Versöhnung - Schori

Report
Versöhnung
Gedanken aus
theologischer und
seelsorgerlichtherapeutischer Sicht
Vergebung und Versöhnung,
eine Abgrenzung
Verzeihen meint, sich etwas zu versagen, den Anspruch auf
Genugtuung oder Rache aufzugeben. Sich zu versöhnen bedeutet,
eine Verfehlung, oder was wir für eine Verfehlung halten, schuldhaftes
Verhalten, nicht mehr übel zu nehmen, sondern zu verzeihen und
darüber hinaus wieder eine vertrauensvolle Verbindung herzustellen,
auch wenn man nicht weiss, ob diese Verfehlung nicht erneut
vorkommen wird. Das ist eine wichtige Voraussetzung. Natürlich hofft
man, dass die Verfehlung nicht wieder geschieht, aber man kann es
nicht wirklich wissen, und man darf es auch nicht wirklich erwarten. Es ist
ein Brückenschlag über einen Abgrund hinweg -und alle wissen um den
Abgrund, lassen aber diesen Abgrund nicht mehr das Leben
bestimmen.
Verena Kast
Versöhntsein ist ein Zustand der bejahenden Integration: Wir sind
Menschen, immer einmal zerfallen mit uns selbst, mit anderen, mit der
Schöpfung, aber immer auch wieder neu einverstanden mit uns selbst,
mit dem Leben als Ganzem, trotz Verlust, Tod und Terror, trotz aller
Widrigkeiten und Schrecken. Es ist gut, so wie es ist, auch wenn es
durchaus besser sein könnte.
Verena Kast
Gott versöhnte die Welt mit
sich selbst
Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und
rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das
Wort von der Versöhnung. Als Botschafter Christi fordern wir euch deshalb
im Namen Gottes auf: Lasst euch mit Gott versöhnen! Wir bitten euch
darum im Auftrag Christi. Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde
war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir von dieser
Schuld frei sind und Menschen werden, die Gott gefallen.
2.Kor.5,19-21
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Vergebung und Versöhnung scheint für Gott ein einziger
Akt gewesen zu sein am Kreuz
Er ist nicht gebunden an Raum und Zeit und weiss, dass
Versöhnung stattfinden wird / stattgefunden hat
Gott fordert uns zu Vergebung/Versöhnung auf und dazu,
andere zu Vergebung/Versöhnung zu ermutigen
Dimensionen der Versöhnung,
die voneinander abhängig sind
Mit Gott und dem
eigenen Schicksal
Mit sich selbst
Mit anderen Menschen
Euer Vater im Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt,
die euch Unrecht getan haben. Wenn ihr ihnen aber nicht vergeben wollt,
dann wird euch Gott eure Schuld auch nicht vergeben.
Matt.6,14f
Hindernisse zur Vergebung
hindern auch Versöhnung
Was Vergebung nicht ist:
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vergessen
Ausdruck von Schwäche und geringer Selbstbehauptung.
meine Ansichten aufzugeben und der anderen Person in
allem Recht geben
die anderen weiter Unrecht tun lassen und aufhöre, mich
zu schützen
ich darf nicht zu meinen Verletzungen stehen
ich muss dem anderen nun sofort voll vertrauen oder mich
unter seine Autorität oder Kontrolle geben
der andere, der (auch) Unrecht getan hat, muss sich nicht
mehr verantworten
Hindernisse zur Vergebung
hindern auch Versöhnung
Was Vergebung ist:
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Vergeben heisst loslassen
Ich will verstehen, was passiert ist und akzeptiere meinen
Anteil an Schuld
Ich will mich nicht von der Vergangenheit kontrollieren
lassen
Die andere Person ist mir nicht verpflichtet
Ich höre auf, mich zu rächen
Ich überlasse die Rache Gott, er wird uns
alle zur Verantwortung ziehen
Vergeben kann einseitig sein
Versöhnung
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Versöhnen heisst: austauschen
z.B. Feindschaft in Freundschaft
Versöhnung kann ich zwar einseitig beginnen. Sie kommt
aber nur vorwärts, wenn alle Beteiligten mitmachen.
Versöhnen heisst, an der Veränderung und Normalisierung
der Beziehung arbeiten.
Versöhnungsvoraussetzungen
und Versöhnungsschritte
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Gewaltfreiheit ist erreicht (verbal und physisch)
Gegenseitige Bereitschaft, Frieden zu finden
Beidseitige Bereitschaft, wo möglich Gerechtigkeit zu suchen
Schuld, Versagen, Fehler werden beiderseits angesprochen
und angemessen eingestanden
Vergebung wird ausgesprochen
Ungerechtigkeiten werden aus dem Weg geräumt
(Wiedergutmachung)
Begegnungen werden vorsichtig angegangen
…… Vertrauen wird trainiert
 Bei Paaren nach Ehebruch („Trauerjahr“, viel Reden und
neu aufbauen…..)
Ein Beispiel für Versöhnungsschritte unter Kapuzinern
Acht Schritte zur Versöhnung, Kapuzinerkloster Neumarkt-Südtirol
Voraussetzung zum Frieden ist die Bereitschaft. Das Wort „Sünde“
kommt von „absondern“. Streit ist Sünde, tut Risse auf und isoliert,
nimmt die Ruhe und kostet die Gesundheit. Wie bei einer Krankheit
reicht es nicht, „alles gut sein lassen“, „ist ja gleich, ist schon recht“.
Versöhnung betrifft Gerechtigkeit - und dann Frieden!
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Wir wollen einerseits Gerechtigkeit suchen, andererseits aber
bereit sein, um des Friedens willen nachzugeben. Wenn der Streit
persönlich geworden ist, also das Sachliche nicht mehr
abstandslos erkannt wird, verzichten wir darauf, ständig die
Vergangenheit hervorzuholen: Wer hat wieweit Recht? Wer muss
sich zuerst entschuldigen? Abstandslos Einzelheiten wiederholen
ohne Ende ist wie vor lauter Bäumen keinen Wald mehr sehen.
Was mich nichts angeht, muss und soll ich nicht beurteilen und
vor allem nicht verurteilen. Wenn etwas nicht mehr zu ändern ist,
wollen wir es liegen lassen, einen Stein drauf tun, und zwar auch
dann, wenn es unfertig ist – solches darf nicht erst im Tode
geschehen.
Ein Beispiel für Versöhnungsschritte unter Kapuzinern
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Wir sind bereit, den Streit sterben zu lassen und ganz neu
anzufangen. Wir wissen aber, dass Versöhnung ein langer Weg
ist. Versöhnung muss langsam und behutsam wachsen. Vor
allem darf der Streit nicht auf die Kinder und Enkel übergehen –
sie haben damit nichts zu tun. Wunden hinterlassen Narben –
aber manchmal Eiter!
Wir werden in alle Zukunft „auf freundlicher Distanz“ bleiben. Wir
vermeiden jede Reibungsfläche. Wir billigen dem anderen guten
Willen zu – auch er leidet am Streit. Ich reinige meine eigene
Seele!
Wir achten darauf, dass wir nicht bei jeder Gelegenheit dem
anderen eins auswischen. Wir versuchen, Sticheleien zu
vermeiden. Vor Drittpersonen wird über das Thema nicht
gesprochen, und unter uns wird nicht geschimpft. Wenn ich
aufgeregt bin, kann ich nicht sachlich bleiben und werde
schweigen. „Wer schreit, hat Unrecht!“
Ein Beispiel für Versöhnungsschritte unter Kapuzinern
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Weil wir überempfindlich sind, werden wir die Antennen unserer
Beobachtung einziehen. Weil wir verwundet sind, reagieren wir
viel zu intensiv – wie beten Gott um ein dickes Fell. Wir tragen ein
Kreuz!
Wir verzichten auf eine feierliche Versöhnung, setzen aber kleine
Zeichen des Friedens, z.B. wir grüßen uns. Unsere Umgebung soll
dies merken – aber auch, dass wir nähere Kontakte vermeiden.
In einem neuen Konfliktfall verhandeln wir über eine geeignete
Mittelsperson. Dies ist nicht sofort der Rechtsanwalt.
Wir wollen jeden Tag um Frieden beten, für uns und für alle.
Quelle: http://www.kapuzinerneumarkt.org/neuigkeiten/meditation/schritte-zur-versohnung/
Wann ist Versöhnung nicht
angezeigt und andere Erfahrungen zum Thema:
Wir tragen zusammen:
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Download unter www.schori-beratungen.ch/downloads.html

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