Nachvollziehbarkeit für Dritte)
• Reliabilität (Reproduzierbarkeit der Daten/Ergebnisse)
• Validität (Repräsentativität der Beobachtungen für die Grundgesamtheit)
Sonst Missinterpretation, Spekulation oder gar Fälschung zu erwarten
Allgemeine Grundsätze
wissenschaftlichen Arbeitens
(2)
• Ideensuche mit klar definierten Aussagen beenden
Diese Aussagen sind Hypothesen. Popper formuliert die Regel: Je
spezifischer und genauer Hypothesen sind, desto besser sind sie, weil sie
leichter widerlegt werden können. Hält eine Hypothese dann dennoch
stand, dann ist sie auch brauchbarer.
• zweckmäßig, stets mit einer Gliederung zu beginnen
es zeigt sich, welche Gliederungsteile sich bewähren, welche wegfallen
und welche ergänzt werden müssen
Allgemeine Grundsätze
wissenschaftlichen Arbeitens
(3)
• Ergebnisse: Trennen zwischen
• rein beschreibenden (deskriptiven) und
• empfehlenden (normativen) Aussagen
• für Letztere: Basis der Bewertung offenlegen; dann kann über
Werturteil rational gesprochen werden, selbst wenn keine
Einigkeit über die Werte herrscht.
• Es interessieren nicht nur die zielführenden Wege, sondern
auch die verworfenen und die Gründe dafür
Grundlegende Begriffe
 Ontologie: Lehre des Seins
Was existiert? Was kann erforscht werden?
 Epistemologie: Lehre des Wissens
Was können wir wissen? Wie können wir Wissen
erlangen?
 Methodologie: Lehre von den Methoden
Mit welchen Mitteln und Methoden kann
systematisch Wissen gewonnen werden?
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Wissenschaftstheorie PS TEF 2
Grundlegende Begriffe
 Methodologie: Lehre von den Methoden
Mit welchen Mitteln und Methoden kann
systematisch Wissen gewonnen werden?
 Methode: Art und Weise des Vorgehens, um
ein bestimmtes Ziel mit bestimmten Mitteln zu
erreichen
 Quellen
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58
Grundlegende Begriffe
Ontologie
What is out there to know about?
who we are
Epistemologie
Methodologie
What and how can we
know about it?
how to know
How can we go about
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acquiring knowledge?
how and what to do
Warum sich damit auseinandersetzen?
Ontologische und epistemologische Positionen …
“should not be treated like a
sweater that can be `put
on´ when we are addressing
such philosophical issues
and `taken off´ when we
are doing research.”
“They are like a
skin not a sweater:
they cannot be put
on and taken off
whenever the
researcher sees fit.”
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...prägen Zugang zu Gegenstand, Theorie, Methoden
Quelle: Marsh/Furlong 2002
Rationalismus
• Rene Descartes (15961650): „Ich denke, also
bin ich.“
• Die Sinne können
täuschen, deshalb kann
ich mich nur auf die
Vernunft verlassen.
• Geometrie als ideale
Wissenschaft
Empirismus
• Francis Bacon (1561-1626):
„Wissen ist Macht“
• Alles Wissen stammt
letztendlich aus der
Sinneserfahrung.
• Induktion: Durch genaue
Beobachtung erkennen wir
Strukturen und
Regelmäßigkeiten.
• Je höher die Zahle der
Beobachtungen
(Experimente) desto
glaubwürdiger die
abgeleiteten Sätze
Hume: Das Induktionsproblem
Vorgehensweisen
• Wie gewinnen wir Theorien?
• induktiv
• deduktiv
• aus Paradigmen
Induktion
• Mehrere Beobachtungen
 Querverbindungen suchen
 erklärender Grundsatz
 nächste Abstraktionsebene der Theorie
 Ursprung des Geschehens.
Beispiel Newton und die Gravitation:
Beobachtung: 5 verschiedene Gegenstände fallen alle auf der gleichen
Linie zu Boden;
Theorie: Jeder Gegenstand fällt auf gleicher Linie zu Boden (Bei
Federn z.B. im Vakuum)
Höhere Ebene: die größere Masse zieht die kleinere in Richtung ihres
Schwerpunktes.
Fragen zur Induktion
• Muss ich nicht schon eine Vorstellung von der Theorie haben,
um die richtigen Beobachtungen zu machen?
• Kann ich eine derartige Theorie verifizieren, wenn ich doch
nur eine endliche Anzahl von Beobachtungen habe?
Deduktion
• Bei der Deduktion gehe ich von einer allgemeinen Forderung
(Postulat) aus und leite daraus zunehmend konkrete und damit
beobachtbare Forderungen ab.
Beispiel Heisenbergs Unschärfetheorem:
• Bei kleinsten Teilchen ist nicht zugleich Lage und Bewegung
beobachtbar.
• Untere abgeleitete Theorieebene: ich kann nur
Aufenthaltswahrscheinlichkeiten angeben.
• Beobachtung: Die Aufenthaltsorte der Elektronen lassen sich nur
als Wolken, nicht als feste Bahnen beschreiben.
Fragen zur Deduktion
• Ist es akzeptabel, dass zunächst ohne Rücksicht auf die
Wirklichkeit einfach postuliert wird?
• Ist eine Theorie schon bei einem Gegenbeispiel falsch?
Paradigma (Pl.: ~men/~mata)
• Es handelt sich dabei um allgemein akzeptierte, nicht weiter
hinterfragte Theorien, auf denen wiederum andere aufbauen.
Paradigmen werden vielfach als die bequeme Antwort der
Wissenschaftler auf die unbequemen Fragen, die aus einer
Falsifizierung resultieren, angesehen.
Paradigmenwechsel
VWL:
• Die Wirtschaft läuft besser ohne staatlichen Eingriff (neoklassisch;
angebotsorientiert) oder
• staatliche Eingriffe sind unumgänglich für Stabilität und Wachstum
(keynesianisch; nachfrageorientiert)
BWL:
• Motivation oder Zielvereinbarung;
• Visionäre Kraft des Unternehmers und Alleinherrschaft oder
Teamkonzepte.
Karl Popper (1902-1994):
Kritischer Rationalismus
• Aufgrund des Induktionsproblems wissen wir nie, ob wir
die Wahrheit erreicht haben, wir nähern uns dieser aber
permanent an.
• Falsifikation statt Verifikation
• Hält eine Theorie der Prüfung hingegen stand, so
bewährt sie sich, ohne dass die Theorie dadurch besser
(wahrscheinlicher, glaubwürdiger) wird.
• Falsifikation als Kriterium für wissenschaftliche Aussagen.
• An die Stelle des Beweisdenkens tritt die Idee der
kritischen Prüfung.
• Marxismus und Psychoanalyse hält Popper nicht für
Wissenschaft
Karl Popper
• „Ein anderes Kochrezept ist:
Schreibe schwer
verständlichen Schwulst und
füge von Zeit zu Zeit
Trivialitäten hinzu. Das
schmeckt dem Leser, der
geschmeichelt ist, in einem
so ‚tiefen‘ Buch Gedanken
zu finden, die er selbst
schon mal gedacht hat.“
Kritischer Rationalismus
• Relativismus oder Dogmatismus? Und was gibt es dazwischen?
• An die Stelle des Beweisdenkens tritt die Idee der kritischen Prüfung
• „Ich kann mich irren. Vielleicht hast du Recht. Zusammen kommen
wir vielleicht der Wahrheit auf die Spur.“
• Politik: „Wie können schlechte Herrscher unblutig abgeschafft und
Missstände beseitigt werden können.“
statt
„Wie errichten wir die ideale Gesellschaftsordnung?=
• Bewusstsein der Fehlbarkeit
• Forderung nach der ständigen kritischen Prüfung von
Überzeugungen und (wissenschaftlichen) Theorien
• methodisches und rationales Vorgehen bei der Lösung von
Problemen (Methodischer Rationalismus).
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Positivismus
Die Welt existiert
unabhängig von
unserer Kenntnis
über sie
= ontologische Grundposition
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Positivismus
Epistemologische Grundposition
 Geht von der Möglichkeit eines direkten Zugriffs auf
„Wirklichkeit“ aus, die entlang von Regelmäßigkeiten
und kausalen Zusammenhängen organisiert ist
 Beobachtung, Messung, Experiment – lässt nur
gelten, was demonstrierbar und empirisch belegbar ist
 kausale Zusammenhänge feststellen
 empirische Fragestellung (was ist) trennen von
normativen (was soll sein) – Wertfreiheit, Objektivität
 Forscher = getrennt vom Gegenstand, objektiv
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Positivismus
Methodologie / Methoden
 Beobachtung, Messung, Experiment – lässt nur
gelten, was demonstrierbar und empirisch belegbar ist
 quantitative Methoden
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Kritische Einwände gegen Positivismus
 Glaube an eine kausal konstruierte Welt
 Wissenschaft als neutrale Technik
 Objektivität / Irrelevanz des erkennenden Subjekts
 ahistorisches Verständnis von Wissen und
Erkenntnis
 Zentralität quantitativer Methoden
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Konstruktivismus
Die Welt ist sozial /
diskursiv konstruiert.
Subjekte agieren auf
Grundlage ihrer Werte und
Erwartungen –
Gesellschaft kann man
sich nur denken als
intersubjektiv konstruiert
Hermeneutik
Die Welt ist nicht
unmittelbar und
eindeutig erfahrbar
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Hermeneutik
Epistemologische Grundposition
 Der Beobachter versteht soziale Handlungen / Akteure
durch Empathie
 Dem Verstehen liegen immer Prämissen zu Grunde
 Kunst der Interpretation (von Texten, von Handlungen)
 Prämissen prägen den Zugang zum Gegenstand und
die Interpretation
 Soziale Strukturen existieren nicht unabhängig von
unserer Interpretation
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 Verlangt eine gewisse Forschungsethik
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Konstruktivismus
Epistemologische
Grundposition
 Es gibt keine unmittelbare Erkenntnis
 „Wirklichkeit“ wird nicht abgebildet, sondern erzeugt
 Soziale Strukturen existieren nicht unabhängig von
unserer Interpretation
 (radikaler K.): Jedes Bild, das wir uns von der Welt
machen, ist eine Konstruktion
 Abschied von der Objektivität
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Hermeneutik
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Methodologie / Methoden
 Welt ist nicht unmittelbar und eindeutig erfahrbar
 Wechselseitige Abhängigkeit von Vorannahmen
und Ergebnissen
 Notwendigkeit von Interpretation
 Erschließung von Sinnzusammenhängen
 Fokussierung auf qualitative Methoden
Hermeneutischer Zirkel
Interpretatives Paradigma
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Konstruktivismus
Methodologie / Methoden
 Fakten sind ideologisch geladene „TatSachen“ und keine realen Phänomene
 wissenschaftliche Erkenntnis ist mit Macht
verbunden, nicht mit Wahrheit  relativ,
kontextgebunden, kontingent
 Fokussierung auf qualitative Methoden
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Unterscheidung von Theorien




„problemlösungsorientiert“ vs. „kritisch“
akteursorientiert vs. strukturalistisch
positivistisch vs. normativ
Subjekt-Objekt-Verhältnis
Theorien haben ontologische und
epistemologische Positionen
keine Frage von „rechts“ und „links“
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Wissenschaftstheorie PS TEF 2
Kritische Theorie und integrative
Sozialwissenschaft
Methoden zur
Bearbeitung des
Kulturellen
Theorien
„Vorausgesagtes“
Werte
Ideologien, Deutungen,
Annahmen; „Bevorzugtes“
Soziale Realität
Ideologiekritik
Diskursanalyse
Hermeneutik
Dekonstruktion
Methoden zur
Bearbeitung
der sozialen
Realität
empirischanalytisches
Vorgehen
Daten
84
Analyse des Konkreten
„Beobachtetes“
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Theorien und ihre Ontologien &
Epistemologien – Beispiele
Akteursorientierte Theorien:
Rational Choice, Public Choice
 Ausgangspunkt = individuelle Einheit (Individuum,
Staat) – agiert in der Welt auf der Grundlage von
Eigeninteressen
 Die Welt (Gesellschaft) ist die Summe dieser
Handlungen
 Ereignisse haben ihren Ursprung im individuellen
Subjekt, das in der Welt aktiv wird
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Strukturalistische Theorien:
Regulationstheorie
 Kapitalistische Ökonomie, (National-)
Staaten als regulative Instanzen
 Handeln bleibt innerhalb funktionaler
Grenzen
 Soziale Klassen und Klassenkonflikt,
regulierender Staat
 Problemlösend: Datensammlung für
staatliche Intervention und Regulierung
(positivistisch)
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 Kritische Theorie: historische Analyse von
Akkumulationsweisen und -regimen
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Weltsystemansatz
 Kapitalistische Weltwirtschaft, entwickelt sich seit
dem 16. Jahrhundert zu einem starken System
 Aufstieg und Niedergang der
hegemonialen Staaten
 Staaten – Gesellschaften – Klassen
 Peripherie – Zentrum
 Lange Wirtschaftszyklen unter wechselnder
Dominanz von produktivem und Finanzkapital
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 Historisch-positivistisch (Annales-Schule)
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Marxistische Imperialismus- und
Abhängigkeitstheorien
 Ungleiche Entwicklung
 Konflikt und Krieg, Ausbeutung
 Geschichte ist die Geschichte eines
Kampfes mit offenem Ausgang
 Gesellschaft (Objekt) besteht aus sozialen
Klassen (Subjekte)
 Kritisch-dialektisch: gegen Harmonie,
88
Widersprüche! Wissen hat
Klassencharakter
Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
(Neo-) gramscianische
Klassenanalyse
 Klassenfiguration – organische Intellektuelle
 Herstellung von Hegemonie
 transnationale Ebene
 Kritisch: Analyse hegemonialer
Konstellationen, „Kontrollkonzepte“
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Wissenschaftstheoretische Grundpositionen
Struktur und Handeln
Soziale Welt ist Ergebnis von
Gesetzmäßigkeiten oder
Kräften, die unabhängig von
den Akteuren wirken
Ereignisse haben ihre eigene
Dynamik, gemäß inhärenter
Prinzipien, die die Handlungen
der Akteure determinieren
Kollektive historische
Subjekte versuchen, die
Welt zu verändern –
„within the limits of the
possible“
Ereignisse haben
ihren Ursprung im
individuellen
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Subjekt, das in der
Welt aktiv wird
Wissenschaftstheorie PS TEF 2
Literaturhinweise
• Cox, Robert W. (1995): Critical Political Economy. In: Hettne, Björn (ed.):
International Political Economy. Understanding Global Disorder. London: Zed
Books, 31-45.
• Gill, Stephen (1993): Epistemology, Ontology and the "Italian School". In: ders.
(ed.): Gramsci, Historical Materialism and International Relations, 21-48.
• Marsh, David/Furlong, Paul (2002): A Skin, not a Sweater: Ontology and
Epistemology in Political Science. In: Marsh, David/Stoker, Gerry (eds.): Theory
and Methods in Political Science. Basingstoke: Palgrave, 17-41.
• Potter, Robert P. (2002): Theories, strategies and ideologies of development. In:
Desai, Vandana/Potter, Robert B. (eds.): The Companion to Development Studies.
London: Arnold, 61-65.
• Van der Pijl, Kees (o.J.): Sources of Contemporary Theory in Global Political
91
Economy. University of Sussex, Department of International Relations and Politics.

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