Europäisches Gemeinwohl* als Ziel europäischer Identitätspraxis?

Report
Universität Bielefeld : Forum Offene Wissenschaft:
„Europäisches Gemeinwohl“ , ein Ziel europäischer
Identitätspraxis?
Konzeptionelle Überlegungen zu Basis, Weg und
Ziel für ein nachhaltiges Integrations-und
Reproduktionsmodell in Europa
Peter Schmitt-Egner
Gliederung des Vortrags :
Einleitung: Vier Ausgangsfragen:
 Die Frage nach dem Ziel der europäischen Integration und ihre
Antworten in historischer und aktueller Perspektive
 Weshalb waren die bisherigen Antworten nicht oder nur
beschränkt zielführend (Verkehrung von Mittel und Zweck)
 Inwiefern ist darüber hinaus eine neue Zielbestimmung der
Europäischen Integration erforderlich , welche den
Problembogen von Herkunft und Zukunft Europas zu erfassen
verspricht?
 Inwieweit kann das Konzept eines „Europäischen
Gemeinwohls“ als Ziel europäischer Identitätspraxis die
Mittel-Zweck-Relation der Europäischen Integration „vom
Kopf auf die Füße“ und Lösungsoptionen bereit stellen?
. „Identität und Gemeinwohl“ im europäischen Kontext
1
•
1.1 Europäische Identität als Produkt und Prozess
1.1.1 Die Identifizierung „Europas“ (Welches Europa? Welche Basis)
1.1.2 Das „Identifiziert Werden“ durch „Europa“ (Zuschreibung von
außen: )
1.1.3 Sich Identifizieren mit „Europa“ (Basis, Weg und Ziel)
1.2 „Gemeinwohl „ als Begriff und allgemeines Konzept
1.2.1 Arbeitsdefinitionen
1.2.2 Parameter eines Gemeinwohlkonzeptes
1.2.3 Zusammenfassung
1.3 Was kann als spezifische Basis eines Europäischen Gemeinwohls
gelten?
1.3.1 Der strukturelle Rahmen eines Europäischen Gemeinwohls:
Horizontale Einheit und vertikale Vielfalt
1.3.2 Die materielle Basis der vertikalen Vielfalt :
die Interessengemeinschaft subnationaler, nationaler und
supranationaler Einheiten und ihr Konfliktpotenzial
1.3.3 Die ideelle Basis der horizontalen Einheit: Freiheitlichdemokratische Grundordnung Europas (FDGE)
1.4 Die nachhaltige Reproduktionsfähigkeit Europas als Ziel einer
Identitätspraxis
2. Mittel und Wege einer europäischen
Identitätspraxis
•
•
2.1 Die Brücke von Zukunft und Herkunft Europas:
Erinnerungsgemeinschaft und Intergeneratives Lernen
(Der Zeitbezug)
2.2 Europa und der Globus: Interkulturelle
Erfahrungsgemeinschaft und sozialer Integrationsraum
durch Transnationales Lernen (Der Raumbezug und das
antike Paradigma)
2.3 Kompetenzkategorien des Gemeinwohls als
zweckadäquate Mittel
2.4 „Europäische Kompetenz“ als Lernprodukt der
Identifizierung mit Europa und Mittel zur
Realisierung eines „Europäischen Gemeinwohls“
3. Die Zielsetzung:
Drei interdependente Ebenen eines Europäischen
Gemeinwohls als nachhaltige Reproduktionsfähigkeit
Europas
3.1. Ökologische Reproduktionsfähigkeit (Bedingung des natürlichen
Lebens)
3.2 Sozialökonomische Reproduktionsfähigkeit (Bedingung der sozialen
Lebenserhaltung und Entfaltung)= kompatibel,(und/oder) komplementär,
und oder synergetisch mit 3.1
3.3 Kulturelle Reproduktionsfähigkeit (Bedingung der Erhaltung und
Entfaltung der FDGE) = kompatibel,(und/oder) komplementär, und (oder)
synergetisch mit 3.1
Zusammenfassung: Basis, Weg und Ziel europäischer
Identitätspraxis (zusammenfassende Grafik)
(Der Vortrag beruht im Wesentlichen auf zwei Publikationen des Referenten: 1. Schmitt-
Egner, Wie ist Europäisches Gemeinwohl erforschbar?, in: Ambrosius/SchmittEgner(Hrsg.): Europäisches Gemeinwohl. Historische Dimension und aktuelle
Bedeutung, Baden-Baden 2006, S.17-68.
2. Schmitt-Egner, Europäische Identität. Ein konzeptioneller Leitfaden zu ihrer Erforschung
und Nutzung, Baden-Baden(Nomos), 2012.)
Einleitung:
1. Die Frage nach dem Ziel der europäischen Integration und
ihre Antworten in historischer und aktueller Perspektive :
• (Auszug aus der Einleitung Schmitt-Egner, „Erkenne Dich selbst Europa“ in
Schmitt-Egner, Europäische Identität, Baden-Baden 2012 S. 15-17)
Antworten zu Frage 1 (Zusammenfassung):
 Frieden (Art.3 Abs.1 EUV)
 Menschen- und Grundrechte (Art.2 , Art.3.Abs.2
EUV ) = Raum der Freiheit der Sicherheit und des
Rechts, Art.6 Abs.1bis 3 EUV, Art.67,Abs.1 AEUV,
Charta der Grundrechte als Teil des Unionsrechts
Art.6 Abs.3 EUV)
 Kohäsion = wirtschaftlicher, sozialer und
territorialer Zusammenhalt (Art.3. Abs.2 EUV,
Art.174 AEUV)= Horizontale Zielsetzung
 „Europäischer Mehrwert“ (Subsidiaritätsprinzip
Art. 5 Abs. 1,und 3EUV) = Vertikale Zielsetzung
2. Weshalb waren die bisherigen Antworten nicht oder nur
beschränkt zielführend?
 Das Integrationsmittel (Wirtschaft) wurde faktisch zum Integrationszweck
transformiert
 Die Fixierung auf eine kapitalistische Marktlogik als übergreifendes
Allheilmittel der Hilfe zur europäischen Selbsthilfe basiert auf
Voraussetzungen, die nur ein kleiner Teil der europäischen Volkswirtschaften
zu erfüllen in der Lage sind.
 Infolgedessen wurde die Mittel-Zweck-Relation faktisch „auf den Kopf
gestellt“
 D.h. das Mittel wurde nur noch formal bzw. deklaratorisch aus dem Zweck
hergeleitet, faktisch dominierte und dominiert nunmehr das Mittel den
Zweck
 „Europa“ legitimiert sich daher tatsächlich nur noch durch seinen
kurzfristigen „wirtschaftlichen Output“
 Damit wurde dem europäischen Bürger ein großer Teil seiner
Identifizierungs-Basis entzogen und dieses „Europa“ nur noch zur
Legitimierung nationalen und ökonomischen Eigenwohls benutzt
Frage 3 Neubestimmung des Ziels?
 Ist notwendig, da die bisherige Zielsetzung, weder die
„Nachhaltigkeit“ als umfassende und übergreifende
Problemstellung von Herkunft und Zukunft nur marginal
berücksichtigt,
 noch ist sie in der Lage, den neuen transnationalen
Herausforderungen (Globalisierung, Migration und
Modernisierung) gerecht zu werden,
 Ebenso bleibt das Verhältnis von nationalem Eigenwohl und
europäischem Gemeinwohl ungelöst
3. Inwieweit kann das Konzept eines „Europäischen Gemeinwohls“ als Ziel
europäischer Identitätspraxis die Mittel-Zweck-Relation der Europäischen
Integration „vom Kopf auf die Füße“ und Lösungsoptionen bereit stellen?
 „Wettbewerbsfähigkeit“ und „quantitatives Wachstum“ werden nicht mehr als




allgemeiner Zweck der Integration begriffen, sondern sind zu überprüfen, ob sie noch
als wirksame Mittel gelten können, die Reproduktionsfähigkeit Europas langfristig zu
erhalten, zu steuern und zu entwickeln.
Kurzfristige Ziele (z.B. Konjunkturzyklen) sind nur noch legitim, insoweit sie
langfristige Zielbestimmungen fördern
Letztere erfordern den Einsatz zusätzlich Mittel und innovativer Wege zu ihrer
Realisierung, welche bloßes europäisches Krisenmanagement transzendiert und in
normalen Politikzyklen nicht mehr zu bewältigen ist (Zeitbezug).
Global denken, aber europäisch handeln ist notwendig, weil zwischen der nationalen
(zu klein) und der globalen Ebene(zu groß) die Realisierungschancen noch am
schnellsten zu erreichen sind.(Raumbezug)
Weil der Modellcharakter Europas sich daran zeigt, inwiefern eine industrialisierte
und rohstoffarme Weltregion in der Lage sein kann, ihre ökologische, soziale und
ideelle Reproduktionsfähigkeit auch noch am Ende des 21. Jahrhunderts erhalten,
steuern und entwickeln zu können.
Warum Gemeinwohl als Ziel einer Identitätspraxis?
Ausgangsthesen:
 Weil diese Ziele nicht allein durch die Politik (Top-down-Akteure) sondern
nur durch die aktive Unterstützung und Gestaltung der europäischen
Gesellschaften und ihrer Bürger(Bottom up-Akteure) erreicht werden kann
 Für diesen aktiven Einsatz genügt weder ein moralischer Apell zur Solidarität
mit den „schwächeren“ Mitgliedern noch der Irrweg, eine wirksame Hilfe zur
Selbsthilfe als Basis des Zusammenhalts könne durch den
Verteilungsmechanismus einer uferlosen Transferunion hergestellt werden.
 Die kognitiven, emotionalen und politischen Energien sind nur durch die
Identifizierung mit einem übergreifenden Ziel zu mobilisieren, welches das
nationale und subnationale (lokale, regionale) Eigenwohl mit dem
Europäischen Gemeinwohl kompatibel, komplementär oder gar synergetisch
macht.
 Weil dieses Ziel von europäischer Identitätspraxis, seine Basis, sowie seine
Mittel und Wege nur sich nur in vagen und widersprüchlichen
Kompromissen der europäischen Akteure wiederfindet, ist es zunächst
erforderlich, die Begriffe „Identität“ und „ Gemeinwohl“ im europäischen
Kontext zu definieren und ihre konzeptionellen Konturen konkreter zu
bestimmen
1. Europäische Identität als Produkt dreier Prozesse
1.1 Die Identifizierung „Europas“ : Welches Europa?
 Das politische Europa (1) der Nationalstaaten (Europa der
Nationen)
 Das politische Europa der Regionen(2) (CoR d.EU, Reg.K.des Er
VRE)
 Das politische Europa der europäischen Organisationen(3) :
EU(27),Europarat (47), OSZE (56).
 Das materielle Europa als Wirtschafts-und
Interessengemeinschaft (WWU, Binnenmarkt, ZBS, Euro, EWR)
 Das soziale Europa als Solidargemeinschaft(Eur. Sozialcharta)
 Das kulturelle Europa (1) als Erinnerungsgemeinschaft (EU/ER)
 Das kulturelle Europa (2) als Wertegemeinschaft (EU,ER)
 Das kulturelle Europa (3) als Normengemeinschaft ( nur EU
aufgrund der Supranationalität)
1.2 Das „Identifiziert Werden“ durch „Europa“:
Zuschreibung von außen: Welches Europa wird von wem wie
wahrgenommen?
 Welches Europa ist Objekt der Zuschreibung?
 Wer schreibt zu ? (außereuropäische Subjekte)
 Wie fällt das Zuschreibungsprodukt aus? (positiv , negativ
neutral)
 Auf welche Informationsquellen stützt sich der
Zuschreibungsprozess?
 Inwieweit ist das Produkt der Fremdzuschreibung
kompatibel oder inkompatibel zur Selbstzuschreibung des
Zuschreibungsobjektes?
1.3 Sich Identifizieren mit „Europa“ (Basis, Weg und Ziel)
 Sich Identifizieren mit welchem „Europa?“(siehe 1.1)
 Wer identifiziert sich mit welchem Europa ( Subjekte
/Akteure)?
 Wie setzt sich dieser Identifizierungsprozess als politische
Praxis um (Handlung und Wirkung)
 Wie wirkt sich das Verhältnis von Eigenwohl und
Gemeinwohl in diesem Identifizierungsprozess aus?
 Dies erfordert die verwendeten Begriffe zu definieren und
ihr konzeptionelles Verhältnis konkreter zu bestimmen
2 .„Gemeinwohl „als Begriff und allgemeines Konzept
2.1 Allgemeine Arbeitsdefinition:
Danach richtet sich ein dynamisches Gemeinwohlkonzept auf das Ziel
„die materielle und immaterielle Reproduktionsfähigkeit eines
Gemeinwesens und seiner Mitglieder nachhaltig zu erhalten,
zu steuern und zu entwickeln, ohne dabei die
Reproduktionsfähigkeit anderer Gemeinwesen (und deren
Mitglieder) zu behindern oder gar zu gefährden“ (SchmittEgner 2006: 26).
Die Definition enthält vier Grundelemente:
 das Ziel (Reproduktion),
 Subjekt und Adressat (Gemeinwesen), sowie
 der zeitliche und
 räumliche Kontext seiner Realisierung
Gemeinwesen im engeren Sinn =

eine territoriale Handlungseinheit
. „die normativ verfasst und durch kollektive Institutionen
repräsentiert ist, deren Legitimität auf Zustimmung der
Regierten und der Verpflichtung basiert, grundsätzlich
Gemeinwohl-orientierte Entscheidungen zu treffen und für
ihre Implementierung zu sorgen.“ (Schmitt-Egner 2006: 26)
 Erst damit wird Gemeinwohl zur Legitimitätsquelle von Politik
schlechthin. Wie in jedem Gemeinwohlbegriff so besteht auch
in diesem ein interaktives Spannungsverhältnis zwischen dem
Gemeinwohl eines Gemeinwesens und dem Eigenwohl ihrer
Mitglieder.“(Schmitt-Egner Ebenda, S. 26).
2.2 Dynamische Parameter oder Prinzipien, die ein
interaktives Gemeinwohlkonzept begründen
(nach Schmitt-Egner 2006: )
 die Institutionen und Strukturen des Gemeinwohls (GW) sollen jeden
einzelnen in ihrem Geltungsraum ermöglichen und befähigen,
Produzent seines Eigenwohls zu werden,
 sie sollen jeden, der zeitlich begrenzt oder auf Dauer nicht befähigt ist,
Produzent seines Eigenwohls zu werden, berechtigen, Konsument des
Gemeinwohls zu werden,
 die Strukturen und Institutionen des GW sollen möglichst jeden, der zur
Produktion seines Eigenwohls befähigt ist, verpflichten, zur Distribution
und Produktion des GW beizutragen (z.B. Steuern und Abgaben). Das
Ausmaß der Verpflichtung richtet nach dem Grad der Befähigung“.
(Schmitt-Egner 2006:28).
 Neben den materiellen, sollen die immateriellen Determinanten des
GWs so angelegt sein, dass sie nicht nur jeden verpflichten, sondern
möglichst viele zur Ausbildung eines Gemeinsinns motivieren, „ um
freiwillig zu Produzenten des GWs zu werden“ (Ebenda:28).
2.3 Zusammenfassung: zentrale Spannungsfelder, die
jedes „zukunftsfähige“ Gemeinwohlkonzept prägen:
 Das Spannungsverhältnis von Gemeinwohl (GW) und
Eigenwohl,(EW)
 Der „Nachhaltigkeits-Bezug“ als Indikator ihrer
Zeitdimension: Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft
 Der interaktive Bezug auf Gemeinwohlsysteme
anderer territoriale Handlungseinheiten
als Indikator der Raumdimension; intern-extern
 Der „subjektive“ Faktor des Gemeinsinns als
Bewusstseinsform des GWs
1.3 Was kann als spezifische Basis eines Europäischen
Gemeinwohls gelten?
• 1.3.1 Der strukturelle Rahmen eines Europäischen Gemeinwohls:
 Supranationale Handlungseinheit (polity, politics, policy),welche die
horizontalen Grenzen eines europäischen Gemeinwesens als
transnationalen Rechts-und Handlungsraum in Differenz zu anderen
Handlungsräumen kennzeichnen
 Vertikale Vielfalt subnationaler (d.h. regionaler und lokaler) und
nationaler Handlungseinheiten bzw. Gemeinwesen als Mitglieder und
Akteure dieser supranationalen Einheit (Top down)
 Die horizontale Interaktion zwischen den nationalen Gemeinwesen
(Mitgliedsstaaten) als Kooperations-und/oder Konfliktpotenzial
 Die vertikale Interaktion zwischen subnationalen, nationalen und
supranationalen Gemeinwesen und ihren Akteuren (Bottom up).
1.3.2 Das materielle Spannungs-Verhältnis von horizontaler
Einheit und vertikalen Vielfalt : Eigenwohl und Gemeinwohl
 Durch die spezielle supranationale Struktur als vertikales
Spannungsfeld von nationalen Eigenwohl und
supranationalem Gemeinwohl
 Durch das horizontale Spannungsfeld von europäischem
Eigenwohl und außereuropäischem Gemeinwohl (Einheit
durch Differenz).
 Die materielle Spannung von intergenerativer Zeitperspektive
und transnationaler Raumperspektive
1.3.3 Die ideelle Interaktions-Basis von horizontaler Einheit und
vertikaler Vielfalt als Gemeinwohlorientiertes
Innovationspotenzial und Programm einer europäischen
Identitätspraxis
 Der ideelle Rahmen der Identitätspraxis = die Freiheitlich –
demokratische Grundordnung Europas (FDGE) /
 Prozesse europäischer Identitätspraxis: Europa als Erinnerungs-und
soziale Erfahrungsgemeinschaft
 Mittel und Wege europäischer Identitätspraxis: intergeneratives
(Zeitbezug) und transnationales Lernen (Raumbezug),
 Lernprodukte europäischer Identitätspraxis: Europäische
Kompetenz
 Gemeinwohltaugliche Prozesse: Europa als Kommunikations-und
Verantwortungsgemeinschaft
 Gemeinwohltaugliches Produkt: Europa als nachhaltiges
Reproduktionsmodell
Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung Europas(FDGE)
(1) Idee der Menschen-, Bürger- sowie individuellen Freiheits- und
Gleichheitsrechte, die justiziabel und vom Staat zu schützen sind;
(2) Herrschaft des auf (1) begründeten Rechts, verkörpert durch eine
(geschriebene oder ungeschriebene) Verfassung, deren Normen der
Staat und alle seine Organe verpflichtet sind (Rechtsstaat);
(3) Demokratische Legitimität der Organe durch freie, gleiche und geheime
Wahl, d.h. Machtverteilung von unten nach oben und Machtbegrenzung
durch Zeit;
(4) Volkssouveränität (Rousseau);
(5) Gewaltenteilung (Montesquieu);
(6) Säkularisierung: Trennung von Kirche und Staat, Neutralität des Staates
hinsichtlich religiöser und weltanschaulicher Institutionen und religiöser
Praxis (Aufklärung allgemein).
( Quelle :Schmitt-Egner, 2012: 238 auf Basis von http://www.lehrerverband.de/eubil. htm).
Der Rechtsrahmen der FDGE
1. Europäische Union 27 Staaten:
 Menschen- und Grundrechte (Art.2 , Art.3. Abs.2 EUV )
 Raum der Freiheit der Sicherheit und des Rechts, Art.6 Abs.1bis 3 EUV,
Art.67,Abs.1 AEUV,
 Charta der Grundrechte als Teil des Unionsrechts Art.6 Abs.3 EUV)
 EMRK = bindender Teil des Unionsrechts
2. Europarat 47 Staaten:
 EMRK als bindender Teil des Internationalen Rechts
 Charta der Minderheitenrechte etc.
3. OSZE 57 Staaten:
 Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte (BDIMR, mit
der englischen Abkürzung ODIHR bezeichnet) ist die „Hauptinstitution der
Menschlichen Dimension“ (Korb III) der OSZE.
2. Wege und Mittel einer europäischen
Identitätspraxis
2.1 Die Brücke von Zukunft und Herkunft Europas:
Erinnerungsgemeinschaft und Intergeneratives Lernen
(Der Zeitbezug)
2.2 Europa und der Globus: Interkulturelle
Erfahrungsgemeinschaft und sozialer Integrationsraum
durch Transnationales Lernen (Der Raumbezug) : das
antike Paradigma Auszug Schmitt-Egner 2012:257f
2.2.3 Kompetenzkategorien des Gemeinwohls als zweckadäquate
Mittel
Kompetenzkategorien des Gemeinwohls (GW) und Gemeinsinns (GS)
im Verhältnis zum Eigenwohl (EW)
GWo -Ausbildung
GSo- Bildung 1
GWo Bildung 2
EW-GW
Fach-Kompetenz
Schlüssel-Kompetenz
System-Kompetenz
Parameter:
Wissenschaftlich- technologische
Kompetenz
Intergenerative
Kompetenz
Allgemeine
Reproduktions-Kompetenz.
Politisch-Administrative Kompetenz
Politisch-Soziale IntegrationsKompetenz
Kollektive (Politische) SystemKompetenz
Kompatibel
Komplementär
synergetisch
Kompatibel
Komplementär
synergetisch
Technisch-ökonomische-handwerkliche Funktionale Kompetenz.
Kompetenz
Materielle (Ökonomische)
System-Kompetenz.
Kompatibel
Komplementär
synergetisch
Allg. Kulturelle Kompetenz
Transnationale/
Interkulturelle Kompetenz
Immaterielle ReproduktionsKompetenz
Spezielle Künstlerisch-Ästhetische
Kompetenz.
Wahrnehmungs-kognitiv-emotionale
Kompetenz.
Vertiefende
Wahrnehmungs-Kompetenz des
GS
Kompatibel
Komplementär
synergetisch
Kompatibel
Komplementär
synergetisch
Mediale Kompetenz
Multimediale Kompetenz K.
Informationelle VerbreitungsKompetenz des GS
Peter Schmitt-Egner © 2012/13
Kompatibel
Komplementär
synergetisch
2.4 „Europäische Kompetenz“ als Lernprodukt der
Identifizierung mit Europa und Mittel zur
Realisierung eines „Europäischen Gemeinwohls“
 Erst durch das Zusammenspiel dieser Kompetenzkategorien und seine
Anwendung auf Europa können wir eine „Europäische Kompetenz“ als
Lernprodukt, materielle Kraft und strategisches Mittel erfassen.
 Zusammenfassend lässt sich daher diese „Europäische Kompetenz“ wie
folgt definieren: Wir verstehen darunter
die Fähigkeit Europas, bzw. seiner Akteure die Europäische Integration
als Feld transnationalen und intergenerativen Lernens zu nutzen, um
durch interne und externe (globale) Interaktion komplementäre oder gar
synergetische Kompetenzen zur Realisierung eines Europäischen
Gemeinwohls (EGW) zu erzeugen, ohne die Erzeugung außereuropäischer
Gemeinwohlprojekte zu behindern oder gar zu gefährden.
Europäische Kompetenz setzt sich demnach aus folgenden Bausteinen
zusammen:
 Ein gemeinwohlorientiertes Innovationspotential einer nationalen bzw.
subnationalen Handlungseinheit oder eines transnationalen
Handlungsraums bzw. seiner Akteure, welches geeignet ist, die
nachhaltige Reproduktionsfähigkeit Europas zu erhalten, zu steuern oder
zu entwickeln.
 Dieses Potenzial kann sich sowohl auf die materielle wie immaterielle
Reproduktionsebene beziehen als kompatibles, komplementäres oder gar
synergetisches Mittel.
 Dieses Potential sollte mindestens kompatibel mit internen (nationalen
und subnationalen) und externen (nicht-europäischen)
Gemeinwohlsystemen sein.
 Es ist umso nachhaltiger, je stärker seine interne und externe Wirkung
durch seine komplementäre und synergetische Ausrichtung steigt.
 Die Stärke dieser Wirkung ist abhängig von den Effekten intergenerativer
(diachroner) und transnationaler (synchroner) Lernprozesse.
3. Die Identifizierung mit dem Ziel: Europäisches
Gemeinwohl als nachhaltige
Reproduktionsfähigkeit
3.1 : Die Hierarchie der Zielorientierungen:
Kompatibilität, Komplementarität, Synergie
3.2 Die Priorität der Zielbestimmungen:
3.2.1 Ökologische Reproduktionsfähigkeit Europas
(Bedingung des Lebens)
3.2.2 Ideelle Reproduktionsfähigkeit Europas
(Gemeinsinn orientierte Werte = Freiheit/Gleichheit)
3.2.3 Materielle Reproduktionsfähigkeit Europas
(GW orientierte Wirtschaft-Wissenschaft und
Gesellschaft)
Zusammenfassung: Basis, Weg und Ziel europäischer
Identitätspraxis
Zusammenfassende Grafik

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