IWAK - Katholisches Forum Leben in der Illegalität

Report
Oliver Lauxen
Wer arbeitet in Privathaushalten?
Motive und Personengruppen
VIII. Jahrestagung Illegalität
Katholische Akademie in Berlin, 08.03.2012
IWAK
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Zentrum der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Arbeit in Privathaushalten – 2 Segmente
1. Segment
2. Segment
Reinigungsarbeiten,
Kinderbetreuung, Gartenpflege,
Hausmeisterdienste u. a.
Pflege und Betreuung älterer
Pflegebedürftiger
abgrenzbares Tätigkeitsspektrum
sach- und personenbezogene
Tätigkeiten, kaum abgrenzbar
zeitlich begrenzt
permanent
weniger komplex
komplex, anspruchsvoll
(Klienten/innen sind vulnerabel!)
Live-out Arrangements
Live-in Arrangements
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Aktuelle Situation in der häuslichen Pflege
1,62 Mio. Pflegebedürftige werden in ihrer Häuslichkeit versorgt, 1,07 Mio. ohne
professionelle pflegerische Unterstützung (vgl. Pflegestatistik 2009).
In mehr als der Hälfte der Fälle sind Töchter oder Schwiegertöchter die
Hauptpflegepersonen (vgl. Lüdecke et al., 2008).
Angehörigenpflege ist aufwändig und geht oftmals mit enormen Belastungen
einher.
Bezahlbare professionelle Angebote für eine 24h-Pflege fehlen.
Zukünftig wird die Zahl der Pflegebedürftigen ansteigen. Für das Jahr 2030
variieren die Schätzungen zwischen 2,95 und 3,36 Millionen (vgl. SVR, 2009).
Ein Rückgang der Potentiale zur Angehörigenpflege ist zu erwarten.
Lösung (?):
Häusliche Pflegearrangements mit migrantischen Helferinnen
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Häusliche Pflegearrangements mit migrantischen Helferinnen in der
praktischen Ausgestaltung
Pendelmigration
meist irreguläre Beschäftigung
Pflegegeld
unterschiedliche Tätigkeitsbereiche (angelehnt an Zank & Schacke, 2007):
Verrichtungen im Haushalt
Hilfe bei der Körperpflege, bei Toilettengängen und bei Transfers
pflegerische Tätigkeiten wie Injektionen
emotionale Unterstützung
Umgang mit kognitiven Defiziten und Beaufsichtigung (auch nachts)
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Häusliche Pflegearrangements mit migrantischen Helferinnen in der
praktischen Ausgestaltung
prekäre Arbeitsbedingungen und ihre Folgen (vgl. bspw. Gendera, 2007; Karakayali, 2010; Lauxen,
2010a; Lutz, 2009; Metz-Göckel et al., 2006; Schmidt, 2006):
Live-in Arrangements
entgrenzte Arbeitszeiten
Arbeitsabläufe nicht selbst bestimmen können, wenig Handlungsspielräume
eigene Wertvorstellungen unterordnen müssen
eingeschränkte Bewegungsfreiheit, soziale Isolation, psychische Belastungen
Umgang mit dementiell erkrankten Menschen führt zu besonderen Belastungen
Arbeit wird als monoton erlebt
Dequalifizierungserfahrungen
Abgrenzung der Zuständigkeitsbereiche schwierig
Rassismus, Beschimpfungen, Verbote, sexuelle Belästigung
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Häusliche Pflegearrangements mit migrantischen Helferinnen in der
praktischen Ausgestaltung
prekäre Lebensbedingungen und ihre Folgen (vgl. ebd.):
transnationale Mutterschaft
Pendelmigration wird im gesellschaftlichen Diskurs in Polen pathologisiert
schlechtes Gewissen
Wunsch nach mehr Sozialkontakten
Die Angehörigen der Pflegebedürftigen sehen die Belastungen und versuchen, sie
abzufedern durch:
die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten,
das Gewährleisten von freien Zeiten,
die Schaffung von Möglichkeiten, Sozialkontakte zu pflegen,
kleinere Geschenke und Aufmerksamkeiten,
Entgegenkommen bei Aushandlungsprozessen und
Einbindung in die Familie.
(vgl. Lauxen, 2010b)
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Motivation der Migrantinnen
(vgl. Frings, 2010; Gendera, 2007; Karakayali, 2010; Lutz, 2009; Metz-Göckel et al., 2006; Schmidt, 2006; Schmid, 2009):
finanzielle Grundsicherung der Familie im Herkunftsland
spezifische ökonomische Wünsche (z. B. Abzahlen einer Hypothek)
Sichern der Ausbildung von Kindern oder Enkelkindern
Flucht vor beruflicher Perspektivlosigkeit
Arbeit im Privathaushalt als Übergangslösung
Streben nach Unabhängigkeit
Flucht aus beengenden familiären und sozialen Verhältnissen
Aufbessern der Rente
Rumäninnen und Bulgarinnen: Flucht vor ethnischen Konflikten und Rassismus
Entscheidung für Haushaltsarbeit mangels anderer Alternativen
Eine langfristige Übersiedlung nach Deutschland planen die wenigsten Helferinnen.
Die Pendelmigration dient lediglich der Überwindung aktueller ökonomischer und
sozialer Probleme.
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Fazit
Häusliche Pflegearrangements mit migrantischen Helferinnen stellen eine für alle
Beteiligten problematische Lösung dar.
Notwendig ist ein breiter gesellschaftlicher Diskurs über die Situation und die
Zukunft der häuslichen Pflege.
Die Versorgungsstrukturen im ambulanten Bereich müssten ausgebaut werden.
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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www.iwak-frankfurt.de
lauxen@uni-frankfurt.de
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Literatur
Frings, D. (2010) - Die Entwicklung haushaltsnaher Dienstleistungen im Kontext der begrenzten Arbeitnehmerfreizügigkeit für NeuUnionsbürgerinnen. In: Scheiwe, K./ Krawietz, J. (Hg.) – Transnationale Sorgearbeit. Rechtliche Rahmenbedingungen und
gesellschaftliche Praxis. VS-Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden. S. 57-80
Gendera, S. (2007) – ,Transnational Care Space´ Zentraleuropa. Arbeits- und Lebensbedingungen von irregulär beschäftigten Migrantinnen in
der häuslichen Pflege. Diplomarbeit. Universität Wien. Fakultät für Sozialwissenschaften. Wien
Karakayali, J. (2010) – Transnational Haushalten. Biografische Interviews mit care workers aus Osteuropa. VS-Verlag für Sozialwissenschaften.
Wiesbaden
Lauxen, O. (2010a) – Warum arbeiten osteuropäische Pendelmigrantinnen in der häuslichen Pflege in Deutschland? In: Pflegen. Heft 4. S. 3337
Lauxen, O. (2010b) - Häusliche Pflegearrangements mit polnischen Helferinnen aus Sicht der pflegenden Angehörigen. Eine qualitative
Untersuchung. Master-Thesis. Evangelische Fachhochschule Darmstadt. Fachbereich Pflege- und Gesundheitswissenschaften.
Darmstadt
Lüdecke, D./ Mnich, E./ Kofahl, C. (2008) – Characteristics of the Sample. In: Döhner, H./ Kofahl, C./ Lüdecke, D./ Mnich, E. (Hg.) - Family Care
for Older People in Germany. Results from the European Projekt EUROFAMCARE. Lit Verlag. Berlin. S. 107–124
Lutz, H. (2009) – Who Cares? Migrantinnen in der Pflegearbeit in deutschen Privathaushalten. In: Larsen, C./ Joost, A./ Heid, S. (Hg.) - Illegale
Beschäftigung in Europa. Die Situation in Privathaushalten älterer Personen. Rainer Hampp Verlag. München/ Mering. S. 41-50
Metz-Göckel, S./ Koch, A./ Senganata Münst, A. (2006) – Leben in zwei Welten: Zur Pendelmigration polnischer Frauen. In: Zeitschrift für
Frauenforschung & Geschlechterstudien. Jg. 24. Heft 1. S. 51–68
Schmid, T. (2009) – Hausbetreuung - die Legalisierungs-Policy in Österreich. In: Larsen, C./ Joost, A./ Heid, S. (Hg.) - Illegale Beschäftigung in
Europa. Die Situation in Privathaushalten älterer Personen. Rainer Hampp Verlag. München/ Mering. S. 53-78
Schmidt, J. (2006) – Viel Arbeit für wenig Geld? - Frauen aus Osteuropa als Haushaltshilfen in Haushalten mit Pflegebedürftigen. In: Bündnis
90/Die Grünen im Landtag NRW (Hg.) - Haushaltsnahe Dienstleistungen. Herausforderungen und Potenziale für ältere Menschen und
die Beschäftigungspolitik. Dokumentation einer Fachveranstaltung vom 17.02.2006. S. 15-21
SVR (Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen) (2009) – Koordination und Integration Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Sondergutachten 2009. Kurzfassung. Online verfügbar unter
http://www.svr-gesundheit.de/Gutachten/Uebersicht/Kurzfassung09.pdf, zuletzt geprüft am 24.02.2010
Zank, S./ Schacke, C. (2007) – Projekt Längsschnittstudie zur Belastung pflegender Angehöriger von demenziell Erkrankten (LEANDER).
Kurzfassung Abschlussbericht Phase 2: Längsschnittergebnisse der LEANDER Studie. Online verfügbar unter http://www.unisiegen.de/fb2/zank/daten/leander_phase_ii_langbericht.pdf, zuletzt geprüft am 24.02.2010.
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