Y - Universität Passau

Report
Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff
Universität Passau
WS 2012/13
y,
s.y
y*
f(k)
5. Kurzfristige Schwankungen
c*
(n+d)k
s.f(k)
s.y*
k*
Makroökonomik WS 2012/2013, Prof. Dr. J. Graf Lambsdorff
k
Folie 126
Pflichtlektüre:
Keynes, J.M. (2008), On Air – Der Weltökonom am
Mikrofon der BBC. S. 61-69.
Mankiw, N. G. (2003), Macroeconomics. 5. Aufl. S. 257262.
McDowell, M. et al. (2006), Principles of Economics, S.
703-716.
Taylor, J.B. und A. Weerapana (2009), Economics, 6.
Aufl., S. 640-670.
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Folie 127
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Folie 128
• Wachstum und Konjunktur
Gemäß Wachstumstheorie ist mit einem stetigen Wachstum des BIP zu rechnen.
Aufgrund technologischen Fortschritts kann dies ein wenig schwanken, wird
aber eher einen stetigen Trend aufweisen. Tatsächlich wird aber beobachtet, dass
Phasen des Aufschwungs und Phasen der Rezession, also
unterdurchschnittlichen Wachstums, auftreten. Manchmal fällt sogar das
Inlandsprodukt. Mit dem Inlandsprodukt schwankt auch die Beschäftigung und
Arbeitslosigkeit eines Landes. Es existieren auch Depressionen, besonders
schwerwiegende Rezessionen. Diese periodischen Entwicklungen werden
Konjunkturzyklus genannt. Wie ist ein solches Auftreten von Schwankungen zu
erklären?
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Folie 129
Bruttoinlandsprodukt Deutschland
Niveau, Quartalszahlen, indexiert (2005=100), Wachstum gegenüber Vorjahresquartal
120
10.00
8.00
100
6.00
80
4.00
2.00
60
0.00
40
-2.00
-4.00
20
-6.00
Q1 2010
Q1 2008
Q1 2006
Q1 2004
Q1 2002
Q1 2000
Q1 1998
Q1 1996
Q1 1994
Q1 1992
Q1 1990
Q1 1988
Q1 1986
Q1 1984
Q1 1982
Q1 1980
Q1 1978
Q1 1976
Q1 1974
Q1 1972
Q1 1970
Q1 1968
Q1 1966
Q1 1964
Q1 1962
-8.00
Q1 1960
0
1960-1990: Früheres Bundesgebiet; ab 1991: Gesamtes Bundesgebiet. Datenquelle: International Financial Statistics, IWF
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• Potentielles Inlandsprodukt
Langfristig wird die Produktion durch das Wachstum der Einsatzfaktoren und
den technischen Fortschritt bestimmt, also durch die Angebotsseite einer
Volkswirtschaft determiniert. Dieses Niveau der Produktion nennen wir auch das
„potentielle Inlandsprodukt“ oder die „Vollbeschäftigungsproduktion“.
• Gesamtwirtschaftliche Nachfrage
Kurzfristig wird die Produktion entscheidend von der gesamtwirtschaftlichen
Nachfrage bestimmt. Deren Niveau kann vom potentiellen Niveau abweichen.
Während eines Booms erhöhen Firmen die Produktion, um die zusätzliche
Nachfrage zu befriedigen. In einer Rezession wird die Produktion dagegen
reduziert, um eine hohe Lagerhaltung zu vermeiden.
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• Nachfrage und potentielles Inlandsprodukt
Im Wachstumsmodell waren Produktion und gesamtwirtschaftliche Nachfrage
identisch. Dies resultierte daraus, dass alles Produzierte nur für Konsum- oder
Investitionszwecke verwendet werden konnte. Damit bestimmte das aus der
Wachstumstheorie bekannte potentielle Inlandsprodukt, das wir zukünftig mit 
bezeichnen wollen, die Nachfrage, die wir mit Y bezeichnen.
• Abweichungen der Nachfrage vom potentiellem Niveau
In der Realität können manche Wirtschaftssubjekte aber auch ihre Investitionen
reduzieren und die Ersparnis anderen Investoren zur Verfügung stellen. Sofern
andere die Investition erhöhen, wäre die Nachfrage unverändert. Sofern sie aber
nicht investieren, wäre die Nachfrage geringer als .
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• Sektoren der Wirtschaft
Für die Bestimmung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage müssen die Sektoren
der Wirtschaft einzeln untersucht werden:
 Private Haushalte
 Unternehmen
 Investoren
 Öffentliche Haushalte
 Ausland
• Rückkopplung
Kein Sektor ist alleine verantwortlich für die Bestimmung der
gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Vielmehr beeinflussen die Aktionen eines
jeden Sektors die Nachfrage der anderen Sektoren. Dabei ergibt sich oftmals eine
positive Rückkopplung: Geben die privaten Haushalte viel Geld aus, wollen die
Produzenten viel produzieren und können dann hohe Einkommen verteilen.
Investoren sind dann zuversichtlich bezüglich zukünftiger Erträge und steigern
ihre Investitionen. Dies verstärkt den Boom. Die gegenteilige Entwicklung stellt
sich in der Rezession ein.
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Interaktives
• Konsum
Versetzen Sie sich in Ihre zukünftige Lage im Arbeitsleben. Nach Ihrem
Bachelorabschluss fangen Sie als freier Mitarbeiter bei einer mittelständischen
Firma an und beziehen ein regelmäßiges Nettojahreseinkommen nach Steuern
von € 40.000. Sie sind nicht sozialversichert und besitzen keine relevanten
Vermögensobjekte. Beachten Sie hierzu die weitere Beschreibung auf Ihrem
mobilen Endgerät! Welchen Anteil Ihres Einkommens werden Sie sparen für die
Altersvorsorge?
________%
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Folie 134
Interaktives
• Konsum
Sie erhalten zusätzlich zu ihrem regelmäßigen Einkommen eine Zahlung von
€ 20.000. Bitte schätzen Sie ab, wie sie diese verwenden werden. Beachten Sie
hierzu die weitere Beschreibung auf Ihrem mobilen Endgerät!
Den folgenden Anteil werde ich für kurzlebige Konsumgüter verwenden,
(Feier, Urlaub, Kleidung)
_______%
Den folgenden Anteil werde ich für langlebige Konsumgüter verwenden,
(Auto, Musikinstrument, Spülmaschine)
_______ %
Den folgenden Anteil werde ich sparen, (Bankkonto, Staatsanleihen,
Aktien)
_______ %
Sonstiges
_______ %
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• Konsumfunktion
Diese positive Rückkopplung lässt sich insbesondere bei den privaten
Haushalten vermuten. Für die Konsumentscheidung können viele
Einflussgrößen relevant sein (Vermögen, Steuerzahlungen, das zu erwartende
Lebenseinkommen …). Im Rahmen der absoluten Einkommenshypothese
von Keynes (1936) wird dem laufenden Einkommen eine zentrale Rolle
zugewiesen:
C = C(Y)
Hierbei wird argumentiert, dass ein Anstieg des Einkommens sowohl zu
einem Anstieg des Konsums als auch einem Anstieg der Ersparnis führt.
• Absolute Einkommenshypothese
In linearisierter Form gilt:
C = a + cY, mit
a>0, autonomer Konsum
c, marginale Konsumquote, mit 0<c<1.
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Wettstreit der Lehrmeinungen
• Kritik der Keynesianischen Konsumfunktion
 Konsum wird nur in ein Verhältnis gesetzt zu einer anderen
endogenen Variablen, nämlich dem Einkommen. Das Einkommen
hängt ab vom Verhalten aller anderen Wirtschaftssubjekte einer
Volkswirtschaft. Damit wird aber eine Zirkularität geschaffen, ohne
eine solide Basis für individuelles Verhalten zu begründen.
 Eine Mikrofundierung erfordert dagegen, menschliches Verhalten als
Optimierungskalkül herzuleiten. Eine solche Herleitung würde
konstatieren, dass Zinsen und das zukünftig erwartete Einkommen
wichtige Bestimmungsgrößen sind. Ein Einfluss des gegenwärtigen
Einkommens wird überschätzt, da beide Größen vom technischen
Fortschritt getrieben werden.
• Zur Verteidigung
 Das Verhalten anderer Wirtschaftssubjekte ist so bestimmend, dass
rationale Erwägungen wie das zukünftige Einkommen nur eine
untergeordnete Rolle spielen. Zinsen sind empirisch unbedeutend als
Bestimmungsgrößen des Konsumverhaltens.
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• Ersparnis
Die private Ersparnis, S, ist die Differenz zwischen Einkommen und privatem
Konsum:
S = Y – C.
Es folgt in linearisierter Form:
S = Y – a – cY = –a + sY; s=1-c
Hierbei ist s die marginale Sparquote (0 < s < 1). Für den einzelnen Haushalt ist
die Ersparnis nun nicht mehr identisch zur Investition, im Gegensatz zum
Wachstumsmodell.
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Folie 138
C,S
S>0
S = -a+(1-c)Y
a
S>0
45°
-a
C = a+cY
Y0
Y1
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Y
Folie 139
• Produktionsplanung
Für die Produktion lässt sich ebenfalls eine positive Rückkopplung vermuten.
Die Produzenten planen die Produktion, Y, kurzfristig in Höhe der
gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, Y=YD. Diese Annahme unterstellt, dass
unterausgelastete Produktionskapazitäten verfügbar sind (Im Gegensatz zu
obigem Cartoon).
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Folie 140
• Überauslastung und Unterauslastung
Sofern zusätzliche Nachfrage auftritt, können Unternehmen die Maschinen
länger laufen lassen und Arbeitskräfte zu Überstunden auffordern. So können
Unternehmen eine zusätzliche Nachfrage befriedigen. Bei fehlender Nachfrage
ergibt sich hingegen Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit sowie eine Unterauslastung der
Kapazitäten.
• Fehlende Preisanpassung
Wir unterstellen dabei, dass eine zusätzliche Nachfrage nicht die Inflation
erhöht. Solche Rückwirkungen werden wir erst später betrachten. Die Inflation
und das Preisniveau sind daher im Rahmen der Modellierung konstant (z.B.
aufgrund von Menukosten).
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Folie 141
• Einkommen
Aus einer erhöhten Produktion entstehen zusätzliche Einkommen, die an die
Haushalte ausgeschüttet werden (von einbehaltenen Gewinnen sehen wir
hierbei ab). Haben die Haushalte daher den Konsum gesteigert, so erhalten sie
auch ein entsprechend höheres Einkommen, mit dem sie den erhöhten Konsum
finanzieren können.
• Investitionen
Auch die Investitionen können von positiver Rückkopplung angetrieben
werden. Hiervon wollen wir hier der Einfachheit halber absehen. Wir
unterstellen stattdessen, dass Investoren in einem vorgegebenen Ausmaß
Investitionsgüter (netto) nachfragen, I=I. Damit lautet die
gesamtwirtschaftliche Nachfrage YD=C+I.
• Reale Planung
Alle Größen wie Konsum und Produktion werden hierbei real geplant. Der
Konsumplan bezieht sich also nicht auf eine nominale €-Größe, sondern auf
(gewichtete) Mengen an Konsumgütern. Eine Verdoppelung des Preisniveaus
würde diesen Konsumplan nicht ändern.
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Das Gütermarktmodell
(1) Y=YD
(2) I=I
(3) C=a+cY
(4) YD=C+I
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Folie 143
• Zusammengefasstes Modell:
Y  C  I  a  cY  I
 Yˆ 
1
1 c
Multiplikator
(a  I )
autonome
Komponenten
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Folie 144
• Geplante Größen
In dem Modell existieren Verhaltenshypothesen über geplante Größen. Diese
sind die Produktion, die Nettoinvestition und der geplante Konsum (Y, I, C).
Bei diesen Größen werden die Pläne auch realisiert.
• Ungeplante Größen
Es gibt aber außerhalb des Gleichgewichts ungeplante Investitionen
(Lagerinvestitionen). Bei dem Ungleichgewicht, Y > YD ergibt sich ein
ungeplanter Lageraufbau. Bei Y < YD folgt ein ungeplanter Lagerabbau. Bei
dieser Größe können Plan und Realisierung also voneinander abweichen.
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Folie 145
Einkommens-Nachfrage-Diagramm
(Keynessches-Kreuz)
Y,YD
C, I
P
IU
YD=C+I
S(Y1)
I
C=a+cY
a+I
I=I
a
45°
Y^
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Y1
Y
Folie 146
• Ersparnis und Investition
Das Gütermarktgleichgewicht lässt sich auch dadurch graphisch abtragen,
dass die gesamtwirtschaftliche Ersparnis der Nettoinvestition
gegenübergestellt wird.
• Für die Ersparnis gilt die Definitionsgleichung
S=Y-C.
• Ferner gilt
Y-C=YD -C=C+I-C=I
• Damit gilt insgesamt die (alternative)
Gleichgewichtsbedingung:
S=I
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Folie 147
S, I
S=-a+sY
P
^
-a
I
Y
Y
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Folie 148
• Störungen des Gleichgewichts
Wie verändert sich das Gleichgewicht als Reaktion auf exogene Störungen?
Hierzu werden zwei Gleichgewichte miteinander verglichen. Ein solcher
Vergleich zweier Ruhezustände wird „komparativ-statische Analyse“
genannt. Wie die Anpassung dabei verläuft, wird dabei nicht behandelt.
• Exogene Änderung der Investitionen
Sofern die Investitionen ansteigen, dI, können wir die Gleichung
Y  1 1  c  ( a  I )
total differenzieren:
dY  1 1  c  da  d I 
• Ceteris Paribus
Sofern sich der autonome Konsum nicht ändert, gilt da=0. Eine solche
Konstanz nicht näher betrachteter Variablen wird als „ceteris paribus“Annahme bezeichnet. Es folgt dann:
dY d I  1 1  c 
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Folie 149
Y,YD,
C, I
P1
YD=a+cY+I1
YD=a+cY+I0
P0
dI
I=I1
dI
I=I0
45°
Y^0
Y^1
dY (>dI)
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Y
Folie 150
• Quasi-dynamische Analyse
Der Multiplikatorprozess kann mit Hilfe einer quasi-dynamischen Analyse
beschrieben werden. Hierfür wird die Anpassung in einzelne
Multiplikatorrunden zerlegt für die angenommen wird, dass die Anpassung
nicht sofort erfolgt, sondern eine gewisse Zeit benötigt. Es ergibt sich dann
folgende Wirkungskette:
I
Y
C
S (Sickerverlust)
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Folie 151
• Darstellung im Kontenrahmen
Einkommenskonto
Produktionskonto
Abschreibungen
Einkommen
Konsum
Konsum
Einkommen
Ersparnis
Investitionen
Vermögensänderungskonto
Investitionen
Abschreibungen
Ersparnis
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Folie 152
• Variation des autonomen Konsums
Eine andere Störung ergibt sich bei einer Variation des autonomen
Konsums. Haushalte könnten die Ersparnis erhöhen durch eine Absenkung
von a. Der Multiplikator hierzu lautet:
dY da  1 1  c 
Dies entspricht einer Verschiebung der Nachfragekurve im EinkommensNachfrage-Diagramm nach unten. Alternativ kann eine Darstellung im S/YDiagramm vorgenommen werden.
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Folie 153
S, I
S=-a1+sY
P1
da < 0
^
Y1
P0
^
S=-a0+sY
I=I
Y
Y0
-da
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Folie 154
• Sparparadoxon
Die Graphik und Berechnung zeigen das sogenannte „Sparparadoxon“: Der
einzelwirtschaftliche Versuch, die Ersparnis zu erhöhen, scheitert im
gesamtwirtschaftlichen Kontext.
• Klugheit des Individuums - Tragödie des Systems
Einzelwirtschaftlich halten wir einen Menschen, der hinreichend spart, für
weise und vorausschauend. In einer Krise wünschen sich viele eine Rückkehr
zu solchen Tugenden. Aber dieses Kalkül verschlimmert die Krise, die
Produktion bricht weiter ein und nicht einmal die Ersparnis nimmt
gesamtwirtschaftlich zu. Dieser Zusammenhang wird auch fallacy of
composition genannt, also der Irrtum, aus der Summe einzelwirtschaftlicher
Kalküle auf makroökonomische Zusammenhänge zu schließen.
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Folie 155
• Ersparnis, Investition und Zins
Bestimmungsgröße für die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist allein die
Investition. Das erstaunliche Ergebnis ist, dass nicht etwa das Zinsniveau zu
einem Gleichgewicht zwischen Investitionen und Ersparnis beiträgt. Eine jede
Investition verschafft sich durch die Multiplikatorrunden die zu ihrer
Durchführung notwendige Ersparnis. Das Inlandsprodukt treibt die Ersparnis
auf die Höhe der durchgeführten Investitionen. Bereits in der ersten
Multiplikatorrunde wird dies erreicht. Alle durch den Multiplikator induzierten
Konsumgüterkäufe übertragen die Ersparnistätigkeit nur auf andere Schultern.
• Es gibt keine Knappheit an Ersparnissen
Dies impliziert, dass Ersparnisse keine Restriktion für die Durchführung von
Investitionen darstellen. Wir können also nicht vermuten, dass eine denkbare
Knappheit an Ersparnissen die Durchführung einer Investition behindern
könnten. Investitionen benötigen keine „vorhandenen“ Ersparnisse, die sich
z.B. in Form von Sparguthaben bei Banken angesammelt haben. Es reicht
vielmehr aus, dass eine Bank eine Bürgschaft für die Durchführung einer
Investition ausstellt. Die Finanzierungsmittel entstehen dann automatisch mit
der Durchführung der Investition.
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Folie 156
• Solidität der Bank oder des Bankensektors
Eine zum Sparparadoxon ähnliche Logik ergibt sich in einer Finanzkrise für
den Bankensektor. Einzelne Banken halten wir für solide, wenn sie relativ zu
ihren teilweise riskanten Anlagen hinreichend Reinvermögen besitzen. Gehen
die Kurse ihrer Anlagen herunter, so vermindert sich ihr Reinvermögen. Daher
sollten sie durch Verkäufe ihre Bilanz verkürzen. Diese Maßnahme hilft aber
nur der einzelnen Bank. Alle anderen Banken werden durch die Verkäufe und
dadurch sinkenden Vermögenspreise noch stärker in die Krise gestürzt. Der
Versuch einzelner Banken, die Risiken ihrer Geschäftstätigkeit durch Verkäufe
von Finanzvermögen zu verringern, scheitert im gesamtwirtschaftlichen
Kontext.
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Folie 157
• Welches sind die wichtigsten Konjunkturindikatoren für
Deutschland?


Der ifo-Geschäftsklimaindex (ifo-GK) beruht auf einer
Befragung des ifo-Instituts (München) von über 7000
Unternehmen in Deutschland, gemäß ihrer Einschätzung der
Geschäftslage sowie nach ihrer Erwartung für die nächsten 6
Monate (ifo-GE).
Die ZEW-Konjunkturerwartungen basieren auf einer Befragung
von 400 Finanzmarktexperten (270 Fachleute von Banken und
50 von Versicherungen, 40 Analysten von
Kapitalanlagegesellschaften und 40 Vertreter von
Industrieunternehmen) des Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung in Mannheim.
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Folie 158


Der Earlybird-Indikator wird seit 2001 in der Wirtschaftswoche
publiziert und seit 1991 von der Commerzbank erstellt. In
diesen Index gehen die folgenden (standardisierten)
Einzelreihen ein:
1) Der kurzfristige Realzins, d.h. 3-Monats-Euribor bereinigt
um den Preisanstieg der Lebenshaltungskosten ohne Energie,
negative Wirkung.
2) Jahresdifferenz des realen Außenwerts einer fiktiven DMark, berechnet von der Deutschen Bundesbank, negative
Wirkung.
3) Der Einkaufsmanagerindex (NAPM) für das verarbeitende
Gewerbe in den USA, positive Wirkung.
Weitere Indikatoren wie der Handelsblatt-Frühindikator oder
der Konjunkturindikator der FAZ berücksichtigen zusätzliche
Größen wie die Einzelhandelsumsätze, den Auftragseingang des
verarbeitenden Gewerbes, den Aktienindex oder die
Entwicklung der Stellenangebote.
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Folie 159

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