Meinungsbetonte Textsorten

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Meinungsbetonte Textsorten
Leitartikel, Kolumne, Kommentar,
Glosse
Leitartikel
• klassische Form des Kommentars
• auf S. 1 oder S. 2 der Zeitung zu finden
• Meinung des Redakteurs zu einem aktuellen
Thema oder Ereignis
• im Einklang mit politischen Linie der Zeitung
• will die Meinung der Leser beeinflussen oder
sie zumindest zum Nachdenken bringen
Kommentar
• Stellungnahme zu aktuellen Ereignissen
• will Zusammenhänge erläutern oder eine Verbindung zwischen
diesen Herstellen
• will auf neue Aspekte hinweisen
• immer subjektiv geschrieben, aus der Sicht des Verfassers
• immer meinungsbildend
• informiert und interpretiert zugleich, formuliert Wertungen
• die Argumentation ist nicht immer logisch, manchmal gibt es
Verfasser nur vor, logisch zu argumentieren, geht aber dabei von
der eigenen Sicht der Dinge, von eigenen Wertvorstellungen oder
auch Vorurteilen aus
• kann auch manipulativ sein
• argumentative Struktur
Arten von Kommentaren
(W. de la Roche)
• Der Argumentations-Kommentar: Wer argumentiert, will andere
überzeugen. Der Journalist vertritt eine Meinung. Im Vordergrund
stehen die Argumentation und die Gründe, warum der Standpunkt
vertretenswert ist oder nicht.
• Der Geradeaus-Kommentar: Je nach Thema und Temperament des
Journalisten wird in dem Kommentar „geradeheraus“ begeistert
gelobt oder verärgert geschimpft. Der Journalist verzichtet auf das
Argumentieren.
• Der Einerseits-andererseits-Kommentar: Bei dieser KommentarForm werden Alternativen abgewägt – das Einerseits und
Andererseits bedacht. Im Vordergrund steht die Gedankenführung
des Journalisten, wenn die Komplexität eines Themas eine klare
Stellungnahme verhindert. Die Botschaft an die Leser lautet: Es gibt
so viel zu bedenken, die Gewichte sind gleich verteilt, ich kann mich
nicht (oder noch nicht) entscheiden
Glosse
• relativ kurz
• überspitzer Kommentar, meist wegen der Argumentation
• muss sich nicht unbedingt mit aktuellen Themen
beschäftigen
• subjektiv
• ironisch
• Nähe zu literarischen Texten – Verwendung von Stilmitteln:
Wortspiel, Metapher, Ironie, Satire, Hyperbel usw.
• stilistisch anspruchsvoll
• will zum Lesen und Nachdenken anregen, aber auch
unterhalten
Aufbau argumentativer Texte
• Überschrift – kurz, selten informativ, sie will die Aufmerksamkeit auf den
Text lenken und zum Lesen anregen. Häufig Wortspiele u.ä.
• These - der eigene Standpunkt wird dargelegt. Die Leser werden zum
Mitdenken aufgefordert, sowohl die Gleichgesinnten als auch die
Andersdenkenden.
• Zusammenfassung - Bezugnahme auf die kommentierte Nachricht oder
das Ereignis. Meist sehr kurz, da Vorwissen vorausgesetzt wird. der
Nachricht oder des Sachverhalts auf die sich der Kommentar bezieht.
Argumentation – Der Verfasser erläutert und begründet seine Meinung.
• Widerlegung gegnerischer Argumente, wenn nötig.
• Schluss, wobei die anfängliche These aufgegriffen wird und die
Folgerungen, Forderungen oder Mahnungen, die sich aus der
Argumentation ergeben haben, dargelegt werden.
• Der Name des Kommentators steht grundsätzlich am Ende des Beitrags.
These
• Urteil des Autors in komprimierter Form.
• Ausgangspunkt ist immer ein neues Ereignis – z.B.
Wahlniederlage/Wahlsieg einer Partei
• Dieses wird in Beziehung gesetzt zu einem bekannten Element
oder einem gültigen Wert:
Die Niederlage / der Sieg ist eine Folge der Ungeeignetheit /
Geeignetheit ihres Spitzenkandidaten.
Jeder Kommentar muss eine These enthalten. Die These sollte
klar und unmissverständlich formuliert sein und eine eindeutige
Entscheidung artikulieren.
Argumenttypen
• Faktenargument – unstrittige, nachweisbare Tatsache
Menschen brauchen Sauerstoff, um zu überleben.
• Autoritätsargument – ein renommierter Experte wird zitiert.
• Normatives (moralisches) Argument – die These wird mit weithin
akzeptierten Wertmaßstäben oder Normen verknüpft
• Analogisierendes Argument: Ein Beispiel aus einem anderen
Lebensbereich, das in seinen Grundzügen
auf den Sachverhalt übertragbar ist. –
Spitzensportler müssen regelmäßig trainieren.  Musiker … üben
• Indirektes Argument: Gegenposition wird entkräftet.
„Die Gegner der Rechtschreibreform behaupten, dass die Schüler mit den
neuen Regeln mehr Fehler machen würden. Neueste Untersuchungen zeigen
jedoch, dass die Fehlerquote seit Einführung um 20 Prozent gesunken ist.“
Argumenttypen
• Empirisches Argument – beruht auf Erfahrung
Alle …, die ich kenne, sind …
• Logisches Argument – beruht auf logischen
Zusammenhängen
• Totschlagargument: A., denen nicht widersprochen werden
kann. - Scheinargumentation
sog. unseriöse oder emotionale Argumente:
argumentum ad baculum – stützt sich auf Befürchtungen
argumentum ad misercordiam - stützt sich auf Mitleid
argumentum ad populum – populistische Argumente, will
Gefühle bei bestimmten Gruppen erregen
Argumentationsmodell von
STEPHEN TOULMIN
Allgemeine Struktur der Argumentation besteht aus sechs logischsemantisch definierten Kategorien:
1. Claim – These, Behauptung  Textthema
2. Grounds (Data) – Argumente, Einzeltatsachen, allgemeine
Gesetze, Regeln, Rechfertigung
3. Warrant – Schlussregel
4. Backing – Aussagen, die die inhaltlichen Standards des
Argumentationsbereichs stützen, Stützung
5. Qualifier – Modaloperator, Wahrscheinlichkeitsgrad von C
6. Rebuttal – Ausnahmebedingungen, die W einschränken
D  deshalb Q, C
wegen W
aufgrund von
B
wenn nicht
R
Hans ist deutscher Staatsbürger. C
Hans wurde in Deutschland geboren. D
Wenn jemand in Deutschland geboren wurde, dann ist er in der
Regel deutscher Staatsbürger. W
aufgrund der folgenden Gesetze ... B
vermutlich, vielleicht Q
z. B. beide Eltern waren Ausländer R
Argumentative Themenentfaltung
C und D – Grundlage von argumentativen Texten
W, B – können auch implizit ausgedrückt werden oder mitgedacht sein,
müssen in der Argumentationsanalyse explizit gemacht werden
Einbettung – Situierung von These und Argumenten, häufig bei
Zeitungskommentaren, z. B. historischer Rückblick, oft auch als B
zu analysieren
Wertbasis – zugrunde liegende Auffassung, wird bei den Lesern als
vorhanden unterstellt, konsensuell präsupponiert, häufig nur implizit
vorhanden
KOMMENTAR vs. NACHRICHT – Prinzip der Subordination
dominierend, kausal, konsekutiv, adversativ vs. Prinzip der
Koordination, kopulativ, koordinierend
Argumentative Themenentfaltung
• Appellative Texte: der Rezipient soll von
etwas überzeugt werden, und ggf. zum
Handeln veranlasst werden
• Normative Texte: Gerichtsurteile
• Informative Texte: Rezensionen,
wissenschaftliche Abhandlung
Kommentar vs. Glosse
Kommentar
Glosse
Länge
nicht zu kurz, abgeschlossen
kürzer als Kommentar
Relation
Oberbegriff
Unterbegriff, zugespitzter
Kommentar
Argumentation
rationale Argumentation
satirische Konstruktion,
Scheinargumentation
Medium
Begriffe
Bilder
Mittel
Analyse, Begründung,
Intepretation
Assoziation, Phantasie, Fiktion,
Ironie, Satire.
Stellungnahme
explizit
implizit
Methode
Herstellung von Zusammenhängen, Erörterung von
Folgen, Wahrscheinlichkeiten
usw.
fingierte Situationen, freier
Umgang mit Zitaten, Missachtung
logischer Gesetze sowie von
Kausalität und Alltagserfahrung.
Funktion
Erklären oder Bewerten
Zum Nachdenken bringen und
unterhalten.

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